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  Gedichte  -  Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:26  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Charlotte von Ahlefeld 1777-1849 deutsche Schriftstellerin
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Ahndung

Laue Lüfte säuseln,
Und die Wellen kräuseln
Flüsternd sich im Meer;
Mondenstrahlen beben
Auf der Fluth und schweben
Glänzend hin und her.

Holde Melodieen
Aus der Ferne ziehen
Klingend durch die Nacht;
Und die Espen zittern,
Wie in Ungewittern
Wenn der Sturm erwacht.

Ist es Geisternähe,
Die mit Wohl und Wehe
Schauernd füllt mein Herz?
Steigen Engellieder
Aus den Lüften nieder,
Lindernd meinen Schmerz? -

Süsse Fantasieen,
Eilet nicht zu fliehen,
Labt den matten Sinn.
Ach in höh′re Räume
Ziehn der Ahndung Träume
Mitleidsvoll ihn hin.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:28  Neue Antwort erstellen
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An meinen Lieblingsbaum .

Die Träume , die in stillen Feierstunden ,
die dunkler Schatten mir so oft verlieh ,
die süsse Ruh , die ich bei dir gefunden ,
mein Lieblingsbaum , o die vergess' ich nie !

Oft sah ich neben dir die Sonne untergehen ,
entzückt von ihres Anblicks Majestät .
Oft hat des Herbstes lindes , kühles Wehen
mit deinem bunten Laub mich übersät .

Vor meinen Blicken schwebten holde Bilder ,
im lichten Glanz der Jugendfantasie ,
da träumte ich mir des Schicksals Härte milder ,
und jeder Misston wurde Harmonie .

Und liebend grub ich einst in deine Rinde
den Namenszug , der in mir brannte , ein ,
auch darum wirst du mir , du stille Linde ,
vor allen Bäumen ewig teuer sein .

Wenn sich in deinen blütenvollen Zweigen
das Westes leiser Odem kaum bewegt ,
fühlt mein Gemüt sich durch das tiefe Schweigen
der heiligen Natur so ernst erregt .
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:34  Neue Antwort erstellen
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An ein Kind

Ungetrübt und klar und helle
Rinnet noch des Lebens reine Quelle,
Zwischen Blumenufern Dir dahin.
Morgenroth glänzt auf den stillen Fluthen,
Und im Wiederschein der Purpurgluthen
Spiegelt sich Dein unbefangner Sinn.

Aber bald umwölkt ein trüber Schleier
Dir des Daseyns jugendliche Feier,
Und Aurora′s milder Glanz verbleicht.
Wolken ziehn sich über Dir zusammen,
Denn der Leidenschaften wilde Flammen
Haben bald die zarte Brust erreicht.

Und verlohren ist der goldne Frieden,
Der der Kindheit nur allein beschieden,
Wenn Dir Liebe droht mit giftigem Pfeil.
Hat er einmahl Dir das Herz durchdrungen,
Machen selbst des Erdballs Huldigungen
Nicht des Busens tiefe Wunde beil.

Blühe Deinem Schicksal denn entgegen,
Und wenn Stürme schauernd Dich bewegen,
Wanke dennoch nimmermehr Dein Sinn.
Kraft und Muth siegt über bittre Leiden,
Und wenn alle Rosen von Dir scheiden,
Welke nie der Hoffnung Grün Dir hin.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:35  Neue Antwort erstellen
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An eine Immortelle

Unvergängliche Blume, die Er mir scheidend gegeben,
*öchte sein Innres, wie Dich, nimmer verwandeln die Zeit.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:36  Neue Antwort erstellen
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An Pfingsten

Lehrer der Taubstummen in Kiel

Sey mir gesegnet, Du, den Menschenliebe
Beim schweren Amte unterstützt mit Kraft,
Du, der im Chaos dumpf verworrner Triebe,
Des Geistes Leben väterlich erschafft.

In nimmer aufgehellten Finsternissen
Erweckst Du milde der Erkenntniss Strahl,
Und linderst sanft durch Unterricht und Wissen
Der Sprache Mangel und der Taubheit Qual.

O fahre fort! - Es ziemte eine Krone
Zum wohlverdienten Schmucke Deinem Haupt,
Doch heil′ger ist der Kranz, der ihn umlaubt.
Er welket nie, denn Deine Thaten leben,
Und Dein Bewusstseyn und Dein reines Streben
Vereinigen sich schon zum höchsten Lohne.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:37  Neue Antwort erstellen
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Andenken der Kindheit

Auf der Kindheit längst vergangnen Tagen
Weilet oft mein still umwölkter Sinn,
Und aus meinem Herzen brechen Klagen,
Dass ich nun nicht mehr so glücklich bin!

Angestrahlt vom Morgenroth des Lebens,
Lachte mir der Frühling überall!
Keine Blume blühte mir vergebens -
Melodie war mir der Wasserfall.

Unbekannt mit schmerzlichen Gefühlen,
Rauschte harmlos, wonnevoll und frei
An der Seite lustiger Gespielen
Mir vorüber meiner Kindheit Mai.

Aber dauernd prägten sich die Bilder
Seiner reinen Freuden mir in′s Herz,
Und des Lebens Dunkel wird mir milder,
Denk′ ich ihrer mit der Sehnsucht Schmerz.

Darum kehr′ ich gern in deine Fluren
Stilles Dörfchen, aus dem Lärm der Welt,
Denn in dir begegnen mir die Spuren
Jener Zeit, die noch kein Gram entstellt.

Lächelnd grüsst mich jedes Plätzchen wieder,
Wo ich mich im heitern Spiel verlohr,
Und noch tönt, süss wie Sirenenlieder,
Klarer Bach, dein Flüstern meinem Ohr.

Goldne Zeiten, wo ich, gleich der Biene,
Honig in dem kleinsten Blümchen fand!
Wo die kindlich ungetrübte Miene
Noch der Flor der Wehmuth nicht umwand.

Goldne Zeiten - euerm Angedenken
Werd′ ich oft in stiller Einsamkeit
Augenblicke der Erinn′rung schenken,
Thränen - euerm frühen Glück geweiht.

*öchte einst der Abend meiner Tage
Mild und freundlich wie der Morgen seyn,
O dann trüg ich mit verstummter Klage
Jetzt des Mittags schwülen Sonnenschein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:38  Neue Antwort erstellen
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Bei Übersendung eines Vergissmeinnicht

Diese Blume, deren blaue Blüthe
Deutungsvoll der schönste Nahme schmückt,
Der als Wunsch mir längst im Herzen glühte,
Hab′ ich einsam heut′ im Thal gepflückt.

Süss umschwebt von Deinem theuern Bilde,
Schien sie würdig zur Gesandtin mir;
Hin in ferne, trennende Gefilde,
Bringe sie den Gruss der Freundschaft Dir.

Ehe sie Dir naht wird sie verbleichen -
Schnell verlöschet ihrer Farbe Licht,
Doch die Bitte *öge Dich erreichen,
Die ihr Nahme zärtlich zu Dir spricht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:38  Neue Antwort erstellen
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Beim Abschied

Wirst Du in der Ferne mein gedenken,
Wenn die Welt geräuschvoll Dich zerstreut?
Wirst Du oft mir stille Stunden schenken,
Der Erinnrung unsres Glücks geweiht?

Wird kein neues Band mir Dein Vertrauen,
Keines Deine Liebe mir entziehn?
Kann ich ganz auf Deine Treue bauen,
O so nimm mein Herz auf ewig hin!

Immer bleibt es zärtlich Dir ergeben,
Auch wenn nie mein Blick Dich wiedersieht.
Wenn getrennt von Dir mein trübes Leben
Wie ein Seufzerhauch vorüber flieht.

Ach so viele heucheln nur Gefühle
Einer nie gekannten Innigkeit;
Und in dem zerstreuenden Gewühle
Endet schnell der Schwur der Ewigkeit.

Darum will ich nicht Dir Treue schwören,
Aber fest und liebend halt′ ich sie,
Und die Zukunft soll Dir ewig lehren
Deiner Freundin Herz vergisst Dich nie.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:39  Neue Antwort erstellen
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Der arme Fischer

Wenn des Flusses klare Wellen
Mondbeglänzt vorüber ziehn,
Schau ich trübe nach den hellen
Fenstern ihres Schlosses hin.

Und es zittern bange Schauer
Mir durch Mark und durch Gebein,
Denn in hoffnungsloser Trauer
Muss ich mich der Sehnsucht weihn.

Ach ich kann sie nicht erreichen!--
An der Gluth, die mich zerstört,
Wird mein Leben bald verbleichen,
Ungeliebt und ungehört.

Seit mein Auge sie gesehen,
Ist verwandelt mein Gemüth,
Und ich muss vor ihr vergehen,
Wie ein Frühlingstag verblüht.

Seht, mein leichtes Fahrzeug schwanket
Nicht mehr munter auf der Fluth,
Denn der Fischer ist erkranket
Und erloschen ist sein Muth.

O wie freudig wollt′ ich sterben,
Könnt′ ich nur im Tode mir
Einen Blick der Huld erwerben;
Eine Thräne nur von ihr!

Aber ach, auf ihrer Höhe
Ahnet wohl die Stolze nicht,
Dass für sie in stummen Wehe
Bald das Herz des Fischers bricht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:40  Neue Antwort erstellen
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Der Frühlingstag

Sophiens Schatten gewidmet

Wenn über mir das reine Blau der Luft
Und rings um mich der Blüthenbäume Duft
Den Frühlingstag in mein Gedächtniss ruft,
Der unsre Herzen liebend einst verband,
Als ich zuerst Dein Innerstes verstand -
Dann blick′ ich, wie in meines Glücks Ruinen,
Hin auf Dein Grab, um das Cipressen grünen.

Und dann berührt das Bild vergangner Stunden
Auf′s neu in mir der ew′gen Trennung Wunden.
Dich zu verlieren hatt′ ich Dich gefunden! -
Und Thränen fliessen jenem Frühlingstag
Und Dir, die Du ihm lächelnd glichest, nach.
Doch ach, so heiss, so bitter sie auch rinnen -
Sie können nicht der Gruft Dich abgewinnen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:40  Neue Antwort erstellen
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Der Liebende an eine verwelkte Blume

Diese Blume - ach sie kam von ihr!
Auch verwelkt noch ist sie heilig mir.
Längst sind ihre Farben hingeschwunden,
Wie die Seeligkeit vergangner Stunden -
Aber dennoch bleibt sie heilig mir,
Diese Blume - denn sie kam von ihr.

Tausend blühen schimmernd jetzt im Hain -
Farb′ und Duft erfüllt ihr kurzes Seyn -
Aber mich reizt ihre Schönheit nicht,
Wenn nicht ihre Hand sie für mich bricht.
Längst verblichne Blume, Du allein
Sollst mir Weihgeschenk des Frühlings seyn.

Thränen trüben schwellend meinen Blick,
Denk′ ich an den schönen Tag zurück,
Wo sie Dich im Morgenthau mir pflückte,
Und ich zärtlich an mein Herz Dich drückte.
Theure Blume - - mein entfloh′nes Glück
Kehrt wie deine Farbe nie zurück!
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:41  Neue Antwort erstellen
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Der Sommerregen

Wie milde säuselst Du, o kühler Regen,
Auf die verschmachtende, verbleichte Flur.
Dein längst so heiss, so bang erflehter Seegen,
Erfrischt die ganze seufzende Natur,
Und neu gestärkt erheben Gras und Bäume
Die matten Häupter in der Lüfte Räume.

Der Sonne Gluth schien alles zu verzehren;
Es welkte still dahin der Blumen Glanz.
Die Pflanzen neigten sich - ein allgemein Verheeren
Bedrohte selbst der Wälder dunklen Kranz,
Und brennend schien in ihrer dumpfen Schwüle
Die schwere Luft dem lechzenden Gefühle.

Da strömtest Du, aus höhern Regionen
Zur Labung freundlich uns herabgesandt,
Die kühlen Perlen, die in Millionen
Voll heissen Durstes trank das dürre Land.
Wie gute Geister wehen durch die Fluren
Der neuen Lust und der Erquickung Spuren.

So mildert gern den heissen Brand der Schmerzen,
Der uns im Lauf des Lebens oft versengt,
Der Thränen Thau, der sanft aus unsern Herzen
Das bittre Gift verschlossnen Grames drängt,
Und Lindrung bringen uns der Wehmuth Gaben,
Indem sie still den bangen Busen laben.

O netzt auch mir das Auge, das so dunkel
Nur öde Wüsten steinigt vor sich sieht,
Und dem der Hoffnung goldnes Sterngefunkel
In unerreichbar weite Ferne flieht.
Ach, wie der matten Flur ein frischer Regen,
Sind Thränen meinem kranken Herzen Seegen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:43  Neue Antwort erstellen
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Die Geschenke

Um in der Ferne meiner zu gedenken,
Bedarfst Du wohl der äussern Zeichen nicht.
In Deiner Brust unsterblich mich zu denken,
Macht mir Dein Schwur zur ewig heil′gen Pflicht,
Und doch darfst Du die Gaben nicht verschmähen,
Womit ich wünsche Dich geschmückt zu sehen.

So nimm den Ring von meinem Haar umgeben
Und lass ihn nie von Deiner theuern Hand;
Er sei Dein Talisman im wilden Leben,
Und der Erinnrung goldnes Unterpfand;
Und auch noch dann wenn jede Hoffnung schwindet,
Sei er der Kreis, der magisch uns verbindet.

Und nimm die Uhr, die Dir mit leisem Schlage
Verklungne Stunden wiederholen kann;
Ach hätte sie die Macht, vergangne Tage
Uns zu erneun, wie kostbar wär′ sie dann!
Doch an die Flucht der Zeit darf sie Dich mahnen,
Und eine bessre Zukunft wird Dir ahnen.

Die Nadel nimm, geziert mit Edelsteinen,
Und trage sie an Deiner treuen Brust.
Sie wird der Welt als leerer Schmuck erscheinen,
Denn fremd ist ihr die schmerzlich süsse Lust,
Womit die Liebe sucht, in holden Bildern
Der reinen Gunst, des Scheidens Weh zu mildern.

Bewahre heilig, was ich Dir gegeben,
Denn ach - wer weiss, ob wir uns wiedersehn,
Ob unsre Wege durch das weite Leben
Nicht nach verschiednen , öden Zielen gehn,
Wo fern von Dir, in still verschwiegnen Thränen,
Mich heimlich aufzehrt meines Herzens Sehnen.

So nimm sie denn, die freundlichen Geschenke,
Die Dir des Abschieds dunkle Stunde bringt.
In der Erinn′rung theure Schatten senke
Den nassen Blick, wenn Dich der Gram bezwingt,
Dann wird mein Bild Dich liebevoll umschweben,
Und die Vergangenheit auf′s neue Dir beleben.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:44  Neue Antwort erstellen
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Die Klosterjungfrau

Nur wenig rasche, schnell gewagte Schritte,
Und knarrend öffnet sich die Pforte hier;
Es ist geschehn - in seine düstre Mitte
Fasst mich der Vorhof, wehe, wehe mir!

Vom frohen Leben ewig, ach, geschieden,
Umfängt der Jugend schauerliches Grab
Mich grausend nun, und Freude, Glück und Frieden
Sinkt abgestorben und verblüht hinab.

Die Schlösser rasseln - dieses Himmels Bläue
Von düstern Linden schwermuthsvoll beschränkt,
Erregt der Hoffnung Hochgefühl aufs neue
Das sich so gern in bange Busen senkt.

Hinweg, hinweg! ach über jene Schwelle,
Die bebend nun mein matter Fuss betritt,
Da fluthet der Verzweiflung dunkle Welle,
Und nimmt der Hoffnung letzten Schimmer mit.

Ich bin hinüber, und mit dumpfem Klange
Verschliesst sich hinter mir das Gitterthor,
Und in dem hochgewölbten, finstern Gange
Schwebt ahnend mir die trübe Zukunft vor.

Wo ist die Zelle, dass ich einsam weine?
Sey mir gegrüsst, Du trauriges Asyl!
Ach, in der Andacht seeligem Vereine
Mit stiller Wehmuth, lindre mein Gefühl!

Eng′ ist Dein Raum - der Sonne warmer Schimmer
Erheitert nie die graue Dämmerung
Die in Dir waltet, ach und nimmer, nimmer
Strahlt mir des Mondes Licht Beruhigung.

Das schmale Fenster, das mit Eisenstäben,
Gefängnissgleich, verschanzt nach Norden schaut,
Umschleiern wilde, unfruchtbare Reben,
Wohl oft von heissen Thränen schon bethaut.

Da werd′ ich still der Lüfte Kühlung trinken,
Des Tages holdes, mir getrübtes Licht,
Und sinnend weilen, wenn der Sterne Blinken
Sich golden in das Blau des Himmels flicht.

Denn von dem harten Lager scheucht der Kummer,
Der unsichtbar in diesen Mauern thront,
Der Menschheit höchsten Zauber, ach den Schlummer,
Der nicht auf rothgeweinten Augen wohnt.

Dein hehres Bild, Du Hochgebenedeite,
Entflammt zur Andacht den umwölkten Sinn.
Die Jungfrau, die sich Deinem Dienste weihte,
Sinkt betend und ergeben vor Dir hin.

O lösche Du mit Deiner Blicke Strahlen,
Mit Deines Lächelns stiller Heiligkeit,
In meinem Geist der Erde Lust und Qualen,
Wenn sich die Neigung mit der Pflicht entzweit.

Lass mich den Himmel rein und offen schauen,
Den du bewohnst mit Deiner Engelschaar,
Und sende mir das kindliche Vertrauen,
Die fromme Duldung, die Dir eigen war.

Doch lässt sich nicht die heisse Sehnsucht tödten,
Die jetzt noch schmerzlich nach der Welt mich zieht,
So kehr′ in Todesblässe mein Erröthen,
Und heiss′ dem Leben, dass es zu Dir flieht.

Das Grab ist ja die erste dunkle Stufe
Der Himmelsleiter, die uns aufwärts bringt.
O öffne es, Du Heilige, und rufe
Dein Kind zu Dir, das nach Erlösung ringt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.09.2011, 15:44  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Die Rose im November

An Sophie B.

Herbstlich rauh verödet sind die Fluren,
Und verschwunden ist des Sommers Glanz;
Dennoch reich′ ich eine seiner Spuren
Glühend Dir zum jugendlichen Kranz.

Diese Rose, die sich spät erschlossen,
Dufte Lenzgefühl Dir in die Brust. -
Ach sie hat die Sonne nicht genossen,
Nicht der milderen Entwicklung Lust.

Feuchte Lüfte haben sie erzogen,
Dennoch trotzte sie mit innrer Kraft,
Still und schweigend kalten Nebelwogen,
Und des Sturmes wilder Leidenschaft.

Dir, der tiefe Innigkeit und Güte
Mitgefühl für stumme Schmerzen reicht,
Sage ihre bald verwelkte Blüthe
Welchem Loos ihr trübes Schicksal gleicht.
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