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| Gedichte - Therese Dahn 1845 - 1929 deutsche Dichterin |
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Verfasst am:
24.09.2011, 19:54

Gedichte
Therese Dahn 1845 - 1929 deutsche Dichterin
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Salome am Grabe des Täufers.
Die Nachtluft rauscht mit geisterleisen Flügeln:
Tiefsorglich eingehüllt in Schleier's Hut,
Salome wandelt zwischen Grabeshügeln
Und suchet, wo Johannes einsam ruht.
Und sie beschleicht nicht menschlich Graun noch Bangen,
– Allein hier, und der Todten viel, –
Sie denkt und fühlt nur ein Verlangen:
Nur ihn zu finden, ist ihr großes Ziel.
Und mit des Abendsterns Entglimmen
Hebt von der Stirne sie die Schleier leicht:
Die Locken fluthen – ihre Augen schwimmen,
Sie bebt – sie athmet tief – sie hat's erreicht.
Noch frisch die Erde: drüber aber ranken
Schon wuchernd Immergrün und Epheu sich;
Sie neigt das Haupt tief in Gedanken
Und sinkt in's Knie und weinet bitterlich.
Die Fürstin Juda's weint am Grab des schlichten Mannes –
Und Wort und Wort quillt ihr vom Munde weich,
Salome pilgerfahrtet zu Johannes,
Den sie gemordet und geliebt zugleich:
»Vernimm mich dort in Deines Grabes Tiefe!
Verzweifelnd trag' ich meines Lebens Last. –
Selbst aus der Nacht des Todes riefe
Mein Herz zu Dir, – bis Du verziehen hast.
Zu spät nun fluthen meine Reuezähren,
Sie wecken Dich vom Tode nicht mehr auf,
Doch willst Verzeihung liebreich Du gewähren,
Dann ende, Heil'ger, meines Lebens Lauf.
Mich dürstet, opfernd ganz in Dir zu sterben,
Anbetend flammt mein Wesen auf zu Dir,
Kein höher Schicksal kann ich mir erwerben:
Nimm Du mein Sein und Wesen auf zu Dir.
Entsühne mich und nimm mein ganzes Leben,
Nimm meiner Seele selbstbewußtes Sein: –
Auf ewig sei Dir Alles hingegeben,
Vernichte mich! doch ewig sei ich Dein.«
Voll strahlt der Mond, und alle Sterne leuchten
Und weben um das Haupt ihr lichten Kranz: –
Da hebet sie den Blick, den thränenfeuchten,
Und sehnsuchtathmend bricht und lischt sein Glanz.
Erstarrend, friedverkläret sinkt und schmieget
Der junge Leib auf's frische Grab sich hin, –
Und zu Johannes ihre Seele flieget, –
Sie ward erhört: – Johannes hat verzieh'n. |
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Verfasst am:
24.09.2011, 19:55

Gedichte
Therese Dahn 1845 - 1929 deutsche Dichterin
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Auf der Haide.
Ueber die Haide jagt ein Reiter:
Immer wilder und immer weiter
Fliegt er dahin.
Wallender Schweif und flatternde Mähne,
Knirschend drückt in's Gebiß die Zähne
Der Schimmelhengst.
Blutig ritzt der Sporn die Weichen: –
Stürmender Reiter, was willst Du erreichen
Am Haiderand?
Schwarze Wasser schillern und blinken
Fern im Bruch – und Mummeln winken
Trügenden Sinns.
Schließe Dein Auge: das Gleißende blendet!
Wende Dein Roß: der Schmalpfad endete
In Sumpf und Tod. –
Sinkende Sonne: ein Meer von Flammen: –
Haidepfad, Ried und Moor verschwammen
In lohendem Schein! –
Lauschend späh' ich weithin und weiter:
Nimmer seh ich Dich, Schimmel-Reiter.
Wo kamst Du hin? |
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