Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  Rainer Maria Rilke 1875-1926
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:04  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Sappho an Eranna

Unruh will ich über dich bringen,
schwingen will ich dich, umrankter Stab.
Wie das Sterben will ich dich durchdringen
und dich weitergeben wie das Grab
an das Alles: allen diesen Dingen
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:06  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Schlaflied

Einmal wenn ich dich verlier,
wirst du schlafen können, ohne
dass ich wie eine Lindenkrone
mich verflüstre über dir?
Ohne dass ich hier wache und
Worte, beinah wie Augenlieder
auf deine Brüste, auf deine Glieder
niederlege, auf deinen Mund.
Ohne dass ich dich verschliess
und dich allein mit deinem lasse
wie einen Garten mit einer Masse
von Melissen und Stern-Anis.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:07  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Schlussstück

Der Tod ist gross,
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:09  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Tränen, Tränen, die aus mir brechen

Tränen, Tränen, die aus mir brechen,
Mein Tod, Mohr, Träger
meines Herzens, halte mich schräger,
daß sie abfließen. Ich will sprechen
Schwarzer, riesiger Herzhalter.
Wenn ich auch spräche,
glaubst du denn, dass das Schweigen bräche?

Wiege mich, Alter.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:11  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Vergiss

Vergiss und lass uns jetzt nur dieser Leben
Wie die Sterne durch geklärten Nachthimmel dringen
Wie der Mond die Gärten voll übersteigt
Wir fühlten längst schon
Wie es spiegelnder wird im Dunkel
Wie ein Schein entsteht
Ein weisser Schatten
In dem Glanz der Dunkelheit

Nun aber lass uns ganz hinübertreten
In die Welt hinein,
Die monden ist.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:13  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,

greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit uns Land und Zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:18  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:
Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:20  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Wir sind ganz angstallein ...

Wir sind ganz angstallein,
haben nur aneinander Halt,
jedes Wort wird wie ein Wald
vor unserm Wandern sein.
Unser Wille ist nur der Wind,
der uns drängt und dreht;
weil wir selber die Sehnsucht sind,
die in Blüten steht.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:21  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Ich bin so jung

Ich bin so jung. Ich *öchte jedem Klange,
der mir vorüberrauscht, mich schaudernd schenken,
und willig in des Windes liebem Zwange,
wie Windendes über dem Gartengange,
will meine Sehnsucht ihre Ranken schwenken,

Und jeder Rüstung bar will ich mich brüsten,
solang ich fühle, wie die Brust sich breitet.
Denn es ist Zeit, sich reisig auszurüsten,
wenn aus der frühen Kühle dieser Küsten
der Tag mich in die Binnenlande leitet.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:23  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Ich sehe dich, Rose,
halb geöffnetes Buch,
es enthält Seiten genug,
das Glück zu beschreiben,
und niemand wird sie entziffern.
Zauber-Buch
öffnet sich dem Wind und dem,
der versucht
mit geschlossenen Augen
zu lesen ...,
und Schmetterlingen,
die verwirrt entgleiten,
weil sie schon Gedanken
mit ihm teilen.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 19.05.2006, 17:25  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Blaue Hortensie
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 31.08.2006, 16:57  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Mein Herz

Ich weiß nicht was ich habe,
mir ist ums Herz so schwer ...
Ums Herze? Ach, was sage ich -
ich hab doch keines mehr.
Seit ich, mein Glück, dich kenne,
du süßes Liebchen mein,
vom ersten Augenblicke
an wars ja doch schon dein.
O *ögest du es behalten,
damit es stets so blieb -
es soll ja dir gehören,
nur dir, mein süßes Lieb!
Gibs nie mehr mir zurücke -
es schlägt dir ja in Treu -
und willst du's nicht mehr haben -
mein Schatz, dann brichts entzwei.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 16.11.2006, 15:33  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Die hohen Tannen

Die hohen Tannen atmen heiser
im Winterschnee, und bauschiger
schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.
Die weißen Wege werden leiser,
die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:
Im grünen Ofen kracht ein Scheit
und stürzt in lichten Lohgewittern,-
und draußen wächst im Flockenflittern
der weiße Tag zur Ewigkeit.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 26.12.2006, 17:10  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Aber nun, da so vieles anders wird, ist es nicht an uns, uns zu verändern? Könnten wir nicht versuchen, uns ein wenig zu entwickeln, und unseren Anteil Arbeit in der Liebe langsam auf uns nehmen nach und nach? Man hat uns alle ihre *ühsal erspart, und so ist sie uns unter die Zerstreuungen geglitten, wie in eines Kindes Spiellade manchmal ein Stück echter Spitze fällt und freut und nicht mehr freut und endlich daliegt unter Zerbrochenem und Auseinandergenommenem, schlechter als alles. Wir sind verdorben vom leichten Genuß wie alle Dilettanten und stehen im Geruch der Meisterschaft. Wie aber, wenn wir unsere Erfolge verachteten, wie, wenn wir ganz von vorne begännen die Arbeit der Liebe zu lernen, die immer für uns getan worden ist? Wie, wenn wir hingingen und Anfänger würden, nun, da sich vieles verändert.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 08.07.2007, 13:54  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Sommer

Sommer: für etliche Tage
Begleiter der Rosen zu sein;
was um erblühende Seelen
weht, das atmen wir ein.

Sehen in jeder, die stirbt,
eine Vertraute,
entschwundene Schwester, die wir
unter anderen Rosen überdauern.
Nach oben
Sponsor
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 5 von 6
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6  Weiter
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Mutter Maria Juska Kurzgeschichten 2 09.04.2012, 13:26 Letzten Beitrag anzeigen
M A S C H A (Maria) von Renate Tank Ann Eigene Gedichte von Gästen 1 27.11.2011, 21:16 Letzten Beitrag anzeigen
Maria Therese von Artner 1772-1829 ö... Ann Gedichte 5 23.09.2011, 16:46 Letzten Beitrag anzeigen
Charles Kingsley 1819-1875 engl. Schr... Ann Zitate & Sprüche 24 25.05.2011, 19:04 Letzten Beitrag anzeigen
Jack London 1876-1926 US-amerk. Schr... Ann Zitate & Sprüche 12 13.05.2011, 16:51 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit