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  Gedichte  -  Willibald Alexis, 1798 - 1871, dt. Schriftsteller
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BeitragVerfasst am: 30.04.2009, 15:22  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Willibald Alexis, 1798 - 1871, dt. Schriftsteller
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Oberg
Oberg


Anmeldungsdatum: 26.11.2004
Beiträge: 310
Wohnort: Gronau/Westf.

Walpurgisnacht


Liebe Mutter, heut′ Nacht heulte Regen und Wind.
»Ist heute der erste Mai, liebes Kind.«

Liebe Mutter, es donnerte auf dem Brocken droben.
»Liebes Kind, es waren die Hexen oben.«

Liebe Mutter, ich *öcht keine Hexen sehn.
»Liebes Kind, es ist wohl schon oft geschehn.«

Liebe Mutter, ob wohl im Dorf Hexen sind?
»Sie sind dir wohl näher, mein liebes Kind.«

Liebe Mutter, worauf fliegen die Hexen zum Berg?
»Liebes Kind, auf dem Rauche von heissem Werg.«

Liebe Mutter, worauf reiten die Hexen zum Spiel?
»Liebes Kind, sie reiten auf′nem Besenstiel.«

Liebe Mutter, ich sah gestern im Dorf viel Besen.
»Es sind auch viel Hexen auf′* Brocken gewesen.«

Liebe Mutter, ′s hat gestern im Schornstein geraucht.
»Liebes Kind, es hat Einer das Werg gebraucht.«

Liebe Mutter, in der Nacht war dein Besen nicht zu Haus.
»Liebes Kind, so war er zum Blocksberg hinaus.«

Liebe Mutter, dein Bett war leer in der Nacht.
»Deine Mutter hat oben auf dem Blocksberg gewacht.«


Willibald Alexis (eigentlich Georg Wilhelm Heinrich Häring)
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.04.2009, 18:05  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Willibald Alexis, 1798 - 1871, dt. Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45055
Wohnort: Gronau

Willibald Alexis
Der späte Gast

Was klopft ans Tor? Über die rote Heide
geht nur mein Sohn und ich, wir beide.
Wir beide wohnen in der Wildnis allein,
mein Sohn schläft dort im Kämmerlein.
Keinen Kobold laß ich zur Tür herein.

»Mutterlein! nimm mich ins kleine Haus,
draußen weht es so kalt, draußen weht es so graus.
Oft schon kreuzt′ ich die rote Heide,
oft schon sahen wir uns beide,
kein Kobold ich, tu nichts zu Liede.«

Denn bist du ein Irrwisch und locktest ins Moor
meine Tochter, als ich das Kind verlor.
Im Schilf, das dort am Felsen gränzt,
da tanzt mein Kind, wenn der Mond drauf glänzt,
du magst bei ihm schlafen, du hässlich Gespenst.

»Ich kann nicht schlafen auf welkem Gras,
von Tau und Regen ist′s kalt, von Tau und Regen ist′s naß.
Ich bin kein Irrwisch, ich bin dir verwandt,
deine Tochter hab′ ich Schwester genannt
und hab′ sie gewarnt vor des Sumpfes Rand.«

Verwandt ist mir niemand, niemand wert,
ich steh′ allein hier an meinem Herd.
Den Fremden empfinge des Hundes Gebell,
dem Blutsfreund, spräng′er entgegen schnell,
nun starrt er zitternd auf eine Stell.

»Mutter, der alte Hund kannte bald die Stimme,
die draußen im Dunkel schallt.
Er hatte schon sieben Jahr mich gekannt,
seit ich ihn drüben am Kreuzweg fand.
Mutter, ich bin dir so nah, so nah verwandt.«

Was hast du mich spät in der Nacht geweckt?
Was hast du im Schlummer die Mutter geschreckt?
Was schläfst du nicht ruhig im Kämmerlein?
Was spukest du draußen im Mondesschein?
Mein Sohn kanns ja nur draußen sein.

"Mutter, dein Sohn steht draußen nicht,
aber mich brachte dein Schoß ans Licht.
Noch schläft dein Sohn im Kämmerlein,
aber ich schwebe im Mondesschein
und will so gern zu dir hinein."

Mein Sohn, du stehst so nahe bei mir,
warum öffnest du selber dir nicht die Tür?
Leicht Flechtwerk ist sie von Elsenwald,
und draußen weht der Wind so kalt,
o komm ins warme Kämmerlein bald!

»Mutter, ich stehe sehr weit von dir,
öffnen kann ich nicht mehr die Tür!
Selbst wie der Wind bin ich leicht und schwacht,
komm nie mehr unter dein warmes Dach,
drum gib mir draußen ein kalt Gemach!«

Ich öffne geschwind, mein liebes Kind.
Wo bist du? Es saust vorbei der Wind.
»Der Wind weht fort mich, *ütterlein!«
O weh! da liegt im Kämmerlein mein Sohn,
blaß wie der Mondenschein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.04.2009, 18:13  Neue Antwort erstellen
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Willibald Alexis, 1798 - 1871, dt. Schriftsteller
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Beiträge: 45055
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Entführung

O Lady Judith, spröder Schatz,
Drückt dich zu fest mein Arm?
Je zwei zu Pferd haben schlechten Platz
Und Winternacht weht nicht warm.

Hart ist der Sitz und knapp und schmal,
Und kalt mein Kleid von Erz,
Doch kälter und härter als Sattel und Stahl
War gegen mich dein Herz.

Sechs Nächte lag ich in Sumpf und Moor
Und hab′ um dich gewacht,
Doch weicher, bei Sankt Görg ich′s schwor,
Schlaf′ ich die siebente Nacht!
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.04.2009, 18:14  Neue Antwort erstellen
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Willibald Alexis, 1798 - 1871, dt. Schriftsteller
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Beiträge: 45055
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Willibald Alexis
Es war einmal ein Schneider

Es war einmal ein Schneidergesell,
der hatte eine Zauberell′,
die Elle war von Diamant,
sein Fingerhut von Zuckerkant.

Sein Maß, das war ein Spinnenweb,
ein *ückenstich, damit er näht.
Die Schere war von Sonnengold,
und er war einem *ädchen hold.

Ach reichster Schneider von der Welt,
was hilft dir all dein Zaubergeld!
Sein Herz war auch von Zuckerkant,
doch ihres war von Diamant.

Da sprach zum Herz von Zuckerkant
Also das Herz von Diamant:
Wenn deine Elle brechen tut
Und niemals schmilzt dein Fingerhut,
Wenn nimmer mehr dein Mass zerbricht.
Und deine Nadel Gold durchsticht,
Und wenn dein Herz wird Diamant,
Soll meins auch werden Zuckerkant!
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Ann
BeitragVerfasst am: 30.04.2009, 18:15  Neue Antwort erstellen
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Willibald Alexis, 1798 - 1871, dt. Schriftsteller
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Beiträge: 45055
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Willibald Alexis
Fridericus Rex

1831


Fridericus Rex, unser König und Herr,
Der rief seine Soldaten allesamt ins Gewehr;
Zweihundert Batallions und an die tausend Schwadronen,
Und jeder Grenader kriegt sechzig Patronen.

Ihr verfluchten Kerls," sprach Seine Majestät,
»Daß jeder in der Bataille seinen Mann mir steht!
Sie gönnen mir nicht Schlesien und die Grafschaft Glatz
Und die hundert Millionen in meinem Schatz.«

»Die Kais′rin hat sich mit den Franzosen alliiert
Und das römische Reich gegen mich revoltiert;
Die Russen seind gefallen in Preußen ein;
Auf, laßt uns sie zeigen, daß wir brave Landeskinder sein!«

»Meine Generale Schwerin und der Feldmarschall von Keith
Und der Generalmajor von Ziethen seind allemal bereit,
Potz, Mohren, Blitz und Kreuzelement,
Wer den Fritz und seine Soldaten noch nicht kennt!«

Nun adjö, Luise, wisch ab das Gesicht!
Eine jede Kugel, die trifft ja nicht!
Denn träf′ jede Kugel apart ihren Mann,
Wo kriegten die Könige ihre Soldaten dann?

Die Musketenkugel macht ein kleines Loch;
Die Kanonenkugel macht ein weit größeres noch;
Die Kugeln sind alle von Eisen und Blei,
Und manche Kugel geht manchem vorbei.

Unsre Artillerie hat ein vortreffliches Kaliber,
Und von den Preußen geht keiner zum Feind nicht über;
Die Schweden, die haben verflucht schlechtes Feld;
Wer weiß, ob der Östreicher besseres hält.

Mit Pomade bezahlt den Franzosen ihr König;
Wir kriegen′s alle Wochen bei Heller und Pfennig.
Potz, Mohren, Blitz und Kreuzsakrament,
Wer kriegt so prompt wie der Preuße sein Traktement!

Friedricus, mein König, den der Lorbeerkranz ziert,
Ach hättest du nur öfters zu plündern permittiert.
Friedericus Rex, mein König und Held,
Wir schlügen den Teufel für dich aus der Welt!
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