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  Gedichte  -  Luise Hensel 1798-1876 religiöse Dichterin
Ann
BeitragVerfasst am: 09.07.2006, 19:11  Neue Antwort erstellen
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Luise Hensel 1798-1876 religiöse Dichterin
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Will keine Blumen mehr

Die Sommerrosen blühen
Und duften um mich her;
Ich seh' sie all' verglühen;
Will keine Blumen mehr.

Der Bruder mein that ziehen
Mit Königs stolzem Heer,
Läßt einsam mich verblühen;
Will keine Blumen mehr.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 16:04, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 09.07.2006, 19:13  Neue Antwort erstellen
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Anne Marie

Sie zog mit kleiner Habe
Zum reichen Bauern hin,
Doch manche schöne Gabe
Hat ihr Natur verlieh'n.

Des Hofes jungem Erben
Lacht sie in's Herz hinein;
Da will er lieber sterben
Als eine And're frei'n.

Der harte Vater schmähet
Und treibt die Magd hinaus.
Ob auch der Jüngling flehet:
Die Maid verläßt das Haus.

Sie dient im Nachbarhause
Um kärglichen Gewinn
Und Nachts aus armer Klause
schaut sie zum Hofe hin.

Der breitet weit und düster
Vor ihrem Blick sich aus;
Der Birnbaum und die Rüster
Verbergen schier das Haus.

Und wenn ein trübes Leuchten
Sich durch die Zweige bricht:
Dann reiche Thränen feuchten
Das stille Angesicht.

Im Herzen nagt der Jammer,
Zernagt des Lebens Kern;
Bald trägt zur armen Kammer
Der Priester Gott, den Herrn. -

Als Braut des Bauernsohnes
Verschmäht, du arme Maid,
Bist werth du nun des Thrones
Der höchsten Herrlichkeit.

Er, aller Himmel König,
Hat dich zur Braut erwählt;
Ihm bist du nicht zu wenig,
Er hat sich dir vermählt.

O, lache nun der Thränen,
Die thörig du geweint,
Als noch dein krankes Sehnen
Den Erdensohn gemeint.

O, schlage hoch die Schwingen,
Die mild der Tod befreit:
Du sollst nun aufwärts dringen
Zum Thron', der dir bereit. -

Die Glocken festlich läuten,
Die Jungfrau'n-Kerze scheint,
Geschmückt die Träger schreiten
Und manches Auge weint.

Die Priester milde beten,
Geh'n mit dem Kreuz voran,
Und die Gespielen treten
Im grünen Kranz heran. -

Es schwankt vor seiner Thüre
Die Bahre hoch empor -
Ob dort wohl Einer spüre
Daß er ein Herz verlor? -
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Ann
BeitragVerfasst am: 09.07.2006, 19:15  Neue Antwort erstellen
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Kein Frühling mehr

Es sitzt in trauter Zelle
Am Fenster ein *ägdlein bleich
Und schaut hinab in die Welle,
Da rollen zwei Perlen helle
Wohl in das Wasser gleich.

Sie hört eine Flöte von weitem,
Sie blickt auf Schilf und Rohr;
Da keimen verlorene Freuden,
Da sprossen vergessene Leiden
Ihr frisch im Herzen empor.

»Die Welle rinnt und schäumet,
Grün Laub schmückt wieder den Baum.
Ach, Frühling, hast lange gesäumet!
Nur ist mir, als hätt' ich geträumet
Ein'n langen, schweren Traum.

»Ich weiß, der Lenz schwebt nieder,
Ich weiß wohl: es ist Mai;
Doch kehren dieselben Lieder,
Dieselben Blumen nicht wieder;
Ist alles anders und neu.«
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Ann
BeitragVerfasst am: 11.11.2007, 19:50  Neue Antwort erstellen
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Abschied von der *ütterlichen Freundin

Scheiden - o bitterer Kelch, bald wird meine Lippe dich kosten!

Scheiden - o schmerzendes Wort, das durch die Seele mir dringt!

Sichel, so schneidend und scharf, du kommst meine Blumen zu fällen.

Köcher voll tötender Pfeil', o wie erbeb' ich vor dir!

Heute noch kann meine Hand die trautesten Hände erfassen,

Heute noch findet mein Blick, Mutter! dein freundliches Aug.

Zweimal noch seh' ich mit dir im Spätrot erglühen die Hügel,

Zweimal noch schallt uns vereint frühe der Vögelein Sang.

Aber dann führt dich dein Pfad dahin in die neblichte Ferne,

Ach, und es führt mich mein Weg einsam und trübe daher. -

Aber ich denke an dich - du kannst mir entrissen nicht werden,

Und der Gedanke an dich wird mir zum trösten den Freund.

Trübt dann die Sehnsucht mein Aug', so trinkt wohl der Sand meine Zähre,

Aber die Hoffnung, sie hebt mutig zum Himmel mein Herz.

Amen, o Amen, mein Gott! Hier bin ich - ich bin dir ergeben.

Gib mir den bitteren Kelch - Vater! Du gibst ihn mir ja.
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Ann
BeitragVerfasst am: 11.11.2007, 19:53  Neue Antwort erstellen
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Antwort

Warum ich mir kein Herz erwählte,

Das Liebe sucht' und Liebe bot?

Warum ich Christo mich vermählte,

Ihm treu zu sein bis in den Tod?

Warum ich ihn allein will lieben,

An seiner Schöne mich erfreun,

Bei seinen Schmerzen mich betrüben,

In seiner Liebe selig sein?

Warum? Nicht will ich es euch sagen;

Ihr *ögt nur selbst zum Liebsten gehn,

*ögt nur den Allerhöchsten fragen,

Warum er so unendlich schön.

Gern hätte mich die Welt betrogen,

Sie bot mir all ihr blendend Glück,

Da hat er mich an sich gezogen,

Nun kehr' ich ewig nicht zurück.

So oft ich einem Erdensohne

In Liebe wollt' entgegengehn,

Da sah ich in der Dornenkrone

Den Liebsten traurig seitwärts stehn.

Und wollt' ich dennoch ihn verlassen

Und wollte mich den andern weihn,

So sah ich ihn am Kreuz erblassen,

So treu, so liebend, so allein.

Da hab' ich viel geweint, gerungen,

Zu ihm gewandt den trüben Blick,

Bis siegend ich hindurchgedrungen;

Nun will ich ewig nicht zurück.

Ich gönn' euch ja all eure Freuden,

Den bunten Tand, ich mag ihn nicht.

All euer Freun, all euer Leiden

Ist nicht mein Schatten, nicht mein Licht.

O gönnt auch ihr mir meine Freuden

Und störet meinen Frieden nicht!

In ihm, mit ihm ist jedes Leiden

Verklärt und süß und führt zum Licht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 11.11.2007, 19:55  Neue Antwort erstellen
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Aufforderung

Hörst du der Vöglein Weisen

Lieblich im grünenden Hain

Gott, den Allgütigen, preisen:

Seele, o stimme mit ein!

Grüßt dich der farbige Bogen

Hoch dort vom Himmel herab:

Preise ihn, der ihn gezogen,

Der so viel Schönes dir gab!

Winkt dir der Obstbäume Segen,

Wogen dir nahe und fern

Goldene Saaten entgegen:

Danke dann freudig dem Herrn.

Siehst du die Sternlein erglühen

Zahllos und flimmernd und rein,

Friedlich die Mondsichel ziehend:

Seele, o denke dann sein!

Schwinge dich weit aus dem Staube,

Der dich belastend umgibt;

Liebe und hoffe und glaube,

Daß Gott als Vater dich liebt.
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007, 20:23  Neue Antwort erstellen
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An den Bruder

Und wenn ich sang von Liebeslust

Manch frohen, frommen Sang,

Da hab' ich selber nicht gewußt,

Was von der Lippe klang.

Und wenn ich sang von Liebesschmerz,

Vom fernen Buhlen mein,

So meinte keinen doch mein Herz,

Den Bruder nur allein.

Vor meinem Fenster allzumal

Viel Myrt’ und Rosen blühn,

Ach, all die Ros’n, die Myrten all,

Die sind für mich zu grün.

O lasst mich so allein und still

In meiner Zelle klein,

Und nehme jeder, was er will,

Laßt mich vergessen sein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 11.11.2007, 20:26  Neue Antwort erstellen
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"Die Liebe ist nicht geliebt«
(St. Magdalena a Pazzis.)

Die Lieb' ist nicht geliebt - o Lieb', so lehr' mich lieben

Mit Seel' und Geist und Sinn und allen Herzenstrieben;

Nichts kann ich ohne dich als nur das Böse üben:

Was gut in mir ist dein.

Die Lieb' ist nicht geliebt! Wer faßt der Torheit Größe,

Des Undanks tiefe Schuld, unheil'ger Armut Blöße?

So träg und kalt das Herz - o milder Jesus, flöße

Mir Lieb' um Liebe ein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 11.11.2007, 20:29  Neue Antwort erstellen
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Mein Emmaus

Der Tag hat sich geneigt,

Kehr’ ein, geliebter Gast!

Der Lärm des Tages schweiget

Und gönnt der Seele Rast.

Laß uns beim süßen Mahle

Und trauter Rede nun

Und mildem Abendstrahle

Von schwerer Wand’rung ruhn.

O, nicht vorübergehe,

Nein, weile, holder Gast!

Allein in deiner Nähe

Wird meiner Seele Rast.

Als du auf fernen Wegen

Mir nahtest ernst und traut,

Hat deiner Rede Segen

Mir Trost ins Herz getaut*

Ob sich die Schatten strecken

Und wachsen riesengroß: recken,

Nichts kann ein Herz erschrecken,

Das ruht in deinern Schoß

Mein Haupt an deinem Herzen

Wie St. Johann beim Mahl,

Weiß ich von keinen Schmerzen,

Von keiner Todesqual.

Wollst nicht von dannen fliehen,

Nicht lassen mich allein,

Bis ich mit dir darf ziehen

Zum seligen Verein.
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007, 20:34  Neue Antwort erstellen
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Heimat

»Das Füchslein kennt die sich're Höhle,

Die Schwalbe klebt ihr Nestlein an -

O, zeige meiner *üden Seele

Den Ort auch, wo sie rasten kann!«

So fleht' ich mit gerungnen Händen,

Und heiße Tränen flossen drauf;

Die Blicke mußt' ich sehnend wenden

Zum fernen Himmelszelt hinauf.

Die Erde schien mir so verlassen,

Der Heiland, meint' ich, sei so fern;

Den Tag, die Farben wollt' ich hassen

Und einzig suchen meinen Herrn.

Und wußt' ihn nirgend doch zu finden,

Und fragend blickt' ich himmelwärts;

So sah ich Monde, Jahre schwinden,

Und Ruhe kam nicht in mein Herz.

Wie konnt' ich diese Erde lieben,

Auf der ich ihn nicht wandeln sah?

Die Seele sucht' ihn einzig drüben

Und ahnte nicht, daß er so nah.

Bis ich von seiner Kirche hörte,

Die auf den wahren Fels gebaut,

Und bis sein Geist den Weg mich lehrte

Zur hochgelobten Gottesbraut.

Da sehnt' ich mich nach seinen Gaben

Und nach der Kirche Mutterschoß

Und konnte doch den Trost nicht haben,

Daß mich ihr heil'ger Arm umschloß.

Bis ich beim Anblick seiner Wunden

Mein banges Zagen überwand -

Da hatt' ich meinen Freund gefunden

Und Mutterhaus und Vaterland. -

Das Füchslein ruht in sich'rer Höhle,

Das Schwälblein froh im Neste thront;

Und dein Altar ist meiner Seele

Die Heimat, wo sie friedlich wohnt.
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BeitragVerfasst am: 11.11.2007, 20:36  Neue Antwort erstellen
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Heimweh

Der Erde rauhe Winde,

Sie tun dem armen Kinde,

O Vater! gar zu weh.

Dort oben ist es linde,

Da ist kein Sturm, kein Schnee.

Mich zieht ein stetes Sehnen

Nach jenen reinem Tönen,

Nach jenem hellem Licht;

Die schmerzensvollen Tränen

Versiegen ewig nicht.

Das kalte Erdenleben

Kann mir doch gar nicht geben,

Was dieses Sehnen hemmt.

O laß mich aufwärts schweben!

Hier wird mir's gar zu fremd.

Wollst, Vater! deinen Reinen

Die *üde bald vereinen;

Hier kann ich nichts mehr tun.

Die Augen, matt vom Weinen,

Die laß im Grabe ruhn!
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