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  Gedichte  -  Ingeborg Bachmann
Ann
BeitragVerfasst am: 20.09.2004, 20:08  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Ingeborg Bachmann
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Beim Hufschlag der Nacht]

Beim Hufschlag der Nacht, des schwarzen Hengstes vorm Tor,
zittert mein Herz noch wie einst und reicht mir den Sattel im Flug,
rot wie das Halfter, das Diomedes mir lieh.
Gewaltig sprengt der Wind mir auf dunkler Straße voran
und teilt das schwarze Gelock der schlafenden Bäume,
daß die vom Mondlicht nassen Früchte
erschrocken auf Schulter und Schwert springen,
und ich schleudre
die Peitsche auf einen erloschenen Stern.
Nur einmal verhalt ich den Schritt, deine treulosen Lippen zu
küssen, schon fängt sich dein Haar in den Zügeln,
und dein Schuh schleift im Staub.
Und ich hör deinen Atem noch
und das Wort, mit dem du mich schlugst.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 12.02.2006, 20:05, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 20.09.2004, 20:10  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Ingeborg Bachmann
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Administrator
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Im Zwielicht

Wieder legen wir beide die Hände ins Feuer,
du für den Wein der lange gelagerten Nacht,
ich für den Morgenquell, der die Kelter nicht kennt.
Es harrt der Blasbalg des Meisters, dem wir vertrauen.

Wie die Sorge ihn wärmt, tritt der Bläser hinzu.
Er geht, eh es tagt, er kommt, eh du rufst, er ist alt
wie das Zwielicht auf unsren schütteren Brauen.

Wieder kocht er das Blei im Kessel der Tränen,
dir für ein Glas - es gilt, das Versäumte zu feiern -
mir für den Scherben voll Rauch - der wird überm Feuer geleert.
So stoß ich zu dir und bringe die Schatten zum Klingen.

Erkannt ist, wer jetzt zögert,
erkannt, wer den Spruch vergaß.
Du kannst und willst ihn nicht wissen,
du trinkst vom Rand, wo es kühl ist
und wie vorzeiten, du trinkst und bleibst nüchtern,
dir wachsen noch Brauen, dir sieht man noch zu !

Ich aber bin schon des Augenblicks
gewärtig in Liebe, mir fällt der Scherben
ins Feuer, mir wird er zum Blei,
das er war. Und hinter der Kugel
steh ich, einäugig, zielsicher, schmal,
und schick sie dem Morgen entgegen.
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traumkind
BeitragVerfasst am: 14.03.2007, 13:52  Neue Antwort erstellen
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Ingeborg Bachmann
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Stammgast
Stammgast


Anmeldungsdatum: 01.03.2007
Beiträge: 61
Wohnort: BaWü

Schatten Rosen Schatten

Unter einem fremden Himmel
Schatten Rosen
Schatten
auf einer fremden Erde
zwischen Rosen und Schatten
in einem fremden Wasser
mein Schatten
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traumkind
BeitragVerfasst am: 14.03.2007, 14:06  Neue Antwort erstellen
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Ingeborg Bachmann
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Stammgast
Stammgast


Anmeldungsdatum: 01.03.2007
Beiträge: 61
Wohnort: BaWü

Anrufung des Großen Bären

Großer Bär, komm herab, zottige Nacht,
Wolkenpelztier mit den alten Augen,
Sternenaugen,
durch das Dickicht brechen schimmernd
deine Pfoten mit den Krallen,
Sternenkrallen,
wachsam halten wir die Herden,
doch gebannt von dir, und mißtrauen
deinen *üden Flanken und den scharfen
halbentblößten Zähnen,
alter Bär.

Ein Zapfen : eure Welt.
Ihr : die Schuppen dran.
Ich treib sie, roll sie
von den Tannen im Anfang
zu den Tannen am Ende,
schnaub sie an, prüf sie im Maul
und pack zu mit den Tatzen.

Fürchtet euch oder fürchtet euch nicht!
Zahlt in den Klingelbeutel und gebt
dem blinden Mann ein gutes Wort,
daß er den Bären an der Leine hält.
Und würzt die Lämmer gut.

`s könnt sein, daß dieser Bär
sich losreißt, nicht mehr droht
und alle Zapfen jagt, die von den Tannen
gefallen sind, den großen, geflügelten,
die aus dem Paradiese stürzten.
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Ingeborg Bachmann Ann Zitate & Sprüche 2 24.04.2006, 18:03 Letzten Beitrag anzeigen

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