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  Gedichte  -  Ludwig Heinrich Hölty 1748-1776 volkstüml. Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 20:05  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Ludwig Heinrich Hölty 1748-1776 volkstüml. Dichter
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Lebenspflichten

Rosen auf den Weg gestreut,
Und des Harms vergeßen!
Eine kleine Spanne Zeit
Ward uns zugemessen.

Heute hüpft, im Frühlingstanz,
Noch der frohe Knabe;
Morgen weht der Todtenkranz
Schon auf seinem Grabe.

Wonne führt die junge Braut
Heute zum Altare;
Eh die Abendwolke thaut,
Ruht sie auf der Bahre.

Ungewißer, kurzer Daur
Ist dieß Erdeleben;
Und zur Freude, nicht zur Traur,
Uns von Gott gegeben.

Gebet Harm und Grillenfang,
Gebet ihn den Winden;
Ruht, bey frohem Becherklang,
Unter grünen Linden.

Laßet keine Nachtigall
Unbehorcht verstummen,
Keine Bien', im Frühlingsthal,
Unbelauschet summen.

Fühlt, so lang es Gott erlaubt,
Kuß und süße Trauben,
Bis der Tod, der alles raubt,
Kommt, sie euch zu rauben.

Unser schlummerndes Gebein,
In die Gruft gesäet,
Fühlet nicht den Rosenhayn,
Der das Grab umwehet.

Fühlet nicht den Wonneklang
Angestoßner Becher;
Nicht den frohen Rundgesang
Weingelehrter Zecher.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 28.03.2008, 11:36, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 20:06  Neue Antwort erstellen
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Maylied
Willkommen liebe Sommerzeit,
Willkommen schöner May,
Der Blumen auf den Anger streut,
Und alles machet neu.

Die Vögel höhen ihren Sang,
Der ganze Buchenhayn
Wird süßer, süßer Silberklang,
Und Bäche murmeln drein.

Roth stehn die Blumen, weiß und blau,
Und *ädchen pflücken sie,
Bald auf der Flur, bald auf der Au,
Ahi, Herr May, Ahi!

Ihr Busen ist von Blümchen bunt,
Ich sah ihn schöner nie,
Es lacht ihr rosenrother Mund,
Ahi, Herr May, Ahi!
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 20:07  Neue Antwort erstellen
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Maylied
Alles liebet! Liebe gleitet
Durch die blühende Natur,
Liebe zeuget Blumen, breitet
Manchen Teppich auf die Flur.
Das verliebte Haingefieder,
Das sich neue Zellen baut,
Tönet süße Liebeslieder,
Wenn der May vom Himmel thaut.

Liebe malt jezt hellre Rosen
Um den Mund der Schäferin,
Schäferin und Schäfer kosen
Manche goldne Stunde hin.
Sizen unter Apfelblüthen,
Arm in Arm, und Paar an Paar,
Kleine Liebesgötter bieten
Nektar ihren Lippen dar.

Unschuld blickt aus ihren Minen,
Unschuld ihres Standes Loos,
Rothe Blüthen taumeln ihnen
Aus dem Wipfel in den Schoos.
Blau und golden schwebt der Aether
Im bebüschten Gartenteich,
Alle Blüthen werden röther,
Werden Edens Blüthen gleich.

Durch die Blumen, durch die grünen
Kräuter, die der Sonnenschein
Übergoldet, summen Bienen,
Sammeln süßen Nektar ein.
Alles hauchet Scherz und Freude,
Wo des Frühlings Odem bläst,
Die Natur, im Blumenkleide,
Feirt ein allgemeines Fest.

Alles küßt jetzt! Küße flüstern
In beschatteten Alleen,
Wo die Liebenden in düstern
Buchenlabyrinthen gehn.
Küße rauschen in den Lauben,
Um die Abenddämmerung,
Küße geben, Küße rauben
Ist der Welt Beschäftigung.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 20:07  Neue Antwort erstellen
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Üb' immer Treu und Redlichkeit
Üb' immer Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Finger breit
Von Gottes Wegen ab.

Dann wirst du wie auf grünen Au'n,
Durch's Pilgerleben geh'n
Dann kannst du sonder Furcht und Grau'n
Dem Tod ins Antlitz seh'n.

Dann wird die Sichel und der Pflug
In deiner Hand so leicht,
Dann singest du beim Wasserkrug,
Als wär' dir Wein gereicht.

Dem Bösewicht wird alles schwer,
Er tue was er tu,
Ihm gönnt der Tag nicht Freude mehr,
Die Nacht ihm keine Ruh.

Der schöne Frühling lacht ihm nicht,
Ihm lacht kein Ährenfeld,
Er ist auf Lug und Trug erpicht,
Und wünscht sich nichts als Geld.

Der Wind im Hain, das Laub im Baum
Saust ihm Entsetzen zu,
Er findet, nach des Lebens Raum
Im Grabe keine Ruh.

Drum übe Treu und Redlichkeit
Bis an dein kühles Grab,
Und weiche keinen Finger breit
Von Gottes Wegen ab!

Dann suchen Enkel deine Gruft
Und weinen Tränen drauf,
Und Sonnenblumen, voll von Duft,
Blüh'n aus den Tränen auf.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.08.2007, 18:53  Neue Antwort erstellen
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An die Apfelbäume, wo ich Julien erblickte


Ein heilig Säuseln,
Und ein Gesangeston
Durchzittre deine Wipfel,
O Schattengang, wo bang und wild
Der ersten Liebe selige Taumel
Mein Herz berauschten.

Die Abendsonne
Bebte wie lichtes Gold
Durch Purpurblüten,
Bebte wie lichtes Gold
Um ihres Busens Silberschleier;
Und ich zerfloß in Entzückungsschauer.

Nach langer Trennung
Küsse mit Engelkuß
Ein treuer Jüngling hier
Das geliebte Weib,
Und schwör in diesem Blütendunkel
Ew'ge Treue der Auserkornen.

Ein Blümchen sproße,
Wann wir gestorben sind,
Aus jedem Rasen,
Welchen ihr Fuß berührt,
Und trag' auf jedem seiner Blätter
Meines verherrlichten *ädchens Namen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.08.2007, 18:55  Neue Antwort erstellen
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Blumenlied


Es ist ein halbes Himmelreich,
Wenn, Paradiesesblumen gleich,
Aus Klee die Blumen dringen;
Und wenn die Vögel silberhell
Im Garten hier, und dort am Quell,
Auf Blütenbäumen singen.

Doch holder blüht ein edles Weib,
Von Seele gut und schön von Leib,
In frischer Jugendblüte.
Wir lassen alle Blumen stehn,
Das liebe Weibchen anzusehn
Und freun uns ihrer Güte.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.08.2007, 18:58  Neue Antwort erstellen
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Erntelied

Sicheln schallen,
Ähren fallen
Unter Sichelschall;
Auf den *ädchenhüten
Zittern blaue Blüten,
Freud' ist überall.

Sicheln klingen,
*ädchen singen
Unter Sichelklang;
Bis, vom Mond beschimmert,
Rings die Stoppel flimmert,
Tönt der Erntesang.

Alles springet,
Alles singet,
Was nur lallen kann.
Bei dem Erntemahle
Ißt aus einer Schale
Knecht und Bauersmann.

Jeder scherzet,
Jeder herzet
Dann sein Liebelein.
Nach geleerten Kannen
Gehen sie vondannen,
Singen und juchei'n!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:30  Neue Antwort erstellen
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Rosen auf den Weg gestreut und des Harms vergessen!
Eine kurze Spanne Zeit ist uns zugemessen.
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BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:35  Neue Antwort erstellen
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An die Nachtigall

Geuß nicht so laut der liebentflammten Lieder
Tonreichen Schall
Vom Blütenast des Apfelbaums hernieder,
O Nachtigall!

Du tönest mir mit deiner süßen Kehle
Die Liebe wach;
Denn schon durchbebt die Tiefen meiner Seele
Dein schmelzend »Ach«.

Dann flieht der Schlaf von neuem dieses Lager,
Ich starre dann
Mit naßem Blick und totenbleich und hager
Den Himmel an.

Fleuch, Nachtigall, in grüne Finsternisse,
Ins Haingesträuch,
Und spend im Nest der treuen Gattin Küsse,
Entfleuch, Entfleuch!
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BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:38  Neue Antwort erstellen
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Es ist ein halbes Himmelreich,
Wenn, Paradiesesblumen gleich,
Aus Klee die Blumen dringen;
Und wenn die Vögel silberhell
Im Garten hier, und dort am Quell,
Auf Blütenbäumen singen.

Doch holder blüht ein edles Weib,
Von Seele gut und schön von Leib,
In frischer Jugendblüte.
Wir lassen alle Blumen stehn,
Das liebe Weibchen anzusehn
Und freun uns ihrer Güte.
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BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:44  Neue Antwort erstellen
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Der Kuss

Unter Blüten des Mais spielt' ich mit ihrer Hand,
Koste liebend mit ihr, schaute mein schwebendes
Bild im Auge des *ädchens,
Raubt' ihr bebend den ersten Kuss.

Zuckend fliegt nun der Kuss, wie ein versengends Feu'r,
Mir durch Mark und Gebein. Du, die Unsterblichkeit
Durch die Lippen mir sprühte,
Wehe, wehe mir Kühlung zu!
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BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:45  Neue Antwort erstellen
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Die Ersehnte

Brächte dich meinem Arm der nächste Frühling!
Tönten Vögel aus Blüten mir das Brautlied,
Dann, dann hätt' ich Seliger
Schon auf Erden Wonne des Himmels.

Wonne! sie wird mir Paradiese zaubern!
Wird lustwandeln mit mir in Gärten Gottes,
Wird in meinen Armen gewiegt
Den Frühlingsabend beflügeln.

Komm, dich rufet die Sehnsuchtsträn' im Auge!
Dich dies wallende Herz voll süßer Ahndung,
Trübe floß' mein Leben,
O Himmelsbotin, komm, es zu heitern.
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:46  Neue Antwort erstellen
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Die Schiffende

Sie wankt dahin, die Abendwinde spielen
Ihr Apfelblüten zu;
Die Vögelein, so ihre Nähe fühlen,
Erwachen aus der Ruh.

Wie ihr Gewand im Mondenglanze flittert
Und ihres Busens Flor,
Sie wankt dahin, der helle Vollmond zittert
Aus jeder Well' hervor.

Verdeckt mir nicht, ihr hangenden Gesträuche,
Ihr lächelnd Angesicht;
Sie tanzt so schön auf ihrem Silberteiche,
Ihr Erlen, bergt sie nicht!

Weht, Winde, weht, o flügelt sie, ihr Winde,
An diese Laub' heran,
Daß ich mich ihr im Schauer dieser Linde
Beseligt nahen kann.
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:48  Neue Antwort erstellen
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Erntelied

Sicheln schallen,
Ähren fallen
Unter Sichelschall;
Auf den *ädchenhüten
Zittern blaue Blüten,
Freud' ist überall.

Sicheln klingen,
*ädchen singen
Unter Sichelklang;
Bis, vom Mond beschimmert,
Rings die Stoppel flimmert,
Tönt der Erntesang.

Alles springet,
Alles singet,
Was nur lallen kann.
Bei dem Erntemahle
Ißt aus einer Schale
Knecht und Bauersmann.

Jeder scherzet,
Jeder herzet
Dann sein Liebelein.
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BeitragVerfasst am: 19.01.2008, 11:48  Neue Antwort erstellen
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Frühlingslied

Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
die kleinen Maienglocken blühn
und Schlüsselblumen drunter;
der Wiesengrund ist schon so bunt
und malt sich täglich bunter.

Drum komme, wem der Mai gefällt,
und freue sich der schönen Welt
und Gottes Vatergüte,
die diese Pracht hervorgebracht,
den Baum und seine Blüte.
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