Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:34  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Die Eine.

Sonett.
Nicht selten hüpft, dem Finken gleich im Haine,
Der Flattersinn mir keck vor's Angesicht.
»Warum, o Thor, warum ist denn nur Eine
Dein einziges, dein ewiges Gedicht?

Ha! Glaubst du denn, weil Diese dir gebricht,
Daß Liebe dich mit Keiner mehr vereine?
Der Gram um sie beflort dein Augenlicht,
Und freilich glänzt durch diesen Flor dir Keine.

Die Welt ist groß, und in der großen Welt
Blühn schön und süß viel *ädchen noch und Frauen.
Du kannst dich ja in manches Herz noch bauen.«

Ach, Alles wahr! Vom Rhein an bis zum Belt
Blüht Reiz genug auf allen deutschen Auen.
Was hilft es mir, dem Molly nur gefällt?
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:37  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Die Elemente.

Horch! Hohe Dinge lehr' ich dich:
Vier Elemente gatten sich;
Sie gatten sich, wie Mann und Weib,
Voll Liebesglut in einem Leib.
Der Gott der Liebe rief: Es werde!
Da ward Luft, Feuer, Wasser, Erde.

Des Feuers Quell, die Sonne, brennt
Am blauen Himmelsfirmament.
Sie strahlet Wärme, Tagesschein;
Sie reifet Korn und Obst und Wein,
Macht alles Lebens Säfte kochen
Und seine Pulse rascher pochen.

Sie hüllt den Mond in stillen Glanz
Und flicht ihm einen Sternenkranz.
Was leuchtet vor dem Wandrer her?
Was führt den Schiffer durch das Meer
Viel tausend Meilen in die Ferne?
Ihm leuchten Sonne, Mond und Sterne.

Die Luft umfängt den Erdenball,
Weht hie und dort, weht überall,
Ist Lebenshauch aus Gottes Mund,
Durchwandelt gar das Erdenrund,
Wo sie durch alle Höhlung webet
Und selbst des Würmchens Lunge hebet.

Das Wasser braust durch Wald und Feld,
In tausend Arme nimmt's die Welt.
Wie Gottes Odem, dringt es auch
Tief durch der Erde finstern Bauch.
Die Wesen schmachteten und sänken,
Wo sie nicht seines Lebens tränken.

Drei Bräutigamen hat als Braut
Die Erd' ihr Schöpfer angetraut.
Hat Luft und Wasser sie umarmt,
Ist von der Sonn' ihr Schooß erwarmt,
So wird ihr Schooß zu allen Stunden
Von Kindern jeder Art entbunden.

Sie hegt und pflegt mit Mutterlust
All' ihre Kindlein an der Brust.
Sie ist die beste Mutter, sie;
Sie säuget spät, sie säuget früh.
Kein Kindlein, so ihr Schooß geboren,
Geht ihrem Schooße je verloren.

Sieh hin und her! Sieh rund um dich!
Die Elemente lieben sich;
Sie gatten sich in Himmelsglut;
Je eins dem andern Liebes thut.
Aus solchem Liebestrieb' empfangen,
Bist du, o Mensch, hervorgegangen.

Nun prüfe dich, nun sage mir:
Glüht noch des Ursprungs Glut in dir?
Erhellt, wie Sonne, dein Verstand,
Erhellt er Haus und Stadt und Land?
Entlodert, gleich den Himmelskerzen,
Noch Liebeslohe deinem Herzen?

Und deine Zunge, stimmet sie
Zur allgemeinen Harmonie?
Ist deine Rede, dein Gesang
Der Herzensliebe Widerklang?
Entweht dir Friede, Freude, Segen,
Wie Maienluft und Frühlingsregen?

Hält unzerrissen deine Hand
Das heilge Verlobungsband?
Reicht sie dem Nächsten in der Noth
Von deinem Trank, von deinem Brod
Und seinen nackenden Gebeinen
Von deiner Wolle, deinem Leinen? –

O du! O du! der das nicht kann,
Du Bastard du! was bist du dann? –
Und wärst du *ächtig, schön und reich,
Dem Salomo an Weisheit gleich,
Und hättest gar mit Engelzungen
Zur Welt geredet und gesungen:

Du Bastard, der nicht lieben kann!
Was bist du ohne Liebe dann? –
Ein todter Klumpen ist dein Herz;
Du bist ein eitel tönend Erz;
Bist leerer Klingklang einer Schelle
Und Tosen einer Wasserwelle.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:38  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Die Esel und die Nachtigallen.

Es gibt der Esel, welche wollen,
Daß Nachtigallen hin und her
Des *üllers Säcke tragen sollen.
Ob recht, fällt mir zu sagen schwer.
Das weiß ich: Nachtigallen wollen
Nicht, daß die Esel singen sollen.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:43  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

An das Herz
Sonett

Lange schon in manchem Sturm' und Drange
Wandeln meine Füße durch die Welt.
Bald den Lebensmüden beigesellt,
Ruh ich aus von meinem Pilgergange.

Leise sinkend faltet sich die Wange;
Jede meiner Blüten welkt und fällt.
Herz, ich muß dich fragen: Was erhält
Dich in Kraft und Fülle noch so lange?

Trotz der Zeit Despoten-Allgewalt,
Fährst du fort, wie in des Lenzes Tagen,
Liebend wie die Nachtigall zu schlagen.

Aber ach! Aurora hört es kalt,
Was ihr Tithons Lippen Holdes sagen. -
Herz, ich wollte, du auch würdest alt!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 06.10.2007, 17:44  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Himmel und Erde.

In dem Himmel quillt die Fülle
Der vollkommnen Seligkeit.
Ich auch, wär' es Gottes Wille,
Tränke gern aus dieser Fülle
Labsal für der Erde Leid.

Für das Leid, das meiner Tage
Schöne Rosenfarbe bleicht,
Das ich tief im Busen trage,
Das ich Arzt und Priester klage,
Welches keinem Balsam weicht.

Längst sind über Thal und Hügel
Alle Freuden mir entflohn.
Lahm sind meiner Hoffnung Flügel,
Rauher Hindernisse Hügel
Sprechen selbst den Wünschen Hohn. –

Dennoch setzt' ich auch auf Erden
Gern noch fort den Pilgerstab.
Sollte Molly mir nur werden,
Trüg' ich aller Welt Beschwerden
Noch den längsten Pfad hinab.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 16:44  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Die Holde, die ich meine.

O, was in tausend Liebespracht
Die Holde, die ich meine, lacht!
Verkünd' es laut, mein frommer Mund,
Wer that sich in dem Wunder kund,
Wodurch in tausend Liebespracht
Die Holde, die ich meine, lacht?

Wer hat wie Paradieseswelt
Der Holden blaues Aug' erhellt? –
Er, welcher über Meer und Land
Den lichten Himmel ausgespannt,
Er hat wie Paradieseswelt
Der Holden blaues Aug' erhellt.

Wer tuschte so mit Kunst und Fleiß
Der Holden Wange roth und weiß? –
Er, der die sanfte Lieblichkeit
Der jungen Mandelblüte leiht,
Er tuschte so mit Kunst und Fleiß
Der Holden Wange roth und weiß.

Wer schuf der Holden Purpurmund
So würzig süß, so lieb und rund? –
Er, der mit Süßigkeit so mild
Die Amarelle würzt und füllt,
Er schuf der Holden Purpurmund
So würzig süß, so lieb und rund.

Wer ließ vom Nacken blond und schön
Der Holden seidne Locken wehn? –
Er, der in seinem milden West
Die goldnen Halme wallen läßt,
Er ließ vom Nacken blond und schön
Der Holden seidne Locken wehn.

Wer gab zu Liebesred' und Sang
Der Holden süßer Stimme Klang? –
Er, welcher Flötenmelodie
Der Lerch' und Nachtigall verlieh,
Er gab zu Liebesred' und Sang
Der Holden süßer Stimme Klang.

Wer hat zur Fülle höchster Lust
Gewölbt der Holden weiße Brust? –
Er auch, durch den ihr Ebenbild,
Des Schwanes Brust von Flaumen schwillt,
Er hat zur Fülle höchster Lust
Gewölbt der Holden weiße Brust.

Durch welches Bildners Hände ward
Der Holden Wuchs so schlank und zart? –
Durch ihm, der wol zu jeder Frist,
Der Schönheit Bildner war und ist,
Durch ihn, den höchsten Bildner, ward
Der Holden Wuchs so schlank und zart.

Wer blies so engelfromm und rein
Der Holden Seel' und Leben ein? –
Wer sonst, als Er nur, dessen Ruf
Die Engel seines Himmels schuf?
Er blies so engelfromm und rein
Der Holden Seel' und Leben ein. –

Lob sei, o Bildner, deiner Kunst
Und hoher Dank für deine Gunst,
Daß so dein Abbild mich entzückt
Mit Allem, was die Schöpfung schmückt!
Lob sei, o Bildner, deiner Kunst
Und hoher Dank für deine Gunst! –

Doch ach! für wen auf Erden lacht
Die Holde so in Liebespracht? –
O Gott, bei deinem Sonnenschein!
Fast *öcht' ich nie geboren sein,
Wenn nie in solcher Liebespracht
Die Holde mir auf Erden lacht.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 16:45  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Hummellied

Die Buben sind den Hummeln gleich:
Ihr *ägdlein *ögt euch hüten!
Sie schwärmen durch des Lenzes Reich,
Um Blumen und um Blüten.
Sie irren her, sie schwirren hin,
Mit Sehnen und mit Stöhnen,
Und können ihren Leckersinn
Des Honigs nicht entwöhnen.

Die Unschuld ist dem Honig gleich.
Die Hummeln nahn sich leise.
Ihr Honigblümlein, hütet euch
Vor ihrer losen Weise!
Sie tippen hie, sie nippen da,
Erst mit den Saugerspitzen,
Bis sie, so schnell sich spricht ein Ja,
Im Honigkelche sitzen.

Die *ägdlein sind den Blumen gleich,
In ihren Frühlingstagen.
Sie blühn gesunder, wenn sie reich
Des Honigs Fülle tragen.
Zertummelt da, zerhummelt hie,
Wird jede krank sich fühlen.
Drum, süße Blümlein, laßt euch nie
Den Honigkelch zerwühlen!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 16:47  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Bei dem Grabe meines guten Großvaters,
Jakob Philipp Bauer's.

Ruhe, süße Ruhe schwebe
Friedlich über dieser Gruft!
Niemand spotte dieser Asche,
Die ich jetzt mit Thränen wasche,
Und kein Fluch erschüttre diese Luft!

Denn dem Frommen, der hier schlummert,
Galt der Werth der Redlichkeit.
Was vordem, in goldnen Jahren,
Deutsche Biedermänner waren,
War er den Genossen seiner Zeit.

Dieser Biederseele Flecken
Rüge keine Lästerung!
Denn was Flecken war, vermodert;
Nur der Himmelsfunke lodert
Einst geläutert zur Verherrlichung.

Ach! Er war mein treuer Pfleger
Von dem Wiegenalter an.
Was ich bin und was ich habe,
Gab der Mann in diesem Grabe.
Alles dank' ich dir, du guter Mann!

Ruhe, süße Ruhe schwebe
Friedlich über dieser Gruft,
Bis der himmlische Belohner
Ihren ehrlichen Bewohner,
Seine Krone zu empfangen, ruft.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 16:48  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Kampfgesetz.

Gleich sei der Streit,
Den man uns beut!
Schwert gegen Schwert vom Leder,
Doch Feder gegen Feder!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 16:52  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

*ännerkeuschheit.

Wem Wollust nie den Nacken bog
Und der Gesundheit Mark entsog,
Dem steht ein stolzes Wort wohl an,
Das Heldenwort: Ich bin ein Mann!

Das Roß fühlt seines Schenkels Macht,
Der nimmer wanket, nimmer kracht.
Er zwängt das Roß, vom Zwang entwöhnt,
Er zwängt das Roß, und horch! es stöhnt.

Er geht und steht in Herrlichkeit
Und fleht um Nichts; denn er gebeut.
Und dennoch, schaut, wo er sich zeigt,
O schaut, wie ihm sich Alles neigt!

Die edelsten der Jungfraun blühn,
Sie blühn und duften nur für ihn.
O Glückliche, die er erkiest!
O Selige, die sein genießt!

Die Fülle seines Lebens glänzt
Wie Wein, von Rosen rund umkränzt.
Sein glücklich Weib an seiner Brust
Berauscht sich draus zu Lieb' und Lust.

Frohlockend blickt sie rundumher:
»Wo sind der *änner mehr, wie er?«
Fleuch, Zärtling, fleuch! Sie spottet dein.
Nur er nimmt Bett und Busen ein.

Sie steht und fordert auf umher:
»Wo ist, wo ist ein Mann wie er?«
Sie, ihm allein getreu und hold,
Erkauft kein Fürst um Ehr' und Gold.

Wie wann der Lenz die Erd' umfäht,
Und sie mit Blumen schwanger geht,
So segnet Gott durch ihn sein Weib,
Und Blumen trägt ihr edler Leib.

Die alle blühn wie sie und er;
Sie blühn gesund und schön umher
Und wachsen auf, ein Cedernwald,
Voll Vaterkraft und Wohlgestalt. –

So glänzt der Lohn, den Der genießt,
So das Geschlecht, das Dem entsprießt,
Dem Wollust nie den Nacken bog
Und der Gesundheit Mark entsog.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 16:56  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Der Liebesdichter


Ich will das Herz mein Leben lang
Der Lieb und Schönheit weihen,
Und meinen leichten Volksgesang
Der Liebe Schmeicheleien.

Denn wahrlich keines Lobes Ton,
In aller Welt, gewähret
Dem Sänger einen süßern Lohn,
Als wenn er Schönheit ehret.

Wohlan, o Laute, werde dann
Der Schönen, die gesellig
Und freundlich ist, und danken kann,
Durch Lied und Lob gefällig!

Dein Schmeicheln mildert die Natur.
Schon lassen Schäferinnen
Sich hie und da, auf deutscher Flur,
Durch Lied und Lob gewinnen.

Du sollst noch manche Sommernacht,
Vor stillen Schäferhütten,
Das *ädchen, welches lauschend wacht,
Von mir zu träumen bitten.

Mir danket dann ihr Morgengruß,
Ihr liebevolles Nicken,
Ihr wonniglicher, warmer Kuß,
Ihr sanftes Händedrücken.

Erwerben werd ich reiches Gut
An kleinen Herzenspfändern;
Und prangen wird mein Stab und Hut
Mit Rosen und mit Bändern.

Bei Spiel und Tanze werden mir
Die Schönsten immer winken;
Und, die ich fodre, werden schier
Sich mehr als andre dünken.

Geliebt, geehrt, bis an mein Ziel,
Von einer Flur zur andern,
Werd ich mit meinem Saitenspiel,
Herbeigerufen, wandern.

Und, wann ich längst gestorben bin,
Und unter Ulmen schlafe,
So weidet gern die Schäferin
Noch um mein Grab die Schafe;

Lehnt wankend sich auf ihren Stab,
Und senkt, voll heller Tränen,
Den sanften Blick zu mir herab,
Und klagt in weichen Tönen:

»Du, der so süße Lieder schuf,
So himmelsüße Lieder!
O weckte dich mein lauter Ruf
Aus deinem Grabe wieder!

Du würdest mich, nach deinem Brauch,
Gewiß ein wenig preisen.
Dann hätt ich doch bei Schwestern auch
Ein Liedchen aufzuweisen.

Dein Schmeichelliedchen säng ich dann,
Sollt auch die Mutter schelten.
O lieber, lieber Leiermann,
Wie wollt ich's dir vergelten!«

Dann wird mein Geist, wie Sommerluft,
Aus seiner Ulme Zweigen,
Zu ihr herunter auf die Gruft,
Sie anzuwehen, steigen;

Wird durch des Wiesenbaches Rohr,
Und Blätter, die sich kräuseln,
Ein Lied in ihr entzücktes Ohr
Zu ihrem Lobe säuseln.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 16:58  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Der Liebekranke.

Mir thut's so weh im Herzen!
Ich bin so matt und krank!
Ich schlafe nicht vor Schmerzen,
Mag Speise nicht und Trank;
Seh' Alles sich entfärben,
Was schön war rundumher.
Nichts, Molly, als zu sterben,
Nichts, Liebchen, wünsch' ich mehr.

Zwar könnte noch mich laben
Ein Kelch, der mir behagt;
Allein die Götter haben
Ihn meinem Durst versagt.
Wol fleh' ich, ihn zu stillen,
Vergebens dich und sie;
Denn tränk' ich auch nach Willen,
Ich stillt' ihn doch wol nie.

Drum laß mich vor den Wehen
Der ungestillten Lust
Zerschmelzen und vergehen,
Vergehn an deiner Brust!
Aus deinem süßen Munde
Laß saugen süßen Tod!
Denn, Herzchen, ich gesunde
Sonst nie von meiner Noth.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 16:59  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Des Schäfers Liebeswerbung.

(Für Herrn Voß vor seiner Hochzeit gesungen.)

Komm, sei mein Liebchen, sei mein Weib!
Und fordre Lust und Zeitvertreib,
So oft und viel dein Herz begehrt,
Und Garten, Flur und Hain gewährt.

Bald wollen wir von freien Höhn
Die Heerden um uns weiden sehn
Und sehn der Lämmer Fröhlichkeit
Und junger Stiere Hörnerstreit.

Bald hören durch den Birkenhain
Das Tutti froher Vögelein
Und an des Bächleins Murmelfall
Das Solo einer Nachtigall.

Bald rudern auf bekränztem Kahn
Den See hinab, den See hinan,
Bald Fischchen angeln aus der Flut,
Bald locken junge Vögelbrut.

Bald athmen auf der Maienflur
Den Duft der blühenden Natur,
Bald um die dünnbebuschten Höhn
Nach Erd- und Heidelbeeren gehn.

Ein Blumengurt, ein Myrtenhut
Kühlt Liebchen vor des Sommers Glut.
Ich bett' es, kommt ein Schlaf ihm an,
Auf weiches Moos und Thymian.

Im Maimond tanzt ein Schäferchor
Dir hundert frohe Reigen vor;
Behagt dir dieser Zeitvertreib,
So sei mein Liebchen, sei mein Weib!

Ich sing' und blas' auf meinem Rohr
Dir täglich Lust und Liebe vor;
Ist das für Liebchen Zeitvertreib,
So sei mein Liebchen, sei mein Weib!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 17:00  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Liebeszauber.

*ädel, schau mir in's Gesicht!
Schelmenauge, blinzle nicht!
*ädel, merke was ich sage!
Gib Bescheid auf meine Frage!
Holla, hoch mir in's Gesicht!
Schelmenauge, blinzle nicht!

Bist nicht häßlich, das ist wahr!
Aeuglein hast du, blau und klar;
Stirn und Näschen, Mund und Wangen
Dürfen wol ihr Lob verlangen.
Reizend, Liebchen, das ist wahr,
Reizend bist du offenbar.

Aber reizend her und hin!
Bist ja doch nicht Kaiserin,
Nicht die Kaiserin der Schönen.
Wer wird dich vor Allen krönen?
Reizend her und reizend hin!
Viel noch fehlt zur Kaiserin!

Hundert Schönen sicherlich,
Hundert, hundert fänden sich,
Die vor Eifer würden lodern,
Dich vor's Wettgericht zu fodern;
Hundert Schönen fänden sich,
Hindert siegten über dich.

Dennoch hegst du Kaiserrecht
Ueber deinen treuen Knecht,
Kaiserrecht in seinem Herzen,
Bald zu Wonne, bald zu Schmerzen.
Tod und Leben, Kaiserrecht,
Nimmt von dir der treue Knecht!

Hundert ist wol große Zahl;
Aber, Liebchen, laß einmal,
Laß es Hunderttausend wagen,
Dich von Thron und Reich zu jagen!
Hunderttausend! Welche Zahl!
Sie verlören allzumal.

Schelmenauge, Schelmenmund,
Sieh mich an und thu mir's kund!
He, warum bist du die Meine?
Du allein und anders Keine?
Sieh mich an und thu' mir's kund,
Schelmenauge, Schelmenmund!

Sinnig forsch' ich auf und ab,
Was so ganz dir hin mich gab. –
Ha! Durch Nichts mich so gut zwingen,
Geht nicht zu mit rechten Dingen.
Zaubermädel, auf und ab.
Sprich, wo ist dein Zauberstab?
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 11.10.2007, 17:01  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Gottfried August Bürger 1747-1794 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45053
Wohnort: Gronau

Lied

Mein frommes *ädchen ängstigt sich,
Wann ich zu viel verlange.
Die Angst der Armen macht, daß ich
Von Herzen mit erbange.

Schwebt unversucht alsdann vor mir
Der Wollust süßer Angel;
So härmt sie sich noch ärger schier,
Und wähnet Liebesmangel.

So, hier und dort gebracht in Drang,
Ersticken unsre Freuden.
O Liebe, löse diesen Zwang
An einem von uns beiden!

Gib, daß sie mich an Herz und Sinn
Zum Heiligen bekehre,
Wo nicht, daß sie als Sünderin
Des Sünders Wunsch erhöre!
Nach oben
Sponsor
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 2 von 3
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3  Weiter
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
August von Annegret Kronenberg Ann Plaudern auf der Gartenbank 0 02.08.2019, 16:22 Letzten Beitrag anzeigen
August von Annegret Kronenberg Ann Plaudern auf der Gartenbank 0 01.08.2018, 12:07 Letzten Beitrag anzeigen
AUGUST VON ANNEGRET KRONENBERG Ann Plaudern auf der Gartenbank 0 01.08.2016, 14:09 Letzten Beitrag anzeigen
Eine Schneeflocke im August Frank II Eigene Gedichte von Gästen 2 09.04.2016, 22:29 Letzten Beitrag anzeigen
AN EINEN DICHTER von Renate Tank Ann Eigene Gedichte von Gästen 1 10.02.2016, 16:34 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit