Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 16:45  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Die verwelkten Blumen

Aus des Glückes unumwölkten Tagen
Hab′ ich Euch mir liebend aufgespart,
Am gerührten Herzen Euch getragen,
Und mit stiller Sorgfalt Euch verwahrt.

Dennoch - fühllos gegen treue Pflege,
Ist verblichen Euere bunte Zier,
Und wie Blumen am gemeinen Wege
Blühn und welken, so vergingt auch Ihr.

Dientet Ihr zum Sinnbild wohl der Liebe?
Wird auch sie der Stunden leichter Raub? -
Sinkt, dass nichts auf Erden heilig bliebe,
Auch der Liebe Blüthe in den Staub? -

Dann, o dann kann dieses öde Leben,
Das so reich, so herrlich einst mir schien,
Keinen tröstenden Ersatz mir geben
Für die Lieblingsträume, die mich fliehn.

Dann, Ihr Blumen, werd′ ich Euch beneiden,
Dass Ihr früh dem Tode Euch geweiht,
Denn noch bittrer als der Trennung Leiden
Ist des höchsten Glücks Vergänglichkeit.
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 16:46  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Glück der Liebe

Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.

Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
*öcht′ ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.

Aber wie des Schmetterlinges Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.

Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und geniessend Geist und Herz;
Aber will es wankelmüthig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 16:47  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Im Herbst

Wie mit Flor bezogen ist der Himmel,
Graue Nebel sinken feucht und schwer,
Und der Raben hungriges Gewimmel
Zieht auf Stoppelfeldern hin und her.

Blätter rauschen auf den öden Wegen,
Die ich froh und glücklich einst betrat;
Rauhe Lüfte hauchen mir entgegen,
Und durchschaueren die Wintersaat.

Ringsumher ist jede Spur verschwunden
Von des Sommers Lieblichkeit und Lust.
Nur in tiefen, unheilbaren Wunden
Regt sich noch sein Bild in meiner Brust.

Nur die Hoffnung hebt durch frische Farben
Die verblichne, freudenleere Welt;
Sammelt auch auf öden Fluren Garben,
Die sie in der Zukunft Felder stellt.

Und der Schwermut schauerliche Nächte
Hellt uns oft ihr goldner Himmelsschein;
Freundlich führt uns ihre milde Rechte
In das Reich der Fantasieen ein.

Tön′ auch mir mit Deinem Schmeichelworte,
Hoffnung, Frieden in das bange Herz;
Kränze windend um der Zukunft Pforte,
Deute Du der Sehnsucht ihren Schmerz.

Und wenn einst der Sommer wiederkehret,
Lass in seinem frischbelebten Grün
Jede Freude, die mein Herz entbehret,
Mir im Glück des Wiedersehens blühn.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 16:50  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Pflanzenleben

Habt Ihr schon in junges Grün gekleidet,
Eure Knospen jugendlich empor?
Zarte Pflanzen, die ich oft beneidet,
Wenn mein Auge sich an Euch geweidet,
Und mein Sinn sich tief in Euch verlor.

Denn umweht von warmen Frühlingslüften,
Oeffnet sich der Erde dunkler Schooss.
Aus des *ütterlichen Bodens Grüften,
Ringen sich, geweckt zu süssen Düften,
Eure still entsprossten Keime los.

Und der Sonne milde Blicke schweben
Liebend um das neue, frische Grün.
Kraftvoll regt sich Euer innres Leben,
Und mit ungehemmtem, raschem Streben,
Keimt die Knospe nur um aufzublühn.

Süsse Wohlgerüche zu verhauchen,
Bricht bewusstlos dann die Blume auf;
Und des Tages helle Strahlen tauchen
Schmeichelnd sich in ihren Kelch und saugen
Leis′ und schnell ihr junges Leben auf.

Könnt′ ich, stille Pflanzen, mit euch tauschen,
Schmerzlos leben und vergehn, wie Ihr!
Leise nur berührt, wenn Stürme rauschen,
Würd′ ich auf der Sonne Lächeln lauschen,
Und das Daseyn wäre freundlich mir.

Euer Loos - so einfach und bescheiden -
Ach warum ward es dem Menschen nicht? -
Uns zerstören namenlose Leiden
Und die einzeln uns geschenkten Freuden
Stillen unsern Durst der Seele nicht.

Bis der Schleier schimmernd sich erhebet,
Der das matte Auge jetzt umhüllt:
Bis das Sehnen, das uns oft durchbebet,
Und das Ahnen, das uns leis′ umschwebet
Der Verklärung Himmelsglanz erfüllt.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 16:52  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Sehnsucht

Im Frühling.

Wenn Philomelens bange Liebesklage
Mir neu ertönt im leisen Pappelhain,
Da denk′ ich sehnend der vergangnen Tage,
Und seufze schmerzlich: ach, ich bin allein!

O fühltest Du mit mir das warme Leben,
Das neu erwacht, rings um mich her sich regt,
Das Leben der Natur, die mit dem ew′gen Streben
Im Jugendglanz sich jetzt empor bewegt.

Denn zwiefach schön war mir des Jahres Morgen
Mit seinem holden Lächeln neben Dir.
O banne schnell der Liebe leise Sorgen,
Und eil′ auf ihren Flügeln her zu mir.

Dann will ich Dir die schönsten Kränze binden,
Die mir des Frühlings bunter Segen beut.
Gesellig soll sich Epheu um sie winden,
Das als der Treue Sinnbild Dich erfreut.

Nur dann, wenn ich Dich freudig wiedersehe,
Entschlummert sanft in mir der Sehnsucht Schmerz,
Er flieht mich nur in Deiner theuern Nähe,
Denn Du allein beglückst und füllst mein Herz.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 16:53  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Sonett

Als mir, von goldner Freiheit noch umfangen,
Des Daseyns Fülle blühend sich erschloss,
Da war′s ein dunkles, heiliges Verlangen,
Das über mich der Sehnsucht Flammen goss.

Da blickt ich froh und kühn in die Gefilde
Der Zukunft hin, von Morgenroth beglänzt;
Das Leben schien in ungetrübter Milde
Von der Natur mir tausendfach umkränzt.

Und doch - von allen Blüthen, die es schmücken,
Von allen Freuden, die das Herz beglücken,
Verdient nur eine, dass man sie beweine.

Es ist das süsse, trunkene Entzücken,
Das nur durch Schweigen wagt sich auszudrücken
In stummer Liebe seeligem Vereine.
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 2 von 2
Gehe zu Seite Zurück  1, 2
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
Franziska Gräfin zu Reventlow 1871 - ... Ann Zitate & Sprüche 20 01.01.2012, 17:52 Letzten Beitrag anzeigen
Charlotte von Kalb 1761-1843 deutsc... Ann Zitate & Sprüche 0 20.12.2011, 18:39 Letzten Beitrag anzeigen
Heinrich von Kleist 1777-1811 deutsch... Ann Zitate & Sprüche 18 08.12.2011, 18:14 Letzten Beitrag anzeigen
Marie-Luise Weissmann 1899-1929 Deuts... Ann Gedichte 13 22.10.2011, 15:54 Letzten Beitrag anzeigen
Therese Dahn 1845 - 1929 deutsche Dic... Ann Gedichte 16 24.09.2011, 19:43 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit