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„Können Schmetterlinge tanzen?“, er sah mich mit großen Augen an und stellte diese Frage mit einer solchen Ernsthaftigkeit, dass ich mich sofort für mein Lächeln schämte und nach einer möglichst wiedergutmachenden Antwort suchte.
„Natürlich können sie das, aber wenn sie tanzen, dann immer allein. Sie tun es nicht um zu gefallen, nicht um Feinde einzuschüchtern oder um miteinander zu kommunizieren. Nein, sie tun es einzig und allein um zu leben.“
Seit Stunden saßen wir nun schon auf dem Dach, die Wärme der Sonne hatte nachgelassen, ein leichter Wind wehte. Er fröstelte, was mich ärgerte. Männer müssen stark sein. Ich will beschützt werden und nicht Mitleid haben. Er blickte mich fragend an.
„So wie du das Singen?“ „Ja, genau so. Alles was wir aus irgendeinem vernünftigen Grund machen, ist unwichtig. Weißt du, ich glaube manchmal, dass die Welt gar nicht existiert. Wir sind nur so mit uns selbst beschäftigt und nehmen uns so furchtbar ernst, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, dass es uns vielleicht gar nicht gibt.“ „Und dann wäre es sinnlos, unwichtige Dinge zu tun. Oder Dinge, die einen Grund haben.“ „Genau.“
Er starrte lange versonnen nach unten, biss sich leicht auf die Lippe. Es war alles so widerlich wunderschön, dass ich unruhig wurde. Vollkommenheit ist gefährlich, sie macht uns naiv und verletzbar, sobald wir uns auf sie einlassen.
„Also bist du ein Schmetterling.“ Das war keine Frage, sondern eine Feststellung. „Und wenn wir alle Schmetterlinge sind und nur träumen wir wären Menschen?“, versuchte ich auszuweichen.
„Nun werd' mal nicht sophistisch!“
Das saß. Aber natürlich, wie will man einem Bruchstück der selben Seele auch etwas vormachen? Also Ehrlichkeit: „Ich weiß es nicht. Würdest du mich denn noch lieben, auch wen ich ein Schmetterling wäre?“, fragte ich unsicher.
Zum ersten Mal an diesem Abend blickte er mir direkt ins Gesicht: „Mit dem Lieben ist es wie mit dem Tanzen, dem Singen, jeder Art von Kunst: Wenn es wahrhaftig ist, dann nur wenn wir es ohne vernünftigen Grund tun, vielleicht sogar gerade, weil es unvernünftig ist. Ansonsten ist es sinnlos.“ |
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