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| Kurzgeschichten - Zeit heilt nicht alle Wunden |
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Verfasst am:
17.10.2009, 16:18

Kurzgeschichten
Zeit heilt nicht alle Wunden
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Teilnahmebeitrag am 3. Schreibwettbewerb hier am Rhein im Jahr 1999. Themenvorgabe: Meine Zeit
Mein Beitrag: Zeit heilt nicht alle Wunden
Literaturgattung: Gothic Novel
Länge: 6 1/2 DINA4-Seiten
Zu Gothic Novel: Schreibstil der englischen Literatur von Mitte des 18. Jahrhunderts bis Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts. Erster Vertreter was Walpole mit seinem "Das Schloß von Otranto" (ca. 1780), letzter Vertreter Bram Stoker mit "Dracula" (1897). Geschichten zeigen leichten Horror auf, mystische Schauereffekte. Die Erzählform findet im Berichtsstil statt und wurde immer in "Ich"-Form geschrieben, als hätte der Schreiber das Ereignis selbst erlebt.
Teil I oder Kapitel I
Da ich erst dreißig Sommer zähle und noch recht jung bin, berichte ich nicht über meine Zeit. Vielmehr drängt es mich, über die Zeit oder das Leben einer meiner Bekannten zu erzählen. Diese Bekannte, eine gewisse Karola Greifswälder (wie sie jetzt heißt), ist in meinem Alter, also auch noch sehr jung. Aber immer, wenn wir uns einmal wiedersahen, hatte ich das ungute Gefühl, daß sie ewig dreißig wäre. Die aufkommende Ungewißheit blieb nicht lange unbestätigt, denn sie berichtete mir ihre Lebensgeschichte. In vielen Dingen habe ich jetzt mehr Klarheit, und eines ist ganz sicher: Karola Greifswäler ist mir das einzig bekannte lebende Beispiel dafür, daß die Zeit nicht alle Wunden heilt, sondern mehr noch Wunden schlägt! Einen Teil ihrer Lebensbeichte und ihrer Emotionen fühle ich mich dazu berufen, hier aufzuzeichnen. Es sind nur ganz kleine Episoden daraus, denn ihr Leben würde ganz sicher, wie ein Nachschlagewerk, zehn oder mehr Bände füllen:
"Die Menschen bewunden an mir viele Dinge: meine Schönheit, meine immerwährende Jugend, meine Klugheit, meinen Reichtum, meine Weisheit. Aber warum nur? Sind dies alles Kriterien, die der Bewunderung würdig sind? In meinem Leben habe ich schon viele Menschen kennengelernt, und die meisten von ihnen hatten Angst vor dem Tod. Sie alle wünschten sich, so alt zu werden wie Methusalem oder auch nur die Grenze der Hundert zu erreichen. Ich aber, die ich dies alles habe, wünsche mir nichts sehnlicher, als in Frieden zu ruhen. Wie gerne tauschte ich mit einem Sterblichen dessen kurzes Leben gegen meine ewige Verdammnis ein. Selbst für meine Bekannten und Freunde muß ich verrückt geworden sein, da ich für sie in Rätseln spreche und immer recht viele historische Begebenheiten anführe, um mich zu rechtfertigen. Wenige kennen meine Geschichte, aber Dir, meiner lieben Freundin, werde ich mich mitteilen; den Du bist die Einzige, die mir dazu verhelfen kann, friedlich zu sterben.
Meine Zeit reicht sehr weit zurück, aber vielleicht sollte ich damit anfangen, wie alles begann. Mit der Zeit, als mein dreißigstes Lebensjahr anbrach, ich recht begütert war und einen Titel aus dem Hochadel trug: im Jahre 1128 des Herrn. Damals war ich noch Chlodwiga, Herzogin von und zu Griffswalde (dem heutigen Greifswald). Zu dieser Zeit wurde auch die Inquisition eingeführt, die berühmte Hexenverfolgung, deren ich eines ihrer ersten Opfer wurde. Meine jüngere Schwester hatte sich schon mit vierundzwanzig Jahren mit einem "kleinen" Grafen vermählt, den der Neid nach meinem Besitztum streben ließ.
Ja, alles spitzte sich auf einen peinlichen Skandal zu; denn eines Abends stand eine Gruppe Zisterziensermönche vor der Schloßbrücke, um mich fortzuführen. Sie machten mir verständlich, daß sie meine Aussage vor Gericht benötigten. Durch besonderen Eifer bei der Menschenjagd tat sich Konrad von Marburg hervor, der nach einer Übereinkunft zwischen Kaiser Friedrich II und Papst Gregor IX zum Generalinquisitor von Deutschland ernannt wurde. Vor diesen wurde ich geführt, und er verdeutlichte mir, daß ich der Ketzerei angeklagt sei. Natürlich wollte ich wissen, wer diese gemeinen Verleumdungen über mich verbreitete, worauf auf einen Wink Konrads hin, mein Schwager und meine Schwester als Ankläger auftraten. Da ich wahrlich sehr fromm und gottesfürchtig war, beteuerte ich meine Unschuld. Der Generalinquisitor schrie mir in das Gesicht, daß ich ein Ketzer wäre, und daß er Zeugen hätte, die dies bestätigen könnten. Auf meine Bitte hin, ließ er die Zeugen hereinführen. Es waren zehn Menschen unterschiedlichen Geschlechts, allesamt in einem erbarmungswürdigen Zustand. Nach Aufforderung, sagten sie alle gegen mich aus. Sie bezichtigten mich, Gott gelästert zu haben und Mitglied der katharischen Verschwörung zu sein. Aber ich wußte, daß sie mit den Mitteln der Folter gezwungen wurden, gegen mich auszusagen. Um ihr eigenes Leben zu retten, denunzierten sie mich, ob sie mich nun persönlich kannten oder nicht. Übrigens kannten mich einige unter ihnen als einen guten und frommen Menschen. Immer wieder beteuerte ich meine Unschuld, aber mein Geständnis mußte her, um mich morden zu können. Sie legten mir die Daumenschrauben an und zerquetschten meine Finger so sehr, daß das Blut unter den Nägeln hervortrat. Da ich immer noch auf meiner Unschuld beharrte, spannten sie mich auf das Streckbett und renkten mir meine Schultergelenke aus. Mein Stand, mein Name, meine Unschuld spielten keine Rolle. In den Fängen der Inquisition war man ein Nichts. Letztendlich wurde ich ohne mein Geständnis zum Tode durch Rädern verurteilt.
(Fortsetzung folgt) |
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Verfasst am:
18.10.2009, 13:41

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Zeit heilt nicht alle Wunden
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Ich wünsche dir Erfolg mit der Geschichte. Sie liest sich so, als wäre sie dir echt so passiert und ja; deinen Namen habe ich vergessen aber irgendwie....
(Phantasie hattest du schon immer, oder sollte ich mich irren?)
Es grüßt dich freundlich Juska |
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Verfasst am:
18.10.2009, 15:14

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Zeit heilt nicht alle Wunden
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hallo Wabun Wind,
Deine Geschichte lässt sich wunderbar lesen, lesen wir mal, wie es weiter geht.
Liebe Grüße
Ann |
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Verfasst am:
20.10.2009, 21:11

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Zeit heilt nicht alle Wunden
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Auf dem öffentlichen Hinrichtungsplatz wurden vier Holzpflöcke in den Boden getrieben. Ich wurde mit gestreckten Gliedern daran festgebunden. In meiner Not flüsterte ich ein Gebet, aber sie sagten mir nur, ich solle Gott nicht lästern. Mein Henker erschien mit einem großen Wagenrad, das er selbst kaum halten konnte. Mit diesem fing er an, meine Knochen zu zertrümmern. Es erfüllten mich wahrlich unsägliche Schmerzen und ich konnte nicht umhin, meine Schreie zu unterdrücken. Meistens starben die Menschen während der Prozedur des Räderns; vielleicht auch weil sie vor Schmerz ihr Bewußtsein verloren und nie wieder aufwachten. Ich starb nicht. Nach dem Zertrümmern meiner Knochen bekam ich mit, wie sie meinen zerstörten Körper eben durch diese Radspeichen flochten und dieses Rad mit meinen menschlichen Resten auf eine Stange hievten. Aber auch dort oben starb ich noch nicht. Da ich mich nicht mehr bewegen konnte, war es mir nicht möglich, mich gegen die aasfressenden Vögel zu verteidigen. Sie fraßen Löcher in mein Fleisch, pickten mir die Augen aus, und die Schmerzen wurden immer unerträglicher. So mußte sich auch Prometheus aus der griechischen Sage gefühlt haben, nachdem ihn Zeus an den Felsen ketten ließ. Nach zwei weiteren Tagen auf dem Rad unterlag ich endlich meinen Qualen. Meine sterblichen Überreste, bestehend aus einem Skelett mit verdrehten und zersplitterten Knochen, verscharrten meine Schergen an einer kleinen Wegkreuzung im Wald.
Als einige Zeit vergangen war - ich wußte nicht, wieviel Zeit - kam ich wieder zu Bewußtsein. Meine Hände bewegten sich fast automatisch, und ich grub mich selbst wieder aus. Es war stockfinstere Nacht, als ich an die Oberfläche kam. Natürlich dachte ich zuerst einmal an einen bösen Traum, aber dann befühlte ich mein Gesicht und sah an mir herunter. Ich konnte sehen, udn meine Knochen waren wieder mit Fleisch gefüllt. Das war der Beginn der letzten achthundertsiebzig Jahre.
Viele Menschen hatten Angst vor den Untoten. Sie nannten uns Gespenster oder Wiedergänger oder auch ganz abfällig Vampire und Blutsauger. Meinen ersten Hunger stillte ich an denjenigen, die für mein schändliches Ableben verantwortlich waren. Niemand auf der Welt kann wie ich behaupten, eine perfekte Rache gehabt zu haben. Ich hatte sie. Da ich nie alterte, verließ ich die Plätze, wo mich die Menschen kannten. In geringen Zeitabständen wechselte ich weltweit meine Wohnorte und aktualisierte auch jeweils immer meinen Namen. Dreihundertsiebzig Jahre später mußte ich schmerzlich feststellen, daß die Linie meines Geschlechtes ausgestorben war. Ab sofort war ich bürgerlich. Das war eine entsetzliche Tatsache. Aufgrund meiner Weltreisen und meines Lebens in verschiedenen Zeitepochen konnte ich aber einen gewaltigen Reichtum und ein immenses Wissen ansammeln, das über jeden Horizont eines noch so gebildeten Gelehrten hinausging. Damals schon besaßen einige meiner Gegenstände, die sie bereits vierhundert Jahre alt waren, einen unermeßlichen Wert. Heute, nach neunhundert Jahren, sind sie unbezahlbar geworden. Aus diesem Grunde benutze ich sie jetzt als kleine Geschenke, um "vernünftigen" Menschen "Dankeschön" zu sagen. Für mich sind diese Gegenstände nicht von Wert; ich besitze zu viele von ihnen. Aber die meisten Menschen bringen mir meine Geschenke zurück, da ein Trinkbecher mit geschätzt zwölf Milliarden Mark einen zu enormen Wert hat. Die Mehrheit unter den Sterblichen kann solch ein Geschenk nicht annehmen. Aber warum nur? Das sind doch nur Dinge, die im Laufe der Zeit aufhören zu existieren, im Gegensatz zu mir.
Ach, ich möchte nicht so weit abschweifen und kehre dahin zurück, wo mein Leben als Untote begann. Nachdem ich meine Rachegelüste gestillt hatte und keiner meiner Peiniger mehr am Leben war, ekelte mich das Töten an.
Wie bereits erwähnt entwickelte ich eine Abneigung gegen das Töten - entgegen meiner Natur - weil ich eine sehr hohe Achtung vor dem Leben besitze. Da ich auf keinen Fall niemals mehr Menschen töten wollte, ernährte ich mich von Tierblut. Ich erhoffte mir, eine Seuche einzufangen: Irgendetwas, das mich von meiner ewigen Finsternis erlöst hätte, aber ich fand auf diesem Wege keine Erlösung. Nur noch zwei Wünsche beflügelten mich: wieder sterblich zu werden und durch aufrichtige Liebe eines Menschen auf ewig friedlich zu ruhen. Aufgrund dessen, daß ich keine Menschen tötete, und auch wegen meiner emotionalen Gefühlswelt, haßten und ignorierten mich die anderen Untoten. Sie stießen mich aus ihrer Gemeinschaft aus. In der sterblichen Welt mag dies wohl einer Acht oder einem Bann, und in der kirchlichen einer Exkommunikation gleichkommen. Was sollte ich anfangen? Meinesgleichen jagten mich; die sterblichen Wissenschaftler jagten mich auch. Was sollte ich nur beginnen? Ich wendete mich den Sterblichen zu, schon aus dem Grund, meine erlösende Liebe zu finden und: Wo sollte ich sonst Zuflucht suchen?
Bei allen Veranstaltungen und in jeglichen gesellschaftlichen Kreisen fiel ich auf. Meine Unergründlichkeit und mein "etwas anders sein" zogen die Bewunderung der Männer als auch der Frauen auf mich. In Bezug auf die Frauen entfachte sich eine Art von Neid, und sie versuchten, mich nachzuahmen. Sie versuchten, etwas zu kopieren, was sie nie hatten, noch je haben werden. Für die Herren der Schöpfung war ich interessant und erregte Neugier, denn ich war etwas "geheimnisumwittert". Zu jenen Zeiten waren die Frauen noch nicht allzusehr gebildet, und die Emanzipation war noch sehr weit. Die bürgerlichen Frauen besaßen nur das Wissen um haushaltliche Dinge, und die aristokratischen erprobten nur ihre Verführungskünste. Aus diesem Grunde erschrak die Männer- und Frauenwelt sich bald über meine Gelehrsamkeit. Sie ver- und mißachteten mich, bis auf einige wenige.
Ich war in der Lage, mich unsterblich zu verlieben, denn ich habe ja eine Seele. Denjenigen, bei denen ich das Gefühl hatte, daß sie mich wirklich liebten, erzählte ich die Wahrheit über mich. Zuerst waren sie abgestoßen, eine Abneigung, die aus den unerschütterlichen Grundfesten des Aberglaubens herrührte. Als sie aber meine ausgeprägte Gefühlswelt erkannten, als ich sie anflehte, mich zu erlösen und mich dabei den Tränen meiner Schuld hingab, waren sie tief gerührt und vergaßen ihren Aberglauben. Obwohl ich mich an diese Männer gebunden fühlte, war es doch keine aufrichtige Liebe ihrerseits. Er war schlicht und ergreifend Nächstenliebe, nur reines Mitleid, was sie mir entgegenbrachten. Aber schon dafür war ich ihnen sehr dankbar, und ich entwickelte zu jedem einzelnen von ihnen eine platonische Liebe, welche die Grenzen jeder sterblichen Liebesempfindung überschritt. Ich wurde mit ihnen zusammen alt beziehungsweise sie wurden alt, und ich blieb wie ich war. Mit der Zeit starben sie alle fort und gingen ein in eine bessere Welt. Mir wollte das Herz brechen, aber unglücklicherweise brach es nicht. Der Tod so vieler geliebter Menschen schlug tiefe Wunden in mir, über die ich nie wieder hinwegkam. Da die Menschen, die ich liebte, doch immer nur sterben würden, entsagte ich der Liebe und versagte mir selbst jegliches Gefühl, das damit in Zusammenhang stand. Mit der Zeit stumpfte ich ab und ließ nach außen hin keine Gefühle mehr zu. Ich war einsam und verlassen und irrte auf immer und ewig durch meine immerwährende Nacht. Der Tod ist eine Gnade, Gottes größte Gnade, von der "Er" mich ausgeschlossen hat und welche "Er" mir nie gewähren wird.
(ein kleines letztes Drittel an Fortsetzung folgt) |
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Verfasst am:
20.10.2009, 21:23

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Zeit heilt nicht alle Wunden
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| Juska hat Folgendes geschrieben: | Ich wünsche dir Erfolg mit der Geschichte. Sie liest sich so, als wäre sie dir echt so passiert und ja; deinen Namen habe ich vergessen aber irgendwie....
(Phantasie hattest du schon immer, oder sollte ich mich irren?)
Es grüßt dich freundlich Juska |
Hallo Juska,
vielen Dank, aber der Wettbewerb hatte ja schon stattgefunden. Mehr oder minder ist das mein Schreibstil, den ich vor ca. 10 Jahren hatte. Er hat sich ein wenig verändert, aber nicht sehr wesentlich. Es findet sich immer etwas an Gefühlswelt und Melancholie in meinen Schriften.
Ich muß zugeben, daß ich damit keinen Preis gewann, denn nur die besten drei Geschichten wurden mit einem Preis und Geld "belohnt". Es wurde aber bis zur Preisverleihung ein Buch mit den Siegertiteln gedruckt, in welchem dann vorne im Prolog alle Teilnehmer des Wettbewerbs mit Namen und Titel der Geschichte aufgeführt waren....da war ich denn halt dabei
Ich denke, daß wir uns wahrscheinlich noch nicht im Leben über den Weg gelaufen sind oder nicht im Internet. Wenn ich irgendwo neu bin, bin ich auf der Suche und ich bin direkt in meiner Entscheidung. Wenn ich jemanden gefunden habe, mit dem ich Freundschaft pflege, dann kenne ich denjenigen jetzt noch und dieser jemand wäre mein Freund. Oder aber, wenn keine Harmonisierung zustande kommt, gehe ich dem anderen aus dem Weg, als wäre ich ihm nie begegnet bzw. würde der andere dann sicherlich nicht unbedingt freundlich über mich sprechen....
Also sage ich einmal so gerade heraus: Wir kennen uns sicher noch nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Ja, ich hatte schon immer Phantasie, so wie auch du Phantasie besitzt oder Ann, die Moderatorin. Jeder, der hier teilnimmt, besitzt Phantasie, sonst wäre er nicht in der Lage, seine Gefühle und Empfindung so explizit in Worte zu kleiden, wie wir es hier tun.
Auch einen freundlichen Gruß an dich zurück, Juska
@Ann: Vielen Dank. Ich hoffe, die Geschichte ist nicht zu abstrakt.... |
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Verfasst am:
21.10.2009, 09:42

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Zu Deinem Bericht kann man wohl doch gratulieren , denn es ist nicht nur wichtig , ob man einen Preis gewinnt - , sondern ,dass man sich einer Beurteilung stellt , ist schon beachtenswert und mutig.
Wie sagt man doch ? Der Weg ist das Ziel .-
Und auf diesem Weg kann man sich verbessern .
Liebe Grüsse , Rita |
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Verfasst am:
21.10.2009, 20:29

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Zeit heilt nicht alle Wunden
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Gärtner(in)

Anmeldungsdatum: 13.05.2008
Beiträge: 199
Wohnort: Karstädt
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Liebe Wabun Wind,
Deine Geschichte hat mich fasziniert und gleichzeitg erschreckt.
Wabun Wind - Frau der Morgenröte, ein Name, der so ganz zu diesem Stil passt, zu diesem Lied auf die Liebe, die selbst nach Jahrhunderten den Tod besiegen kann und die Ewigkeit überdauert. Schmerz, Trauer und die Sehnsucht nach Erlösung lese ich in Deiner Geschichte, die ich sehr gern gelesen habe.
Ich bin auf den Schluss gespannt...
Liebe Grüße
Raina |
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Verfasst am:
24.10.2009, 10:05

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Dankeschön, ihr beiden, rita und Raina. Der letzte Teil wird wieder etwas ganz abweichend von den anderen beiden Teilen sein. Es ist auch ein wenig Gesellschaftskritik dabei, wie Mitmenschen Leute behandeln, die eben nicht so ins Schema passen, aber es kommt nicht ganz so drastisch nach außen.
Grüße
Wabun |
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Verfasst am:
24.10.2009, 10:31

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Zeit heilt nicht alle Wunden
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Da ich eine hohe Achtung vor dem Leben habe, taten mir mit der Zeit sogar die Tiere leid, dich ich für meine Überlebenszwecke tötete. Eine glückliche Fügung der modernen Technik ermöglichte es, ab dem 19. Jahrhundert Blut zu kaufen. Aber der Zeit besorgte ich mir für teures Geld Blutkonserven von den Hospitälern. Nun war ich einer meiner größten Sorgen ledig: Lebewesen als Nahrung zu töten.
Die Technik brachte noch mehr Errungenschaften mit sich und ermöglichte es mir, Dinge mittels Filmtheatern und jetzt auch Fernsehgeräten zu besehen und zu erleben, die mir sonst versagt blieben. Es ist etwas Wundervolles, den Sonnenaufgang auf der Leinwand zu betrachten und zu spüren, wie alles zu neuem Leben erwacht. Doch danach folgt der Sonnenuntergang, und die Nacht zieht herauf. Über alles legt sich etwas wie ein friedlicher endloser Schlummer, nur über mich nicht; denn dann erwache ich zu meinem unheilvollen Leben. Trost und Erfüllung finde ich nicht in meiner Einsamkeit, auch wenn meine Augen jetzt schöne Dinge wahrnehmen können.
Aber was sollte denn auch anderes aus mir werden als ein Wiedergänger: Unschuldig zu Tode gefoltertund in ungeweihter Erde bestattet? Je länger ich dieses verruchte Dasein führe, desto qualvoller ist für mich meine Umwelt und desto schmerzvoller die Wunden, die meine Seele empfängt. Werde ich von diesem Dasein entbunden, hat dies alles ein wunderbares heilsames Ende. Die Qualen dieses jämmerlichen Daseins werden für immer erloschen sein. Ich rede wirr, denn ich werde übermannt, und meine Gefühlswelt droht zusammenzubrechen. Ach, meine Freundin, Du bringst mir diese Liebe entgegen, auf die ich achthundertsiebzig Jahre gewartet habe, die aufrichtige Liebe. Bitte, ich bitte Dich, meine herzallerliebste Freundin, bitte erlöse mich, erlöse mich endlich!"
Nachdem ich die Lebensgeschichte meiner Bekannten und Freundin vernommen hatte, brachte ich ihr zuerst ein Mitleid entgegen, das mich in der Tiefe meines Herzens rührte. Aber dieses Mitleid entwickelte sich zu einer aufopfernden Liebe, einer platonischen Liebe, keiner körperlichen. Ich habe mich fest dazu entschlossen, Karola Greifswälder auf friedlichem Wege zu erlösen. Auf keinen Fall werde ich sie durch einen Pfahl im Herzen, durch die Abtrennung ihres Kopfes oder durch Verbrennung zu Tode kommen lassen.
Mit dem Bericht ihres Lebens verfolgte ich ein Ziel und verfolge es noch: gegen die Abergläubigkeit der Menschen anzukämpfen. Es gibt solche und solche, unter den Menschen wie auch unter den Vampiren. Nicht jeder Vampir muß grausam vernichtet werden, um die Menschheit von ihm zu erlösen. Hat vielleicht irgendein Pseudowissenschaftler schon einmal daran gedacht, einen Vampir von der Menschheit zu erlösen? Auf keinen Fall möchte ich, daß der Vampirglaube überhaupt aufhört zu existieren, denn es gibt sie wirklich, die Vampire. Wir nehmen sie nur nicht wahr, denn sie sehen aus wie jeder gewöhnliche Sterbliche. Wahrscheinlich haben wir es in unserer industriellen Welt, unserer "Ellenbogengesellschaft", mehr mit Vampiren zu schaffen, als wir es je ahnen könnten.
Ja, ich bin für die Vernichtung: für die Vernichtung des Aberglaubens, aber nicht die der Vampire.
Ja, ich bin für die Erhaltung: für die Erhaltung des Vampirglaubens, des gegenseitigen Einvernehmens und des ineinanderübergreifenden Verständnisses.
All dies, was nicht da ist und fehlt, wirkt sich aus wie eine Zivilisationskrankheit. Je weiter die Industrialisierung und Technologie fortschreitet, desto mehr verlieren die Menschen ihre Menschlichkeit und ihre Tugenden. Wie viele Menschen haben wir schon aus unserer Gesellschaft ("Ellenbogen") ausgestoßen, weil sie "anders" sind als wir und sich nicht in unser wirtschaftliches Gesamtkonzept einpassen lassen? Wie viele Gelehrte, Genies und "Andersartige" haben wir schon zu Außenseitern abgestempelt? Es sind unzählige. Es sind so viele, daß sie den Rahmen des "Guiness-Buch der Rekorde" zu sprengen drohen.
Möglicherweise waren und sind unter den Außenseitern auch einige Vampire darunter, die unter der Mißachtung und Verständnislosigkeit leiden und sterben wollen, nur weil die Menschen - wie die "drei Affen" - Augen, Ohren und Herzen verschließen und nichts sehen, hören und wahrnehmen wollen (und vielleicht auch wirklich nicht können?).
ENDE
(Ich glaube, daß dieses Endstück dem Werk einen Strich durch den Preisgewinn machte und der Jury womöglich mißfiel. Aber wenn ich etwas schreibe, muß manch ein Leser auch mit meinen Kommentaren am Ende rechnen.)
Wabun Wind |
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Verfasst am:
25.10.2009, 14:44

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Hallo Wabun Wind,
Deine Geschichte hat mich fasziniert. Mit ganz viel Spannung habe ich sie gelesen.
Für mich ist sie eine Meisterleistung.
Liebe Sonntagsgrüße
Ann |
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Verfasst am:
03.11.2009, 23:35

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Hallo , ich hab das Gefühl wieder mit der Schulklasse
in Lemgo vor den Quälgerätschaften zu stehen .
Stuhl mit Nägeln usw.Wie auch schon von Dir beschrieben.
Neid und Missgunst und Habsucht brachte solche Handhabung ,
die zum Tod , wie auch immer gemacht , führte .Rita |
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Verfasst am:
13.12.2009, 22:12

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Hallo WabunWind,
Jetzt, wo deine Geschichte zu Ende ist, möchte ich mich schnell damit beschäftigen.
Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass du dich sehr gut ausgedrückt hast.
Was eventuell die Jury verunsichert haben könnte (genau wie mich), ist deine Erzählung in der Ich-Form, die aber doch lt. Aussage die Geschichte der Bekannten sein soll, die aber erst 30 Jahre zählt. Ein Verwirrspiel, auch wenn das Leben als Vampir unendlich lang weitergeht.
Ab der Zeit als Vampir verliest du deinen Schreibstil ein wenig. Ich bin im Moment sehr mit dem Lesen für meine nächste Geschichte beschäftigt und hatte daher nur kurz deine KG überflogen.
Ich müsste mir die Zeit nehmen, sie noch einmal gründlich zu lesen.
Im Großen und Ganzen in meinen Augen ein recht gutes Werk.
(vor allem, was den Ausdruck angeht!)
liebe Grüße Juska |
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