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| Gedichte - Anna Ritter 1865-1921 Dichterin |
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Verfasst am:
12.11.2005, 20:10

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Und geh' doch Niemand an ...
Wie liegt die Welt so stille,
Als hätt' ein heil'ger Wille
Sie fest mit Schlaf umhegt;
Die weißen Nebel steigen,
Der Wind schläft in den Zweigen,
Kein Blättchen sich mehr regt.
Auf dunklen Himmelswogen
Kommt nun die Nacht gezogen
In ihrem goldnen Kahn,
Ich steh' in meinem Garten,
Als sollt ich wen erwarten -
Und geh' doch Niemand an! |
Zuletzt bearbeitet von Ann am 26.03.2008, 18:30, insgesamt einmal bearbeitet |
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Verfasst am:
12.11.2005, 20:12

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Ich glaub', lieber Schatz ...
Unter den blühenden Linden -
Weißt du's noch?
Wir konnten das Ende nicht finden,
Erst küßtest du mich,
Und dann küßte ich dich -
Ich glaub', lieber Schatz, es war Sünde,
Aber süß, aber süß war es doch!
Der Vater rief durch den Garten -
Weißt du's noch?
Wir schwiegen ... der Vater kann warten!
Erst küßtest du mich,
Und dann küßte ich dich:
Ich glaub', lieber Schatz, es war Sünde,
Aber süß, aber süß war es doch |
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Verfasst am:
12.11.2005, 20:14

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Der neidische Mond
Nun küsse mich, ich halte still,
Du lieber, lieber Mann,
Und zieht der Mond ein schief Gesicht -
Was geht's den Mond wohl an!
Ich glaube gar, den alten Herrn
Plagt nur der blasse Neid:
Der ginge lieber auch zu Zwei'n
Durch seine Ewigkeit. |
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Verfasst am:
12.11.2005, 20:16

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Ein Stündchen lang
Ich hab' an seiner Brust geruht,
In seinen Armen schlief ich ein,
Und kreuzt er nimmer meinen Weg -
Er war doch eine Stunde mein!
Und wenn ich dieser Stunde Glück
Mit meinem Leben zahlen müßt',
Ich ginge lächelnd in den Tod -
Er hat mich einmal doch geküßt! |
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Verfasst am:
12.11.2005, 20:19

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Vom Küssen
War ich gar so jung und dumm,
Wollte gerne wissen:
»Warum ist mein Mund so roth?«
Sprach der Mai:
»Zum Küssen.«
Als der Nebel schlich durch's Land,
Hab ich fragen müssen:
»Warum ist mein Mund so blaß?«
Sprach der Herbst:
»Vom Küssen.« |
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Verfasst am:
12.11.2005, 20:21

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Das hat die Sommernacht gethan
Die Nacht ist keines Menschen Freund -
Was flüsterst du von Treue?
Der Mond verblaßt, der Morgen graut ...
Am Bette sitzt die Reue.
Die Reue ist ein häßlich Weib
Und möcht' mich wohl verderben -
Reiß mir das Herz nicht aus dem Leib,
Ich will ja noch nicht sterben.
Mein Blut ist heiß, dein Mund so süß ...
O Gott, wie kannst du küssen!
Das hat die Sommernacht gethan,
Daß wir versinken müssen. |
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Verfasst am:
03.03.2006, 19:02

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Rosenlied
Wir senkten die Wurzeln in Moos und Gestein,
Wir wiegten die Schultern im rosigen Schein,
Wir tranken die Sonne, den Thau und das Licht,
Wir prangten in Schönheit und wußten es nicht.
Der Lenz strich vorüber und küßte uns leis,
Der Tag ward so still und die Nächte so heiß,
Der Wind sprach von Liebe manch flüsterndes Wort,
Ein Schritt kam gegangen .. ein Arm trug uns fort.
Wer hält unser Leben in zitternder Hand?
Es duftet und rieselt ein weißes Gewand ...
Wir sehn eine Brust, die Sehnsucht erregt,
Wir hören ein Herz, das in Leidenschaft schlägt.
Von Liebe gebrochen, zu Liebe gebracht -
Wir grüssen dich, Schwester, in schweigender Nacht.
Der Tag, der zu holderem Blühen dich ruft,
Er schenkt unsre Schönheit verwelkt in die Gruft. |
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Verfasst am:
03.03.2006, 19:05

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Wo die Zweige
Wo die Zweige am dichtesten hangen,
die Wege am tiefsten verschneit,
da ist um die Dämmerzeit
im Walde das Christkind gegangen.
Es mußte sich wacker plagen,
denn einen riesigen Sack
hat's meilenweit huckepack
auf den schmächtigen Schultern getragen.
Zwei spielende Häschen saßen
geduckt am schneeigen Rain.
Die traf solch blendender Schein,
daß sie das Spielen vergaßen.
Doch das Eichhorn hob schnuppernd die Ohren
und suchte die halbe Nacht,
ob das Christkind von all seiner Pracht
nicht ein einziges Nüßchen verloren. |
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Verfasst am:
01.07.2006, 22:16

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Es ist so still ...
Es ist so still, seit du gestorben bist!
So furchtbar still ...
Sonst teilte ich nach deinem Gehen und Kommen
Den Tag mir ein, und jede Stunde hatte
Ihr schönes Amt und ihre liebe Pflicht -
Nun kann ich tun und lassen, was ich will,
Gibt es doch nichts, das Fröhlichkeit bedeute. -
Die mich besuchen, sind mir fremde Leute,
Sie kannten dich und meinen Reichtum nicht,
Sie wissen nicht, was ich mit dir verloren.
Nur aus der Kinder lieblichem Gesicht
Schaut heimlich wohl dein liebes Bild hervor.
Dann träum' ich mich in jene Zeit zurück,
Auf meiner Schwelle steht das alte Glück
Und lacht mich an - bis sich die Schatten dehnen
Und die erträumte Seligkeit versinkt. -
Wer weiß um solche Bitterkeit der Tränen,
Um solche Sehnsucht, die ins Leere winkt |
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Verfasst am:
25.09.2011, 20:32

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Gekränkte Unschuld
Ein Rad gebrochen... Da liegt das Heu...
Da liegt der Wagen, und nebenbei
ein blasses, schmächtiges Dirnlein steht,
das heulend die Zipfel der Schürze dreht.
"Was willst denn"? Ich streichle ihm sanft das Gesicht.
Da zeigt's auf den riesigen Wagen, und spricht,
das zitternde Stimmchen von Schluchzen zerrissen:
"Sie sagen, ich hätte ihn umgeschmissen". |
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Verfasst am:
25.09.2011, 20:33

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Stille Zeit
Die Tage rinnen leise hin…
Ein jeder bringt ein liebes Glück
Und eine liebe Sorge mit,
Und schau ich so den Weg zurück,
Den ich mit dir gegangen bin,
Da will es mir fast bange werden
Um so viel Seligkeit auf Erden. |
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Verfasst am:
25.09.2011, 20:33

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Denkt euch, ich habe das Christkind geseh'n!
Es kam aus dem Wald, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.
Denn es trug einen Sack,
der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack,
meint ihr, er wäre offen, der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiß etwas Schönes drin,
es roch so nach Äpfeln und Nüssen! |
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Verfasst am:
25.09.2011, 20:34

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Vom Küssen
War ich gar so jung und dumm,
Wollte gerne wissen:
"Warum ist mein Mund so roth?"
Sprach der Mai: "Zum Küssen."
Als der Nebel schlich durch's Land,
Hab ich fragen müssen:
"Warum ist mein Mund so blaß?"
Sprach der Herbst: "Vom Küssen." |
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Verfasst am:
25.09.2011, 20:34

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Mein Falke
O Sehnsucht, wilder Falke mein,
Willst du auch müde werden?
Dess' Heimat hoch im Blauen war,
Behagt's dir nun auf Erden?
Wie oft hast du den jungen Sinn
Aus diesen grauen Tagen
Hoch über Sorge, Not und Leid
Getragen.
Bis mir das dunkle Tal entschwand
Im märchenweiter Ferne
Und um mein glühend Haupt sich bog
Das Diadem der Sterne.
Nun beugst auch du die stolze Stirn
Und läßt die Flügel hängen,
Nun hat auch dich die Sorgenfrau
Gefangen.
Brich deine Fesseln, Wanderfalk,
Und hebe dein Gefieder -
Siehst du die Sterne droben glühn,
Hörst du die süßen Lieder?
Es ist die Heimat, die uns ruft,
Sie lockt mit Lust und Wonne,
Steig auf mit hellem Jubelschrei
Zur Sonne! |
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Verfasst am:
25.09.2011, 20:35

Gedichte
Anna Ritter 1865-1921 Dichterin
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Erinnerungsblatt
Sein Leben war ein ernst, beharrlich Wandern
Nach einem hohen Berg, darauf sie stand,
Und als er endlich sich am Ziele fand,
Da neigte sie sich lächelnd einem Andern!
Nun geht er still den langen Weg zurück.
Kein Hoffen darf die Schritte mehr beflügeln,
Und hinter ihm, auf jenen blauen Hügeln,
Verblaßt, verdämmert seiner Seele Glück. |
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