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  Gedichte  -  Selma Meerbaum-Eisinger 1924-1942 deutschsprachige Dichterin
Ann
BeitragVerfasst am: 26.02.2014, 15:18  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Selma Meerbaum-Eisinger 1924-1942 deutschsprachige Dichterin
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Spürst du es nicht, wenn ich um dich weine,
bist du wirklich so weit?
Und bist mir doch das Schönste, das Eine,
um das ich sie trage, die Einsamkeit.
23.12.1941
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BeitragVerfasst am: 01.03.2014, 16:51  Neue Antwort erstellen
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Regenlied

Des Regens starker Gesang wird zum Rauschen,
Das voller und voller erklingt.
Es schweigt selbst der Wald, um dem Liede zu lauschen,
Das der strömende Himmel ihm singt.
Es schäumen mit wuchtendem Anprall die Wasser
Vom Himmel zur Erde herab.
Es rasen die Ströme des Regens in nasser,
Wild stürzender Wut, die der Blitz ihnen gab.
Es duckt sich und beugt ihren Rücken die Erde
Unter dem peitschenden Sausen.
Wie vom Hufschlag einer hinrasenden Herde
Ist die Luft erfüllt von dem Brausen.
Dann wird das Rauschen zum raunenden Schallen,
Zum Murmeln von *üder Süße.
Auf die Dächer vereinzelte Tropfen fallen
Wie ferne, glückstrunkene Küsse.
1.8.1941
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Ann
BeitragVerfasst am: 03.03.2014, 15:17  Neue Antwort erstellen
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Tränenhalsband

Die Tage lasten schwül und schwer, voll wildem,
bangem Weh. Es ist in mir so kalt und leer, daß
ich vor Angst vergeh'.
Die Vögel ziehn gen Mittag hin, sie sind schon
lange fort. Schon seh' ich keine Aster blühn,
und auch die letzten Falter fliehn, die Berge
sind mit Herbst umflort.
Ich bin in Sehnsucht eingehüllt, ich sehne mich
nach dir. Mein heißes Sehnsuchtslied erfüllt
die Welt und mich mit ihr.
Der Regen, der eintönig rauscht, begleitet
meinen Sang. Und wer dem Regenliede lauscht und
wer sich an dem Weh berauscht, der hört auch
meines Liedes Klang.
Nur du allein, du hörst es nicht - ach, weiß ich
denn, warum? Und wenn mein Lied einst gell,
zerbricht, du bleibst auch kalt und stumm.
Dir macht es nichts, wenn jeder Baum mitleidig
fleht: so hör! Du gehst vorbei und siehst mich
kaum, als wüßtest du nicht meinen Traum,
und 's fällt dir nicht mal schwer.
Und doch bist du so bleich bedrückt, wie einer
der versteht, der seine Seufzer schwer erstickt
und schwer beladen geht.
Und doch ist Weh in deinem Blick, um deine
Lippen Leid. Verloren hast du wohl das Glück,
es kommt wohl nimmermehr zurück, und du -
du bist »befreit«.
Nun ja, das Glück war dir zu schwer, du hast es
hastig-wild verstreut, und nun sind deine
Hände leer, es füllt sie nur noch Einsamkeit.
So stehst du da und wirfst den Kopf mit starrem
Trotz zurück, und sagst, was du ja selbst nicht
glaubst - »Ich pfeife auf das Glück!«
Und dann, wenn es schon längst vorbei, stehst du
noch da und starrst ihm nach, dann sehnst du
es so heiß herbei, es ist dir nicht mehr einerlei
- dann bist du plötzlich wach.
Zurück jedoch kommt es nie mehr - denn rufen
willst du nicht, und wäre die Leere so unendlich
schwer, daß dein Rücken darunter bricht.
So tragen wir beide dasselbe Leid, ein jeder für
sich allein. Mich krönt aus Tränen ein schweres
Geschmeid' und dich ein Sehnsuchtsedelstein.
Und der Wind singt uns beiden den ewigen Sang
von Sehnen und Verzicht, doch auch wenn es
dir zum Sterben bang - du rufst mich trotzdem nicht.
6.11.1941
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BeitragVerfasst am: 04.03.2014, 10:54  Neue Antwort erstellen
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Das Glück

Schlafen *öcht' ich,
Der Wind wiegt mich ein,
Und die Sehnsucht singt mich zur Ruh'.
Weinen *öcht' ich.
Schon die Blumen allein
Flüstern Tränen mir zu.

Sieh die Blätter:
Sie blinken im Wind
Und gaukeln Träume mir vor.
Ja und später -
Lacht wo ein Kind,
Und irgendwo hofft ein Tor.

Sehnsucht hab' ich
Wohl nach dem Glück?
Nach dem Glück.
Fragen *öcht' ich:
Kommt es zurück?
Nie zurück.
18.8.1941
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BeitragVerfasst am: 05.03.2014, 12:06  Neue Antwort erstellen
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Es ist so viel buntes Geschehen
so viel lebendes Leben um mich -
ich könnte atmen und sehen
und könnte das Schönste verstehen,
wenn ich eines nicht hätte: dich.

So aber bist du mir das Leben,
und das andre ist stumpf und leer.
Und alle Wellen verebben
und können mir gar nichts geben,
das so fern wär' wie du und so schwer.
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Ann
BeitragVerfasst am: 05.03.2014, 17:17  Neue Antwort erstellen
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Der ideale Tag wird nie komme. Er ist heute, wenn wir ihn dazu machen. Horaz
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BeitragVerfasst am: 07.03.2014, 12:10  Neue Antwort erstellen
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Schlaflied für die Sehnsucht
(Zu singen nach der Melodie
"di zun iz fargangen" von *. Gebirtig)

O lege, Geliebter,
den Kopf in die Hände
und höre, ich sing' dir ein Lied.
Ich sing' dir von Weh und von Tod und vom Ende,
ich sing' dir vom Glücke, das schied.

Komm, schließe die Augen,
ich will dich dann wiegen,
wir träumen dann beide vom Glück.
Wir träumen dann beide die goldensten Lügen,
wir träumen uns weit, weit zurück.

Und sieh nur, Geliebter,
im Traume da kehren
wieder die Tage voll Licht.
Vergessen die Stunden, die wehen und leeren
von Trauer und Leid und Verzicht.

Doch dann - das Erwachen,
Geliebter, ist Grauen -
ach, alles ist leerer als je -
Oh, könnten die Träume mein Glück wieder bauen,
verjagen mein wild-heißes Weh!
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BeitragVerfasst am: 14.03.2014, 16:39  Neue Antwort erstellen
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Sonne im August

Gleich einer Symphonie in Grün
durchpulst von Licht und Duft und Glanz
ziehn Wiesen sich und Hügel hin
erfüllt von buntem Blumentanz.

Die Wege liegen lang im Wind,
und alle Birken neigen sich.
Und wenn die Gärten verlassen sind,
dann sind sie es nur für mich.

Die Bänke stehen wartend da,
die Gräser wiegen her und hin,
und manchmal scheint der Himmel nah,
und lange Vogelschwärme ziehn.

Und alles ist tief eingetaucht
in Lächeln und in Einsamkeit.
Mit Gold ist alles angehaucht,
und eine Elster schreit.
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BeitragVerfasst am: 15.03.2014, 15:46  Neue Antwort erstellen
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Spätnachmittag

Lange Schatten fallen auf den hellen Weg
und die Sonne schickt noch letzte Abschiedswärme
und das dünne Zwitschern eines Vogels ist, als ob es lärme
und als stehl’ es etwas von der Stille weg.
Menschen auf zehn Schritt Entfernung
sind wie aus ganz andern Welten
und fast *öchte man die welken Blätter schelten,
daß sie rascheln und die letzten Sonnenstrahlen stören.
Und man *öchte nur die Veilchen wachsen hören.
16.4.1940
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BeitragVerfasst am: 19.03.2014, 11:08  Neue Antwort erstellen
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Kristall

Ganz still. Und viele welke Blätter liegen
wie braunes Gold, in Sonne eingetaucht.
Der Himmel ist sehr blau,
und weiße Wolken wiegen.
Ein heller Frost den Reif auf Bäume haucht.

Die Tannen stehen frisch und grün,
und ihre Wipfel zeigen in die Luft.
Und rote Buchen schlank und kühn
hör’n auf den Adler, dessen Flug sie ruft,
und steigen immer höher himmelan.
Einsame Bänke stehen dann und wann
und auch ein bisschen Gras, schon halb erfroren -
die Sonne hat’s zu ihrem Liebling auserkoren.
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BeitragVerfasst am: 21.03.2014, 16:29  Neue Antwort erstellen
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Kastanien

Auf dem glatten hellen Wege
liegen sie, verstreut und *üde,
braun und lächelnd wie ein weicher Mund,
voll und glänzend, lieb und rund,
hör’ ich sie wie perlende Etüde.

Wie ich eine nehme und in meine Hand sie lege,
sanft und zärtelnd wie ein kleines Kind,
denk’ ich an den Baum und an den Wind,
wie er leise durch die Blätter sang,
und wie den Kastanien dieses weiche Lied
sein muss wie der Sommer, der unmerklich schied,
nur als letzten Abschied lassend diesen lüang.

Und die eine hier in meiner Hand
ist nicht braun und glänzend wie die andern,
sie ist matt und schläfrig wie der Sand,
der mit ihr durch meine Finger rollt.
Langsam, Schritt für Schritt, wie ungewollt
lass’ ich meine Füße weiter wandern.

23.9.1939
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BeitragVerfasst am: 21.03.2014, 16:32  Neue Antwort erstellen
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Farben

So blau liegt es über dem schneeweißen Schnee
und so schwarz sind die grünen Tannen,
dass das ganz leise hinhuschende Reh
so grau ist wie nie beendbares Weh,
das man doch so gern *öchte bannen.

Schritte knirschen in Schneemusik
und Winde stäuben die Flocken zurück
auf die weiß überschleierten Bäume.
Und Bänke stehen wie Träume.

Lichter fallen und spielen mit Schatten
unendliche Ringelreihen.
Die fernen Laternen blinken mit mattem
Schein, den vom Schneelicht sie leihen.

18.12.1939
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BeitragVerfasst am: 21.03.2014, 16:43  Neue Antwort erstellen
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Den gelben Astern ein Lied


Sie blicken durch den Regen hell mich an,
so licht, dass sie die Sonne mir ersetzen.
Und gar nichts von des Regens Trauer kann
die leuchtend gelbe Freude mir verletzen.
Auflachend neigen sie sich in dem Grün,
das rein und frisch ihr Lachen mir begleitet
ich leg’ ihnen mein Lied zu Füßen hin,
weil sie mir eine Freude heut bereitet.

30.6.1941
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BeitragVerfasst am: 21.03.2014, 16:47  Neue Antwort erstellen
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Welke Blätter

Plötzlich hallt mein Schritt nicht mehr,
sondern rauschet leise, leise,
wie die tränenvolle Weise,
die ich sing’, von Sehnsucht schwer.
Unter meinen *üden Beinen,
die ich hebe wie im Traum,
liegen tot und voll von Weinen
Blätter von dem großen Baum.

24.9.1939
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BeitragVerfasst am: 25.03.2014, 17:23  Neue Antwort erstellen
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Kastanien

Auf dem glatten hellen Wege
liegen sie, verstreut und *üde,
braun und lächelnd wie ein weicher Mund,
voll und glänzend, lieb und rund,
hör’ ich sie wie perlende Etüde.

Wie ich eine nehme und in meine Hand sie lege,
sanft und zärtelnd wie ein kleines Kind,
denk’ ich an den Baum und an den Wind,
wie er leise durch die Blätter sang,
und wie den Kastanien dieses weiche Lied
sein muss wie der Sommer, der unmerklich schied,
nur als letzten Abschied lassend diesen lüang.

Und die eine hier in meiner Hand
ist nicht braun und glänzend wie die andern,
sie ist matt und schläfrig wie der Sand,
der mit ihr durch meine Finger rollt.
Langsam, Schritt für Schritt, wie ungewollt
lass’ ich meine Füße weiter wandern.

23.9.1939
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