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  Gedichte  -  Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2004, 18:39  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
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Die Schatzgräber

Ein Winzer, der am Tode lag,
rief seine Kinder an und sprach:
"In unserm Weinberg liegt ein Schatz,
grabt nur danach!" -"An welchem Platz?"
schrie alles laut den Vater an. -
"Grabt nur!" - O weh! Da starb der Mann.


Kaum war der Alte beigeschafft,
so grub man nach aus Leibeskraft.
Mit Hacke, Karst und Spaten ward
der Weinberg um und um gescharrt.
Da war kein Kloß, der ruhig blieb;
man warf die Erde gar durchs Sieb
und zog die Harken kreuz und quer
nach jedem Steinchen hin und her.
Allein, da ward kein Schatz verspürt,
und jeder hielt sich angeführt.


Doch kaum erschien das nächste Jahr,
so nahm man mit Erstaunen wahr,
daß jede Rebe dreifach trug.
Da wurden erst die Söhne klug
und gruben nun jahrein, jahraus
des Schatzes immer mehr heraus.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 20:32, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2004, 18:40  Neue Antwort erstellen
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Winterlied

Der Winter hat mit kalter Hand
Die Pappel abgelaubt,
Und hat das grüne Maigewand
Der armen Flur geraubt;
Hat Blümchen, blau und rot und weiß,
Begraben unter Schnee und Eis.
Doch, liebe Blümchen, hoffet nicht
Von mir ein Sterbelied.
Ich weiß ein holdes Angesicht,
Worauf ihr alle blüht.
Blau ist des Augensternes Rund,
Die Stirne weiß, und rot der Mund.

Was kümmert mich die Nachtigall,
Im aufgeblühten Hain?
Mein Liebchen trillert hundertmal
So süß und silberrein;
Ihr Atem ist, wie Frühlingsluft,
Erfüllt mit Hyazinthenduft.

Voll für den Mund, und würzereich,
Und allerfrischend ist,
Der purpurroten Erdbeer gleich,
Der Kuß, den sie mir küßt.
O Mai, was frag ich viel nach dir?
Der Frühling lebt und webt in ihr.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2004, 18:43  Neue Antwort erstellen
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Schön Suschen
Schön Suschen kannt ich lange Zeit:
Schön Suschen war wohl fein;
Voll Tugend war's und Sittsamkeit:
Das sah ich klärlich ein.
Ich kam und ging, ich ging und kam,
Wie Ebb und Flut zur See.
Ganz wohl mir tat es, wann ich kam,
Doch, wann ich ging, nicht weh.
Und es geschah, daß nach der Zeit,
Gar andres ich vernahm;
Da tat's mir, wann ich schied, so leid,
So wohl mir, wann ich kam;
Da hatt ich keinen Zeitvertreib,
Und kein Geschäft, als sie;
Da fühlt ich ganz an Seel und Leib,
Und fühlte nichts, als sie.

Da war ich dumm, und stumm, und taub;
Vernahm nichts, außer ihr;
Sah nirgends blühen Blum' und Laub;
Nur Suschen blühte mir.
Nicht Sonne, Mond, und Sternenschein,
Mir glänzte nur mein Kind;
Ich sah, wie in die Sonn, hinein,
Und sah mein Auge blind.

Und wieder kam gar andre Zeit,
Gar anders ward es mir:
Doch alle Tugend, Sittsamkeit,
Und Schönheit blieb an ihr.
Ich kam und ging, ich ging und kam,
Wie Ebb und Flut zur See.
Ganz wohl mir tat es, wann ich kam,
Doch, wann ich ging, nicht weh. -

Ihr Weisen, hoch und tief gelahrt,
Die ihr's ersinnt, und wißt,
Wie, wo und wann sich alles paart?
Warum sich's liebt und küßt?
Ihr hohen Weisen, sagt mir's an!
Ergrübelt, was mir da,
Ergrübelt mir, wo, wie und wann,
Warum mir so geschah? -

Ich selber sann oft Nacht und Tag,
Und wieder Tag und Nacht,
So wundersamen Dingen nach;
Doch hab ich nichts erdacht. -
Drum, Lieb ist wohl, wie Wind im Meer:
Sein Sausen ihr wohl hört,
Allein ihr wisset nicht, woher?
Wißt nicht wohin er fährt?
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Ann
BeitragVerfasst am: 20.11.2005, 20:57  Neue Antwort erstellen
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An den Frühling.

Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
Ei! ei! da bist ja wieder!
Und bist so lieb und schön!
Und freun wir uns so herzlich,
Entgegen dir zu gehn.

Denkst auch noch an mein *ädchen?
Ei, Lieber, denke doch!
Dort liebte mich das *ädchen,
Und 's *ädchen liebt mich noch!

Fürs *ädchen manches Blümchen
Erbat ich mir von dir -
Ich komm' und bitte wieder,
Und du? - du gibst es mir?

Willkommen, schöner Jüngling!
Du Wonne der Natur!
Mit deinem Blumenkörbchen
Willkommen auf der Flur!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.03.2006, 20:56  Neue Antwort erstellen
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An die Bienen.

Wollt ihr wissen, holde Bienen,
Die ihr süße Beute liebt,
Wo es mehr, als hier im Grünen,
Honigreiche Blumen gibt?
Statt die tausend auszunippen,
Die euch Florens Milde beut,
Saugt aus Amaryllis' Lippen
Aller tausend Süßigkeit.
Florens schöne Kinder röthet
Nur der Frühlingssonne Licht;
Amaryllis' Blumen tödtet
Auch der strenge Winter nicht.
Kurze Labung nur gewähret,
Was die Tochter Florens beut;
Aber kein Genuß verzehret
Amaryllis' Süßigkeit.

Eins, nur Eins sei Euch geklaget!
Eh' ihr auf dies Purpurroth
Eure seidnen Flügel waget,
Hört, ihr Lieben, was euch droht!
Ach, ein heißer Kuß hat neulich
Die Gefahr mir kund gemacht.
Nehmt die Flügel, warn' ich treulich,
Ja vor dieser Glut in Acht!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.03.2006, 20:58  Neue Antwort erstellen
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Trost.

Wann dich die Lästerzunge sticht,
So laß dir dies zum Troste sagen:
Die schlechtesten Früchte sind es nicht,
Woran die Wespen nagen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 07.02.2007, 16:54  Neue Antwort erstellen
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Abendphantasie eines Liebenden

In weiche Ruh hinabgesunken,
Unaufgestört von Harm und Not,
Vom süßen Labebecher trunken,
Den ihr der Gott des Schlummers bot,
Noch sanft umhallt vom Abendliede
Der Nachtigall, im Flötenton,
Schläft meine Herzens-Adonide
Nun ihr behäglich Schläfchen schon.
Wohlauf, mein liebender Gedanke,
Wohlauf zu ihrem Lager hin!
Umwebe, gleich der Efeuranke,
Die engelholde Schläferin!
Geneuß der übersüßen Fülle
Vollkommner Erdenseligkeit,
Wovon zu kosten noch ihr Wille,
Und ewig ach! vielleicht, verbeut! -

Ahi! Was hör ich? - Das Gesäusel
Von ihres Schlummers Odemzug!
So leise wallt durch das Gekräusel
Des jungen Laubes, Zephyrs Flug.
Darunter mischt sich ein Gestöhne,
Das Wollust ihr vom Busen löst,
Wie Bienensang und Schilfgetöne,
Wann Abendwind dazwischen bläst.

O, wie so schön dahin gegossen,
Umleuchtet sie des Mondes Licht!
Die Blumen der Gesundheit sprossen
Auf ihrem wonnigen Gesicht.
Ihr Lenzgeruch wallt mir entgegen,
Süß, wie bei stiller Abendluft,
Nach einem milden Sprüheregen,
Der Moschushyazinthe Duft.

Mein ganzes Paradies steht offen.
Die offnen Arme, sonder Zwang,
Was lassen sie wohl anders hoffen,
Als herzenswilligen Empfang?
Oft spannt und hebt sie das Entzücken,
Als sollten sie jetzt ungesäumt
Den himmelfrohen Mann umstricken,
Den sie an ihrem Busen träumt. -

Nun kehre wieder! Nun entwanke
Dem Wonnebett! Du hast genug!
Sonst wirst du trunken, mein Gedanke,
Sonst lähmt der Taumel deinen Flug.
Du loderst auf in Durstesflammen! -
Ha! wirf ins Meer der Wonne dich!
Schlagt, Wellen, über mir zusammen!
Ich brenne! brenne! kühlet mich!
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Ann
BeitragVerfasst am: 07.02.2007, 16:56  Neue Antwort erstellen
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Adeline.

Wandelt sie beim hohen Festchorale
Durch den Tempel zu des Herren Mahle,
Huldigung und Himmelswunsch im Blick,
Ach! so wähn' ich! Gottes Braut zu schauen;
Mir entsinket alle mein Vertrauen,
Und die Liebe bebt vor ihr zurück.
Aber seh' ich, wie im Alltagskreise,
Frei und fröhlich, doch nach Sitt' und Weise,
Sie so *ädchenhaft sich haben kann;
Wie sie Scherz und Ernst so lieblich kleidet,
Wie um ihre Huld sich Alles neidet,
Dann wagt Liebe wieder sich heran.

Ehrfurcht neigt sich ihr im Engelglanze,
Lieb' umschmeichelt sie im *ädchenkranze
Sanfter Myrten, ohne Himmelsschein.
Dünkte sie doch stets so himmlisch Allen,
Aber, meiner Liebe zu Gefallen,
Hold und magdlich meinem Blick allein!
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Ann
BeitragVerfasst am: 02.08.2007, 19:17  Neue Antwort erstellen
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Der arme Dichter

Ein Dichter, rund und feist bei Leibe,
Mit einem Antlitz, lang wie breit,
Und glänzend, wie des Vollmonds Scheibe,
Sprach einst von seiner Dürftigkeit,
Und schimpfte brav auf teure Zeit.
»Das tun Sie bloß zum Zeitvertreibe«,
Rief einer aus der Compagnie;
»Denn dies Gedeihn an Ihrem werten Leibe,
Und Ihr Gesicht, die schöne Vollmondsscheibe,
Herr Kläger, zeugen wider Sie!« -

»Das hat sich wohl!« seufzt der Poet geduldig.
»Doch, Gott gesegn' ihn! meinen Bauch -
Sanft strich er ihn - und diesen Vollmond auch
Bin ich dem Speisewirt noch schuldig.«
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Ann
BeitragVerfasst am: 02.08.2007, 19:19  Neue Antwort erstellen
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Sinnesänderung

Ich war wohl Jungfer Eigensinn,
Durch Güte kaum zu zähmen;
Und sträubte mich oft her und hin,
Zu geben und zu nehmen.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so ungern gab und nahm.
Da kam ein junger Flaumenbart,
Schön wie der Gott der Reben.
Der wußte mit der besten Art
Zu nehmen und zu geben.
Da weiß der Himmel, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Ich merkte, wo er ging und stand,
Auf jeden seiner Winke.
Ergriff er meine rechte Hand,
So bot ich auch die Linke.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Zum Nußgesträuch mit ihm entwich
Ich der Gespielen Schwarme.
Ich gab ihm in die Arme mich,
Und nahm ihn in die Arme.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Wir ließen, tauschend Kuß um Kuß,
Auf weiches Moos uns nieder.
Ich gab den Kern von meiner Nuß,
Nahm den von seiner wieder.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.

Da hörten wir durch Laub und Gras
Die Mutter rufend kommen.
Wohl hätt ich sonst, wer weiß noch was,
Gegeben und genommen.
Der Himmel weiß es, wie es kam,
Daß ich so willig gab und nahm.
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Ann
BeitragVerfasst am: 02.08.2007, 19:23  Neue Antwort erstellen
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Herr Bacchus

Herr Bacchus ist ein braver Mann,
Das kann ich euch versichern;
Mehr, als Apoll, der Leiermann,
Mit seinen Notenbüchern.
Des Armen ganzer Reichtum ist
Der Klingklang seiner Leier,
Von der er prahlet, wie ihr wißt,
Sie sei entsetzlich teuer.

Doch borgt ihm auf sein Instrument
Kein Kluger einen Heller.
Denn frohere Musik ertönt
Aus Vater Evans Keller.

Obgleich Apollo sich voran
Mit seiner Dichtkunst blähet:
So ist doch Bacchus auch ein Mann,
Der seinen Vers verstehet.

Wie mag am waldigen Parnaß
Wohl sein Diskant gefallen?
Hier sollte Bacchus Kantorbaß
Fürwahr weit besser schallen.

Auf, laßt uns ihn für den Apoll
Zum Dichtergott erbitten!
Denn er ist gar vortrefflich wohl
Bei großen Herrn gelitten.

Apoll muß tief gebückt und krumm
In Fürstensäle schleichen;
Allein mit Bacchus gehn sie um,
Als wie mit ihresgleichen.

Dann wollen wir auf den Parnaß,
Vor allen andern Dingen,
Das große Heidelberger Faß
Voll Nierensteiner bringen.

Statt Lorbeerbäume wollen wir
Dort Rebenstöcke pflanzen,
Und rings um volle Tonnen, schier
Wie die Bacchanten tanzen.

Man lebte so nach altem Brauch
Bisher dort allzunüchtern.
Drum blieben die neun Jungfern auch
Von je und je so schüchtern.

Ha! zapften sie sich ihren Trank
Aus Bacchus' Nektartonnen,
Sie jagten Blödigkeit und Zwang
Ins Kloster zu den Nonnen.

Fürwahr! sie ließen nicht mit *üh
Zur kleinsten Gunst sich zwingen,
Und ungerufen würden sie
Uns in die Arme springen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:25  Neue Antwort erstellen
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Amors Pfeil.

Amors Pfeil hat Widerspitzen.
Wen er traf, der lass' ihn sitzen
Und erduld' ein wenig Schmerz!
Wer geprüften Rath verachtet
Und ihn auszureißen trachtet,
Der zerfleischet ganz sein Herz.
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Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:27  Neue Antwort erstellen
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An Molly.

O Molly, welcher Talisman
Hilft alle Herzen dir gewinnen?
Zwar kennen ihn die Huldgöttinnen,
Allein sie geben ihn nicht an.

Kä*' uns Homer zurück in's Leben
Und fühlte diesen Drang und Zug,
Er würd' ihn schuld dem Gürtel geben,
Den Venus um den Busen trug.

Weißt du, was er davon gesungen
Darein war alle Zauberei
Der Liebe, Lächeln, Schmeichelei
Und sanfter Taubensinn verschlungen;

War Witz verwebt, von Güt' erzeugt,
Und ah! das süße Huldgekose,
Das, gleich dem milden Oel der Rose,
Sogar des Weisen Herz beschleicht.

Nicht Jugendreiz, der bald verblühet,
Es ist die ewige Magie
Des Gürtels, den dir Venus lieh,
Der so die Herzen an sich ziehet!

Und noch im Herbste werden die
Für dich, wie jetzt im Lenze, lodern
Und sehnend Lieb' um Liebe fodern;
Denn Huldgöttinnen altern nie.
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Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:29  Neue Antwort erstellen
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Der Bauer
An seinen Durchlauchtigen Tyrannen

Wer bist du, Fürst, dass ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Ross?

Wer bist du, Fürst, dass in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut
Darf Klau' und Rachen haun?

Wer bist du, dass, durch Saat und Forst,
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? -

Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht, bei Egg und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! -

Ha! du wärst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!
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Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:31  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Die Bitte.

O Schwester, merk' auf diese Kunde:
Erscheint dir je ein junger Hirt,
Der lieb sogleich dem Herzen wird
Und immer lieber jede Stunde:
Den lass' ich nicht, ich schwör' es dir,
Du aber lass den Lieben mir!

Rührt, ohn' ein Wörtchen laut zusagen,
Sein stummer Blick schon jedes Herz,
Und darf bei seinem holden Scherz
Die Unschuld selbst zu lächeln wagen:
Den lass' ich nicht, ich schwör' es dir,
Du aber lass den Holden mir!

Schweigt seiner Laute Philomele,
Hört sie ihr zu im Pappelbaum,
Umschwebet dich ein Wonnetraum
Beim süßen Klange seiner Kehle:
Den lass' ich nie, ich schwör' es dir,
Du aber lass den Süßen mir!

Wofern aus eines Schäfers Hürde
Dem armen Mann auf's erste Wort:
»O hätt' ich doch das Lämmchen dort!«
Das Lämmchen sammt der Mutter würde:
Den lass' ich nie, ich schwör' es dir!
O laß, o lass den Guten mir!
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