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| Autor |
Nachricht |
| Kurzgeschichten - Späte Depressionen |
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Verfasst am:
14.11.2009, 18:29

Kurzgeschichten
Späte Depressionen
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Hallo FeelLetter,
wer spricht schon gerne über eigene Depressionen? Sollte sie trotzdem jemand bemerken, werden sie meistens abgestritten. Was werden die Leute denken, wenn ich zugebe, dass ich depressiv bin? Niemand traut mir dann noch etwas zu. So ist doch die Meinung der meisten Menschen, die mit Depressionen zu kämpfen haben. Es sollte mehr Aufklärung darüber geben.
Liebe Abendgrüße
Ann |
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Verfasst am:
14.11.2009, 21:19

Kurzgeschichten
Späte Depressionen
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Aufgeschreckt, immer wieder aufgeschreckt,
kurz nur, einen Moment, vielleicht
auch ein wenig länger, Stunden?
Die Menschen, ja, sie hören und sie sehen,
doch sie hören nicht hin, nicht zu, schauen nicht
auf, nicht genauer dorthin, wo das Leben der anderen
wütet. Doch plötzlich, plötzlich werden sie aus ihrem Schlaf
gerissen, ihrer Trance. Sie sind entsetzt, verwundert, wollen
doch so gern auch Mitleid empfinden, woher nehmen, wenn es
nicht aus ihrem Innersten kommt. Dann setzen sie ihre Trauermine
auf, ihr zutiefst entsetztes Gesicht, fast bahnen sich Tränen ihren Weg nach draußen,
ja draußen, da wo das Leben übel mitspielt, oh Gott, oh je, was ist bloß los
mit den Menschen heutzutage…???
Nach dem dieser unvermeidliche Moment vorbei ist, setzen sie ihr Tun fort, als wäre nichts
gewesen, nichts, als das, was tagtäglich passiert, nur ein Rauschen in den Medien, das
an ihren Sinnen vorbeizieht, ohne wirklich auch nur die kleinste Kerbe in ihrem
Bewusstsein zu hinterlassen.
Zuviel der Informationen, zu viel des Leids, zu viel der Prominenz??? …
… Oder eher die Angst, sich selbst in die Augen sehen zu müssen??? |
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Verfasst am:
15.11.2009, 12:58

Kurzgeschichten
Späte Depressionen
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Liebe Ann,
ja, wer spricht schon gern über seine eigenen Depressionen, über seine Krankheit?
Doch hier geht es in erster Linie nicht darum, dass sie sich zeigen sollen. Esa gibt nur Dinge, die bei den Menschen ein gewisses Aha-Erlebnis hervorrufen, doch in Wirklichkeit erzeugt dieser eine Moment der Erkenntnis nur neue Missverständnisse. Natürlich kann man dieses Ereignis als Anstoß für weitere Aufklärung nutzen. Doch dieses AHA und dann doch nur OKAY bringt einfach nichts. Als wüssten sie nach einer Woche, was Depressionen sind, welche Fotos sie in die Zeitung setzen sollen.
Ich verstehe, dass es schwer ist, aber in Wirklichkeit haben diese Menschen nicht gesehen, was Depressionen sind. Sie haben den Selbstmord gesehen, die Trauerfeier, die weinenden Angehörigen. Aber sie haben nicht die feuchten Augen, den Winkel des Mundes gesehen, als der Leidende wieder einen Depressionsanfall erlitt. Sie haben nicht dessen zitternden Finger gehalten. Sie haben nicht nächtelang wachgelegen, weil sie dessen Winseln in den Ohren hatten.
Um das Ganze zu verstehen, reichen nicht eine Woche Medienrummel. Es reicht nicht, in dieser kurzen Zeit den Zuhörern und-schauern das Wort Depression einzuhämmern. Dadurch kommt es nur zu Missverständnissen.
Vielleicht können sie erst nach jahrelanger Aufklärung dem Nächsten in die Augen blicken für dieses Aha-Erlebnis: Aha, ich habe mich geirrt, aha, ich bin jetzt schlauer, aha, ich hatte meine Erfahrungen, ob jetzt indirekt oder direkt.
So wie auch du, liebe/r Zugreisende es beschrieben hast. |
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