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| Eigene Gedichte von Gästen - DER NACHKLANG DES HOLZES |
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Verfasst am:
20.07.2010, 21:22

Eigene Gedichte von Gästen
DER NACHKLANG DES HOLZES
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Obergärtner(in)

Anmeldungsdatum: 07.12.2007
Beiträge: 334
Wohnort: 49716 Meppen
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"Der Nachklang des Holzes"
Ein kleines Stück Holz
- Ein Stück
- - geschnitten aus einem Telephonmasten
- - - - - dessen Drähte lange im Wind sangen
Eine irgendwie halbe Scheibe
- Noch mit einer stählernen Marke auf ihrem Rand
- - Eine Marke mit einem Paar eingeprägter Buchstaben
- - - Sie war wichtig für mich
- - - - Viel mehr als ein Spielzeug
- - - - - - Etwas ganz Anderes als das
- - - - - - - Etwas unbeschreibbar Anderes
- - - - - Immer war sie bei mir
- - - - - - - - - So manches Jahr
- - - - - - Nachts unter der Decke:
- - - - - - - Ein Geruch ein wenig nach Jägerzaun
- - - - - - - - - - und nach warmem Eisenbahnwind
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Für mich wunderbar
- Irgendwann war sie fort
- - - Niemand verstand -
- - - - warum ich genau sie zurück wünschte
- - - Niemand verstand -
- - - - warum genau sie wertvoll für mich gewesen war
- - - Niemand verstand -
- - - - warum genau diese zwei Buchstaben mir fehlten
- - - - - - - - - - Jeder Ersatz wäre Fälschung gewesen
- - Wie alt ich war?
- - - - - - - - - - - 7 ?
- - - - - - - - - - - - 11 ?
- - - - - - - - - - - - - - 23 ?
- - - - - - - - - - - - - - - - 59 ?
- - - - - - - - - - - - - Das Singen der Drähte bleibt
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Für mich wunderbar |
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Verfasst am:
20.07.2010, 22:54

Eigene Gedichte von Gästen
DER NACHKLANG DES HOLZES
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Hallo Eugen,
Dein Gedicht hat mich erwischt, es hat eine alte Erinnerung wachgerufen.
Das Singen der Drähte der Telefonmasten hörte ich bewusst zum ersten Mal, als wir meinen Vater in eiskalter Morgenfrühe zum Bahnhof brachten.
Er fuhr nach Russland, mein Alter drei Jahre.
Für mich wurde es ein Totengesang und er blieb es, solange es Telegrafenmasten gab.
Ein Mensch wird verschluckt vom Gesang der Telegrafenmasten.
Am schlimmsten war es an Winterabenden, wenn es fror. Ich glaube ganz fest, er hat es auch gespürt.
Als es ihn nach einem Jahr nicht mehr gab, sangen die Drähte noch immer, um mich an ihn zu erinnern. |
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Verfasst am:
21.07.2010, 12:58

Eigene Gedichte von Gästen
DER NACHKLANG DES HOLZES
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Obergärtner(in)

Anmeldungsdatum: 07.12.2007
Beiträge: 334
Wohnort: 49716 Meppen
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Hallo liebe Ann.
Ja, so ist es eben wirklich völlig unabsehbar, welche Art von Assoziationen und gedanklicher Verbindungen einem Text bei anderen Menschen folgen können. Diese sehr individuelle Gedankenverbindung war natürlich ebenso nicht vorhersehbar und ich bedauere diesen Umstand.
Mir geht es oft auch so und andere können nicht bemerken, warum genau ein bestimmtes Erleben bei mir solch intensive Gedanken und Gefühle weckt.
So lass es uns als eine wundersame Eigenschaft - vielleicht aber auch eine Unzulänglichkeit - unserer Sprache betrachten und erkennen, dass Worte viel bewegen mögen - ein "in den Arm nehmen" aber unvergleichlich mehr bewirken mag.
Anderseits macht es vielleicht auch gerade den Zauber von Sprache aus, solch unterschiedliche Dinge hervorzurufen.
Dieser seltsame Zauber wohnt ja aber bekanntlich nicht nur der Sprache inne und wer jetzt weiß, was ich meine, der weiß auch, dass damit alles andere Leid klein erscheinen mag.
Kein konkreter Trost für Dich - ich weiß - aber immerhin eine Möglichkeit zu denken.
Ganz in Gedanken: Eugen |
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Verfasst am:
21.07.2010, 13:55

Eigene Gedichte von Gästen
DER NACHKLANG DES HOLZES
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Hallo, lieber Eugen,
Du hast mich mit Deinem Text nicht verletzt, im Gegenteil. Die Erinnerung war wieder ganz nahe bei mir, ich habe mit meinem Mann lange darüber gesprochen. Bei ihm wurden wieder völlig andere Erinnerungen wach, sehr interessant.
Auch Dein Text hat mir sehr gut gefallen . Du weißt ja, ich schwelge auch gern in Erinnerungen.
Liebe Grüße
Ann |
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