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  Gedichte  -  Gedichte zu Pfingsten
Ann
BeitragVerfasst am: 23.05.2006, 17:20  Neue Antwort erstellen
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Pfingsten

Das Fest der Pfingsten kommt im Hall der Glocken,
das jauchzt in Frühlingsschauern die Natur;
auf jedem Strauch des Waldes und der Flur
schwebt eine Ros’ als Flamme im Frohlocken.

O Geist, der einst in goldnen Feuerflocken
auf Haupt der Jünger brausend niederfuhr,
von deinem Reichtum einen Funken nur,
hernieder send ihn auf des Sängers Locken!

Ich weiß es wohl, nicht würdig bin ich dein;
doch hast du nie die Tugend ja gemessen,
der Glaube zieht, die Sehnsucht dich allein.

Der Armen hast du nimmermehr vergessen,
du kehrtest in der Fischer Hütten ein,
und an der Sünder Tisch hast du gesessen.

Emanuel Geibel


Zuletzt bearbeitet von Ann am 18.05.2007, 20:18, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.05.2006, 17:23  Neue Antwort erstellen
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Pfingst-Bitte
Sehnend blicke ich nach oben,
dürstend wie ein dürres Land;
halte segnend aufgehoben,
Vater, deine treue Hand!
Kehre wieder, Geist der Pfingsten,
senk dich wieder Erdenwerts;
der du kommst zu den Geringsten,
komm auch in mein *üdes Herz!

Komm zu mir, mein treuer Leiter!
Zagend, bangend steh ich hier.
Mit dir geh ich stille weiter,
folgend Jesu Kreuzpanier.
Komm zu mir, du scharfer Prüfer,
füll mein Herz mit deinem Licht!
Leuchte heller, strahle tiefer,
bis das letzte Dunkel bricht!

Komm zu mir mit deinen Freuden,
deinem Frieden, deinem Trost!
Schenke mir Geduld im Leiden,
draus ein ew'ger Segen sprosst!
Komm zu mir mit Kraft und Stärke,
zu besiegen Sünd' und Welt!
Fahre fort in deinem Werke,
schaffe, was dir wohlgefällt!

Komm zu mir und lass dein Feuer
*ächtig brennen, nie vergeh'n;
dass ich stets als ein getreuer
Jünger Jesu *ög' besteh'n.
Komm zu mir, ach komm und bleibe
ewiglich mein Morgenstern!
Komm mit Macht zu mir und treibe
alles eigne Wesen fern!


Friedrich Traub
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BeitragVerfasst am: 23.05.2006, 17:31  Neue Antwort erstellen
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Pfingstbestellung
Ein Pfingstgedichtchen will heraus
ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
ins Neue, ins Grüne.

Wenn sich der Himmel grau bezieht,
mich stört's nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
der merkt doch: Es ist Pfingsten.

Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
wie Hühner Eier legen,
und gehe festlich und geschmückt -
Pfingstochse meinetwegen -
dem Honorar entgegen.

Joachim Ringelnatz
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.05.2006, 17:48  Neue Antwort erstellen
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Wenn's Pfingsten regnet

Oben aus dem Fahnenhaus
Guckt das schwarze Wettermännchen raus,
Spreizt die Beine und grinst uns an;
Schäme dich, alter Wettermann!
Am Ostersonntag, vor sieben Wochen,
Hast du dem Fritze fest versprochen,
Daß zu Pfingsten, im Monat Mai,
Das allerschönste Wetter sei.
Und nun regnets, liebe Not,
Alle hellen Blüten tot,
Sie liegen da wie nasser Schnee,
Auf den Wegen steht See an See;
Ja, wenn wir schon drinnen baden könnten,
Wie die Spatzen oder die Enten!
Wir dürfen aber garnicht raus,
Sehn so mucksch wie Maulwürfe aus;
Röch nicht der Kuchen so lecker her,
Wüßt man gar nicht, daß Feiertag wär.
Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
Schäme dich, schwarzer Wettermann!

Paula Dehmel (31.10.1862 - 9.7.1918)
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BeitragVerfasst am: 23.05.2006, 17:54  Neue Antwort erstellen
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Lust und Kraft

Komm, Heiliger Geist, auf uns herab!
Dein Trost erhellt uns Leiden und Grab.
Von dir kommt Weisheit, Licht und Rat,
kommt Lust und Kraft zur guten Tat.

Komm, Heiliger Geist, vom Himmelsthron,
ein ein'ger Gott mit Vater und Sohn,
der du uns machest wahrhaft frei,
dir Lob sei, Ehre, Dank und Treu!

Anton Faist 1918, (1864 - 1933
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BeitragVerfasst am: 23.05.2006, 18:21  Neue Antwort erstellen
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Apostelgeschichte des Lukas, 2. Kapitel
Das Pfingstwunder

Das Pfingstwunder

2,1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.
2,2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
2,3 Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen,
2,4 und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen,* wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
2,5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige *änner aus allen Völkern unter dem Himmel.
2,6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.
2,7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa?
2,8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache?
2,9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien,
2,10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom,
2,11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.
2,12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?
2,13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.
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BeitragVerfasst am: 05.05.2007, 16:55  Neue Antwort erstellen
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Pfingsten

Heil'ger Geist, der Segen bringt,
komm auf uns hernieder,
dass in uns der Mut nicht sinkt,
stärk' uns immer wieder.

Bring Gesundheit, wo man krankt,
Erkenntnis, wo wir fehlen.
Hilf uns sprechen auch den Dank,
hilf den armen Seelen.

Heil'ger Geist, so bitten wir,
lass niemals uns allein.
Wir könnten auf der Erde hier
nicht mehr zufrieden sein.

Heil'ger Geist, umhülle uns
mit deinem starken Hauch.
Strahle Licht in diese Welt,
verdränge dun'klen Rauch.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 30.05.2014, 13:45, insgesamt 4-mal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 15.05.2007, 14:42  Neue Antwort erstellen
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Am Pfingstmontag

Der auf Taubenflügeln schwebend,
Als die Welt ihr Sein empfing,
Allbefruchtend, allbelebend
Ueber den Gewässern hing -

Liebend sinkst du jetzt hernieder
Auf die bräutlich schöne Flur;
Deinem Hauche schlagen wieder
Alle Pulse der Natur.

Wogend durch der Schöpfung Räume,
Warm durchdringend Stein und Erz,
Weckend alle Lebenskeime
Senkst du dich ins Menschenherz.

Walle, walle, Geist der Liebe,
Unaufhaltsam, froh und frei,
Daß ein jeder unsrer Triebe,
Strahlend, wie sein Urquell, sei.

Max von Schenkendorf
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BeitragVerfasst am: 15.05.2007, 14:47  Neue Antwort erstellen
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Pfingsten

O heilige Frühlingswonne,
Du sinkest nieder,
Strahlend und flimmernd
In himmlischen Schauern,
Auf alle Berge,
In alle Täler,
In jede Menschenbrust!
Ja, du bist es,
Geist Gottes,
Du gießest dich aus
Über die Welt!
Soll ich auf die sonnige Höhe steigen
Und beten?
Soll ich in dem dunkeln Tale liegen
Und sinnen?
O tritt sanft, mein Fuß,
Dass du den Wurm nicht tretest,
Der unter dir
Sich freuet des sonnigen Lebens!
Und du, hoch schlagende Brust,
Halt' an den Atem,
Dass du die *ücke
Nicht in dich ziehest,
Die sich wieget im Strahle
Vor deinem Munde!



Hermann von Lingg (1820-1905)



Pfingsten

Schöne Zeit von Himmelfahrt
Bis zum nahen Pfingsten,
Wo der Geist sich offenbart
Groß auch im Geringsten.

Glockenklang erschallt vom Dom,
Und zur Lust des Maien
Wallt hinaus der Menschenstrom,
Alles will sich freuen!

Freue sich, wer Gutes tat,
Wer dafür gestritten,
Wer gestreut der Zukunft Saat,
Und auch wer gelitten!

Ja, ich weiß, es wird geschehn,
Was wir jetzt noch hoffen,
Daß zum Glück die Tore stehn
Allen einst noch offen.

Daß man nicht mehr sieht verirrt
Scharen Lebensmüder;
Keine Herde und kein Hirt,
Freie nur, nur Brüder!

Wenn kein Druck den Geist mehr dämpft,
Wenn ein zweites Eden,
Aber schöner, weil erkämpft,
Folgt auf unsre Fehden.

Eines Himmels Erdenfahrt
Und ein andres Pfingsten,
Wo der Geist sich offenbart,
Groß auch im Geringsten.



Klabund (1890-1928)



Kleinstadtpfingsten

Um eine schöne Pfingststimmung zu bewirken,
Stellt man in den kleinen Städten Birken
Vor die Tür. Und am Vorabend singen
Die *ädchen süßsonderbare Lieder, die den Sommer herbeizwingen Sollen.
Die Buben zwitschern auf ihren Kalmusstauden wie Nachtigallen.
Aber vor allen
Dingen vergesst
Nicht: wir feiern Pfingsten das Schützenfest.
In grasgrüner Uniform wie die Förster, mit Fahnen, Flöten, Pauken, und unter Applaus
Des Publikums, marschiert die Schützengilde (63 Mann) zum Schützenhaus.
Mein Vater ist Schützenmajor - er trägt einen Ehrendegen
Und muss an solchem Fest- und Ehrentage auch seinen Kronenorden vierter Klasse anlegen,
Sowie die hohenzollern-sigmaringsche Verdienstmedaille. -
Die *ädchen gehen alle schon in weißer Taille,
Und am Abend tanzt man im Schützenhaussaal bis zum Verrücktwerden...
Dann draußen unter den Bäumen... im Grase... von deinem Munde beglückt werden.
... Küsse... Musik von ferne.. am Abendhimmel die Venus gleißt...
Und wir reden jauchzend irr mit fremden Zungen,
Unsere Herzen sind wie Blüten aufgesprungen,
Nieder fuhr durchs Dunkel wie ein Blitz singend der heilige Geist...



Karl Henckell (1864-1929)

Komm, o Pfingsten!

Pfingsten, ich suche dich,
Du Fest der Freude,
Wo neues Leben
Durch Not und Tod
Alten und Jungen
Mit Feuerzungen
Weltoffenbar wird.

Pfingsten, dich suchen wir,
Du Fest des Sieges,
Wo Wahrheitsschwingen
Ob Lug und Trug
Die Luft erfüllen,
Falschheit enthüllen,
Völkerdurchbrausend.

Pfingsten, ich suche dich,
Du Fest der Geistkraft,
Wo sturmgeläutert
Von Neid und Streit
Sich Menschenmächte
Fürs Edel-Rechte
Strömend vermählen.

Pfingsten, dich suchen wir,
Fest der Gemeinschaft,
Wo gleich durch Wunden
Zu Rat und Tat
Sich frei verbunden
Höchste Geringsten:
Komm, o Pfingsten!



Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Pfingsten, das liebliche Fest...

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen; es
grünten und blühten
Feld und Wald; auf Hügeln und Höhn, in Büschen
und Hecken
Übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
Jede Wiese sproßte von Blumen in duftenden
Gründen,
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die
Erde.

(aus: Reineke Fuchs)



Emanuel Geibel (1815-1884)

Frohe Botschaft

Nach langem, bangem Winterschweigen
Willkommen, heller Frühlingsklang!
Nun rührt der Saft sich in den Zweigen,
Und in der Seele der Gesang.
Es wandelt unter Blütenbäumen
Die Hoffnung übers grüne Feld;
Ein wundersames Zukunftsträumen
Fließt wie ein Segen durch die Welt.

So wirf denn ab, was mit Beschwerden,
O Seele, dich gefesselt hielt!
Du sollst noch wie der Vogel werden,
Der mit der Schwing' im Blauen spielt.
Der aus den kahlen Dornenhecken
Die roten Rosen blühend schafft,
Er kann und will auch dich erwecken
Aus tiefem Leid zu junger Kraft.

Und sind noch dunkel deine Pfade,
Und drückt dich schwer die eigne Schuld:
O glaube, größer ist die Gnade,
Und unergründlich ist die Huld.
Laß nur zu deines Herzens Toren
Der Pfingsten vollen Segen ein,
Getrost, und du wirst neugeboren
Aus Geist und Feuerflammen sein.



Emanuel Geibel (1815-1884)

Frühlingsbrausen

Nun knospt in Sonnenschein
Das erste Grün der Halde;
Nun lasset ganz allein
Dahin mich gehn im Walde!

Ich will am frühen Duft
Der Veilchen mich berauschen,
Dem Brausen in der Luft,
Dem heil'gen, will ich lauschen.

O Laut, in welchem sich
Zuerst der Lenz enthüllet,
Und der wie keiner mich
Mit süßen Schauern füllet!

Mir ist's, als schlief' in dir
Der Einklang aller Stimmen,
Die später durchs Revier
Des Mais gesondert schwimmen;

Als sprächst du aus gesamt
Die tausend Schöpfungstriebe,
Damit die Welt durchflammt
Der Ratschluß ew'ger Liebe.

Du mahnest wundersam
Mich an das Sausen wieder,
Drin einst zu Pfingsten kam
Der Geist des Herrn hernieder.

Verstummend muß ich dir
Mein Haupt in Andacht beugen:
O komm, zu ruhn in mir
Und heil'ge Kraft zu zeugen!



Emanuel Geibel (1815-1884)

Pfingsten

Das Fest der Pfingsten kommt im Hall der Glocken,
Da jauchzt in Frühlingsschauern die Natur;
Auf jedem Strauch des Waldes und der Flur
Schwebt eine Ros' als Flamme mit Frohlocken.

O Geist, der einst in goldnen Feuerflocken
Aufs Haupt der Jünger brausend niederfuhr,
Von deinem Reichtum einen Funken nur,
Hernieder send' ihn auf des Sängers Locken!

Ich weiß es wohl, nicht würdig bin ich dein;
Doch hast du nie die Tugend ja gemessen,
Der Glaube zieht, die Sehnsucht dich allein.

Der Armen hast du nimmermehr vergessen,
Du kehrtest in der Fischer Hütten ein,
Und an der Sünder Tisch bist du gesessen.



Gustav Falke (1853-1916)

Pfingsten

Maisonnentag und fröhliche Gesichter.
Wie Lachen liegt es in der Luft und Scherzen.
Duftwolken ziehen. Tausend bunte Lichter:
Syringen, Rotdorn, der Kastanie Kerzen. -
Bourgoisphilister: Frohgenussvernichter,
Geldprotz auf Rädern, reitende Kommerzen,
Zu Fuß im Staub zwei junge deutsche Dichter
Mit leerem Beutel und mit vollem Herzen.



Ludwig Eichrodt (1827-1892)

Pfingsten

Der kühle Morgen ist erwacht,
Die Sonne kämpft die Nebelschlacht,
Und siegend als ein freudger Held
Tritt sie ins alte Himmelszelt.

Vor Liebchens Fenster steh ich schon,
Sie ist wohlauf und kennt den Ton,
Ich singe, was ihr klinget süß -
Da hast du tausend Morgengrüß!

Wir wollen über die Berge gehn,
Wir wollen zusammen den Frühling sehn!
Horch, wie es froh vom Hügel schallt,
Es weht so frisch vom dunklen Wald.

Wohl ist er warm, dein würzger Mund,
O komm herab, ich küß ihn wund!
Hier unten ist so kühl und kalt,
Es weht so frisch vom dunklen Wald.

Du schaust umher so klar und schön -
Wie dir die Locken zu Antlitz stehn!
Du Augentrost, du Rosenblut,
Du treue Seele so lieb so gut!

Jetzt fliegest du mir in den Arm,
O *ädchen, du bist so süß und warm!
Und küßt die Sonne mit jedem Strahl,
O laß dich küssen millionenmal!

O blicke mich an, so innig froh,
Und küsse mich wieder, und wieder so!
O sage, was ist die schöne Welt,
Wenn sie nicht Liebe zusammenhält?



Otto Julius Bierbaum (1865-1910)

Pfingsten

Zwischen Tulpenflammen und Narzissen
Springen unter schweren Fliederbüschen
Kleine *ädchen losen Haars im Garten.
Lerne, Herz! Die kleinen *ädchen wissen
Mehr vom Glück, als du; mit ihrem Springen
Loben sie den heiligen Geist der Pfingsten
Zwischen Tulpenflammen und Narzissen.

Denn der heilige Geist ist ausgegossen
In den glutenbunten Tulpenflammen,
Und er heißt: Seid fröhlich, Menschenkinder!
Jede Blume, glorienumflossen,
Ist, dem Haupt Mariens gleich, ein Abbild
Milder, tiefer, süßer Gottesliebe ...
Denn der heilige Geist ist ausgegossen.

Wilhel *üller
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BeitragVerfasst am: 18.05.2007, 20:11  Neue Antwort erstellen
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Der Maibaum

Wir liebten uns. Ich saß an deinem Bette
und sah auf deinen todesmatten Mund.
Dein Auge suchte mich an irrer Stätte:
hörst du den Sensenschnitt im Wiesengrund?

Und Pfingsten rings. Die Stadt war ausgeflogen
in hellen Kleidern und im Frühlingshut.
Wir waren um den schönsten Tag betrogen;
o Tag sei gnädig ihrer Fieberglut.

Zu deinem Haupte bog, zu deinen Füßen
bog sich ein grünes Birkenbäumchen vor;
sie sollten dich vom heiligen Leben grüßen,
ein letzter Gruß dir sein am schwarzen Tor.

Ich hatte sie für dich geschnitten,
an einer Stelle, die dir wohlbekannt,
zu der wir ausgelassen oft geschritten,
an der wir oft gesessen Hand in Hand.

An jenem Orte steht eine alte Weide,
vor Neid und Sonne unsre Schützerin;
da ist es still, und überall die Heide,
am Ginster zittert die Libelle hin.

Ein Wasser schwatzt sich selig durchs Gelände,
ein reifer Roggenstrich schließt ab nach Süd;
da stützt Natur die Stirne in die Hände
und ruht sich aus von ihrer Arbeit *üd.

Weißt du den Abend noch, wir saßen lange,
ein nahendes Gewitter hielt uns fest
an unserm Weidenbusch, du fragtest bange,
es klang so zag: Und wenn du mich verlässt?

Sieh zu mir auf, beschirmt von Birkenzweigen:
ich war dir treu, wir haben uns geglaubt.
Aus Wüsten zieht, aus Wolken her das Schweigen,
die Sense sirrt, und sterbend sinkt dein Haupt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 26.05.2009, 14:10  Neue Antwort erstellen
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Der Nachtigall Pfingstgesang

Zu Pfingsten sang die Nachtigall
nachdem sie Tau getrunken;
die Rose hob beim hellen Schall
das Haupt, das ihr gesunken!

O kommt ihr alle trinkt und speist,
ihr Frühlingsfestgenossen,
weil übers ird`sche Mal der Geist
des Herrn ist ausgegossen.

Die Himmelsjünger groß und klein
sind von der Kraft durchdrungen,
man hört sie reden insgemein
zu wunderbaren Zungen.

Und da ist kein Zung` am Baum
Kein Blatt ist da so kleines,
es redet auch mit drein im Traum
als sei`s voll süßen Weines.

Oh, Ihr Apostel gehet aus
Und predigt allen Landen
mit Säuselluft und Sturmesbraus
von dem, der ist erstanden!

Legt aus sein Evangelium,
auf Frühlingsau`n geschrieben,
daß er uns lieben will darum,
wenn wir einander lieben.

Wer liebend sich ans nächste hält
Und will nur das gewinnen,
umfaßt darin die ganze Welt,
und Gott ist mitten drinnen!

Autor: Friedrich Rückert (1788-1866)
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BeitragVerfasst am: 29.05.2009, 11:15  Neue Antwort erstellen
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Pfingsten

Es sandte der Frühling, der frohe Geselle,
Viel lustige Boten, sein Kommen zu künden:
Die schimmernden Glöckchen im weissen Gewand,
Narzissen, Tazetten und Hyazinthen,
leuchtende Krokos und liebliche Veilchen.
Erst rief die Meise an milden Tagen,
Dann lullte die Lerche in laueren Lüften,
Dann tönte so fröhlich des Finken Fanfare,
Und dann in wiegenden Wipfeln des Waldes
Da schlug die Amsel im Abendroth.
Sie riefen es alle: "Er kommt, er kommt!"
Und siehe, er kam, der sonnige Sieger,
Zu Häupten die Wolke von schweifenden Schwalben.
Er kam, umklungen von Nachtigallchören,
Von Faltern umflattert, von Bienen umflogen,
Und Rosen trug er in seiner Rechten
Und liebliche Lilien in seiner Linken
Maiblumen umblühten sein goldenes Haar.
Nun pflanzen wir auf die Fahnen des Sieges,
Die lustigen Büsche der leuchtenden Birke.
Es flattern und wehen die fliegenden Wimpel
Von hohen Gerüsten, Thürmen und Thoren.
Es kündet ihr Duften in dumpfen Kellern
Des frischen Frühlings fröhlichen Gruss.
Sie winken und wehen von Karren und Wagen.
Ja selbst der magere *ürrische Miethsgaul
Erhält zur Zierde ein grünes Zweiglein
Als frohes Zeichen der fröhlichen Zeit.
Nun strömt es hervor aus Strassen und Thoren
Wo Wiesen sich weiten, wo winket der Wald,
Die blühenden *ädchen, die Menschenblumen
Leuchten im Grün mit lichten Gewändern.
Doch heller noch glänzen und rosiger glühen
Die lächelnden Augen, der liebliche Mund.
Ja selbst der vertrocknete trübe Philister
Fühlet ein wenig von wirklicher Wonne!
Ihm fährt’s in die Beine, er hüpft wie ein Böcklein
Und trällert ein Liedchen und trabt in die "Boombluth".

Doch andere wandern auf anderen Wegen,
Wo zwischen Bäumen und Blüthengebüschen
Mit röthlichen Mauern der Dom emporragt
Und im Sonnenglanz, umschweift von Schwalben.,
Hoch zum Himmel mit riesigem Finger
Hinaufzeigt, *ächtig mahnend die Menschen.
Feierlich tönen die frommen Choräle
Und der Orgel wundergewaltiges Dröhnen
Hinaus in die heitre wonnige Welt.
Doch rings in der Runde in Blüthengebüschen
Da jubeln und jauchzen die Nachtigallen.
Sie singen das Lied von Liebe und Leben
Und alles mischt sich zu *ächtigem Chore,
Das Frühlingsjauchzen, die frommen Gesänge.
Sie steigen vereinigt zur Höhe, zum Himmel,
Zum gütigen Gotte, der alles gegeben.
Zu ihm, den herrlichen Herrscher der Welt!

Heinrich Seidel
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BeitragVerfasst am: 29.05.2009, 11:18  Neue Antwort erstellen
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Ein Pfingsten kam - o welche Festesfeier!
Der schöne Mai im hellen Blütenkranz
Zerreist des Himmels düstern Wolkenschleier,
Und zeigte ihn in seinem blau'sten Glanz. -

Kann solche Wonne auch im Kerker wohnen?
Ist da auch Frühling, auch der holde Mai?
Glühn auf Gefangnenstirnen Flammenkronen,
Des heil'gen Geistes wunderbare Weih?

Und ist im Kerker holde Maienwonne,
Geoffenbart in Lenz- und Liebeslust?
Dreimal gesegnet hohe Pfingstensonne,
Die solche Stätte zu erhelln gewußt!

Der Riegel sprang und schloß er auch sich wieder
Ich war bei Dir, und bot Dir meinen Gruß -
Du neigtest lächelnd Dich zu mir hernieder
Die Worte starben im Verlobungskuß.

Der erste Kuß! - bei uns der Kerkermeister
Kein Augenblick nur trauter Einsamkeit;
Doch hemmte nichts die Wonne unsrer Geister -
Der Raum war enge, doch die Herzen weit.

Von Deiner Stirne sprach des Geistes Weihe
Und Deine Rede war von Gott entflammt -
Ich bat ihn nicht, daß er Dir Trost verleihe -
Er gab Dir mehr - sein hohes Priesteramt.

Ich hätte *ögen vor Dir niederknieen,
»Mein hoher Herr!« Dich nennen demutvoll -
Und ließ mich doch in deine Arme ziehen,
Daß mir das Herz in süßer Wonne schwoll.

Und vor uns eines neuen Kerkers Schauer,
Und neuer Trennung unermeßnes Leid -
Die Liebe, im Bewußtsein ew'ger Dauer
Schwang doch sich siegreich über Raum und Zeit!

Die Liebe triumphiert ob aller Schranken,
Daran ein liebeleeres Herz zerschellt:
Du mein! ich Dein! - kein Zweifel mehr, kein Wanken!
Und siegreich überwunden ist die Welt!

(Aus zwei Fenster von Louse Otto)
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BeitragVerfasst am: 18.05.2010, 20:15  Neue Antwort erstellen
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Ein Hase sitzt auf einer Wiese,
des Glaubens, niemand sähe diese.

Doch, im Besitze eines Zeißes,
betrachtet voll gehaltnen Fleißes

vom vis-a-vis gelegnen Berg
ein Mensch den kleinen Löffelzwerg.

Ihn aber blickt hinwiederum
ein Gott von fern an, mild und stumm.

(Christian Morgenstern)
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Der Pfingsttag kennt keinen Abend, denn seine Sonne, die Liebe, geht nie unter.


(Theodor Fontane)
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FROHE PFINGSTEN Ann Plaudern auf der Gartenbank 0 11.05.2016, 10:06 Letzten Beitrag anzeigen
Pfingsten von Emanuel Geibel Ann Plaudern auf der Gartenbank 1 11.05.2016, 10:05 Letzten Beitrag anzeigen
PFINGSTEN Ann Plaudern auf der Gartenbank 0 19.05.2015, 16:43 Letzten Beitrag anzeigen
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