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  Gedichte  -  Rainer Maria Rilke 1875-1926
Ann
BeitragVerfasst am: 13.09.2004, 21:04  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Rainer Maria Rilke 1875-1926
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Liebeslied

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt?
Wie soll ich sie hinheben
über dich zu andern Dingen?
Ach gerne *öcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle,
die nicht weiterschwingt,
wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt,
dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand,
o süßes Lied.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 28.03.2008, 11:07, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:32  Neue Antwort erstellen
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Rainer Maria Rilke 1875-1926
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Aus dunklem Wein
und tausend Rosen
rinnt die Stunde rauschend
in den Traum der Nacht
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:35  Neue Antwort erstellen
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Rainer Maria Rilke 1875-1926
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Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:36  Neue Antwort erstellen
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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:37  Neue Antwort erstellen
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Initiale

Gieb deine Schöheit immer hin
ohne Rechnen und Reden.
Du schweigst. Sie sagt für dich: Ich bin.
Und kommt in tausendfachem Sinn,
kommt endlich über jeden.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:38  Neue Antwort erstellen
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Der Panther

Sein Blick ist im Vorübergehn der Stäbe
so *üd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhnag der Pupille
sich lautlos auf. - Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:38  Neue Antwort erstellen
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Liebe ist schwer.
Liebhaben von Mensch
zu Mensch, das ist
vielleicht das Schwerste,
was uns aufgegeben ist,
das Äusserste, die letzte
Probe und Prüfung, die Arbeit,
für die alle andere Arbeit
nur Vorbereitung ist
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:39  Neue Antwort erstellen
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Ich lerne es täglich,
lerne es unter Schmerzen,
denen ich dankbar bin:
GEDULD ist alles.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:40  Neue Antwort erstellen
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Wolle nie irgendeine Beunruhigung,
irgendein Weh,
irgendeine Schwermut
von deinem Leben ausschließen,
da du doch nicht weißt,
was diese Zustände
an dir arbeiten.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:40  Neue Antwort erstellen
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Wenn dein Allag dir arm erscheint,
klage ihn nicht an!
Klage dich an, daß du nicht
stark genug bist, seine Reichtümer
zu rufen:
denn für den Schaffenden gibt es
keine Armut und keinen armen,
gleichgültigen Ort.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:41  Neue Antwort erstellen
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Die kleinen Dinge

Die meisten Menschen
wissen gar nicht, wie schön die Welt ist
und wie viel Pracht in den kleinsten Dingen,
in irgendeiner Blume, einem Stein,
einer Baumrinde oder
einem Birkenblatt sich offenbart.
Die erwachsenen Menschen,
die Geschäfte und Sorgen haben
und sich mit lauter Kleinigkeiten quälen,
verlieren allmählich ganz den Blick
für diese Reichtümer,
welche die Kinder,
wenn sie aufmerksam und gut sind,
bald bemerken
und mit dem ganzen Herzen lieben
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:41  Neue Antwort erstellen
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Was abfallen muß,
fällt ab; was zu uns
gehört, bleibt bei
uns, denn es geht
alles nach Gesetzen
vor sich, die größer
als unsere Einsicht
sind.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:42  Neue Antwort erstellen
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Abschied
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Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.
Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
zurückblieb, so als wärens alle Frauen
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leise Weiterwinkendes-, schon kaum
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:43  Neue Antwort erstellen
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Keine Straße ist lang mit einem
Freund an der Seite.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 13:44  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Grabmal
eines jungen *ädchens

Wir gedenkens noch.Das ist, als *üßte
alles dieses wieder einmal sein.
Wie ein Baum an der Limonenküste
trugst du deine kleinen leichten Brüste
in das Rauschen seines Bluts hinein:

-jenes Gottes.
Und es war der schlanke
Flüchtling, der Verwöhnende der Fraun.
Süß und glühend, warm wie dein Gedanke,
überschattend deine frühe Flanke
und geneigt wie deine Augenbraun
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