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  Gedichte  -  Hedwig Lachmann 1865-1918 Schriftstellerin Dichterin
Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:16  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Hedwig Lachmann 1865-1918 Schriftstellerin Dichterin
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Dem Künstler

Das Auge alles Lebens folgt uns nach.
So wie man oftmals geht und kann nicht scheiden,
Und Worte in sich hört, die niemand sprach,
Und lange fortfährt ein Geschick zu leiden,
Wiewohl es längst sein Bündnis mit uns brach –

So hält uns auch im Banne fremdes Sein,
An dem wir eben nur vorübergingen,
Von tausend Bildern lebt ein Widerschein
In uns, und von den fernsten Erdendingen
Prägt sich ein sicheres Gedächtnis ein.

Was sich in Dunkel hüllt, du ahnst es gut:
Die eigne Inbrunst brandet um das Leben.
Sie taucht zu dir aus Strom und Meeresflut,
Mahnt dich im Sturm der Nacht, dich hinzugeben,
Und in dir bebt es: Nimm, o nimm mein Blut!
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:17  Neue Antwort erstellen
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Hedwig Lachmann 1865-1918 Schriftstellerin Dichterin
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Am Abend

Weisst du denn – wenn auf Baum und Strauch
Das Astwerk zittert und sich sträubt,
Und wenn der leicht gewellte Rauch
An einer Wetterwand zerstäubt –

Ein scheuer Vogel ohne Laut
An dir vorbei die Flügel schlägt,
Und Wolke sich an Wolke baut –
Wohin dein wilder Wunsch dich trägt?

Weisst du denn, wenn nun alle Welt
Sich eng an Hof und Heimstatt schmiegt,
Und deine Sehnsucht dich befällt, –
Wo deine eigne Heimat liegt?
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:17  Neue Antwort erstellen
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Schwermut

Mir ist, wie wenn in einer Sommernacht
Die Menschen schweigsam in den Lauben sitzen.
Die Luft ist schwer. Ein Wolkenhimmel dacht
Sich über ihnen. Und die Fernen blitzen.

Sie fragen in die Höh: Kommt wohl ein Sturm?
Und legen spät sich und bekümmert schlafen.
Und lauschen oft gepresst, ob nicht vom Turm
Ihr Ohr im Halbschlaf Glockenklänge trafen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:18  Neue Antwort erstellen
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Winterbild

In meinem Zimmer ein paar frische Blumen,
Die allen Wintermissmut mir vertreiben.
Ein Vöglein pickt vor meinem Fenster Krumen
Und guckt dabei zutraulich durch die Scheiben.

In Stroh und Bast die Bäume eingeschlagen,
Damit der strenge Frost sie nicht berühre,
Die Beete wohl verwahrt vor kalten Tagen –
Und, blossen Haupts, ein Bettler vor der Türe.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:18  Neue Antwort erstellen
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Die Pflicht

Von einer Stimme eignem Klang getroffen
Erbebte ich – zu lang getragne Leiden,
Verjährter Gram, verzagtes Sichbescheiden,
Und scheue Armut, die nicht wagt zu hoffen.

So dringen täglich dir zahllose Zeichen
An Herz und Sinn, dich tiefer zu bewegen,
Und fremdes Leben pocht mit heissen Schlägen,
Den Pulsschlag deines Lebens zu erreichen.

Trägst du schon schwer am eigenen Geschicke?
Und sollst dazu ein Bruderlos noch tragen –
Die stummen Winke, die versteckten Klagen,
Das trübe Lächeln, die verstörten Blicke.

Die Not der Tausende, die dich umgeben,
Und was verloren irrt verlassne Bahnen,
Will sich mit dir verbrüdern, will dich mahnen,
Will Blutteil werden, Teil von deinem Leben.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:19  Neue Antwort erstellen
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Unter der Erde

Es drängt ein Strom den Felsenwänden
Des Erdeninnern zu enteilen,
In unterirdischen Geländen
Fliesst er verborgen viele Meilen.

Mit keinem Bruderstrom verbündet,
Wälzt er sich fort in Meeresnähen,
Bis er an seinem Ziele *ündet,
An tiefer Stelle ungesehen.

Ein Trachten geht geheim und stille
Nach eignem Ziel und eigner Ferne.
Der tiefe dunkle Sehnsuchtswille
Erwacht in Nächten ohne Sterne.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:20  Neue Antwort erstellen
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Aus deiner Liebe ...

Aus deiner Liebe kommt mir solch ein Segen,
Sie macht mein Herz so sorglos und so fest,
Ich kann so ruhig mich drin niederlegen,
Wie sich ein Kind dem Schlafe überlässt.

Ich geh dahin von Zuversicht getragen,
Seit neben deiner meine Seele schweift;
So, wie man wohl an schönen Sommertagen
Durch reife Ährenfelder sinnend streift.

Da gleiten sanft die Finger über Blüten
Und Halme hin, wie eine Mutter pflegt,
Und alles Leben *öchte man behüten,
Das seine heil'ge Saat zum Lichte trägt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:21  Neue Antwort erstellen
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Erwartung

Eine Mutter denkt:
Kind in meinem Schoss!
Wie mein Blut dich tränkt,
So wächst dir ein Los.

Eine Mutter denkt:
Kind aus meinem Schoss!
Nun du mir geschenkt,
Wächst in dir mein Los.

Eine Mutter denkt:
Kind in meinem Schoss ..
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:22  Neue Antwort erstellen
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Lied eines Toren

Ich liebe die, die nicht zu leben wissen ...

Der Narrheit Raum! Wer hilft mir Berge ebnen!
Mein Wille ist ein Kreislauf, der nie endet.
Dem *ühvoll Nutzlosen und dem Vergebnen
Hab ich mit Leib und Leben mich verpfändet.

Mein Hirn gab ich dem Wahn zum Herrensitze,
Von Truggebilden ist mein Blick umflimmert.
Ich klettre mittags auf die Kirchturmspitze,
Weil sie so golden in der Sonne schimmert.

Gestreckten Laufs und nimmermüden Fusses,
Zum Horizont, der immer wieder schwindet,
Folg ich den Krümmungen des raschen Flusses,
Bis er sein Bett im fernen Meere findet.

In Hass und Liebe ohne Mass und Grenzen,
In Überschwang und Frevel ohne Reue,
Lass ich mein Gold vor blöden Augen glänzen
Und werfe meine Perlen vor die Säue.

Blind hängt mein Torenherz an seinem Bunde.
Die Tage geb ich hin verlornem Sinnen
Und lass mir nachts aus einer offnen Wunde
Heimlich, zum Spass, die roten Tropfen rinnen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2011, 16:22  Neue Antwort erstellen
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Dämmerung im Vorfrühling

Der Tag bleicht. Letzte Helligkeit
Quillt aus dem ebenmässigen Gewölk.
Die Erde trocken und befreit
Von Schnee; nur hie und da die Spur
Von dünnem Eise, wie Glasur.

Die Dunkelheit wächst sanft und stät;
Ein Licht, das aufblitzt, glimmt noch matt;
Die Kinder spielen noch so spät,
Der Tagesfreuden nimmer satt.

Die Menschen schreiten säumig, wie verführt;
Und atmend heben sie das Kinn
So an die Luft, als läge drin
Für sie ein Etwas, das den Sinn
Wie eine wahre Seligkeit berührt.
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