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  Gedichte  -  Therese Dahn 1845 - 1929 deutsche Dichterin
Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:43  Neue Antwort erstellen
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Therese Dahn 1845 - 1929 deutsche Dichterin
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Einem schönen *ädchen

Weißt du erst wie schön du bist, -
Dein stärkster Zauber zerronnen ist.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:44  Neue Antwort erstellen
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Desselben Weges wandern wir

Langsam und spät stieg ich empor,
nun steh ich hoch und frage:
"Bin wohl auch ich ein Meteor
am Himmel deiner Tage?
Läßt mich das Schicksal vor der Zeit
dir im Zenith verschwinden?
Spannt sich der Horizont uns weit,
bis Nacht und Tod mich finden?"
Du blickst mich an und streichelst mir
liebkosend Wang' und Haare:
"Desselben Weges wandern wir,
ob kurz, ob lang, zur Bahre."
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:44  Neue Antwort erstellen
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Anemonen

Sie sprießen licht aus Waldesnacht,
Ohne reichen Duft, ohne Farbenpracht,
Unter den großen, alten Bäumen,
Über das Moos wie flutend Träumen:
Wann der Wind vorüber streicht,
Neigen sie ihre Köpfchen leicht,
Aber wo die Sonne licht
Durch die Blätterkronen bricht,
Saugen sie all das goldige Scheinen
Sehnsuchtsvoll in den Kelch, den kleinen.
So blühen sie scheu, ohne Glanz und Pracht:
Die lichten Kinder der Waldesnacht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:45  Neue Antwort erstellen
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Treue

Geächtet, verbannt von Kaiser und Land,
Verschollen im Kerker und Ketten,
Und alle Freunde von ihm gewandt,
Und sein Schwert kann ihn nicht erretten! -
Doch fern im heimischen, nordischen Gau
Vernahm's die geliebte, getreue Frau.
Sie stieg von der hohen Burg herab,
Umtost von schneidenden Winden,
Und zog die Straßen auf und ab,
Den Heißgeliebten zu finden,
Mit blutendem Fuß, mit zerrißnem Kleid
Und tief im Herzen der Liebe Leid.
Sie fragte die Straßen hin und her:
"Oh sprecht, habt ihr ihn gesehen?" -
Doch keiner sagte noch wußt' es mehr,
Und alle hießen sie gehen.
Sie aber wanderte weiter durchs Land,
Bis daß sie vor seinem Kerker stand.
Sie konnt' ihn nicht hören, nicht schau'n sein Gesicht,
Nicht Freiheit, noch Einlaß erwerben,
Wich Tag und Nacht von dem Kerker nicht,
Wollt' lieber mit ihm verderben,
Mit blutendem Fuß, mit zerrißnem Kleid,
Im treuen Herzen der Liebe Leid.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:45  Neue Antwort erstellen
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Ich wand're rastlos getrieben, voll Weh
Um dich, du geliebter Mann,
Wie von der Meute gehetzt, das Reh
Durchfliegt den ertosenden Tann.
Den stechenden Stachel tief in der Brust:
Die zehrenden Sorgen um dich!
Und heiße Flammen voll Qual und Lust
Versengen, verschlingen mich.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:46  Neue Antwort erstellen
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Wasserfahrt

Manchmal nachts an Meereswogen
Steht ein Kind, des Sehnens voll:
Dann kommt ein Delphin gezogen,
Trägt das Kind durchs Flutgeroll.
Meerfrau'n steigen auf im Kreise,
Hoch der Mond am Himmel schwebt,
Und sie schaun's und murmeln leise:
"'s ist ein Stern, der wandern geht."
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:46  Neue Antwort erstellen
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Sorge

Ich wand're rastlos getrieben, voll Weh
Um dich, du geliebter Mann,
Wie von der Meute gehetzt, das Reh
Durchfliegt den ertosenden Tann.
Den stechenden Stachel tief in der Brust:
Die zehrenden Sorgen um dich!
Und heiße Flammen voll Qual und Lust
Versengen, verschlingen mich.
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BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:47  Neue Antwort erstellen
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Lebensdrang

Zerre nicht ferner am bergenden Schleier,
Hüllt sich in Dunkel doch ewiges Sein!
Ladet das Leben zur bunten Feier,
Thörichtes Herz, uns nicht lockend ein?
Heija! erschließen dem werbenden Rausche
Will ich Gedanken und alles, was mein:
Nimm mich dahin im heiligen Tausche,
Schönste Wahrheit ist: Mensch zu sein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:48  Neue Antwort erstellen
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Wilde Rose

Sie ist nicht strahlend, ist nicht schön,
Die Rose wild auf Bergeshöh'n: –
In Wind und Wetter, Sturm und Regen
Kein freundlich Obdach, sie zu hegen:
So steht sie einsam, ungekannt,
Dort oben an des Hügels Rand.
Sie aber glühet, duftet, lacht
Und neidet nicht der Schwestern Pracht:
Denn knospend, dorn'gem Stamm entsprossen,
Hat sie der Sonne sich erschlossen,
Und nur im goldnen Sonnenschein
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BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:48  Neue Antwort erstellen
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Zu dir

Und fällt ein Reif auf all' mein Wagen,
Und seufzt ein angsterfülltes Fragen
In mir:
Und schüttelt Schmerz mir wild die Glieder, -
Trägt's mich doch hoch auf Sturmgefieder
Zum Licht!
Mein mut'ger Stolz lernt nicht verzagen,
Mein heißes Herz wird nie entsagen,
Bis daß es bricht:
Ich singe deine Zauberlieder:
Vor allen ZweifelN flücht' ich wieder
Zu dir!
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:49  Neue Antwort erstellen
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Wunsch für ihn (1870)

Gedulde dich! Es kommt der Tag,
da wird es dir gewähret,
Was du mit jedem Herzensschlag,
so überheiß begehret.
Dir funkelt's aus dem Adlerblick,
dir sprüht's um Haupt und Rechte
Du gehrst nach blut'gem Kampfgeschick
todbringender Gefechte.
Und brichst du dann, du stolzes Herz,
sollst du noch einmal fassen
Des Lebens Lust: - doch sonder Schmerz
um das, was du mußt lassen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:49  Neue Antwort erstellen
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Zorn

Beschüttet mich mir eurem Haß und Spotte
Und scheltet und verdammt: ich trag' es gern;
Doch meiner Seele Heiligtum und ihrem Gotte,
Unfreundliche Bedränger, bleibet fern!

Ja, raubt sie mir, des Lebens schönste Stunden,
Zerstört, was ihr nicht kennt: ein heißes Glück;
Jedoch vor dem, was ich so wahr empfunden,
Verstummt und weicht gesenkten Blicks zurück!

Ich will sie freudig tragen, all die Schrecken,
Die mir gescheh'n nach eures Willen Lauf,
Doch wagt ihr's, lästernd meinen Zorn zu wecken:
Erbebt! denn mit ihm steht die Rache auf!
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:50  Neue Antwort erstellen
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Die Liebe schürt den Knoten der Verwirrung,
Die Treue löset ihn und sühnt die Irrung.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:51  Neue Antwort erstellen
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Verbannt

Die Wolken zieh'n, die Winde wehen,
Auf hohem Berge *öcht' ich stehen
Und ach! noch einmal schau'n das Land,
Wo ich zuerst Dich sah - und fand.

Wie magst in Nächten und in Tagen
Du all das Leid der Trennung tragen?
Ach, oder ist es schon gethan?
Und schläffst du unterm Wiesenplan?

Die Wolken zieh'n, die Winde wehen,
Und rastlos muß ich weitergehen: -
Und immer ferner liegt das Land,
Wo ich zuerst dich sah - und fand.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.09.2011, 18:52  Neue Antwort erstellen
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Wie lange noch?

Die Sonne verglüht, es verrinnen die Stunden,
Da brechen sie auf, die brennenden Wunden:
Stumme Sehnsucht im pochenden Herzen
Weckt und entfacht die zehrenden Schmerzen.
Seh' ich den Himmel und seine Sterne,
Fühl' ich dich nahe trotz aller Ferne.
Der wogenden Nachtluft würzigen Brodem
Schlürf´ ich, als sei's dein süßer Odem.
Alles verklärt mir ein glänzender Schimmer,
Dich nur erschau' ich, überall, immer:
Die heiße Sehnsucht wird mich verzehren:
Wie lange noch, ach! wie lange soll's währen?
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