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  Gedichte  -  Nikolaus Lenau 1802-1856 österr. Schriftsteller
Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2006, 20:24  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Nikolaus Lenau 1802-1856 österr. Schriftsteller
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Aus!

Ob jeder Freude seh ich schweben
Den Geier bald, der sie bedroht.
Was ich geliebt, gesucht im Leben,
Es ist verloren, oder tot.

Fortriß der Tod in seinem Grimme
Von meinem Glück die letzte Spur:
Das Menschenherz hat keine Stimme
Im finstern Rate der Natur.

Ich will nicht länger töricht haschen
Nach trüber Fluten hellem Schaum,
Hab aus den Augen mir gewaschen
Mit Trängen scharf den letzten Traum.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.07.2006, 20:00  Neue Antwort erstellen
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Nikolaus Lenau 1802-1856 österr. Schriftsteller
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Dein Bild
Die Sonne sinkt, die Berge glühn,
Und aus des Abends Rosen
Seh ich so schön dein Bild mir blühn,
So fern dem Hoffnungslosen.
Strahlt Hesperus dann hell und mild
Am blauen Himmelsbogen,
So hat mit ihm dein süßes Bild
Die Sternenflur bezogen.

Im mondbeglänzten Laube spielt
Der Abendwinde Säuseln;
Wie freudig um dein zitternd Bild
Des Baches Wellen kräuseln! –

Es braust der Wald, am Himmel ziehn
Des Sturmes Donnerflüge,
Da mal ich in die Wetter hin,
O *ädchen, deine Züge.

Ich seh die Blitze trunkenhaft
Um deine Züge schwanken,
Wie meiner tiefen Leidenschaft
Aufflammende Gedanken.

Vom Felsen stürzt die Gemse dort,
Enteilet mit den Winden;
So sprang von mir die Freude fort
Und ist nicht mehr zu finden.

Da bin ich, weiß nicht selber wie,
An einen Abgrund kommen,
Der noch das Kind der Sonne nie
In seinen Schoß genommen.

Ich aber seh aus seiner Nacht
Dein Bild so hold mir blinken,
Wie mir dein Antlitz nie gelacht; –
Wills mich hinunterwinken? –

(1831)
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.11.2006, 13:39  Neue Antwort erstellen
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Nikolaus Lenau 1802-1856 österr. Schriftsteller
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Winternacht

1.

Vor Kälte ist die Luft erstarrt,
Es kracht der Schnee von meinen Tritten,
Es dampft mein Hauch, es klirrt mein Bart;
Nur fort, nur immer fortgeschritten!



Wie feierlich die Gegend schweigt!


Der Mond bescheint die alten Fichten,
Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,
Den Zweig zurück zur Erde richten.

Frost! friere mir ins Herz hinein,


Tief in das heißbewegte, wilde!


Daß einmal Ruh mag drinnen sein,
Wie hier im nächtlichen Gefilde!

2.

Dort heult im tiefen Waldesraum
Ein Wolf; – wie's Kind aufweckt die Mutter,
Schreit er die Nacht aus ihrem Traum
Und heischt von ihr sein blutig Futter.



Nun brausen über Schnee und Eis


Die Winde fort mit tollem Jagen,
Als wollten sie sich rennen heiß:
Wach auf, o Herz, zu wildem Klagen!

Laß deine Toten auferstehn


Und deiner Qualen dunkle Horden!


Und laß sie mit den Stürmen gehn,
Dem rauhen Spielgesind aus Norden!
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Ann
BeitragVerfasst am: 12.07.2007, 15:43  Neue Antwort erstellen
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Sei mir zum letztenmal gegrüßt,
Mein Vaterland, das, feige dumm,
Die Ferse dem Despoten küßt
Und seinem Wink gehorchet stumm.
Wohl schlief das Kind in deinem Arm,
Du gabst, was Knaben freuen kann;
Der Jüngling fand ein Liebchen warm;
Doch keine Freiheit fand der Mann.

Im Hochland streckt der Jäger sich
Zu Boden schnell, wenn Wildesschar
Heran sich stürzet fürchterlich;
Dann schnaubt vorüber die Gefahr:

Mein Vaterland, so sinkst du hin,
Rauscht deines Herrschers Tritt heran,
Und lässest ihn vorüberziehn
Und hältst den bangen Atem an. –

Fleug, Schiff, wie Wolken durch die Luft,
Hin, wo die Götterflamme brennt!
Meer, spüle mir hinweg die Kluft,
Die von der Freiheit noch mich trennt!

Du neue Welt, du freie Welt,
An deren blütenreichem Strand
Die Flut der Tyrannei zerschellt,
Ich grüße dich, mein Vaterland!
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Ann
BeitragVerfasst am: 12.07.2007, 15:47  Neue Antwort erstellen
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Die Asketen

O spottet nicht der traurigen Asketen,
Daß sie den Leib mit scharfen Leiden plagen,
Die süßen Erdenfreuden sich versagen,
Die flüchtigen, nur allzuschnell verwehten!
Nebst solchen, die das Futter gierig *ähten,
Seit des verlornen Paradieses Tagen,
Hat eine Schar von Herzen stets geschlagen,
Die, abgewandt, die Weide hier verschmähten.

Ein schüchternes Gefühl: ›Wir sind gefallen!‹
Hält sie vom lauten Freudenmarkt zurück,
Heißt sie den Pfad einsamer Dornen wallen.

Es wächst ihr Ernst, wenn sie vorüberstreifen
An einem unverdienten Erdenglück;
Die Scham verbietet, keck darnach zu greifen
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Ann
BeitragVerfasst am: 12.07.2007, 15:50  Neue Antwort erstellen
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Auf dem Teich, dem Regungslosen

Auf dem Teich, dem Regungslosen,
Weilt des Mondes holder Glanz,
Flechtend seine bleichen Rosen
In des Schlilfes grünen Kranz.

Hirsche wandeln dort am Hügel,
Blicken durch die Nacht empor;
Manchmal regt sich das Geflügel
Träumerisch im tiefen Rohr.

Weinend muß mein Blick sich senken;
Durch die tiefste Seele geht
Mir ein süßes Dein gedenken,
Wie ein stilles Nachtgebet.
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BeitragVerfasst am: 13.07.2007, 19:48  Neue Antwort erstellen
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Frage

O Menschenherz, was ist dein Glück?
Ein rätselhaft geborner
Und, kaum gegrüßt, verlorner,
Unwiederholter Augenblick
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Ann
BeitragVerfasst am: 13.07.2007, 19:50  Neue Antwort erstellen
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Mit meinen Gedichten
Baden-Baden, im Sommer 1844

Mich ließ die Gunst des Augenblickes,
Ein flüchtig Lächeln des Geschickes,
Wie bis ins Herz du schön, erkennen;
Leb wohl! ich muß von dir mich trennen!
Doch milderts mir dein frühes Scheiden,
Wenn ich vom Glück, das mir entschwunden
– So schnell wie du! –, die heitern Kunden
Und wenn ich darf den Ruf der Leiden,
Die singend mir das Herz zerrissen,
In deinen lieben Händen wissen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 29.01.2008, 20:13  Neue Antwort erstellen
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Primula veris .
liebliche Blume ,
bist du so früh schon wiedergekommen ?
Sei mir gegrüßet , primula veris !

Leiser denn alle Blumen der Wiese
hast du geschlummert ,
liebliche Blume , primula veris

Liebliche Blume ,
primula veris !
Holde , dich nenn ich
Blume des Glaubens .

Gläubig dem ersten Winke
eilst du entgegen ,
öffnest die Brust ihm .

Frühling ist kommen .
*ögen ihn Fröste ,
trübende Nebel
wieder verhüllen ;

Dir nur vernehmbar
lockte das erste sanfte Geflüster
weckenden Frühlings ,
primula veris !

Mir auch im Herzen
blühte vor Zeiten ,
schöner denn alle Blumen der Liebe ,
primula veris !

Blume , du glaubst es ,
daß der ersehnte göttliche Frühling
endlich gekommen ,

öffnest die Brust ihm ;
aber es dringen lauernde Fröste
tödlich ins Herz dir ,

mag es verwelken !
Ging doch der Blume
gläubige Seele
nimmer verloren !

eingetragen von Rita am 29.01.08
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Ann
BeitragVerfasst am: 29.01.2008, 20:15  Neue Antwort erstellen
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Abendbild
Friedlicher Abend senkt sich aufs Gefilde ;
sanft entschlummert Natur ,
um ihre Züge schwebt der Dämmerung
zarte Verhüllung ,
und sie lächelt , die Holde ;

Lächelt , ein schlummernd Kind in Vaters Armen ,
der voll Liebe zu ihr sich neigt ;
sein göttlich Auge weilt auf ihr ,
und es weht sein Odem über ihr Antlitz .

eingegeben von Rita am 29.01.08
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Ann
BeitragVerfasst am: 29.01.2008, 20:17  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44710
Wohnort: Gronau

Bitte
Weil auf mir , du dunkles Auge ,
übe deine ganze Macht ,
ernste , milde , träumerische ,
unergründlich süße Nacht !

Nimm mit deinem Zauberdunkel
diese Welt von hinnen mir ,
daß du über meinem Leben
einsam schwebest für und für

eingegeben von Rita am 29.01.08
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brutalsadist
BeitragVerfasst am: 18.03.2008, 03:19  Neue Antwort erstellen
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Nikolaus Lenau 1802-1856 österr. Schriftsteller
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Stammgast
Stammgast


Anmeldungsdatum: 13.03.2008
Beiträge: 49
Wohnort: Absurdistan

Zuflucht

Thut man Kindern was zuleide,
Fliehn zur Mutter sie voll Schrecken,
Sich in ihrem Faltenkleide
Vor dem Quäler zu verstecken.

Weiche Herzen bleiben Kinder
All ihr Leben, und es falle
Ihnen auch das Los gelinder,
Als den Herzen von Metalle.

Jagt sie Unglück, wie zum Fluche,
Fliehn sie bang und immer bänger,
Bis sie hinterm Leichentuche
Sich verbergen ihrem Dränger.
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rita
BeitragVerfasst am: 12.05.2009, 22:16  Neue Antwort erstellen
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Nikolaus Lenau 1802-1856 österr. Schriftsteller
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

an die Entfernte ...Rest...

Nie soll weiter sich ins Land
Lieb ' von Liebe wagen ,
als sich blühend in der Hand
lässt die Rose tragen ;

oder als die Nachtigall
Halme bringt zum Neste ,
oder als ihr süsser Schall
wandert mit dem Weste .

Rosen fliehen nicht allein
und die Lenzgesänge ,
auch dein Wangenrosenschein
deine süssen Klänge .

O , dass ich , ein Tor , ein Tor ,
meinen Himmel räumte !
Dass ich einen Blick verlor ,
einen Hauch versäumte !

Rosen wecken Sehnsucht hier ,
dort die Nachtigallen ,
*ädchen , und ich *öchte dir
in die Arme fallen !

Nikolaus Lenau
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rita
BeitragVerfasst am: 03.01.2010, 23:06  Neue Antwort erstellen
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Das Mondlicht

Dein gedenkend irr' ich einsam
diesen Strom entlang ;
könnten lauschen wir gemeinsam
seinem Wellenklang !

Könnten wir zusammenschauen
in den Mond empor ,
der da drüben aus den Auen
leise taucht hervor .

Freundlich streut er meinem Blicke
aus dem Silberschein
stromhinüber eine Brücke
bis zum stillen Hain .-

Wo des Stromes frohe Wellen
durch den Schimmer ziehn ,
seh ' ich , wie hinab die schnellen
unaufhaltsam fliehn .

Aber wo im schimmerlosen
Dunkel geht die Flut ,
ist sie nur ein dumpfes Tosen ,
das dem Auge ruht .-

Dass doch ein Geschick mir brächte
einen Blick von dir !
Süsses Mondlicht meiner Nächte ,
*ädchen , bist du mir !

Wenn nach dir ich oft vergebens
in die Nacht gesehn ,
scheint der dunkle Strom des Lebens
trauernd still zu stehn ;

Wenn du über seinen Wogen
strahlest zauberhell ,
seh ' ich sie dahingezogen ,
Ach ! Nur allzuschnell !

Nikolaus Lenau (1802 - 1850 )
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Ann
BeitragVerfasst am: 13.10.2013, 18:10  Neue Antwort erstellen
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Wohnort: Gronau

Das dürre Blatt (1837)

Durchs Fenster kommt ein dürres Blatt,
Vom Wind hereingetrieben;
Dies leichte, off’ne Brieflein hat
Der Tod an mich geschrieben.

5 Das dürre Blatt bewahr ich mir,
Will’s in die Blätter breiten,
Die ich empfangen einst von ihr;
Es waren schöne Zeiten!

Da draußen steht der Baum so leer;
10 Wie er sein Blatt im Fluge,
Kennt sie vielleicht ihr Blatt nicht mehr,
Trotz ihrem Namenszuge.

Der toten Liebe Worte flehn,
Daß ich auch sie vernichte,
15 Wie festgehaltne Lügner stehn
Sie mir im Angesichte.

Doch will ich nicht dem holden Wahn
Den Wurf in‘s Feuer gönnen;
Die Worte sehn mich traurig an,
20 Daß sie nicht sterben können.

Ich halte fest, zu bittrer Lust,
Was all mein Glück gewesen,
In meinen schmerzlichen Verlust
Will ich zurück mich lesen.

25 Das dürre Blatt leg ich dazu,
Des Todes milde Kunde,
Daß jedes Leiden findet Ruh,
Und Heilung jede Wunde.
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