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  Gedichte  -  Friedrich Hölderlin 1770-1843 Lyriker
Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 14:00  Neue Antwort erstellen
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Friedrich Hölderlin 1770-1843 Lyriker
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Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
und voll mit wilden Rosen
das Land in den See,
ihr holden Schwäne,
und trunken von Küssen
tunkt ihr das Haupt
ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehme ich, wenn
es Winter ist, die Blumen, und wo
den Sonnenschein,
und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
sprachlos und kalt, im Winde
klirren die Fahnen.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 28.03.2008, 11:05, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 15:48  Neue Antwort erstellen
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Wie mit den Lebenszeiten,so ist es auch mit den Tagen:

keiner ist uns genug,
keiner ist ganz schön,
jeder hat seine Plage
und seine Unvollkommenheit.
Aber rechne sie zusammen,
so kommt eine Summe
Freude und Leben heraus.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 15:49  Neue Antwort erstellen
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Glaube und Liebe und Hoffnung
sollen nie aus meinem Herzen weichen,
dann gehe ich, wohin es soll und
werde gewiß am Ende sagen:
Ich habe gelebt!
Und wenn es kein Stolz und keine
Täuschung ist, so darf ich wohl sagen,
daß ich in jenen Stunden nach
und nach, durch die Prüfungen
meines Lebens, fester und
sicherer geworden bin.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 15:49  Neue Antwort erstellen
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Des Herzens Woge schäumt nicht
so schön empor und würde Geist,
wenn nicht der alte stumme Fels,
das Schicksal, ihr entgegenstände.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 15:50  Neue Antwort erstellen
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Ehmals und Jetzt

In jüngeren Tagen war ich des Morgens froh,
des Abends weint ich; jetzt, da ich älter bin,
beginn ich zweifelnd meinen Tag, doch
heilig und heiter ist mir sein Ende.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 15:51  Neue Antwort erstellen
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Zuviel begehrt das Herz;
doch endlich, Jugend, verglühst du ja,
du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.09.2004, 19:50  Neue Antwort erstellen
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Die Eichbäume
Aus den Gärten komm' ich zu euch, ihr Söhne des Berges!
Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,
Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.
Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen
In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,
Der euch nährt' und erzog und der Erde, die euch geboren.
Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,
Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel,
Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute,
Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken
Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.
Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels
Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.
Könnt' ich die Knechtschaft nur erdulden, ich neidete nimmer
Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.
Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,
Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd' ich unter euch wohnen!
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Ann
BeitragVerfasst am: 07.04.2006, 17:36  Neue Antwort erstellen
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Abbitte

Heilig Wesen ! gestört hab ich die goldene
Götterruhe dir oft, und der geheimeren,
Tiefern Schmerzen des Lebens
Hast du manche gelernt von mir.


O vergiß es, vergib ! gleich dem Gewölke dort
Vor dem friedlichen Mond, geh ich dahin, und du
Ruhst und glänzest in deiner
Schöne wieder, du süßes Licht !
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 14:23  Neue Antwort erstellen
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Abendphantasie
Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd.
Gastfreundlich tönt dem Wanderer im
Friedlichen Dorfe die Abendglocke.
Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch,
In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts
Geschäft'ger Lärm; in stiller Laube
Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? Es leben die Sterblichen
Von Lohn und Arbeit; wechselnd in *üh' und Ruh'
Ist alles freudig; warum schläft denn
Nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint
Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich
Purpurne Wolken! und *öge droben

In Licht und Luft zerrinnen mir Lieb' und Leid! –
Doch, wie verscheucht von töriger Bitte, flieht
Der Zauber; dunkel wirds und einsam
Unter dem Himmel, wie immer, bin ich –

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja,
Du ruhelose, träumerische!
Friedlich und heiter ist dann das Alter.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 14:26  Neue Antwort erstellen
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Abschied
Wenn ich sterbe mit Schmach, wenn an den Frechen nicht
Meine Seele sich rächt, wenn ich hinunter bin
Von des Genius Feinden
Überwunden, ins feige Grab,
Dann vergiß mich o dann rette vom Untergang
Meinen Namen auch du, gütiges Herz! nicht mehr
Dann erröte, die du mir
Hold gewesen, doch eher nicht!

Aber weiß ich es nicht! Wehe! du liebender
Schutzgeist! ferne von dir spielen zerreißend bald
Auf den Saiten des Herzens
Alle Geister des Todes mir.

O so bleiche dich denn Locke der mutigen
Jugend! heute noch, du lieber als morgen mir,

hier wo am einsamen
Scheidewege der Schmerz mich,
Mich der Tötende niederwirft.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 14:28  Neue Antwort erstellen
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Achill
Herrlicher Göttersohn! da du die Geliebte verloren,
Gingst du ans Meergestad, weintest hinaus in die Flut,
Weheklagend, hinab verlangt in den heiligen Abgrund
In die Stille dein Herz, wo, von der Schiffe Gelärm
Fern, tief unter den Wogen, in friedlicher Grotte die blaue
Thetis wohnte, die dich schützte, die Göttin des Meers.
Mutter war dem Jünglinge sie, die *ächtige Göttin,
Hatte den Knaben einst liebend, am Felsengestad
Seiner Insel, gesäugt, mit dem kräftigen Liede der Welle
Und im stärkenden Bad' ihn zum Heroen genährt.
Und die Mutter vernahm die Weheklage des Jünglings,
Stieg vom Grunde der See, trauernd, wie Wölkchen, herauf,
Stillte mit zärtlichem Umfangen die Schmerzen des Lieblings
Und er hörte, wie sie schmeichelnd zu helfen versprach.
Göttersohn! o wär ich, wie du, so könnt' ich vertraulich
Einem der Himmlischen klagen mein heimliches Leid.
Sehen soll ich es nicht, soll tragen die Schmach, als gehört ich
Nimmer zu ihr, die doch meiner mit Tränen gedenkt
Gute Götter! doch hört ihr jegliches Flehen des Menschen,
Ach! und innig und fromm liebt' ich dich heiliges Licht,
Seit ich lebe, dich Erd' und deine Quellen und Wälder,
Vater Äther und dich fühlte zu sehnend und rein
Dieses Herz – o sänftiget mir, ihr Guten, mein Leiden,
Daß die Seele mir nicht allzufrühe verstummt,
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 14:30  Neue Antwort erstellen
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An eine Rose
Ewig trägt im Mutterschoße
Süße Königin der Flur,
Dich und mich die stille, große,
Allbelebende Natur;
Röschen, unser Schmuck veraltet,
Stürm' entblättern dich und mich,
Doch der ewge Keim entfaltet
Bald zu neuer Blüte sich!
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 14:33  Neue Antwort erstellen
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Auf den Tod eines Kindes
Die Schönheit ist den Kindern eigen,
Ist Gottes Ebenbild vielleicht, –
Ihr Eigentum ist Ruh und Schweigen,
Das Engeln auch zum Lob gereicht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 14:36  Neue Antwort erstellen
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Auf die Geburt eines Kindes
Wie wird des Himmels Vater schauen
Mit Freude das erwachsne Kind,
Gehend auf blumenreichen Auen,
Mit andern, welche lieb ihm sind.

Indessen freue dich des Lebens,
Aus einer guten Seele kommt
Die Schönheit herrlichen Bestrebens,
Göttlicher Grund dir mehr noch frommt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.07.2006, 14:40  Neue Antwort erstellen
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Der Frühling
Der Mensch vergißt die Sorgen aus dem Geiste,
Der Frühling aber blüht, und prächtig ist das meiste,
Das grüne Feld ist herrlich ausgebreitet,
Da glänzend schön der Bach hinuntergleitet.

Die Berge stehn bedecket mit den Bäumen,
Und herrlich ist die Luft in offnen Räumen,
Das weite Tal ist in der Welt gedehnet
Und Turm und Haus an Hügeln angelehnet.
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