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  Gedichte  -  Theodor Körner 1791-1813 deutscher Dichter Dramatiker
Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 15:32  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Theodor Körner 1791-1813 deutscher Dichter Dramatiker
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Die Augen der Geliebten

Augen, zarte Seelenblüten,
Klare Perlen ew'ger Liebe,
Augen, ihr verehrte Augen,
Meiner Herrin lichte Sterne,
Laßt euch von des Sängers Liedern
Sanfte Frühlingstöne wehn!

Alles, was das Leben heiligt,
Trägt die Ahnung seiner Seele,
Trägt den stillen Schmuck der Augen;
Nicht der Mensch allein, der stolze,
Auch der Frühling, auch die Erde
Auch des Tages Wechselgruß.

In der Erde dunklen Tiefen
Stehn die klaren Diamanten
Wie ein ewig blühend Auge;
Rosen-Augen hat der Frühling
Und der Tag hat seine Sonne,
Ihre Sterne hat die Nacht:

Aber ihr, verehrte Augen,
Meiner Herrin lichte Sterne,
Klare Perlen ew'ger Liebe,
Augen, zarte Seelenblüten,
Solche liebe, gute Augen,
Solche Augen sind es nicht.

Nicht so klar sind Diamanten,
Die in dunkler Tiefe leuchten,
Nicht so lieblich Frühlingsrosen
An des Lebens zartem Busen,
Nicht so mild die ew'gen Sterne,
Nicht so hell der junge Tag.

Was im Leben schön und edel,
Les' ich klar in eurem Schimmer;
Was das Jenseits dort verschleiert,
Leuchtet mir in eurer Freude,
Leuchtet mir in euren Tränen
Wie aus Himmelsferne zu.

Und so hört des Sängers Grüße!
Wollt ihr freundlich nicht dem Jüngling
Wie die ew'gen Dioskuren
Leuchten durch des Lebens Wogen?
Augen, zarte Seelenblüten,
Wollt ihr meine Sterne sein?


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 16:37, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 15:32  Neue Antwort erstellen
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Theodor Körner 1791-1813 deutscher Dichter Dramatiker
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Wehmut der Liebe

Ach, daß im lauten Spiel des Lebens
Nicht eine Seele mich versteht!
Es klagt mein tiefes Lied vergebens,
Es wird vom Zephirhauch verweht!
Die Liebe nur kennt meinen Schmerz,
Die Liebe nur versteht mein Herz.

Sie weckte mich mit zarten Tönen
Aus meiner Jugend leichtem Spiel,
Das Ideal des höchsten Schönen
Durchflammte glühend mein Gefühl;
Da zog, was tief im Herzen schlug,
Hinauf, hinauf mit Adlerflug.

Doch all mein Sehnen war vergebens
Und mein Elysium zerstört.
Mir ward das höchste Glück des Lebens,
Das Glück der Liebe, nicht beschert.
Wenn überall die Hoffnung spricht -
Umsonst, umsonst, mich ruft sie nicht!

Zwar noch ein Trost ist mir geblieben,
Ein Trost für das zerrißne Herz;
Denn ward mir nicht das Glück zu lieben,
So ward mir doch der Liebe Schmerz;
Er ist, ich fühl's in meiner Brust,
Noch mehr als alle Erdenlust.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 15:34  Neue Antwort erstellen
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Theodor Körner 1791-1813 deutscher Dichter Dramatiker
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Das gestörte Glück

Ich hab' ein heißes junges Blut,
Wie ihr wohl alle wißt,
Ich bin dem Küssen gar zu gut,
Und hab' noch nie geküßt;
Denn ist mir auch mein Liebchen hold,
's war doch, als wenn's nicht werden sollt':
Trotz aller *üh' und aller List
Hab' ich doch niemals noch geküßt.

Des Nachbars Röschen ist mir gut;
Sie ging zur Wiese früh,
Ich lief ihr nach und faßte Mut
Und schlang den Arm um sie:
Da stach ich an dem Miederband
Mir eine Nadel in die Hand;
Das Blut lief stark, ich sprang nach Haus,
Und mit dem Küssen war es aus.

Jüngst ging ich so zum Zeitvertreib
Und traf sie dort am Fluß;
Ich schlang den Arm um ihren Leib
Und bat um einen Kuß.
Sie spitzte schon den Rosenmund,
Da kam der alte Kettenhund
Und biß mich wütend in das Bein.
Da ließ ich wohl das Küssen sein.

Drauf saß ich einst vor ihrer Tür
In stiller Freud' und Lust;
Sie gab ihr liebes Händchen mir,
Ich zog sie an die Brust.
Da sprang der Vater hinterm Tor,
Wo er uns längst belauscht', hervor;
Und wie gewöhnlich war der Schluß:
Ich kam auch um den dritten Kuß.

Erst gestern traf ich sie am Haus;
Sie rief mich leis herein:
"Mein Fenster geht in'n Hof hinaus,
Heut abend wart' ich dein."
Da kam ich denn im Liebeswahn
Und legte meine Leiter an;
Doch unter mir brach sie entzwei,
Und mit dem Küssen war's vorbei.

Und allemal geht mir's nun so;
O, daß ich's leiden muß!
Mein Lebtag werd' ich nimmer froh,
Krieg' ich nicht bald 'nen Kuß.
Das Glück sieht mich so finster an -
Was hab' ich armer Wicht getan?
Drum, wer es hört, erbarme sich
Und sei so gut und küsse mich!
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.08.2007, 19:31  Neue Antwort erstellen
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Aus der Ferne.

Auf schnellem Fittich ist die Zeit verschwunden.
Unwiederbringlich! Nur Erinnrung lebt,
Ein schöner Traum, von Nebelduft umwebt,
Ein heiliges Vermächtnis jener Stunden.
Heil mir, daß ich der Tage Glück empfunden,
Daß kühn mein Herz zu stolzen Höhen strebt!
Dein Bild ist's, das so freundlich mich umschwebt.
Ach! wär' ich frei und wär' ich nicht gebunden!

Du strahlst mir in des Aufgangs Rosengluten;
Ich sehe dich im Sternensaal der Nacht;
Dich spiegeln mir des Teiches Silberfluten,

Dich zaubert mir des Frühlings reiche Pracht;
Sanft murmelt's mir im klaren Wasserfall,
Und deinen Namen ruft der Widerhall.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.08.2007, 19:33  Neue Antwort erstellen
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Mit den Knospen

Darf ich dir wohl des Liedes Opfer bringen?
Darf meine Muse scheu und still es wagen,
Was sie gefühlt, begeistert dir zu sagen,
Und wird das Streben meiner Brust gelingen?
Noch lebt das Lied auf ungewohnten Schwingen,
Noch kann es nicht der Wolken Druck ertragen;
Doch will das Herz das ferne Ziel erjagen
Und aufwärts zu dem Sonnentempel dringen.

Drum magst du mir mit güt'gem Blick vergeben,
Wenn auch mein Lied in regellosen Spuren
Durch Qual und Lust in wilden Tönen schweift!

Zur Wahrheit doch, zur Liebe geht sein Streben,
Zum süßen Einklang höherer Naturen,
Und - meine Blüten sind noch nicht gereift.
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Ann
BeitragVerfasst am: 28.08.2007, 14:48  Neue Antwort erstellen
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An Adelaiden.
Es regt sich das Herz mit entzückender Glut
Mir im Gemüte.
Es wallt mir im Busen die heilige Flut
Heilig im Liede.
Unsichtbare *ächte ziehen mich hin;
Es sehnt sich zu dir der liebende Sinn,
Adelaide!

Das heiße Verlangen, mit Schweigen verhüllt,
Keimte zur Blüte;
Dem Auge vorschwebet dein liebliches Bild,
Strahlend voll Güte.
Es störte das Herz aus wonniger Ruh;
Sein einziges Ziel, sein Streben bist du,
Adelaide!

O schenke dem Leben die Harmonie,
Eh' es verglühte!
Mir spiegelt im Wogen der Phantasie
Himmlischer Friede.
Da schwillt mir von süßer, göttlicher Lust
Das liebende Herz in der liebenden Brust,
Adelaide!

Dem Baume der Liebe sprosset empor
Ewige Blüte;
Es ringt sich der Klang aus der Tiefe hervor,
Tönend im Liede;
Er waltet so lieblich, er waltet so frei
Und flüstert ins Ohr dir: »Der Sänger ist treu,
Adelaide!«
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Ann
BeitragVerfasst am: 28.08.2007, 14:53  Neue Antwort erstellen
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Bei einem Springbrunnen.

Sieh! Dort strebt mit Jünglingsmute
Wie Kristalle rein und hell,
Von der eignen Kraft gehoben,
Himmelwärts der Silberquell.
Immer höher, immer höher
Sprudelt er in Sonnenglut;
Wenn er oben kaum zerstoben,
Wächst er auf mit neuer Flut.
Und das reine Licht des Tages
Bricht sich im kristallnen Strahl,
Und den schönsten duft'gen Schleier
Webt der Farben heil'ge Zahl.
Ach! so steigt auch all mein Streben
Durch die Wolken himmelwärts.
So durchflammen tausend Wünsche
Glühend mein begeistert Herz.
Aber wie der Kreis der Farben
Sich im reinen Licht vermählt,
Sind auch alle meine Wünsche
Nur von einer Glut beseelt;
Und es ist der Liebe Sehnsucht,
Die den Busen *ächtig schwellt
Mit der Ahnung leisem Schauer,
Wie ein Traum aus jener Welt.
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rita
BeitragVerfasst am: 20.09.2009, 10:40  Neue Antwort erstellen
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Der Morgenstern

Stern der Liebe , Glanzgebilde ,
glühend wie die Himmelsbraut ,
wanderst durch die Lichtgefilde ,
kündend dass der Morgen graut .

Freundlich kommst du angezogen ,
freundlich schwebst du himmelwärts ,
glitzernd durch des Äthers Wogen ,
strahlst du Hoffnung in das Herz .

Wie in schäumenden Pokalen
Traubenpurpur mutig schwellt ,
so durchleuchten deine Strahlen
die erwachte Frühlingswelt .

Wie im herrlichen Geschiebe
sich des Goldes Pracht verschliesst ,
so erglänzt du , Stern der Liebe ,
der den Morgen still begrüsst .

Und es treibt dich nach den Sternen ,
hell im Dunkel zu erglühn .
Über Berge , über Fernen
*öcht ich einmal mit dir ziehn .

Fasst mich , fasst mich , heil'ge Strahlen ,
schlingt um mich das goldne Band ,
dass ich aus den Erdenqualen
fliehe in ein glücklich Land !

Doch ich kann dich nicht erfassen ,
nicht erreichen ; stehst so fern !
Kann ich von der Sehnsucht lassen ?
Kann ich 's , heilger Himmelsstern ?
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