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  Gedichte  -  Gottfried August Bürger (1747-1794) dt. Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 17:00  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger (1747-1794) dt. Dichter
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Seufzer eines Ungeliebten.

Hast du nicht Liebe zugemessen
Dem Leben jeder Kreatur?
Warum bin ich allein vergessen,
Auch meine Mutter du! Natur!

Wo lebte wohl in Hain und Hürde,
Wo wallt' in Luft und Meer ein Tier,
Das nimmermehr geliebet würde?
Geliebt wird alles, außer mir!

Wenn gleich in Hain und Wiesenmatten
Sich Baum und Staude, Moos und Kraut
Durch Lieb' und Gegenliebe gatten,
Vermählt sich mir doch keine Braut.

Mir wächst vom süßesten der Triebe
Nie Honigfrucht zur Lust heran;
Denn ach! mir mangelt Gegenliebe,
Die Eine nur gewähren kann!
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Ann
BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 17:01  Neue Antwort erstellen
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Lust am Liebchen.

Wie selig, wer sein Liebchen hat,
Wie selig lebt der Mann!
In Friedrichs oder Ludwigs Stadt
Ist keiner besser dran.

Er achtet's nicht, was Hof und Stadt
Dafür ihm bieten kann;
Und wenn er keinen Kreuzer hat,
Dünkt er sich Krösus dann.

Die Welt mag laufen oder stehn,
Mag rollen um und um;
Und alles auf dem Kopfe gehn!
Was kümmert er sich drum?

Hui! ist sein Wort zu Strom und Wind,
Wer macht aus euch sich was?
Nichts mehr als wehen kann der Wind,
Und Regen macht nur naß.

Gramm Sorg' und Grille sind ihm Spott;
Er fühlt sich frei und froh;
Und kräht, vergnügt in seinem Gott,
In dulci Jubilo.

Durch seine Adern kreiset frisch
Und ungehemmt sein Blut.
Gesunder ist er wie ein Fisch
In seiner klaren Flut.

Ihm schmeckt sein Mahl; er schlummert süß,
Bei federleichtem Sinn,
Und träumt sich in ein Paradies
Mit seiner Eva hin.

In Götterfreuden schwimmt der Mann,
Die kein Gedanke mißt,
Der singen oder sagen kann,
Daß ihn sein Liebchen küßt.

Doch ach! was sing' ich in den Wind
Und habe selber keins?
O Evchen, Evchen, komm geschwind,
O komm und werde meins!

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BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 17:02  Neue Antwort erstellen
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Die Umarmung.

Wie um ihren Stab die Rebe
Brünstig ihre Ranke strickt;
Wie der Epheu sein Gewebe
An der Ulme Busen drückt;

Wie ein Taubenpaar sich schnäbelt
Und auf ausgeforschtem Nest,
Von der Liebe Rausch umnebelt,
Haschen sich und würgen läßt:

Dürft‘ ich so dich rund umfangen!
Dürftest du, Geliebte, mich!
Dürften so zusammenhangen
Unsre Lippen ewiglich! –

Denn von keines Fürsten Mahle,
Nicht von seines Gartens Frucht,
Noch des Rebengottes Schale
Würde dann mein Gaum versucht.

Sterben wollt‘ ich im Genusse,
Wie ihn deine Lippe beut,
Sterben in dem langen Kusse
Wollustvoller Trunkenheit! –

Komm‘, o komm‘ und laß uns sterben!
Mir entlodert schon der Geist.
Fluch vermachet sei dem Erben,
Der uns von einander reißt!

Unter Myrten, wo wir fallen,
Bleib‘ uns Eine Gruft bevor!
Unsre Seelen aber wallen
In vereintem Hauch empor

In die seligen Gefilde
Voller Wohlgeruch und Pracht,
Denen stete Frühlingsmilde
Vom entwölkten Himmel lacht;

Wo die Bäume schöner blühen,
Wo die Quellen, wo der Wind
Und der Vögel Melodieen
Lieblicher und reiner sind;

Wo das Auge des Betrübten
Seine Thränen ausgeweint,
Und Geliebte mit Geliebten
Ewig das Geschick vereint;

Wo nun Phaon voll Bedauren
Seiner Sappho sich erbarmt,
Wo Petrarca ruhig Lauren
An der reinsten Quell' umarmt;

Und auf rund umschirmten Wiesen,
Nicht von Argwohn mehr gestört,
Glücklicher bei Heloisen
Abälard die Liebe lehrt. –

O des Himmels voller Freuden,
Den ich da schon offen sah!
Komm'! von hinnen laß uns scheiden:
Eia! wären wir schon da!

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BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 17:03  Neue Antwort erstellen
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Abendphantasie eines Liebenden
In weiche Ruh hinabgesunken,
Unaufgestört von Harm und Not,
Vom süßen Labebecher trunken,
Den ihr der Gott des Schlummers bot,
Noch sanft umhallt vom Abendliede
Der Nachtigall, im Flötenton,
Schläft meine Herzens-Adonide
Nun ihr behäglich Schläfchen schon.

Wohlauf, mein liebender Gedanke,
Wohlauf zu ihrem Lager hin!
Umwebe, gleich der Efeuranke,
Die engelholde Schläferin!
Geneuß der übersüßen Fülle
Vollkommner Erdenseligkeit,
Wovon zu kosten noch ihr Wille,
Und ewig ach! vielleicht, verbeut! -

Ahi! Was hör ich? - Das Gesäusel
Von ihres Schlummers Odemzug!
So leise wallt durch das Gekräusel
Des jungen Laubes, Zephyrs Flug.
Darunter mischt sich ein Gestöhne,
Das Wollust ihr vom Busen löst,
Wie Bienensang und Schilfgetöne,
Wann Abendwind dazwischen bläst.

O, wie so schön dahin gegossen,
Umleuchtet sie des Mondes Licht!
Die Blumen der Gesundheit sprossen
Auf ihrem wonnigen Gesicht.
Ihr Lenzgeruch wallt mir entgegen,
Süß, wie bei stiller Abendluft,
Nach einem milden Sprüheregen,
Der Moschushyazinthe Duft.

Mein ganzes Paradies steht offen.
Die offnen Arme, sonder Zwang,
Was lassen sie wohl anders hoffen,
Als herzenswilligen Empfang?
Oft spannt und hebt sie das Entzücken,
Als sollten sie jetzt ungesäumt
Den himmelfrohen Mann umstricken,
Den sie an ihrem Busen träumt. -

Nun kehre wieder! Nun entwanke
Dem Wonnebett! Du hast genug!
Sonst wirst du trunken, mein Gedanke,
Sonst lähmt der Taumel deinen Flug.
Du loderst auf in Durstesflammen! -
Ha! wirf ins Meer der Wonne dich!
Schlagt, Wellen, über mir zusammen!
Ich brenne! brenne! kühlet mich!
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BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 17:04  Neue Antwort erstellen
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Sinnesänderung
Ich war wohl Jungfer Eigensinn,
Durch Güte kaum zu zähmen;
Und sträubte mich oft her und hin,
Zu geben und zu nehmen.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so ungern gab und nahm.

Da kam ein junger Flaumenbart,
Schön wie der Gott der Reben.
Der wußte mit der besten Art
Zu nehmen und zu geben.
Da weiß der Himmel, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Ich merkte, wo er ging und stand,
Auf jeden seiner Winke.
Ergriff er meine rechte Hand,
So bot ich auch die Linke.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Zum Nußgesträuch mit ihm entwich
Ich der Gespielen Schwarme.
Ich gab ihm in die Arme mich,
Und nahm ihn in die Arme.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Wir ließen, tauschend Kuß um Kuß,
Auf weiches Moos uns nieder.
Ich gab den Kern von meiner Nuß,
Nahm den von seiner wieder.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Da hörten wir durch Laub und Gras
Die Mutter rufend kommen.
Wohl hätt ich sonst, wer weiß noch was,
Gegeben und genommen.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.
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BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 17:06  Neue Antwort erstellen
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Amors Pfeil.

Amors Pfeil hat Widerspitzen.
Wen er traf, der lass' ihn sitzen
Und erduld' ein wenig Schmerz!
Wer geprüften Rath verachtet
Und ihn auszureißen trachtet,
Der zerfleischet ganz sein Herz.
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BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 18:14  Neue Antwort erstellen
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Der arme Dichter

Ein Dichter, rund und feist bei Leibe,
Mit einem Antlitz, lang wie breit,
Und glänzend, wie des Vollmonds Scheibe,
Sprach einst von seiner Dürftigkeit,
Und schimpfte brav auf teure Zeit.

»Das tun Sie bloß zum Zeitvertreibe«,
Rief einer aus der Compagnie;
»Denn dies Gedeihn an Ihrem werten Leibe,
Und Ihr Gesicht, die schöne Vollmondsscheibe,
Herr Kläger, zeugen wider Sie!« -

»Das hat sich wohl!« seufzt der Poet geduldig.
»Doch, Gott gesegn' ihn! meinen Bauch -
Sanft strich er ihn - und diesen Vollmond auch
Bin ich dem Speisewirt noch schuldig.«
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BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 18:15  Neue Antwort erstellen
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Die Aspiranten und der Dichter.

Die Aspiranten.
Du Göttlicher, wie geht es zu,
Dass deine Lieder so behagen?
Wir quälen uns zu ganzen Tagen,
Zu ganzen Nächten sonder Ruh;
Wir setzen Vers für Vers wie du,
Und wenn wir gute Leute fragen,
So ist kein Schimpf auf uns zu sagen;
Und dennoch wollen unsre Schuh'
Uns nicht wie dich zum Ruhme tragen.
O Mann, wir *üssen dich drum fragen;
Denn du nur kannst uns lehren, du!

Der Dichter
Weht's euch der Genius nicht zu,
So weiß ich's wahrlich nicht zu sagen.
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An August Wilhelm Schlegel.

Sonett.
Kraft der Laute, die ich rühmlich schlug,
Kraft der Zweige, die mein Haupt umwinden,
Darf ich dir ein hohes Wort verkünden,
Das ich längst in meinem Busen trug.

Junger Aar! Dein königlicher Flug
Wird den Druck der Wolken überwinden,
Wird die Bahn zum Sonnentempel finden,
Oder Phöbus' Wort in mir ist Lug.

Schön und laut ist deines Fittichs Tönen,
Wie das Erz, das zu Dodona klang,
Und sein Schweben leicht wie Sphärengang.

Dich zum Dienst des Sonnengotts zu krönen,
Hielt' ich nicht den eignen Kranz zu werth;
Doch – dir ist ein besserer beschert.
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Herr Bacchus
Herr Bacchus ist ein braver Mann,
Das kann ich euch versichern;
Mehr, als Apoll, der Leiermann,
Mit seinen Notenbüchern.

Des Armen ganzer Reichtum ist
Der Klingklang seiner Leier,
Von der er prahlet, wie ihr wißt,
Sie sei entsetzlich teuer.

Doch borgt ihm auf sein Instrument
Kein Kluger einen Heller.
Denn frohere Musik ertönt
Aus Vater Evans Keller.

Obgleich Apollo sich voran
Mit seiner Dichtkunst blähet:
So ist doch Bacchus auch ein Mann,
Der seinen Vers verstehet.

Wie mag am waldigen Parnaß
Wohl sein Diskant gefallen?
Hier sollte Bacchus Kantorbaß
Fürwahr weit besser schallen.

Auf, laßt uns ihn für den Apoll
Zum Dichtergott erbitten!
Denn er ist gar vortrefflich wohl
Bei großen Herrn gelitten.

Apoll muß tief gebückt und krumm
In Fürstensäle schleichen;
Allein mit Bacchus gehn sie um,
Als wie mit ihresgleichen.

Dann wollen wir auf den Parnaß,
Vor allen andern Dingen,
Das große Heidelberger Faß
Voll Nierensteiner bringen.

Statt Lorbeerbäume wollen wir
Dort Rebenstöcke pflanzen,
Und rings um volle Tonnen, schier
Wie die Bacchanten tanzen.

Man lebte so nach altem Brauch
Bisher dort allzunüchtern.
Drum blieben die neun Jungfern auch
Von je und je so schüchtern.

Ha! zapften sie sich ihren Trank
Aus Bacchus' Nektartonnen,
Sie jagten Blödigkeit und Zwang
Ins Kloster zu den Nonnen.

Fürwahr! sie ließen nicht mit *üh
Zur kleinsten Gunst sich zwingen,
Und ungerufen würden sie
Uns in die Arme springen.
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Der Bauer
An seinen Durchlauchtigen Tyrannen
Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut
Darf Klau' und Rachen haun?

Wer bist du, daß, durch Saat und Forst,
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? -

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht, bei Egg und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! -

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!
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Ann
BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 18:19  Neue Antwort erstellen
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An Madame B. geb. *.
Sehn, geliebte Freundin, und wiedersehn das Werthe
Auf der verworrenen Bahn, welche das Leben durchkreuzt,
Das sind Blüten des Glücks, die jedem Waller nicht blühen;
Dennoch welken sie auch, ähnlich den Blüten des Mai's.
Lieblich haben sie dir und mir drei Tage geduftet;
Morgen fallen sie welk ab von der werdenden Frucht.
Wiedererinnerung heißt die Frucht, die ihnen entkeimet,
Säuerlich Anfangs noch, süßer in Reife dereinst.
Reich' o Phantasie, die Frucht dem durstenden Herzen
Auf der ermüdenden Bahn, welche das Leben durchkreuzt,
Reiche sie reif und süß im Weidenkörbchen, durchflochten
Mit Vergißmeinnicht, kummerverlächelnd ihm dar!
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An die Bienen.
Wollt ihr wissen, holde Bienen,
Die ihr süße Beute liebt,
Wo es mehr, als hier im Grünen,
Honigreiche Blumen gibt?
Statt die tausend auszunippen,
Die euch Florens Milde beut,
Saugt aus Amaryllis' Lippen
Aller tausend Süßigkeit.

Florens schöne Kinder röthet
Nur der Frühlingssonne Licht;
Amaryllis' Blumen tödtet
Auch der strenge Winter nicht.
Kurze Labung nur gewähret,
Was die Tochter Florens beut;
Aber kein Genuß verzehret
Amaryllis' Süßigkeit.

Eins, nur Eins sei Euch geklaget!
Eh' ihr auf dies Purpurroth
Eure seidnen Flügel waget,
Hört, ihr Lieben, was euch droht!
Ach, ein heißer Kuß hat neulich
Die Gefahr mir kund gemacht.
Nehmt die Flügel, warn' ich treulich,
Ja vor dieser Glut in Acht!
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BeitragVerfasst am: 06.07.2009, 18:20  Neue Antwort erstellen
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Die Bitte.
O Schwester, merk' auf diese Kunde:
Erscheint dir je ein junger Hirt,
Der lieb sogleich dem Herzen wird
Und immer lieber jede Stunde:
Den lass' ich nicht, ich schwör' es dir,
Du aber laß den Lieben mir!

Rührt, ohn' ein Wörtchen laut zusagen,
Sein stummer Blick schon jedes Herz,
Und darf bei seinem holden Scherz
Die Unschuld selbst zu lächeln wagen:
Den lass' ich nicht, ich schwör' es dir,
Du aber laß den Holden mir!

Schweigt seiner Laute Philomele,
Hört sie ihr zu im Pappelbaum,
Umschwebet dich ein Wonnetraum
Beim süßen Klange seiner Kehle:
Den lass' ich nie, ich schwör' es dir,
Du aber laß den Süßen mir!

Wofern aus eines Schäfers Hürde
Dem armen Mann auf's erste Wort:
»O hätt' ich doch das Lämmchen dort!«
Das Lämmchen sammt der Mutter würde:
Den lass' ich nie, ich schwör' es dir!
O laß, o laß den Guten mir!
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Das Lied vom braven Manne
Hoch klingt das Lied vom braven Mann,
Wie Orgelton und Glockenklang.
Wer hohes Muts sich rühmen kann,
Den lohnt nicht Gold, den lohnt Gesang.
Gottlob! daß ich singen und preisen kann:
Zu singen und preisen den braven Mann.

Der Tauwind kam vom Mittagsmeer,
Und schnob durch Welschland, trüb und feucht.
Die Wolken flogen vor ihm her,
Wie wann der Wolf die Herde scheucht.
Er fegte die Felder; zerbrach den Forst;
Auf Seen und Strömen das Grundeis borst.

Am Hochgebirge schmolz der Schnee;
Der Sturz von tausend Wassern scholl;
Das Wiesental begrub ein See;
Des Landes Heerstrom wuchs und schwoll;
Hoch rollten die Wogen, entlang ihr Gleis,
Und rollten gewaltige Felsen Eis.

Auf Pfeilern und auf Bogen schwer,
Aus Quaderstein von unten auf,
Lag eine Brücke drüber her;
Und mitten stand ein Häuschen drauf.
Hier wohnte der Zöllner, mit Weib und Kind. -
»O Zöllner! o Zöllner! Entfleuch geschwind!«

Es dröhnt' und dröhnte dumpf heran,
Laut heulten Sturm und Wog' ums Haus.
Der Zöllner sprang zum Dach hinan,
Und blickt' in den Tumult hinaus. -
»Barmherziger Himmel! Erbarme dich!
Verloren! Verloren! Wer rettet mich?« -

Die Schollen rollten, Schuß auf Schuß,
Von beiden Ufern, hier und dort,
Von beiden Ufern riß der Fluß
Die Pfeiler samt den Bogen fort.
Der bebende Zöllner, mit Weib und Kind,
Er heulte noch lauter, als Strom und Wind.

Die Schollen rollten, Stoß auf Stoß,
An beiden Enden, hier und dort,
Zerborsten und zertrümmert, schoß
Ein Pfeiler nach dem andern fort.
Bald nahte der Mitte der Umsturz sich. -
»Barmherziger Himmel! Erbarme dich!« -

Hoch auf dem fernen Ufer stand
Ein Schwarm von Gaffern, groß und klein;
Und jeder schrie und rang die Hand,
Doch mochte niemand Retter sein.
Der bebende Zöllner, mit Weib und Kind,
Durchheulte nach Rettung den Strom und Wind. -

Wann klingst du, Lied vom braven Mann,
Wie Orgelton und Glockenklang?
Wohlan! So nenn ihn, nenn ihn dann!
Wann nennst du ihn, mein schönster Sang?
Bald nahet der Mitte der Umsturz sich.
O braver Mann! braver Mann! zeige dich!

Rasch galoppiert' ein Graf hervor,
Auf hohem Roß ein edler Graf.
Was hielt des Grafen Hand empor?
Ein Beutel war es, voll und straff. -
»Zweihundert Pistolen sind zugesagt
Dem, welcher die Rettung der Armen wagt.«

Wer ist der Brave? Ist's der Graf?
Sag an, mein braver Sang, sag an! -
Der Graf, beim höchsten Gott! war brav!
Doch weiß ich einen bravern Mann. -
O braver Mann! braver Mann! Zeige dich!
Schon naht das Verderben sich fürchterlich. -

Und immer höher schwoll die Flut;
Und immer lauter schnob der Wind;
Und immer tiefer sank der Mut. -
O Retter! Retter! Komm geschwind! -
Stets Pfeiler bei Pfeiler zerborst und brach.
Laut krachten und stürzten die Bogen nach.

»Hallo! Hallo! Frischauf gewagt!«
Hoch hielt der Graf den Preis empor.
Ein jeder hört's, doch jeder zagt,
Aus Tausenden tritt keiner vor.
Vergebens durchheulte, mit Weib und Kind,
Der Zöllner nach Rettung den Strom und Wind. -

Sieh, schlecht und recht, ein Bauersmann
Am Wanderstabe schritt daher,
Mit grobem Kittel angetan,
An Wuchs und Antlitz hoch und hehr.
Er hörte den Grafen; vernahm sein Wort;
Und schaute das nahe Verderben dort.

Und kühn in Gottes Namen, sprang
Er in den nächsten Fischerkahn;
Trotz Wirbel, Sturm, und Wogendrang,
Kam der Erretter glücklich an:
Doch wehe! der Nachen war allzuklein,
Der Retter von allen zugleich zu sein.

Und dreimal zwang er seinen Kahn,
Trotz Wirbel, Sturm, und Wogendrang;
Und dreimal kam er glücklich an,
Bis ihm die Rettung ganz gelang.
Kaum kamen die letzten in sichern Port;
So rollte das letzte Getrümmer fort. -

Wer ist, wer ist der brave Mann?
Sag an, sag an, mein braver Sang!
Der Bauer wagt' ein Leben dran:
Doch tat er's wohl um Goldesklang?
Denn spendete nimmer der Graf sein Gut;
So wagte der Bauer vielleicht kein Blut. -

»Hier«, rief der Graf, »mein wackrer Freund!
Hier ist dein Preis! Komm her! Nimm hin!« -
Sag an, war das nicht brav gemeint? -
Bei Gott! der Graf trug hohen Sinn. -
Doch höher und himmlischer, wahrlich! schlug
Das Herz, das der Bauer im Kittel trug.

»Mein Leben ist für Gold nicht feil.
Arm bin ich zwar, doch eß ich satt.
Dem Zöllner werd eur Gold zuteil,
Der Hab und Gut verloren hat!«
So rief er, mit herzlichem Biederton,
Und wandte den Rücken und ging davon. -

Hoch klingst du, Lied vom braven Mann,
Wie Orgelton und Glockenklang!
Wer solches Muts sich rühmen kann,
Den lohnt kein Gold, den lohnt Gesang.
Gottlob! daß ich singen und preisen kann,
Unsterblich zu preisen den braven Mann.

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