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  Gedichte  -  Friederike Brun 1765-1835 dän. Schriftstellerin
Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 20:36  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Friederike Brun 1765-1835 dän. Schriftstellerin
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Ich denke dein [II]

Ich denke dein, wenn sich im Blütenregen
Der Frühling malt;
Und wenn des Sommers mild gereifter Seegen
In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend
Gen Himmel hebt,
Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnend
Zurücke bebt.

Dein denk' ich, wenn der junge Tag sich golden
Der See enthebt,
An neugebornen zarten Blumendolden
Der Frühthau schwebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend röthend
Im Hain verliert,
Und Philomelens Klage leise flötend
Die Seele rührt.

Dein denk' ich, wenn im bunten Blätterkranze
Der Herbst uns grüßt;
Dein, wenn, in seines Schneegewandes Glanze,
Das Jahr sich schließt.

Am Hainquell, ach! im leichten Erlenschatten
Winkt mir dein Bild!
Schnell ist der Wald, schnell sind die Blumenmatten
Mit Glanz erfüllt.

Beim trüben Lampenschein, in bittern Leiden,
Gedacht' ich dein!
Die bange Seele flehte nah' am Scheiden:
»Gedenke mein!«

Ich denke dein, bis wehende Zypressen
Mein Grab umziehn;
Und selbst in Lethe's Strom soll unvergessen
Dein Name blühn!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 17:19, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 20:37  Neue Antwort erstellen
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An meinen Mann

Laut heulet der Sturmwind
im luftigen Haupt
der zitternden Espe -
es brausen die Wogen ans zackichte Ufer,
weit über das Ufer,
weit über die Steine,
mit zischendem Schaum!

Ich höre mit Zittern
den rauschenden Sturm;
Ich höre mit Beben
die heulenden Wogen!
Fern ist der Geliebte,
im schaurigen Walde,
am stürzenden Felsstrom,
im hallenden Thal!

Es hellet kein Sternlein
Dir, Lieber! den Pfad;
Dir lächelt, dir winket
kein Mondstral, o Trauter!
In dunkleren Tiefen
weh'n hüpfende Flämmchen -
O! folge, Geliebter,
den Täuschenden nicht!

O kehre bald wieder
zum heimischen Heerde!
Nicht täuschende Flämmchen -
Die Flamme der Liebe
im Busen des Weibes,
das Lächeln der Freude
im Auge des Knaben,
die harren Dein hier.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 20:38  Neue Antwort erstellen
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An meine Kinder,
den 20. April 1785

Wie süß du schläfst!
Als hätten Himmelsengel
In Schlummer dich geküßt!

Gerne holder Knabe,
Küßte deine Mutter
Dir die Rosenwange,
Dir die Rosenknospe
Der halboffnen Lippen -
Doch sie fürchtet zu scheuchen,
Den Leisathmenden Schlaf!

Ach vor wenig Tagen,
Schlummertest, Geliebter,
Du nicht leisen Schlaf!
Feuchte Todesblässe
Deckte deine Wangen,
Und die Rosenknospe
War verblüht!
Und des Schlafes Bruder
Schwebte ernsten Fluges,
Nahe, nahe Dir!

Ach! es fließt die Thräne
Bang' die Wang herab!

Kleine süsse Seele,
Schatten meines Kindes,
Schwebtest du um mich?
Flüsterst du dem Bruder
Aus den Himmelslauben
Engelträume zu?

Ach es gebahr mit Schmerzen,
Deine Mutter dich!
Ach! es säugte mit Schmerzen
Deine Mutter dich!
Und mit blutendem Herzen,
Gab die arme Mutter
Dich dem treuen Schooße,
Deiner ersten Mutter hin!

Unter duftenden Schatten
Hoher Lebensbäume,
An den blühenden Ufern
Ewger Lebensbäche
Leiten sanfte Engel
Zartes Knäblein dich!
Flößen bessre Nahrung,
Als der Mutter Busen,
Süsses Kind, dir reichte,
Flößen Himmelsspeise
Deinem jungen Geiste ein!

Schlummert beyde sanft!
Erstgebohrner, dich wecket,
Aus der Kindheit frohem Schlummer
Einst der Leidenschaften Sturm!
Und auf wildem Meere
Treibt der kleine Nachen,
Dann umher!

Glücklicher, den frühe
Still der Tod gepflückt,
Keine wilden Stürme
Drohen dir!
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 20:40  Neue Antwort erstellen
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Das Grab der Liebe
Ballade

Es steht ein Fels von der Wog' umrauscht,
In Provincia's purpurnen Fluthen,
Da hab' ich einst Seel' um Seele getauscht
In liebezerschmelzenden Gluthen!
Es schwebten im ewigen Reihentanz
Die Sternlein auf mondlicher Wogen Glanz,
O heilige Stunde der Liebe!

Die Nachtigall sang im Myrtenhain
Aus den abendrothglühenden Schatten;
Es rief daß girrende Täubelein
Zur Liebe, zur Liebe den Gatten!
Und fernher ertönte von Thal und Höh'n
Ein flötendes schmachtendes Sehnsuchtsgetön
Aus liebedurchathmeten Schatten!

Ein Kirchlein steht auf des Felsens Haupt,
Der so prachtvoll die Fluthen umschauet;
Die Stirn vom flüsternden Ölbaum umlaubt,
Den Fuß von Wogen umgrauet!
O Trauter komm, steig' auf des Felsens Höh'!
Dort schau'n wir in die unendliche See,
Unendlich gleich unserer Liebe!

Sie leitet ihn schnell den Fels hinan,
(O wie klopfet's im liebenden Herzen!)
Er folgt auf der dornenumrankten Bahn,
Den Busen voll seliger Schmerzen!
Es blickte der Mond aus dem Wolkenkranz
Durchstrahlte der Bebenden Seelen ganz
Mit flammenden Pfeilen der Liebe.

Geschmiegt an's Herz das klopfende Herz,
Und die Wang' an die Wange gelehnet,
Zerflossen beid' im unendlichen Schmerz,
Die schmachtenden Augen bethränet!
»In der Tiefe wohnt die selige Ruh'!«
So sang's, so tönt' es den Liebenden zu
Aus den silberglänzenden Wogen!

O Mutter der Lieb', in deinen Arm
Nimm huldreich die liebenden Seelen!
So schwindet der bittere finst're Harm,
Worin sie sich ängstlich zerquälen.
Sie sinken vereint vor dem Felsaltar,
Ein reines geweihetes Opferpaar,
Empfange sie Mutter der Gnaden!

»Und nun zurück in die öde Welt,
In die trübenden Fluthen des Lebens,
An starre Klippen das Herz zerschellt,
Und Lieb' und Treue vergebens!
O wogende Fluth und o sternige Höh',
O tiefer Schooß der unendlichen See,
Ihr endet die Qualen der Liebe!«

Und zögernd wanken sie Arm in Arm
Zu des Felsens tiefstürzendem Hange:
»Maria, der Liebenden dich erbarm',
Sie liebten und litten zu lange!«
Und fest sich umschlingend und heiß umarmt,
Und Herz an klopfendem Herzen erwarmt,
So verschlangen sie schäumende Wogen!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:12  Neue Antwort erstellen
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Der beßre Lethe

Leis' umschweben,
Hell umbeben
Uns des Abends Rosengluthen;
Still entwanken
Die Gedanken
Diesen leichtgefurchten Fluthen!

Grüne Hügel
Stehn im Spiegel
Des Gewässers eingetauchet,
Dunkle Haine
Sind vom Scheine
Goldner Wolken angehauchet.

Kleiner Nachen,
Hilf die wachen
Träume unsrer Seelen bilden!
Schon entschweben
Wir dem Leben
Zu Elysischen Gefilden!

Auf den Lethe
Blickt die Röthe
Keines Sommerabends nieder!
Uns entquelle
Deiner Welle
Der Erinnrung Schwangefieder!

Nicht vergessen,
Nur ermessen
Wollen wir der Vorzeit Stunden!
Auf! und Kränze
Aus dem Lenze
Froher Jugend still gewunden!

Auch nicht Schmerzen
Zarter Herzen
Werden in die Fluth versenket -
Sanft erfrische
Das Gemische,
Thräne, die des Freunds gedenket.

Tief hinunter
Sink', o bunter
Tand des öden Weltgewühles!
Sorg' und Kummer
Wieg' in Schlummer
Das Geträum des Kinderspieles!

So entschweben
Wir dem Leben
Hin in des Vergangnen Haine!
Nichts verlohren!
Neugebohren
Steigt der Tag aus Dämmrungsscheine!
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BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:13  Neue Antwort erstellen
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An eine Sängerin

Töne länger, Silberstimme! klage
Seelenwohllaut tiefer mir in's Herz!
Ach! wie Augenblick' entflöhen Tage
Mir in Thränen, mir bei Orpheus Schmerz.
Zauberin! von welchen Harmonieen
Hast Du Ton, und Red' und Sang entlehnt?
Länger athmend mit Iphigenien
Fühlt' ich Gluck aus Deiner Brust verschönt!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:14  Neue Antwort erstellen
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Abendphantasie

Süßes Bild,
Schwebst mir vor mit leisem Sehnen!
Klagst mit wehmuthsvollen Thränen,
Tief in Trauerflor verhüllt.

Wonnezeit!
Ach! Umstrahlt von Frühlingsmilde,
Froh in Tempe's Lichtgefilde,
Lebt' ich dir, o Zärtlichkeit.

Thränen fließt!
Thauend, wie die kleine Quelle
Rieselnd, perlend, Well' an Welle
Über Blumen sich ergießt.

Alles schweigt!
Kaum, daß in des Westes Flüstern,
Unterm Schattendach des düstern
Tannenhains, der Halm sich beugt.

Holder Traum!
Fliehe nicht auf Rosenflügeln;
Weile an des Baches Spiegeln,
Suche nicht des Aethers Raum.

Es entschwand! ...
So entfloh vor Psyche's Kusse
Amor, da mit holdem Gruße
Sie: Geliebter ihn genannt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:14  Neue Antwort erstellen
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Chamonix
beim Sonnenaufgange
(Im Mai 1791)

La Terra, il Mare, le Sfere
Parlan del tuo potere.
Metastasio.


Aus tiefen Schatten des schweigenden Tannenhains
Erblick' ich bebend dich, Scheitel der Ewigkeit,
Blendender Gipfel, von dessen Höhe
Ahndend mein Geist ins Unendliche schwebet!

Wer senkte den Pfeiler tief in der Erde Schooß,
Der, seit Jahrtausenden, fest deine Masse stützt?
Wer thürmte hoch in des Aethers Wölbung
*ächtig und kühn dein umstrahltes Antlitz?

Wer goß euch hoch aus des ewigen Winters Reich,
O Zackenströme, mit Donnergetös' herab?
Und wer gebietet laut mit der Allmacht Stimme:
»Hier sollen ruhen die starrenden Wogen!«

Wer zeichnet dort dem Morgensterne die Bahn,
Wer kränzt mit Blüthen des ewigen Frostes Saum?
Wem tönt in schrecklichen Harmonieen,
Wilder Arveiron, Dein Wogengetümmel?

Jehovah! Jehovah! kracht's im berstenden Eis;
Lavinendonner rollen's die Kluft hinab;
Jehovah! rauscht's in den hellen Wipfeln,
Flüstert's an rieselnden Silberbächen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:15  Neue Antwort erstellen
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Die Nymphe des Mains und der Wanderer

Der Wanderer

Schöne Nymphe des Mains mit den langen wallenden Locken
Sag', o Liebliche, wem eilet entgegen dein Fuß?
Sage, wem schmücktest du dich mit dem Blüthen duftenden Kranze,
Und wem füllte dies Horn sich mit winkender Frucht?

Die Nymphe

Meinem Geliebten entgegen, des Gotthards *ächtigem Sohne,
Wall' ich, bräutlich geschmückt, bringend der Ebene Frucht.
Liebend führet er mich in Bacchus purpurne Lauben,
Tränkt mit der Fülle mich dort herzerquickenden Weins.
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:15  Neue Antwort erstellen
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Der Frühlingsregen am Genfersee

Düstrer Wolkenzug, o schwebe näher,
Walle still am Jura dort hinab;
Und der Landmann, treuer Wetterspäher,
Jub'le: Segen träufelt uns herab!

Seht des schönen Sees Bett verdunkelt,
Wo die *öve dort ins Wasser streift;
Des Saleve Scheitel heiß umfunkelt;
Jenes Huhn, das unters Obdach läuft.

Graue Schatten wandeln, schweben, tauchen
Schnell das Thal in trübe Dämm'rung ein;
Kräuterknospen öffnen sich, und hauchen
Süßern Duft als Zeilons Spezerein.

Regen rieselt freundlich und gelinde
Jetzt auf Hügel, Acker, Wies' und Feld;
Und der Vögelchor im Frühlingswinde
Tönt im Busch, vom Zitterglanz erhellt.

Auf der Dole schwimmt ein Meer von Strahlen;
Purpur färbt das öde Felsenschloß;
Rosenschimmer, die den Mole mahlen
Sinken auf des Sees Spiegelschooß.

Erd' und Himmel, Fels und Thal und Hügel,
Glänzt in reiner Farbenharmonie;
Die Gewässer und der Winde Flügel
Rauschen drein in hoher Melodie.

Schalle dann: Laut durch die Welt ertöne,
Edler Chor, den unser Freund erschuf;
Und der Menschenstimme Zauber kröne
Der Natur vereinten Freudenruf.
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:16  Neue Antwort erstellen
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Spiegelnd ruht
Hier die Flut.
Kreisend seh ich Fischlein blinken;
Aus dem Busche singen Finken.

Still im Tau
Ruht die Au.
Dämmrung hüllt die schwanken Wipfel,
Deckt der runden Hügel Gipfel.

Veilchenduft
Füllt die Luft;
Grünlich knospen junge Bäume,
Und der Hain treibt braune Keime.

Purpurn blinkt,
Traulich sinkt
Dort am Jura hin die Sonne,
Und im Tal lacht Abendwonne.

Hoch verschwebt,
Gold umbebt,
Ragt weit in des Äthers Grenzen,
Weißer Berg! Dein reines Glänzen.

Nächtlich schwer,
Um mich her,
Stehn Savoyens Felsenmauern,
Überwallt mit Nebelsschauern.

Weit und breit,
Blaß verstreut,
Starren Zacken, Häupter, Trümmer;
Nur den Dom kränzt Rosenschimmer.

Stets zurück
Kehrt mein Blick.
Süßer Anblick! O ich sehe
Tief im See die Strahlenhöhe.

Ruhig wallt
Mild umstrahlt
Jetzt der Mond am Azurhimmel;
Um ihn her das Sterngewimmel.
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:17  Neue Antwort erstellen
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Die Insel auf dem Bielersee

An Rousseau's Schatten

Wo Wogen das liebliche Eiland umzieh'n,
Da sitz ich hoch über dem Felsen im Grün,
Und höre, mit schmachtendem Sehnen,
Die Fluthen vertönen.

Von ferneher rauschen, mir tief aus dem See
Erschallend, empor in die luftige Höh',
Verdoppelte dumpfige Schläge
Ans Ufergehege!

Umschwebt nicht im West, der das Eichenblatt beugt,
Dein klagender Schatten, ätherisch und leicht,
Die vormals geliebten Gefilde
Mit himmlischer Milde?

Dort, hoch aus dem silberumflossenen Blau,
O senke dich nieder, wie kühlender Thau;
Verkünde der traurigen *üden
Elysischen Frieden!

Du kanntest dies Sehnen, du kanntest den Schmerz,
Der schwer mir belastet das einsame Herz!
Nun schöpfst du am Strome der Klarheit
Unsterbliche Wahrheit!

Stets glaubend, stillhoffend und liebend wie du,
Ach; find' ich im Schooße der Nacht erst die Ruh',
Entschwebend dem moosigen Hügel
Mit strahlendem Flügel?
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:17  Neue Antwort erstellen
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Mailied

Feier der Lebenden und der Todten

Wonne schwebet,
Lächelt überall;
Schwebt am lichtbegrünten Hügel,
Lächelt aus der Fluthen Spiegel.
Wonne schwebet,
Lächelt überall!

Liebe waltet,
Wirket überall;
In des Haines kühlem Raume,
In dem weißen Blüthenraume.
Liebe waltet,
Wirket überall!

Unschuld wallet,
Unsichtbar doch nah'!
Wallt auf hohem Buchenwipfel,
Weilt im Nestchen unterm Gipfel.
Unschuld wallet,
Unsichtbar doch nah'!

Freude tönet,
Jauchzet fern und nah'!
Auf dem dichtbeblümten Rasen
Hüpfen Kindlein, Lämmer grasen.
Freude tönet,
Jauchzet fern und nah'!

Auf! und windet
Kränze, *ägdelein!
Unschuld, Wonn' und Liebe walten!
Seht die Blümlein sich entfalten!
Auf! und windet
Kränze, *ägdelein!

Hüpfend schwinget
Euch im Maientanz!
Horch! der Kukuk, fern am Weiher,
Ruft dem Sommer! Frühlingsfeier
Währt - ach! währet
Wie der Blüthenkranz!

Wehmut dämmert
Tief im Blumenkelch!
Seht sie in des Thaues Perlen!
Hört sie klagen unter Erlen!
Wehmut dämmert
Tief im Blumenkelch!

Töne leiser,
Sanfter Freuden Chor!
Geister schweben in den Lüften -
Geister wallen mit den Düften -
Töne leiser,
Sanfter Freuden Chor!

Frühling blühet
Auf der Todtengruft!
Nur dem Tod' entkeimt das Leben.
Seht die Schmetterlinge schweben!
Hoffnung waltet
Ob der Todtengruft!
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:18  Neue Antwort erstellen
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Das Bild der Sehnsucht

Süßes Bild, das mir mit leisem Sehnen
Herz und Sinn, und Geist und Auge füllt!
Reine Quelle meiner stillen Thränen,
Nie vergeßnes, immer nahes Bild!

Lächelnd schwebst du auf des Abends Golde,
Neugeboren unter'* Morgenhain;
Und mit Wonneglanz füllt deine holde
Gegenwart selbst Trauerphantasei'n!

In der Andacht hohem Sternenfluge,
Schwebst du winkend meinem Geiste vor;
Weilst mit mir am ernsten Aschenkruge,
Hebest tröstend mir der Zukunft Flor.

Zeigst mir der Vollendung Sonnenauen,
Und die Ruh', der jede Klage schweigt;
Stützest sanft das sinkende Vertrauen;
Flüsterst: »Muth! Bald ist das Ziel erreicht!

Wiederfinden heißt des Zieles Krone,
Ungetrennt dann wandeln einen Pfad.
Sieh! Es reift dem himmelsvollen Lohne
Jede stille ungeseh'ne That!«

Fern getrennt, und doch für mich geboren?
Dunkles Schicksal, das mein Leben lenkt!
Schnell erkannt, und schneller noch verloren,
Beßres Ich, in das mein Geist sich senkt.

Sah' ich dich, und fühlte höh'res Leben
Schöpferisch durch jede Nerve glühn -
Hörte dich, empfand mit tiefem Beben
Feste Bande uns zusammenziehn!

Licht und Kraft und reine Seelenwürde,
Stille Freude, heitre Geistesruh',
Muth für jede, auch die schwerste Bürde,
Lächelte mir sanft dein Auge zu.

Nie gefühltes inniges Vereinen,
Schmiegte Herz an Herz, und Geist an Geist.
Ach! Um dich, um dich sollt' ich nicht weinen,
Bis des Lebens harter Faden reißt?

Ferne! Du vermagst uns nicht zu trennen!
Seelen trennt nicht Berg, nicht Land und Meer,
Ewig werden wir uns wieder kennen:
Banges Herz! Was trauerst du so sehr?
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.09.2007, 20:19  Neue Antwort erstellen
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Der Wald

Nimm mich in kühligen, schattigen Arm,
Säuselnder Hain!
Fern von rauschender Freuden Schwarm,
Ungestört vom nagenden Harm,
Will ich deiner mich freu'n.

Lieblich strömt von den Gipfeln herab
Wallender Duft;
Langsam ans moosige Ufer hinab,
Rollen die murmelnden Wellen ins Grab,
Spiegelschimmernder Luft.

O Natur! wie bist du so schön;
Lieblich und hehr
Deine verjüngende Schönheit zu sehn,
So durch's Leben lächelnd zu gehn,
Mit der Unschuld daher!

Unschuld nur, und du, o Natur!
Seliges Band!
Ihr versüßet das Leben uns nur;
Stets will ich folgen der blumigen Spur
Mit der Lieb' an der Hand!
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