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  Gedichte  -  Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:35  Neue Antwort erstellen
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Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Unbegehrt

Es stand eine Rose im tief tiefen Grund
Von Liebe und Sehnsucht durchglühet,
Kam Keiner, der ihre Schönheit begehrt,
Ist einsam und traurig verblüht.

Ich weiß eine Seele, die glühte so heiß,
Die Liebe, das Glück zu umfangen,
Kam Keiner, der ihre Blüte begehrt,
Ist einsam zu Grunde gegangen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:36  Neue Antwort erstellen
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Einsamkeit

Einsamkeit, ernsthafte Frau,
Tratest einst still in mein Zimmer,
Ach, und ich wollte dich nimmer,
Grüßte dich finster und rauh.

Nicktest nur milde dazu,
Ließest dich doch nicht verjagen,
Mußte dich eben ertragen,
Sangest mich heimlich zur Ruh.

Sieh, und nun weiß ich genau:
Wolltest du heut von mir scheiden,
Würde ich tief darunter leiden,
Einsamkeit, ernsthafte Frau.
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:36  Neue Antwort erstellen
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Schelmenlied

Ich lauscht' dem Fink im grünen Haag,
Das hat mich so bethöret.
Ach, hätt' ich auf den lust'gen Schlag
Des Kecken nicht gehöret!

Er sang so süß von Lieb' und Glück,
Vom Küssen mir ins Ohr –
Vom Scheiden kam im ganzen Stück
Kein Sterbenswörtchen vor.
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:37  Neue Antwort erstellen
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Sehnsucht

Sturm, wer gab dir den Atem?
Welle, wer gab dir Flügel?
Und du Vöglein droben im schimmernden Blau,
Wer rief dich über die Hügel?
Ich weiß, ach ich weiß …

Es geht eine alte Melodie,
Die war mit der Menschheit geboren,
Jahrtausende starben, sie hat sich nie
Im Lärmen des Tages verloren:
Sehnsucht, Sehnsucht,
Treibende Macht!
Gott, der in Fesseln
Der Knechtschaft lacht,
Zagenden heimlich die Schwingen löst,
Trunk’ne hinab in den Abgrund stößt,
Sonne des Tages,
Seele der Nacht –
Sehnsucht, Sehnsucht,
Treibende Macht!
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:37  Neue Antwort erstellen
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Verzweiflung

Ich lache ja, bin lustig wie die andern!
Nur dann und wann
Schaut die Verzweiflung mich aus einem Winkel
Der Seele an.

Dann schleiche ich mit jäh erblaßten Lippen
Mich still hinaus,
Reiß mir das bunte Narrenkleid vom Leibe
Und weine mich aus.
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:38  Neue Antwort erstellen
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Novemberabend

Kein Licht am Himmel,
Kein Laut auf den Gassen ...
In Dunkel und Stille,
Wie bin ich verlassen.

Es rauschen die Bäume ...
Der Wind hebt sich leise
Zu friedloser Irrfahrt,
Zu freudloser Reise.

Das Feuer im Ofen
Sinkt knisternd zusammen,
Von Asche begraben,
Ersticken die Flammen.

Die Lampe nur leuchtet
Hinein in das Zimmer
Und breitet um Alles
Den ruhigen Schimmer.

Sie weckt an den Wänden
Die Bilder der Lieben
Und segnet das Lied,
Das ich weinend geschrieben.

Und weiß wie ein Freund
Von vergangenen Tagen
Mir tausend vergessene
Dinge zu sagen.

Die tönen wie *ärchen
Voll Sonne und Freude
Hinein in das graue,
Verlassene Heute.
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:38  Neue Antwort erstellen
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Am Wege

Wild gelebt und heiß geliebt –
Einsam doch gestorben!
Nach der sel'gen Frühlingslust
Hier am Weg verdorben.

Gestern noch so schön und keck,
Heut des Sturmes Beute,
Gestern noch ein blühend Reis –
Und verdorret heute!
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:39  Neue Antwort erstellen
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Vom Christkind

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehn!
Es kam aus dem Walde, das *ützchen voll Schnee,
mit gefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh;
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her –
was drin war, *öchtet ihr wissen?
Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack,
meint ihr, er wäre offen, der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiß was Schönes drin:
es roch so nach Äpfeln und Nüssen!
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:40  Neue Antwort erstellen
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Weihnachten

Weißer Flöckchen Schwebefall,
Stille Klarheit überall,
Glockenklang und Schellenklingen,
*äulchen, die vom Christkind singen,
Flammen, die von grünen Zweigen
Gläubig, strahlend aufwärts steigen,
Und im tiefsten Herzen drinnen
Ein Erinnern, ein Besinnen …

Neige dich, mein Herz, und bete,
Daß das Christkind zu dir trete,
Auch in deiner Schwachheit Gründen
Eine Flamme zu entzünden,
Die das Ringen Deiner Tage
Gläubig strahlend aufwärts trage.
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:42  Neue Antwort erstellen
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Und damals tat's nicht halb so weh.

Was gingst du nicht in jener Nacht,
Da ich dir trotzig sagte; "Geh!"
Auch heute gilt dasselbe Wort
Und damals tat's nicht halb so weh.

Ach, damals wagt' ich noch den Kampf,
Da war ich mutig, jung und stark,
Doch wenn du heute von mir gehst,
Dann trifft der Streich mich bis ins Mark.
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BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:42  Neue Antwort erstellen
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Schlimme Zeichen

Im Walde, da flüstern
Die Bäume so bang,
Und der Wind streicht so scheu
An den Hängen entlang,
Und die Sonne am Himmel,
Die leuchtet so roth –
O weh meiner Seele,
Mein Liebster ist todt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:43  Neue Antwort erstellen
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Auf der alten Stadtmauer

Am alten Gemäuer das Treppchen hinan –
Nun, *ärchendämmrung, nimm mich auf!
Es rauscht die Linde,
Es blinkt der Teich,
Und Abendwinde
Rühren so weich
Mich an ...
Hier hat wohl Manche
Aus Lust und Streit
Sich hergeflüchtet
Im Abendschein,
Und ihre Seele
Flog meilenweit
Ins Land hinein.
Und Sterne blühten
Am Himmel auf,
Und Träume stiegen
Vom Grund herauf,
Und Tränen sanken
Heiß auf den Stein –
O Frauensehnsucht,
Wenn schläfst du ein ...?
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:44  Neue Antwort erstellen
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Liebe

Leise wie ein Hauch,
Zärtlich wie ein Lied,
Furchtsam wie der Schatten,
Und so treu doch auch –
Arme kleine Liebe,
Die ich hart verstieß,
Die ich oft des Tages,
Zürnend von mir wies,

Stehst du nun zur Nacht,
Stehst vor meiner Tür,
Rufst mit süßer Stimme,
Bis ich aufgemacht?
Arme kleine Liebe,
Hast nun doch gesiegt,
Daß dir meine Seele
Still zu Füßen liegt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:44  Neue Antwort erstellen
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Vorfrühling

Über den Feldern ein warmer Hauch,
Schwellende Knospen am Dornenstrauch
Ungeduldige Wölkchen schweben
Über mir hin, und fern im Land,
Wo die Berge ihr Haupt erheben,
Aus dem feinen, bläulichen Rauch
Winkt eine Hand:
»Wartest du auch?
Wartest du auch auf das blühende Leben...?«
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Ann
BeitragVerfasst am: 25.09.2011, 19:45  Neue Antwort erstellen
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Frühlingssegen

Der Schlehbusch am Wege
Schimmert in Blüthen,
An den Geländen
Des Thales entlang
Schreitet der Frühling
Mit segnenden Händen.
Über den Wiesen
Hängt Glockenklang,
Früsternde Stimmchen
Erwachen im Dorn,
Und auf den Feldern,
Aus Schollen und Ritzen,
Lugt es hervor
Mit grünlichen Spitzen,
Das heilige Korn.
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