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  Kurzgeschichten  -  LICHT
Eintagsflatter
BeitragVerfasst am: 14.04.2010, 21:35  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
LICHT
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Stammgast
Stammgast


Anmeldungsdatum: 23.03.2010
Beiträge: 31

Ich laufe. Ich laufe hinauf, hinauf zum Licht! Ich muss dass Licht erreichen, unbedingt. Um zu ihm zu gelangen, werde ich alles tun, was in meiner Macht steht.
Ich laufe, Schritt für Schritt, den Berg hinauf. Mir ist kalt, sehr kalt, ich friere. Obwohl ich eine Jacke anhabe, friere ich. Die Kapuze habe ich inzwischen über meinen Kopf gestreift, sie spendet mir ein wenig Wärme und trotzdem ist mir so kalt.
Ich laufe, Schritt für Schritt.
Es tauchen Menschen auf, viele Menschen. Sie strahlen Wärme aus. Doch mir ist so kalt. Sie schauen mich an. Ich zittere vor Kälte. Ich bin nackt, nackt vor ihren Augen. Meine Jacke ist Nichts. Sie ist wie eine Luftblase, in der ich frierend stehe. Alle können sie mich sehen, mich, entblößt. Warum helfen sie mir nicht? Hilfe möchte ich rufen, aber meine Kapuze lässt kein Wort heraus. Ich kann sie nur flehend anschauen. Ich sehe in ihre Augen, in jedes einzelne Auge. Sie schauen, nein sie starren zurück. Kalt. Sie starren erbarmungslos und kalt zu mir zurück, plötzlich fangen sie an zulachen. Ich bleibe stehen. Das Licht ist so fern und mir ist so kalt. Die Menschen umringen mich im großen Kreis, ich habe Angst. Was haben sie mit mir vor? Ich mache einen Schritt auf das Licht zu, aber ein Mensch stellt sich mir in den Weg.
Er lacht schallend auf mich herab. Ich empfinde Traurigkeit. Ich empfinde Wut.
Alles was ich sehe verschwimmt durch elendige Tränen. Ich kann nichts machen, aber er lacht immer weiter. Innerlich schreie ich vor Wut, ich brauche Hilfe, wer hilft mir?
Eine Ewigkeit steht er vor mir und lacht, er lacht gemein. Er lacht über mich, er sieht mich entblößt. Verletzlich, klein, missachtet von allen. Was soll ich tun?
Ich strecke die Hand nach seinem Kopf aus. Ich möchte ihm die Stimme nehmen, die gemeine Stimme. Sein Kopf versucht auszuweichen. Wie in Zeitlupe folge ich der Bewegung. Ich berühre seinen Kopf. Alles ist still, nichts stört die Ruhe. Sein Kopf ist warm, so warm, doch mir ist kalt. Ich fühle mich einen kurzen Augenblick lang geborgen in seiner Nähe. Doch jetzt fängt er wieder an zulachen. Ich weine, ich bin so traurig, er ist so stark und ich nicht. Ich brauche Hilfe.
Ich sehe ihn nur noch verschwommen. Sein Lachen dröhnt in meinem Kopf wie ein Sturm. Meine Hand streichelt über sein Gesicht, doch meine Hand zieht tiefe Furchen in seiner warmen Haut. Er hört plötzlich auf zu lachen. Ich berühre seine Augen und lösche sein Augenlicht.
Meine Finger bohren sich tief in die Augenhöhle, sie ist viel wärmer als seine bloße Haut. Er will schreien und seine Arme zappeln an ihm umher. Er verrenkt seine Glieder und ich sehe ihm von oben zu. Meine Finger stecken immer noch tief in seinem Kopf. Mir wird so warm.
Warm wie nie zu vor. Die anderen Menschen sind verschwunden, ich fühle mich gut, mir ist warm und ich möchte weiter gehen. Aber der Mann zappelt noch immer, noch immer öffnet sich sein Mund. Auf und zu, auf und zu. Noch immer spannen und lockern sich seine Muskeln am ganzen Leib ruckartig. Er sieht krank aus. Ich möchte ihm helfen, doch ich kann nicht. Mir ist so wunderbar warm. Ich beobachte erstaunt seine Bewegungen und warte bis er still liegt.
Nun ist er ganz ruhig. So Ruhig, leblos und so kalt. Die Kälte beginnt sich auch wieder in meinem Körper auszubreiten. Ich stehe langsam und verwirrt auf. Ich besinne mich, ich muss zu dem Licht, das Licht. Es ist enorm wichtig zu dem Licht zu kommen. Aber warum? Ich weiß es nicht, aber ich gehe weiter. Schritt für Schritt gehe ich weiter. Mir ist so sehr kalt, was soll ich tun?
Wieder tauchen die Menschen auf. …
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sonic.
BeitragVerfasst am: 15.04.2010, 06:15  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
LICHT
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 10.11.2009
Beiträge: 1750

Hallo Eintagsflatter!
Ich melde mich mal zu Wort,
da es ja deine Erfahrung sein muss die du erzählst,oder revanchierst du dich auch wieder an Menschen die dir helfen wollen und lachst sie aus. Davor hat jeder Angst und deshalb diese Kälte. Wie an einer Kette beweisen sich die Perlen mehr Wert zu sein in dem sie sich
gegenseitig kleiner machen. Ich verstehe was du sagen willst , wenn du für den kurzen Moment Wärme ein Lachen als Lohn bekommt, lebe ich lieber
allein und schränke mich ein . Tiefer möchte ich nicht gehen aber ich wünsche dir die Wärme die du brauchst, um sie wieder zurück geben zu können.

Sei ganz lieb gegrüßt
Möchte mich nur noch kurz entschuldigen ich habe es in einer Phase gelesen wo ich wiedermal vom Mitleid erwischt wurde. Du schreibst spannend und sicher werde ich mich nicht mit dir messen. Aber ich finde diese Triller einfach schrecklich und muss sowas nicht haben. Es gibt schon genug Elend da muss man doch nicht noch welches erfinden.
Aber man kann ja schreiben was man will, muss ja nicht jeder lesen.


Zuletzt bearbeitet von sonic. am 17.04.2010, 07:16, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Eintagsflatter
BeitragVerfasst am: 15.04.2010, 17:16  Neue Antwort erstellen
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LICHT
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Stammgast
Stammgast


Anmeldungsdatum: 23.03.2010
Beiträge: 31

Hey Sonic!
Von Erfahrung zu sprechen wäre wohl etwas übertrieben,...
Diese Kurzgeschichte entstand in einer Phase von undefinierbarem Drang irgendetwas tiefgründiges, etwas sehr düsteres zu schreiben,...Eigentlich war es als Anfang für einen mörderischen Thriller gedacht,...Sehr glücklich , der jedoch schon nach diesem kurzem Einstieg beendet wurde
Was du in diese Geschichte hinein interpretierst, ist letztendlich dir überlassen.

lg
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