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Irrtum ausgeschlossen
Sechzig, sagte die Schwesternschülerin zu ihm und löste ihre pulsmessenden Finger von seinem linken Arm. Kann nicht sein, polterte es etwas missgelaunt aus ihm heraus. Ich irre mich fast nie, entgegnete die Schwesternschülerin. Dieses fast nie, ließ empörendes Unbe-hagen bei ihm aufblitzen. Leicht genervt legte die Schwesternschülerin ihre pulsmessenden Finger auf seinen rechten Arm, um friedensstiftend zu konstatieren, achtzig. Auch das konnte nicht stimmen, kam aber der Sache schon ein Stückchen näher. Er sah sie nur noch müdestreng an, worauf die Schwesternschülerin ihn mit klarer Überzeugung darauf hin-wies, dass der linke Arm nur sechzig hergegeben habe und so etwas gar nicht so selten vor-komme.
Dass es sich bei dieser Schwesternschülerin so verhielt, glaubte er sofort, und, war sich sicher, dass diese Schwesternschülerin als Friseuse weniger Schaden anrichten würde. Heimlich bat er Gott, dieser möge korrigierend eingreifen und mögliches Unheil von den Patienten abwenden. Als er sich gerade vorstellte, dies alles wäre seiner alten kranken Mut-ter widerfahren, huschte ein Lächeln über sein Gesicht, das die Schwesternschülerin völlig missdeutete, und es so zu einer hässlichen Grimasse gefrieren ließ.
Das Angebot der Schwesternschülerin, ihm mittels medizintechnischer Messwerkzeuge die Richtigkeit ihrer Aussagen zu beweisen, lehnte er mit schon fast besänftigender und müder Stimme ab. Tragen sie irgendwas ein und gut ist, gab seine, durch Aufgabe brüchig gewor-dene Stimme von sich.
In den selbstherrlichen Abgang der Schwesternschülerin hörte er seine arme alte kranke Mutter noch ängstlich hineinfragen, ist das was Schlimmes, Schwester?
schio – 10.05.06 |
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