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  Gedichte  -  Bruno Wille 1860-1928
Ann
BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:14  Neue Antwort erstellen
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Bruno Wille 1860-1928
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Der Mohnkopf

Im herben Wind am Dornenzaun
Bei toten, raschelnden Ranken,
Verödet muss dies Greisenhaupt
Die trüben Tage durchwanken -

Und aschendürr und aschenfahl,
Von Gram gebeugt, hinab
Zur wüsten Erde starren:
Du meiner Hoffnung Grab!

Ach wohl, im Sommer, als flammend heiß
Im Blauen die Sonne stand,
Da war von üppigen Träumen
Mein jugendlich Haupt entbrannt.

Ich loderte glutig und dünkte mich selbst
Solch herrlicher Flammenbronnen
Und wollt im Herbste Garten und Flur
Besäen mit roten Sonnen.

Doch als er kam, der Herbst - da ward
Ich zage wie welkend Laub.
Und als ich neigte mein Haupt zur Saat,
Da war manch Körnlein taub.

Und etliches fiel auf dürr Gestein;
Der Vogel hat es gepickt.
Und etliches wird, wenn es keimt, zertreten
Oder von Dornen erstickt.

Und etliches hat der barsche Sturm
Geschleudert, weiß nicht wohin;
Auch den vermessenen Jugendtraum
Gezaust mir aus dem Sinn.

Nun steh ich hier am Dornenzaun
Bei toten, raschelnden Ranken
Und muss mit ödem Greisenhaupt
Die trüben Tage durchwanken...

O Jugend, du fliegst kühn und rasch,
So wie die Schwalbe schnellt.
Doch gleich der Schnecke träge schleicht
In Ewigkeit die Welt.
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:15  Neue Antwort erstellen
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Bruno Wille 1860-1928
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Arme Leute

Bei düstern Heidekiefern
Stehn spärlich magre Ähren,
Sie saugen an dürrem Sande,
Verzweifelnd, sich zu nähren.

Da kauert ein lehmig Häuschen
Mit Düngerhaufen und Karren.
Kläglich meckert die Ziege,
Und struppige Hühnchen scharren.

Aus der Türe humpelt ein krummer
Kleinbauer, empor zu spähen
Zur bleiern schleichenden Wolke,
Zu hungrig krächzenden Krähen.

Nur karge Mitleidszähren
Vermag die Wolke zu schenken;
Dann schleicht sie trübe weiter,
Ohne Kraft, zu tränken.

Selber arm und traurig,
Folg ich der weinenden Wolke
Und denk an arme Leute
Und leide mit meinem Volke.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:16  Neue Antwort erstellen
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Bruno Wille 1860-1928
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Einsamer Baum

Zersplissen ist mein Haupt
Von schwarzem Wolkenwetter;
Herbstwind und Regen raubt
Die abgestorbenen Blätter:
So rag' ich ganz allein
Aus ödem Heidekraut
Und träume von dem Hain,
Der weit verloren blaut.

Oft, wenn mit grimmer Wucht
Mich packt ein nächtlich Brausen,
Raff ich mit jähem Grausen
Zusammen mich zur Flucht;
Doch halten zähe Schollen
Mich an den Wurzeln fest.-
Da steh' ich nun mit Grollen,
Wild schüttelnd mein Geäst...
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:17  Neue Antwort erstellen
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Ich bleibe

Durch die Nacht mit dumpfem Rauschen
Treibt vorbei des Stromes Wut;
Und mit träumerischem Lauschen
Starr ich auf die dunkle Flut.
Schattenhafte Kähne wallen
Mir vorbei, in Nacht hinein;
Liebe Stimmen, sie verhallen,
Und die Strömung tönt allein.

Ödes Schweigen, banges Dunkel!
Schmerzlich irrt mein Blick empor.
Da erblüht mit Trostgefunkel
Ein Gestirn dem Wolkenflor.
"Sieh, ich bleibe!" winkt sein Auge -
Und die bange Seele zieht
Auf zu diesem treuen Auge,
Wie ein Kind zur Mutter flieht.

Wenn dereinst des Todes Grauen
Dieses Herz umspült und bricht,
Lass noch einmal dich erschauen
Über Wassern, süßes Licht!
Bis den letzten Liebesfunken,
Der aus meinem Auge scheint,
Deine Blicke aufgetrunken
Und dem Sternenglanz vereint.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:19  Neue Antwort erstellen
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Im Sommerwinde

Es wogt die laue Sommerluft.
Wacholderbüsche, Brombeerranken
Und Adlerfarren nicken, wanken.
Die struppigen Kiefernhäupter schwanken;
Rehbraune Äste knarren.
Von ihren zarten, schlanken,
Lichtgrünen Schossen stäubt
Der harzige Duft,
Und die weiche Luft
Wallt hin wie betäubt.

Auf einmal tut sich lächelnd auf
Die freie sonnige Welt:
Weithin blendendes Himmelblau;
Weithin heitre Wolken zu Hauf;
Weithin wogendes Ährenfeld
Und grüne grüne Auen...
Hier an Kiefernwaldes Saum
Will ich weilen, will ich schauen -
Unter zartem Akazienbaum,
Der vom muntern Wind gerüttelt
Süße Blütentrauben schüttelt.

O Roggenhalme hin und her gebogen!
Wie sanft sie flüstern, wie sie endlos wogen
Zu blau verschwommenen Fernen!
Schon neigen sich und kernen
Viel Häupter silbergrün.
Andre blühn,
Duftend wie frisches Brot.
Dazwischen glühn
Mohnblumen flammenrot
Bei dunkelblauen Cyanen...

Und droben wallen
Durch lichtes Blau
Wolkenballen,
Gebirgen gleich,
Halb golden und halb grau.
Frau Sonne spreitet
Den Strahlenfächer von Silberseide
Zur Erde nieder;
Dann taucht sie wieder
Aus schneeigem Wolkenkleide
Blendende Glieder
Und blitzt und sprüht
Verklärend Goldgefunkel
Auf Auen, wo lachend blüht
Vergissmeinnicht und gelbe Ranunkel
Und Sauerampfer ziegelrot...

O du sausender brausender Wogewind!
Wie Freiheitsjubel, wie Orgelchor
Umrauschest du mein durstig Ohr;
Du kühlst mein Haupt, umspülst die Gewandung,
Wie den Küstenfelsen die schäumende Brandung -
O du sausender brausender Wogewind!
Nun ebbest du, so weich, so lind -
Ein Säuseln, Lispeln, Fächeln.
Bestrickte dich ein Sonnenlächeln?
Auch dein Gesäusel stirbt;
Dann - lauschige Stille.
Nur noch die Grille
Dengelt und zirpt
Im Erlengebüsch, wo das Wässerlein träumt,
Von Lilien gelb umsäumt.
Ins Blaue weltverloren girrt
Inbrünstig die Lerche - schwirrt
Taumlig vor Wonne
Zu Wolken und Sonne
Und girrt und girrt.

Da wird mir leicht, so federleicht;
Die dumpfig alte Beklemmung weicht.
All meine Unrast, alle wirren
Gedanken sind im Lerchengirren,
Im süßen Jubelmeer ertrunken.
Versunken
Die Stadt mit Staub und wüstem Schwindel;
Versunken
Das Menschengesindel;
Begraben der Unrat, tief versenkt
Hinter blauendem Hügel,
Dort wo hurtige Flügel
Die emsige *ühle schwenkt...

Friede, Friede
Im Lerchenliede,
In Windeswogen,
In Ährenwogen!
Unendliche Ruhe
Am umfassenden Himmelsbogen!

Weißt du, sinnende Seele,
Was selig macht?
Unendliche Ruhe!
Nun bist du aufgewacht
Zu heitrer Weisheit.
Gestern durchwühlte dein Herz ein Wurm,
Und heute lacht
Das freie Herz in den Sommersturm...

Friede, Friede
Im Lerchenliede,
In Windeswogen,
In Ährenwogen!
Unendliche Ruhe
Am umfassenden Himmelsbogen!
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:19  Neue Antwort erstellen
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Seelenlos

Sie sagen, du hast keine Seele,
Arm bleiche Birkenmaid.
Du kauerst starr und stumm
Auf düster struppiger Heid.

Du kauerst in der Öde,
Ein ausgestoßen Kind.
Dein Haargezweige zaust
Der raue *ärzenwind.

Sein *ürrisch Brausen wogt
Durch Heidekraut und Ginster.
Ins weite Nebelgrau
Pilgern Wolken finster.

Eine Krähe treibt im Sturm
Taumelig vorbei;
Heiser und erstickt
Ihr grimmer Klageschrei...

Kein Bettelkind, o Birke,
Ist also arm und bloß;
Es hat eine Seele, zu weinen -
Dich heißen sie seelenlos.

Und doch, in tiefer Öde
Spürst du die hohe Trauer
Als Seelenfrösteln süß,
Wollüstig kühlen Schauer.

Du kauerst starr und stumm
Auf düster struppiger Heid.
Sie sagen, du hast keine Seele,
Arm bleiche Birkenmaid.
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:21  Neue Antwort erstellen
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Sternlose Nacht

Gewölk hat umgebracht
Den letzten Sternenfunken;
In rabenschwarze Nacht
Ist Fels und Tann versunken.

Ich bin ein Erlenstumpf,
Dran bleicher Moder glimmert,
Ein gärend fauler Sumpf,
Wo scheu das Irrlicht flimmert.

Unheimlich düstre Welt,
Du Tummelplatz für Toren!
Bin gänzlich unbestellt
In dich hineingeboren.

Sag an, was hast du für
Mit deinem bangen Kinde?
Und hast du keine Tür,
Wo ich den Ausgang finde?

Gewölk hat umgebracht
Den letzten Sternenfunken;
In rabenschwarze Nacht
Ist Fels und Tann versunken.

Mein Leben schäumend rann,
Ein Sturzbach zwischen Steinen.
Was ich dabei gewann?
O bitter *öcht' ich weinen!

Einst ward ich schmuck und neu
Als Menschlein eingekleidet.
Doch alles Fleisch ist Heu,
Und horch, die Sense schneidet.

Ach wohl, die Jugend reicht
Den süßen Taumelbecher.
Doch Rausch und Minne weicht,
Und Reue weckt den Zecher.

Um jeden Bissen Brot
Muss hart der Froner schanzen;
Sonst hockt die hagre Not
Auf seinem leeren Ranzen.

Mach dich nicht gar zu breit,
Du Herr im güldnen Hause!
Ohn End ist Ewigkeit,
Und schmal die letzte Klause.

Poch nicht auf Ehr und Zier!
Fortuna hat's geliehen.
Der Hobler wird auch dir
Ein Linnenkleid anziehen,

Zum Pfühle untern Kopf
Zwei Handvoll Späne schieben...
Nun denke nach, du Tropf,
Wie närrisch du's getrieben!

Gewölk hat umgebracht
Den letzten Sternenfunken;
In rabenschwarze Nacht
Ist Fels und Tann versunken.

Und wie ich ratlos bang
Ins dunkle Rätsel staune,
Horch, sanfter Wiegensang,
Ein wogend Waldgeraune:

"Nur stille, Menschenkind!
Was helfen deine Sorgen?
Die Augen schließe lind!
Derweilen wächst das Morgen."

Die Nacht hat ihren Tau,
Auf dass der Maien blühe,
Und aus dem Wolkengrau
Entsprießt die Purpurfrühe.

Soll nicht der Sagenstein,
Wo wüste Tannen dunkeln,
Ein Königspalast sein
Und einst entzaubert funkeln?

Zuvor im Puppenkleid,
Will diese trübe Erden
Am Glanz der Ewigkeit
Ein Himmelsfalter werden.

Und ob die Wolke hüllt
Den letzten Sternenfunken,
Dein Traum wird noch erfüllt:
Du schaust - von Sternen trunken.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:22  Neue Antwort erstellen
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Stimme der Mutter

Lag ich als Kind
Schlaflos, ängstlich,
Sang die Mutter
Mit sanfter Stimme,
Bis der Schlummer
Die träumenden Augen
Leise mir schloss.-

Längst verklangen
Die Wiegenlieder;
Wuchs der Mutter
Über den Kopf...
Wer singt heut' mir
Tröstliche Lieder?

Das bist du,
Hehre Stimme
Im Gebrause
Des Frühlingssturmes
Und im Flüstern
Fallenden Regens.

Lauschen will ich und liegen
Wie ein Wiegekind;
Singe, treue Mutter,
Schläf're dein banges Kind!
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:23  Neue Antwort erstellen
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Wolke

Vom Riesenfelsen,
Wolke, niederzieh!
Schlag dein Gewand
Um mich her und flieh!

Zu rauen Höhen
Trage mich empor,
Wohin des Menschen
Wort sich nie verlor.

Wie scheut die wunde
Seele diesen Laut!
Wie rollt mein Auge,
Wenn es Menschen schaut!

Doch Fels und Wolke
Sind mein stummer Trost;
Erhabne Lieder
Hör ich sturmumtost.

Beruhigt lieg ich,
Wo der Gießbach rauscht;
Ein Seelenkranker
So dem Freunde lauscht.

Von grüner Matte
Zeigt das goldne Licht
Des fernen Landes
Lächelnd Angesicht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:34  Neue Antwort erstellen
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Alles um Liebe

Vorbei! Die Stunden wandern;
Ins Schattenreich entschwebt
Der eine Tag zum andern ...
O Herz, heißt das gelebt?

Noch blüht ihr, letzte Rosen,
Vom Abendstrahl umloht;
Mit kalter Hand zu kosen,
Kommt diese Nacht der Tod.

Der Garten wird verschneien ..
Dann fragt ein Seufzen schwer:
Warum nur blieb im Maien
Dies Herz von Liebe leer?

Mein Leben geb ich gerne
Um Kuß und zärtlich Wort.
Und bleibt die Liebe ferne,
Ich werf es achtlos fort.

Mag Stund auf Stunde rinnen;
Was kümmert mich die Zeit!
Ein Augenblick voll Minnen
Wiegt eine Ewigkeit.
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:36  Neue Antwort erstellen
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Auf Leben und Tod

Denn wenn den Schnee zum ersten Mal ein Blümlein sieht,
Dann wundert sich's, daß also weiß der Schnee,
Und Blümlein spricht: »Mich wird der Schnee doch nicht verletzen,
Mir weh thun nicht; – er ist so weiß!«

(Der Rhapsode der Dimbovitza.)

In üppigen Sonnenfluten
Badet sich der Park,
Der mit glänzendem Blättergewoge
Grausteinerne Häuserwälle bespült.

Aus schattiger Straßenmündung strömt,
Buntblitzenden Wellen gleich,
Blütenfarbig geputztes Volk:
*ädchen mit buntbebänderten Hüten,
Blühenden Augen, schimmernden Zähnen.

Das Plaudern plätschert
Der Ruhebank vorbei
Unter lila blühendem Flieder,
Wo ich sitze bei spielenden Kindern.
Im Strauche flötet die Nachtigall;
Fernes Konzert
Weht mit Düften süß heran
Und zittert in meiner Seele ...

Sanftes *ädchengesicht
Unter schüchternem Sommerhut,
Blaues Blütenauge,
Ich könnte dich lieben!
Doch zages Träumen hält mich fest,
Und dich entführt die Flut ...

Und wieder wehen mit Fliederduft
Accorde schmachtend, schwellend;
Und meine Seele zittert
Von süßem Sehnsuchtsschauer.

Sieh, das Weib
Im dunkeln Kleide,
Stolz,
Mit rundem Busen
Und schwarzer Augenglut!

Mein Herz entbrennt
Und pocht in wilder Sehnsucht.
Was brennst du so?
Ist das die Seele,
Die heiß umschlingend
Dein zehrend Schmachten stillt?
Soll ich ihr folgen, pochendes Herz? –
Ich wag' es nicht;
Mir wird so schwül und bang.

Denn vielleicht – was weiß ich! –
Blüht Gift im dunkeln Auge
Und verzehrt mir qualvoll
Wangen und Seele. –
So ist die Liebe!
Auf Leben und Tod!

Oder ist dies Strahlenauge
Mir Quelle ewiger Wonne? –
So geh zur Quelle, schmachtendes Herz!
Sonst verspült die Flut dein Glück! –

Ja, ich gehe!
Noch eine Sehnsuchtswelle,
Und hingerissen folg' ich,
Zu lieben auf Leben und Tod ...

Doch wehe! Mir schwindelt;
Ich wanke, zu stürzen
In glitzernde Wellen
Des Menschenstromes.
Halt dich fest, bethörte Seele!
Jedwede liebliche Welle
Ist Liebe auf Leben und Tod! –

Doch horch, die Nachtigall lockt so heiß,
Berauschend wehen Musik und Duft,
Und Menschenaugen blühen so schön ...
Wohlauf in den Strom der Seelen,
Zu lieben auf Leben und Tod!

Bruno Wille
Aus der Sammlung Der Genosse
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:37  Neue Antwort erstellen
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Aufstieg

Über Felsen, windumflattert,
Klimm ich hoch hinan zum Freien.
Droben will ich mich entladen
Dieser Qual, im Sturme baden,
Neugeboren meine Seele weihen.

Berg, vor deinem Riesenantlitz
Kann ja Kleinmut nicht bestehen.
Sturm, im Brausen deiner Kraft,
Die den Forst zusammenrafft,
Muß mein Seufzer wie ein Staub verwehen.
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:38  Neue Antwort erstellen
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Berg

Über Felsen, windumflattert,
Klimm ich hoch hinan zum Freien;
Droben will ich mich entladen
Dieser Qual, im Sturme baden,
Neugeboren meine Seele weihen.

Berg, vor deinem Riesenantlitz
Kann mein Kleinmut nicht bestehen.
Sturm, im Brausen deiner Kraft,
Die den Forst zusammenrafft,
Muß mein Seufzer wie ein Staub verwehen.

Bruno Wille
Aus der Sammlung Der Einsiedler
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:39  Neue Antwort erstellen
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Das bist du

Wenn mit Dunkel und mit Schweigen
Mutter Nacht dein Bett umhüllt,
Lausche, wie mein Zaubergeigen
Heimlich dir die Kammer füllt.
Lausche, wie dich Wunderglocken
Fromm zur heilgen Tiefe locken.
In der Tiefe wohnt die Ruh,
Und die Tiefe/ das bist du.

Frieden ihm, so dir zur Seiten
Atmend ruht; er ist dein Schild.
Frieden allen Erdenbreiten,
Jedem Gottesebenbild!
Gib den Hütten dein Erbarmen
Und dem Glück ein froh Umarmen.
Ohne Güte keine Ruh.
Jedes Antlitz/ das bist du.

Engel, heitre Lichtgestalten,
Steigen aus dem dunkeln Land
Und in deine Hände falten
Kosend sie die Kinderhand.
Sieh doch, deine toten Lieben
Sind dir alle treu geblieben;
Mutterherz heißt ihre Ruh.
Deine Kinder/ das bist du.

Spürst du auch, wie auf dein Grüßen
Harrt ein treuer Paladin?
Aus der Ferne dir zu Füßen
Kann ihn deine Sehnsucht ziehn.
Gib dein Auge seinem Auge;
Eins im andern sauge, sauge
Heimatswonne, Heimatsruh.
Du bist ich, und ich bin du.

Horch, mein Lieb, die Zaubergeigen
Singen Hochzeitsmelodein,
Und der bunte Sternenreigen
Stimmt und funkelt üppig drein.
Welten schwärmen dort bei Welten,
Wiegen sich in blauen Zelten,
Summen uns in selge Ruh ...
Ich bin Stern, und Stern bist du.

Bruno Wille
Aus der Sammlung Der heilige Hain. Sternenbraut
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BeitragVerfasst am: 14.04.2009, 17:40  Neue Antwort erstellen
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Der frühe Tag

Tag mit deinen kalten Blicken,
Wie so frühe bist du da!
Meinen Traum hast du vertrieben,
Ach den lieben
Traum, darin ich Liebchen sah.

Grämlich bleich wie eine Greisin
Blickt in mein Gemach die Welt.
Weib, du wirst mit öden Händen
Nimmer spenden,
Was der Traum mir lieb gesellt.

Schließe, Tag, dein kaltes Auge,
Schleich ein Weilchen noch zurück!
Träume, laßt mein Lieb, mein Leben
Mich umschweben!
Hab ich doch kein ander Glück.

Bruno Wille
Aus der Sammlung Der heilige Hain. Sternenbraut
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