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  Gedichte  -  Georg Trakl 1887-1914 österr. Lyriker
Ann
BeitragVerfasst am: 14.07.2007, 14:45  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Georg Trakl 1887-1914 österr. Lyriker
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Die Bauern

Vorm Fenster tönendes Grün un Rot.
Im schwarzverräucherten, niederen Saal
Sitzen die Knechte und *ägde beim Mahl;
Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot.

Im tiefen Schweigen der Mittagszeit
Fällt bisweilen ein karges Wort.
Die Äcker flimmern in einem fort
Und der Himmel bleiern und weit.

Fratzenhaft flackert im Herd die Glut
Und ein Schwarm von Fliegen summt.
Die *ägde lauschen blöd und verstummt
Und ihre Schläfen hämmert das Blut.

Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier,
Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht.
Eintönig spricht ein Knecht das Gebet
Und ein Hahn kräht unter der Tür.

Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt
Sie oft im tosenden Ährengebraus
Und klirrend schwingen ein und aus
Die Sensen geisterhaft im Takt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.07.2007, 14:47  Neue Antwort erstellen
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Georg Trakl 1887-1914 österr. Lyriker
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Frühling der Seele

Aufschrei im Schlaf; durch schwarze Gassen stürzt der Wind,
Das Blau des Frühlings winkt durch brechendes Geäst,
Purpurner Nachttau und es erlöschen rings die Sterne.
Grünlich dämmert der Fluß, silbern die alten Alleen
Und die Türme der Stadt. O sanfte Trunkenheit
Im gleitenden Kahn und die dunklen Rufe der Amsel
In kindlichen Gärten. Schon lichtet sich der rosige Flor.

Feierlich rauschen die Wasser. O die feuchten Schatten der Au,
Das schreitende Tier; Grünendes, Blütengezweig
Rührt die kristallene Stirne; schimmernder Schaukelkahn.
Leise tönt die Sonne im Rosengewölk am Hügel.
Groß ist die Stille des Tannenwalds, die ernsten Schatten am Fluß.

Reinheit! Reinheit! Wo sind die furchtbaren Pfade des Todes,
Des grauen steinernen Schweigens, die Felsen der Nacht
Und die friedlosen Schatten? Strahlender Sonnenabgrund.

Schwester, da ich dich fand an einsamer Lichtung
Des Waldes und Mittag war und groß das Schweigen des Tiers;
Weiße unter wilder Eiche, und es blühte silbern der Dorn.
Gewaltiges Sterben und die singende Flamme im Herzen.

Dunkler umfließen die Wasser die schönen Spiele der Fische.
Stunde der Trauer, schweigender Anblick der Sonne;
Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden. Geistlich dämmert
Bläue über dem verhauenen Wald und es läutet
Lange eine dunkle Glocke im Dorf; friedlich Geleit.
Stille blüht die Myrthe über den weißen Lidern des Toten.

Leise tönen die Wasser im sinkenden Nachmittag
Und es grünet dunkler die Wildnis am Ufer, Freude im rosigen Wind;
Der sanfte Gesang des Bruders am Abendhügel.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.07.2007, 15:01  Neue Antwort erstellen
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Georg Trakl 1887-1914 österr. Lyriker
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Dämmerung

Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,
Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.
Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,
Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.

Ihr Siechtum schließt geisterhaft sich ein.
Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.
Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,
Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun.

Formlose Spottgestalten huschen, kauern
Und flattern sie auf schwarz-gekreuzten Pfaden.
O! trauervolle Schatten an den Mauern.

Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;
Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern
Des Sternenwinds, gleich rasenden *änaden.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2009, 17:47  Neue Antwort erstellen
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Georg Trakl 1887-1914 österr. Lyriker
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Beim jungen Wein





Sonne purpurn untergeht,

Schwalbe ist schon fern gezogen.

Unter abendlichen Bogen

Junger Wein die Runde geht;

Kind dein wildes Lachen.



Schmerz, darin die Welt vergeht.

Bleib der Augenblick gewogen,

Da im Abend hölzner Bogen

Junger Wein die Runde geht;

Kind dein wildes Lachen.



Flackerstern ans Fenster weht,

Kommt die schwarze Nacht gezogen,

Wenn im Schatten dunkler Bogen

Junger Wein die Runde geht;

Kind dein wildes Lachen.
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rita
BeitragVerfasst am: 03.10.2009, 15:00  Neue Antwort erstellen
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Georg Trakl 1887-1914 österr. Lyriker
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Milde Stille

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle ,
vergilbter Glanz von schönen Sommertagen .
Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle ;
der Flug der Vögel tönt von alten Sagen .
Gekeltert ist der Wein , die milde Stille
erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen .

Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel ;
im roten Wald verliert sich eine Herde .
Die Wolke wandert übern Weiherspiegel ;
es ruht des Landmanns rubige Geberde .
Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
ein Dach von dürrem Stroh , die schwarze Erde .

Bald nisten Sterne in des *üden Brauen ;
in kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden
und Engel treten leise aus den blauen
Augen der Liebenden , die sanfter leiden .
Es rauscht das Rohr ; anfällt ein knöchern Grauen ,
wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden .
Georg Trakl
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