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| Gedichte - Gottfried Keller 1819-1890 schweiz. Dichter Politiker |
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Verfasst am:
12.01.2008, 17:17

Gedichte
Gottfried Keller 1819-1890 schweiz. Dichter Politiker
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(Erwiderung auf sein Lied : Unter dem Himmel . Morgenblatt 1845 )
An Justinius Kerner
Laßt mich in Gras und Blumen liegen
und schaun dem blauen Himmel zu ,
wie goldne Wolken ihn durchfliegen ,
in ihm ein Falke kreist in Ruh .
Die blaue Stille stört dort oben
kein Dampfer und kein Segelschiff ,
nicht Menschentritt , nicht Pferdetoben ,
nicht des Dampfwagens wilder Pfiff .
Laßt satt mich schaun in dieser Klarheit ,
in diesem stillen , sel'gen Raum :
Denn bald könnt werden ja zur Wahrheit
das Fliegen , der unsel'ge Traum .
Dann flieht der Vogel aus den Lüften ,
wie aus dem Rhein der Salmen schon ,
und wo einst singend Lerchen schifften ,
schifft grämlich stumm Britannias Sohn .
Schau ich zum Himmel zu gewahren ,
warum' s so plötzlich dunkel sei ,
erblick ich einen Zug von Waren ,
der an der Sonne schifft vorbei .
Fühl Regen ich beim Sonnenscheine ,
such nach dem Regenbogen keck ,
ist es nicht Wasser , wie ich meine ,
wurd in der Luft ein Oelfaß leck .
Satt laßt mich schaun vom Erdgetümmel ,
zum Himmel , eh es ist zu spät ,
wann , wie vom Erdball , so vom Himmel
die Poesie still trauernd geht .
Verzeiht dies Lied des Dichters Grolle ,
träumt er von solchem Himmelsgraus ,
er , den die Zeit , die dampfestolle ,
schließt von der Erde lieblos aus .
Dein Lied ist rührend , edler Sänger ,
doch zürne dem Genossen nicht ,
wird ihm darob das Herz nicht bänger ,
das , dir erwidernd , also spricht :
Die Poesie ist angeboren ,
und sie erkennt kein Dort und Hier !
Ja , ging die Seele mir verloren ,
sie führ zur Hölle selbst mit mir .
Inzwischen sieht's auf dieser Erde
noch lange nicht so graulich aus ,
und manchmal scheint mir, daß das :Werde !
ertön erst recht dem ,, Dichterhaus ''
Schon schafft der Geist sich Sturmesschwingen
und spannt Eliaswagen an ;
willst träumend du im Grase singen ,
Wer hindert dich, Poet daran ?
Ich grüße dich im Schäferkleide ,
herfahrend , - doch mein Feuerdrach'
trägt mich vorbei , die dunkle Heide
und deine Geister schaun uns nach .
Was deine alten Pergamente
von tollem Zauber kund dir tun ,
das seh ich durch die Elemente
in Geistes Dienst verwirklicht nun .
Ich seh sie keuchend glühn und sprühen ,
stahlschimmernd bauen Land und Stadt ,
indes das Menschenkind zu blühen
und singen wieder Muße hat .
und wenn vielleicht in hundert Jahren
ein Luftschiff hoch mit Griechenwein
durchs Morgenrot käm hergefahren -
wer möchte da nicht Fährmann sein ?
Dann bög ich mich , ein sel'ger Zecher ,
wohl über Bord von Kränzen schwer ,
und gösse langsam meinen Becher
hinab in das verlaßne Meer , |
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Sponsor
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Verfasst am:
27.10.2009, 00:29

Gedichte
Gottfried Keller 1819-1890 schweiz. Dichter Politiker
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In der Trauer
Ein Meister bin ich worden
zu weben Gram und Leid ;
ich webe Tag und Nächte
am schweren Trauerkleid .
Ich schlepp es auf der Strasse
mühselig und bestaubt ;
ich trag von spitzen Dornen
ein Kränzlein auf dem Haupt .
Die Sonne steht am Himmel ,
sie sieht es , und sie lacht :
was geht da für ein Zwerglein
in einer Königstracht ?
Ich lege Kron und Mantel
beschämt am Wege hin
und muss nun ohne Trauer
und ohne Freuden ziehn ! |
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