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  Gedichte  -  Julius Sturm 1816-1896 Dichter der Spätromantik
Ann
BeitragVerfasst am: 20.09.2004, 19:42  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Julius Sturm 1816-1896 Dichter der Spätromantik
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Der Bauer und sein Kind
Der Bauer steht vor seinem Feld
und zieht die Stirne kraus in Falten:
"Ich hab' den Acker wohl bestellt
auf gute Aussaat streng gehalten,
nun sieh' mir eins das Unkraut an,
das hat der BÖSE FEIND getan!"
Da kommt sein Knabe hochbeglückt
mit bunten Blumen reich beladen,
im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden.
Er jauchzt:"Sieh' Vater, nur die Pracht,
die hat der liebe GOTT gemacht!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 16:06, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 20.09.2004, 19:43  Neue Antwort erstellen
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Die Schwalben
Die Schwalben halten zwitschernd
hoch auf dem Turme Rat;
die ält'ste spricht bedenklich:
"Der Herbst hat sich genaht.
Schon färben sich die Blätter,
die Felder werden leer;
bald tanzt kein einzig *ücklein
im Strahl der Sonne mehr.

Seid ihr zur Reise fertig?"
Die Alten zwitschern: "Ja!"
Die Jungen fragen lustig:
"Wohin?" - "Nach Afrika!"

Nun schwirrt es durch die Lüfte,
verlassen ist das Nest;
doch alle hält die Liebe
an ihrer Heimat fest.

Wohl ist's viel hundert Meilen
von hier bis Afrika;
doch, kommt der Sommer wieder,
sind auch die Schwalben da.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:16  Neue Antwort erstellen
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Erntefest
Wagen auf Wagen schwankte herein,
Scheune und Böden wurden zu klein:
Danket dem Herrn und preist seine Macht,
glücklich ist wieder die Ernte vollbracht.

Hoch auf der Fichte flattert der Kranz,
Geigen und Brummbaß laden zum Tanz;
leicht wird das Leben trotz *ühe und Plag,
krönet die Arbeit ein festlicher Tag.

Seht ihr der Kinder fröhliche Schar,
blühende Wangen, goldlockiges Haar?
hört ihr sie jubeln? O liebliches Los,
fällt ihnen reif doch die Frucht in den Schoß!

Wir aber furchen, den Pflug in der Hand,
morgen geschäftig aufs neue das Land;
ewig ja reiht, nach des Ewigen Rat,
Saat sich an Ernte und Ernte an Saat.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:18  Neue Antwort erstellen
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Auf ihre Hand

Du treue Hand, die ohne Beben
Einst meiner Hand so fest vertraut,
Hast mit mir ein zerfall'nes Leben
Zu neuer Schönheit aufgebaut.

Du weiche Hand, in trüben Tagen
Hast du so freundlich mich gepflegt,
Liebreich gesorgt für mein Behagen
Und mir den Pfühl zurecht gelegt.

Du kluge Hand, die Melodien,
Die mir die blüh'nde Lippe singt,
Begleitest du mit Harmonien,
Daß voll das Lied zum Herzen dringt.

Du fromme Hand, in heil'gen Stunden
Hast du die meine sanft gedrückt,
Wenn uns die heiligste der Kunden,
Das treue Gotteswort erquickt.

Du fleiß'ge Hand, die nur zum Dienen
Von früh bis Abend froh bereit,
In dir ist mir das Bild erschienen
Der echten deutschen Weiblichkeit.

D'rum schwärmt auch rastlos mein Gedanke,
Mein Lieb, um deine liebe Hand,
Ein Falter, den die Blütenranke
In ihren Zauberkreis gebannt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:21  Neue Antwort erstellen
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Die nächtliche Überfahrt der Zwerge
(Nach einer bekannten Heimatsage)

"Hol über, hol über !"- so ruft es durch die Nacht:
"Wir wollen Dich reichlich belohnen.
uns haben die Bauern verhöhnt und verlacht.
Wir *öchten nicht länger hier wohnen.
Sie buken uns giftigen Kümmel ins Brot.
Uns trieb aus dem Land die bitterste Not.
Hol über, Fährmann, hol Über !".

Der Fischer dies hört und steigt in den Kahn
und steuert gar flink durch die Wellen.
Da strömen von allen Seiten heran
gar winzige braune Gesellen.
Er fuhr sie hinüber mit rudernder Hand,
er war ja den Zwergen gewogen,
die mit ihm gar oft am Strome gewacht
und mit ihm die Netze gezogen.

So rudert er emsig die Hälfte der Nacht
bis schmerzen davon ihm die Glieder
und lächelnd denkt er nun: "Wo bleibt denn der Dank ?"
Und staunend bückt er ich nieder.
Da funkelt und blitzt es wie Gold auf der Bank.
"Das nenn' ich mir reichlichen Lohn !
Die *ännlein bezahlten mit funkelndem Gold
doch wollt ich sie wären geblieben."
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:21  Neue Antwort erstellen
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Vergessen

Vergebens nach allen Winden
hab ich die Welt durchreist
das Kräutlein aufzufinden
so man "Vergessen" heiß.

Es heilt verborgene Wunden,
was keinem anderen glückt
und doch hätt ich's gefunden,
wer weiß, ob ich's gepflückt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:22  Neue Antwort erstellen
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Heimliche Liebe

Wie man nach einem Sterne
voll stiller Sehnsucht blickt.
Habe ich aus scheuer Ferne
dir Gruß um Gruß geschickt.

Du wohntest mir im Herzen
und hast es nicht gewusst.
Doch trug ich deine Schmerzen
und teilte deine Lust.

Der Stern am Himmelsbogen
kehrt jede Nacht zurück.
Doch du bist fortgezogen
und mit dir all mein Glück.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:23  Neue Antwort erstellen
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Klingeln Narren

Klingeln Narren mit den Schellen
das der Welt die Ohren gellen,
sieht man das Volk in ganzen Haufen
nach den Narrenkappen laufen.

Doch die Weisheit steht verlassen
mitten in des Volkes Massen
und hat noch von Glück zu sagen,
wird sie nicht ans Kreutz geschlagen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:23  Neue Antwort erstellen
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Der Wetterhahn

"Man sagt mir nach, ich solle feig mich dreh'n
nach jedem Wind. Vor Zeiten ist's geschehn.
Das räum ich ein." sprach stolz ein Wetterhahn.
"Doch solche Schwachheit hab ich abgetan."

"Seit Jahren sitz ich fest auf meinem Turm
und biete Trotz dem Winde und dem Sturm."
Er drehte sich auch nicht. Doch offenbar
nur deshalb, weil er eingerostet war.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:24  Neue Antwort erstellen
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Die junge Mutter

Spät am Abend, früh am Morgen
Schafft das liebe *ütterlein.
Für die Kinder muß es sorgen,
Immer muß es fleißig sein.

Was der Mutter Lieb und Treue,
Liebes Kind, an dir getan,
Und noch täglich tut auf's neue,
Sage, denkst du auch daran?

Für so viele *üh' und Sorgen,
Mußt du stets recht dankbar sein
Und von Herzen alle Tage
Folgen deinem *ütterlein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:25  Neue Antwort erstellen
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Ein deutscher Postillion

Es fuhr der Herr von Zavelstein
Gar lustig in die Welt hinein,
Und vor ihm auf dem Kutscherthron
Saß Michel hoch als Postillion,
Ein Kern als wie ein Riese.
Und fort gings durch den Böhmerwald,
Da plötzlich tönt ein donnernd: Halt!
Zwei Räuber nahn; doch kämpft voll Mut
Der edle Herr, schon fließt sein Blut
Aus mancher tiefen Wunde.

Der Postillion schaut ruhig drein,
Da ruft der Herr von Zavelstein:
"Nehmt alles, nur gerbt mir dem Hund
Dort auf dem Bock das Fell erst wund,
Der mich so feig verlassen!".

Ein Ruck - und Michel stürzt vom Bock,
Auf seinem Rücken tanzt der Stock,
Es trifft ihn *ächtig Streich auf Streich,
Doch stets bleibt seine Ruh sich gleich,
Als *üßt ers eben leiden.

Auf einmal aber reckt er sich,
Und immer höher streckt er sich,
Und jetzt ein Schlag und noch ein Schlag,
Und blutend auf dem Boden lag
Vor ihm das Raubgesindel.

"Was!" rief der Herr von Zavelstein,
"Du toller Narr, was fiel dir ein?
Erst läßt du mich in Not, du Wicht,
Dann hälst du still und wehrst dich nicht,
Und dann erschlägst du beide!?"

"Herr!" sprach der Michel voller Ruh,
"Erst schaut ich dem Spektakel zu;
Doch als mirs selbst ans Leder ging
Und das mich an zu jucken fing,
Da bin ich warm geworden.

Und seht, wenn ich erst einmal warm,
Dann juckts gewaltig mich im Arm.
Dann werd ich voller Gall und Gift,
Und wohin meine Faust dann trifft,
Da wächst kein Grashalm wieder!"
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:27  Neue Antwort erstellen
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Wie schön leuchtet der Morgenstern

Wie schön leuchtet der Morgenstern!
Hab' doch kein andres Lied so gern!
Mit Tränen füllt sich jedes Mal
Mein Auge, spiel' ich den Choral.
's war damals, als der alte Fritz
Noch stritt um Schlesiens Besitz,
Hier in den Schluchten lag sein Heer,
Der Feind dort auf den Höh'n umher.
Da sah's im Dorf gar übel aus,
Die Scheuern leer, kein Brot im Haus,
Im Stalle weder Pferd noch Kuh,
Und vor dem Feind die Furcht dazu.
So hatt' ich eben eine Nacht
Mit Seufzen und Gebet durchwacht
Und stieg beim ersten Morgengraun
Den Turm hinauf, um auszuschaun
Wie's draußen stünd': 's war still umher
Und ich sah keine Feinde mehr.
Da zog ich still mein Käpplein ab,
Dem lieben Gott die Ehre gab.
Horch! plötzlich trabt's in's Dorf herein:
Der Himmel woll' uns gnädig sein!
Ein alter Schnauzbart jagt im Trab
Nach meinem Haus, dort steigt er ab;
Kaum bin ich unten, schreit er: "Lauf,
Schließ' mir geschwind die Kirche auf!"
Ich bat: Bedenkt, 's ist Gottes Gut,
Was man vertraut hat meiner Hut,
Und Kirchenraub bestraft sich schwer.
Doch er schrie wild: "Was schwafelt er?
Flink aufgeschlossen, sonst soll ihn! -"
Schon wollt' er seinen Säbel ziehn,
Da dacht' ich bang' an Weib und Kind
Und öffnete die Kirch' geschwind
Und trat dann zagend mit ihm ein;
Mein Weib schlich weinend hinterdrein.
Er ging vorüber am Altar,
Hinauf dann, wo die Orgel war;
Da stand er still: "Gesangbuch her!
Hier den Choral da spielet er!
Und daß sie brav die Bälge tritt!
Marsch! vorwärts jetzt und zögert nit!"
Ich fing mit einem Vorspiel an,
Wie ich's mein Lebtag getan.
Da fiel der Alte grimmig ein:
"Was soll mir das Geklimper sein?
Hab' ich's denn nicht gesagt dem Herrn:
Wie schön leuchtet der Morgenstern!"
"'s ist nur das Vorspiel!" "Dummes Zeug!
Was spielt' er den Choral nicht gleich?"
So spielt' ich denn, weil er's befahl,
Ganz ohne Vorspiel den Choral,
Der alte Schnauzbart sang das Lied,
Ich und mein Weib wir sangen mit.
Das Lied war aus, still saß der Mann,
Ein heißer Strom von Tränen rann
Ihm über's braune Angesicht,
Die funkelten wie Demantlicht.
Dann stand er auf und drückte mir
Die Hand und sprach: "Da, nehmt das hier!"
Es war ein großes Talerstück.
Ich wies das Geld beschämt zurück,
Er aber rief: "Was soll das, Mann?
Bei Gott, es klebt kein Blut daran!
Gib's an die Armen in dem Ort."
Drauf gingen wir zusammen fort
Und noch im Gehen sprach er weich:
"Kein Lied kommt diesem Lied mir gleich:
Es hat mich in vergangner Nacht
Zum lieben Gott zurück gebracht.
's rief gestern Abend der Major
Vor unsrer Front: "Freiwillige vor!
's soll ein verlorner Posten stehn
Dem Feinde nah', dort auf den Höh'n:
Hat keiner Lust, hat keiner Mut?"
Das trieb mir in's Gesicht das Blut:
"Da *üßten wir nicht Preußen sein!"
Ich rief's und trat rasch aus den Reihn;
Drei meiner Söhne folgten mir:
"Gehst du, so gehen wir mit dir."
So zogen wir nach jenen Höhn,
Um dort die ganze Nacht zu stehn.
Es blitzte hier, es krachte da,
Es war der Feind uns oft so nah,
Daß er uns sicherlich entdeckt,
Wenn uns nicht droben der versteckt.
Ja Mann, ich hab' so manche Nacht
Im Feld gestanden auf der Wacht,
Doch war mir nie das Herz so schwer, -
's kam nur von meinen Jungens her;
Ihr habt ja Kinder, - nun da wißt
Ihr selbst, was Vaterliebe ist.
Drum hab' ich auch empor geblickt
Und ein Gebet zu Gott geschickt.
Und wie ich noch so still gefleht,
Da war erhört schon mein Gebet,
Denn leuchtend ging im Osten Fern
Auf einmal auf - der Morgenstern,
Und *ächtig mir im Herzen klang
Der längst vergess'ne fromme Sang;
Hätt' gern gesungen gleich das Lied,
Doch schwieg ich, weil's uns sonst verriet.
Zugleich fiel mir auch manches ein,
Was anders hätte sollen sein,
Vor allem, daß ich dieses Jahr
Noch nicht im Gotteshause war.
Das machte mir das Herz so schwer:
Das war's, das trieb mich zu euch her."
Der Alte sprach's, bestieg sein Pferd
Und machte munter Rechtsumkehrt.
Seht! drum hab' ich das Lied so gern:
"Wie schön leuchtet der Morgenstern"
Und spiel' noch heute jedes Mal
Ganz ohne Vorspiel den Choral,
Und wenn ich spiel', sitzt immerdar
Mir dicht zur Seite der Husar,
Ich höre seinen kräft'gen Baß,
Und da - wird mir das Auge naß.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:28  Neue Antwort erstellen
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Julius Sturm 1816-1896 Dichter der Spätromantik
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Zu späte Reue

Da geht er wieder, der bleiche Knabe,
Dem ich die Treue gebrochen habe;
Und trägt noch immer, ob es auch bleichte,
Am Hut das Röslein, das ich ihm reichte.
Weh', daß ich Schätze um Liebe tauschte,
Mit eitlem Flimmer mein Herz berauschte!
Was ist von allem mir treu geblieben,
Als sein verschmähtes, verkanntes Lieben.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:30  Neue Antwort erstellen
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Die Schwalben

Die Schwalben halten zwitschernd
hoch auf dem Turme Rat;
die ält'ste spricht bedenklich:
"Der Herbst hat sich genaht.

Schon färben sich die Blätter,
die Felder werden leer;
bald tanzt kein einzig *ücklein
im Strahl der Sonne mehr.

Seid ihr zur Reise fertig?"
Die Alten zwitschern: "Ja!"
Die Jungen fragen lustig:
"Wohin?" - "Nach Afrika!"

Nun schwirrt es durch die Lüfte,
verlassen ist das Nest;
doch alle hält die Liebe
an ihrer Heimat fest.

Wohl ist's viel hundert Meilen
von hier bis Afrika;
doch, kommt der Sommer wieder,
sind auch die Schwalben da.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.09.2007, 11:31  Neue Antwort erstellen
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Motten

"Was nur da drinnen der Graukopf macht?
Er blättert bis tief in die späte Nacht
In alten Büchern hin und her,
Als ob drin 'was zu finden wär'.
Ei, sieh! Er ist ja nicht zu Haus,
Heut' spür' ich sein Geheimnis aus!"

Ein Spätzlein piept's und fliegt hinein.
Da liegen Bücher, groß und klein;
Es wählt' das größte mit Bedacht
Und hat ans Blättern sich gemacht.
"Vergilbt' Papier und arg befleckt!
*öcht' wissen, wo der Wert da steckt?
Doch halt!" — Sein kluges Äuglein blitzt,
Es hat sein Schnäblein flink gespitzt.

"Zwei Motten! und wie groß und feist!"
Begierig hat er sie verspeist
Und piept: "Wer hätte das gedacht,
Daß der auch Jagd auf Motten macht".
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