Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Ann
BeitragVerfasst am: 11.03.2007, 13:21  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!
Nach oben
Sponsor
Ann
BeitragVerfasst am: 25.06.2007, 17:27  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel daß ein Gärtchen beschränkt, zierlich, mein eigen gehört. Bringet mich wieder nach Hause! Was hat ein Gärtner zu reisen? Ehre bringt's ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 25.06.2007, 17:28  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Hausrecht

Keinem Gärtner verdenk isch's, dass er die
Sperlinge scheuchet;
doch nur Gärtner ist er,
jene gebar die Natur.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 25.06.2007, 17:31  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Herbstgefühl

Fetter grüne, du Laub,
Am Rebengeländer
Hier mein Fenster herauf!
Gedrängter quellet,
Zwillingsbeeren, and reifet
Schneller und glänzend voller!
Euch brütet der Mutter Sonne
Scheideblick, euch umsäuselt
Des holden Himmels
Fruchtende Fülle;
Euch kühlet des Mondes
Freundlicher Zauberhauch,
Und euch betauen, ach!
Aus diesen Augen
Der ewig belebenden Liebe
Vollschwellende Tränen.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 25.06.2007, 17:33  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Gärtnerinnen

Euren Beifall zu gewinnen,
Schmückten wir uns diese Nacht,
Junge Florentinerinnen
Folgten deutschen Hofes Pracht;
Tragen wir in braunen Locken
Mancher heitern Blume Zier;
Seidenfäden, Seidenflocken
Spielen ihre Rolle hier.
Denn wir halten es verdienstlich,
Lobenswürdig ganz und gar,
Unsere Blumen, glänzend künstlich,
Blühen fort das ganze Jahr.
Allerlei gefärbten Schnitzeln
Ward symmetrisch Recht getan;
*ögt ihr Stück für Stück bewitzeln,
Doch das Ganze zieht euch an.
Niedlich sind wir anzuschauen,
Gärtnerinnen und galant;
Denn das Naturell der Frauen
Ist so nah mit Kunst verwandt.
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 08.07.2007, 15:02  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Sommer

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze,
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.

Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 06.02.2008, 21:11  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Trost in Tränen

Wie kommt's , daß du so traurig bist ,
da alles froh erscheint ?
Man sieht dir 's an den Augen an ,
Gewiß , du hast geweint .

,,Und hab ich einsam auch geweint ,
so ist 's mein eigner Schmerz ,
und Tränen fließen gar so süß ,
erleichtern mir das Herz ,''

Die frohen Freunde laden dich ,
O, komm an unsre Brust !
Und was du auch verloren hast ,
vertraue den Verlust !

" Ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht ,
was mich , den Armen , quält .
Ach nein , verloren hab ich 's nicht,
so sehr es mir auch fehlt ."

So raffe denn dich eilig auf !
Du bist ein junges Blut .
In deinen Jahren hat man Kraft
und zum Erwerben Mut .

" Ach nein , erwerben kann ich's nicht ,
es steht mir gar zu fern .
Es weilt so hoch , es blinkt so schön ,
wie droben jener Stern ."

Die Sterne , die begehrt man nicht ,
man freut sich ihrer Pracht ,
und mit Entzücken blickt man auf
in jeder heitern Nacht .

" Und mit Entzücken blick ich auf
so manchen lieben Tag !
Verweinen laß die Nächte mich
solang ich weinen mag ."
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 07.02.2008, 16:42  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Frühzeitiger Frühling ,

Tage der Wonne kommt ihr so bald ?
Schenkt mir die Sonne ,Hügel und Wald ?
Reichlicher fließen Bächlein zumal .
Sind es die Wiesen ?Ist es das Tal ?

Blauliche Frische! Himmel und Höh !
Goldene Fische wimmeln im See .
Buntes Gefieder rauschet im Hain ;
Himmlische Lieder schallen darein .

Unter des Grünen blühender Kraft
naschen die Bienen summend am Saft .
Leise Bewegung bebt in der Luft ,
reizende Regung ,schläfernder Duft .

*ächtiger rühret bald sich ein Hauch ,
doch er verlieret gleich sich im Strauch .
Aber zum Busen kehrt er zurück .
Helfet , ihr Musen , tragen das Glück !

Saget seid gestern wie mir geschah ?
Liebliche Schwestern , Liebchen ist da !
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 10.02.2008, 18:51  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Wir können die Kinder nach unserm Sinn nicht formen ;
wie ein Gott sie uns gab , so muß man sie haben und lieben ,
sie erzieh'n auf's Beste und jeglichen lassen gewähren .
Denn der eine hat die , der andere andere Gaben ;
jeder braucht sie , und jeder ist doch nur auf seine eigene Weise
gut und glücklich .
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 11.02.2008, 11:18  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Ich habe geglaubt , und glaub' ich erst recht !
Und geht es auch wunderlich ,
geht es auch schlecht :
Ich bleibe beim gläubigen Orden .
So düster es oft und so dunkel es war
in drängenden Nöten , in naher Gefahr .
Auf einmal ist's lichter geworden .
Joh .Wolfgang von Goethe
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 27.03.2008, 20:29  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44687
Wohnort: Gronau

Vers: 231-242 aus Faust

Direktor:
[...]
Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen
Probier ein jeder , was er mag;
Drum schonet mir an diesem Tag
Prospekte nicht und nicht Maschienen.
Gebraucht das groß und kleine Himmelslicht,
Die Sterne dürfet ihr verschwenden;
An Wasser, Feuer Felsenwänden,
An Tier und Vögeln fehlt es nicht.
So schreitet in dem engen Bretterhaus
Den ganzen Kreis der Schöpfung aus
Und wandelt mit bedächtger Schnelle
Vom Himmel durch die Welt zur Hölle.

eingestellt von max
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 14.05.2008, 06:02  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Nähe des Geliebten

Ich denke dein , wenn mir der Sonne
Schimmer vom Meere strahlt ;
ich denke dein , wenn sich des Mondes
Flimmern in Quellen malt .

Ich sehe dich , wenn auf dem fernen Wege
der Staub sich hebt ;
in tiefer Nacht , wenn auf dem
schmalen Stege der Wandrer bebt .

Ich höre dich , wenn dort mit
dumpfen Rauschen die Welle steigt .
Im stillen Haine geh' ich oft zu
lauschen , wenn alles schweigt .

Ich bin bei dir ; du seist auch noch so ferne ,
du bist mir nah !
Die Sonne sinkt , bald leuchten mir die Sterne .
o, wärst du da !


Zuletzt bearbeitet von rita am 14.06.2009, 23:06, insgesamt einmal bearbeitet
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 14.05.2008, 06:27  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

An den Mond
Füllest wieder Busch und Tal
still mit Nebelglanz ,
lösest endlich auch einmal
meine Seele ganz ;

Breitest über mein Gefild
lindernd deinen Blick ,
wie des Freundes Auge mild
über mein Geschick .

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
froh - und trüber Zeit ,
wandle zwischen Freud und Schmerz
in der Einsamkeit .

Fließe , fließe , lieber Fluß !
Nimmer werd ich froh ;
so verrauschte Scherz und Kuss
und die Treue so .

Ich besaß es doch einmal ,
was so köstlich ist !
Dass man doch zu seiner Qual
nimmer es vergisst !

Rausche , Fluss , das Tal entlang ,
ohne Rast und Ruh ,
rausche flüstre meinem Sang
Melodien zu !

Wenn du in der Winternacht
wütend überschwillst
oder um die Frühlingspracht
junger Knospen quillst .

Selig wer sich vor der Welt
ohne Hass verschließt ,
einen Freund am Busen hält
und mit dem genießt ,

Was , von Menschen nicht gewußt
oder nicht bedacht ,
Durch das Labyrinth der Brust
wandelt in der Nacht

Johann Wolfgang von Goethe
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 30.03.2009, 11:52  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Willkommen und Abschied
Es schlug mein Herz:geschwind zu Pferd !
Es war getan , fast eh gedacht ;
der Abend wiegte schon die Erde ,
und an den Bergen hing die die Nacht .
Schon stand im Nebelkleid die Eiche ,
ein aufgestürmter Riese da ,
wo Finsternis aus dem Gesträuche
mit hundert schwarzen Augen sah .

Der Mond von einem Wolkenhügel
sah kläglich aus dem Duft hervor ,
die Winde schwangen leise Flügel ,
umsausten schauerlich mein Ohr .
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer ;
doch frisch und fröhlich war mein Mut .
In meinen Adern welches Feuer !
In meinem Herzen welche Glut !

Dich sah ich , und die milde Freude
floss von dem süssen Blick auf mich ;
ganz war mein Herz auf deiner Seite ,
und jeder Atemzug für dich .
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
umgab das liebliche Gesicht ;
und Zärtlichkeit für mich ihr Götter !
Ich hofft es , ich verdient es nicht !

Doch ach, schon mit der Morgensonne
verengt der Abschied mir das Herz :
in deinen Küssen , welche Wonne !
In deinem Auge , welcher Schmerz !
Ich ging , du standst und sahst zur Erden
und sahst mir nach mit nassem Blick ;
Und doch , welch Glück geliebt zu werden !
Und lieben , Götter , welch ein Glück !
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 30.03.2009, 15:27  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832 Dichter Naturwissenscha
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Fünf Dinge bringen fünfe nicht hervor ;
du , dieser Lehre öffne du dein Ohr :
der stolzen Brust wird Freudschaft nicht entsprossen ;
unhöflich sind der Niedrigkeit Genossen ;
ein Bösewicht gelangt zu keiner Grösse ;
der Neidische erbarmt sich nicht der Blösse ;
der Lügner hofft vergeblich Treu und Glauben .

Das halte fest und niemand lass dir's rauben !
Nach oben
Sponsor
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 6 von 7
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Weiter
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
AN EINEN DICHTER von Renate Tank Ann Eigene Gedichte von Gästen 1 10.02.2016, 17:34 Letzten Beitrag anzeigen
Richard von Wilpert 1862-1918 deutsch... Ann Gedichte 1 19.03.2014, 10:57 Letzten Beitrag anzeigen
Fritz Reuter deutscher Dichter 1810-1874 Ann Gedichte 1 04.07.2013, 15:51 Letzten Beitrag anzeigen
Fritz Reuter, deutscher Dichter 1810-... Ann Gedichte 0 04.07.2013, 15:45 Letzten Beitrag anzeigen
Trauergedicht von Johann Wolfgang von... Ann Gedichte Trauer -Beileid 0 01.11.2012, 12:52 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit