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  Gedichte  -  Christoph Martin Wieland 1733-1813 deutscher Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 10.07.2006, 22:04  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Christoph Martin Wieland 1733-1813 deutscher Dichter
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Das Gärtlein still vom Busch umhegt,
Das jeden Monat Rosen trägt,
Das gern den Gärtner in sich schließt,
Der es betaut, der es begießt,
Es lebe hoch!

Der Bergmann, stark und wohlgenährt,
Der ohne Licht zur Grube fährt,
Der immer wirkt und immer schafft,
Bis er erlahmt, bis er erschlafft,
Er lebe hoch.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 26.03.2008, 22:50, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 10.09.2007, 18:41  Neue Antwort erstellen
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Christoph Martin Wieland 1733-1813 deutscher Dichter
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Endymions Traum
Wo blieb auch, hätte nicht ein Maler und Poet
Das Recht, ins Schönere zu malen,
Die Zauberey des schönen Idealen?
Das Übermenschliche, wovon die Werke strahlen,
Vor denen still entzückt der ernste Kenner steht?
Die Grazien, wozu die rohe Majestät
Und Einfalt der Natur das Urbild nie gegeben?
Die Galatheen, die Danaen und Heben. u.s.w.

Ihn hört die Königin der Nacht,
Wie er versenkt in seinem Grame lieget,
Und seinen Sternen flucht; - Sie, die allein noch wacht,
Indem der Schlummergott den halben Erdkreis wieget;
Sie, welche launenvoll, in tausendfacher Tracht,
Die Schlafenden beschleicht, und mit Gesichten trüget,
So wie ihr leichter Zauberstab
Um ihre Nasen tanzt, - ihn hört die Fee Mab.

Wer kennet nicht den unnachahmbarn Britten,
Der in die Geisterwelt, das unbekannte Land,
Auf seinem Steckenpferd so tief hinein geritten,
Und dieses Landes Sprach' und Sitten
So gut gesprochen und gekannt,
Als hätt' ihn Oberon zu uns herabgesandt?
Wenn seine Zeugschaft gilt, so trat der Dame Mab
Der alte Morpheus längst das Reich der Träume ab.

So wie die Schwärmerin auf ihrem kleinen Wagen
Dem Krämer über'n Hals, durch's Hirn dem Pächter rollt,
Dem fetten Domherrn über'n Magen,
Träumt jener stracks von einem Rathsherrnkragen,
Der Domherr einen Schmaus, der Zöllner lauter Gold;
Durch sie empfängt der Hauptmann seinen Sold,
Der Höfling Pension, der Oheim Toby Risse
Von Festungen, und Schwester Klärchen ... Küsse.

Mitleidig läßt die Fee Mab
(Kaum halb so groß, als wie die Teufelchen von Glase,
Wovon Cartesius uns die Erfindung gab)
Zu unserm Mann, der, wie gesagt, im Grase
An einer Linde lag, sich durch die Nacht herab,
Und plötzlich schläft er ein, indem durch seine Nase
Den nächsten Weg, der ins Gehirne führt,
Die kleine Mab mit Sechsen gallopirt.

Auf einmal wird's in seiner Zirbeldrüse
So hell, wie in dem Paradiese,
Womit der Mann, dem einst der volle Mond
Durch seinen Ermel kroch, die Gläubigen belohnt.
Ein goldnerer Pallast, als jemals Zwerg und Riese
In einem Ritterbuch bewohnt,
Steht vor ihm da, und aus der Pforte winket
Ihm eine Schöne zu, die wie ... ein Rabe blinket.

Schön? ... nämlich schön, wie sich's ein Neger wünschen mag.
Schwarz, wie die Nacht, kurz, wie ein Wintertag,
Die Nase platt, die Augen von Crystallen,
Der Mund ein Kanapee, wo Amor räumlich lag:
Gepolstert, weich, und röther als Korallen,
Statt Locken, die herab bis an die Hüften wallen,
Ein wollicht Haar, von selbst gekräus't,
Und Zähne, wie man sie gern hat und gerne weis't.
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Ann
BeitragVerfasst am: 10.09.2007, 18:45  Neue Antwort erstellen
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Erdenglück
An Chloe

Hüpfend, wie das Blut in deinen Adern, scherzet,
Chloe, deine Seel' ihr Daseyn hin;
Keine Ahndung ferner Übel schwärzet
Deinen freyen unbewölkten Sinn;
Alles, däucht dir, ist wie deine Wangen
Eitler Wunsch! vielleicht verzeihlich im Entstehn,
Aber der Gesetz der ernsten Weisheit - Sünde!
Ein Verhängniß, dessen dunkle Gründe
Wir vielleicht in bessern Welten sehn,
Findt für diese Welt ein reines Glück zu schön,
Mischt in jeden Tropfen Lust geschwinde
Zwey von Bitterkeit, gefällt sich, (wie es scheint)
Jede Hoffnung selbstgewählter Wonne,
Wenn zu unsern Wünschen alles sich vereint,
Plötzlich zu verwehn, erfindet jedem Morgen,
Der uns Lust verhieß, unvorgesehne Sorgen,
Giebt die Unschuld oft der Bosheit, dem Betrug
Preis, und lohnt die Treu' mit einem Aschenkrug.

Chloe, hoffe nicht, daß innerhalb dem Kreise,
Der den Erdball von dem Sternenfeld
Trennt, die Wonn' uns je ihr himmlisch Antlitz weise!
Ach! sie sinkt nicht bis zur Unterwelt!
Alle diese schönen Luftgesichte,
Deren Nahme deine junge Brust
Überwallend macht, sind bloße Schaugerichte,
Leichte Träum' unwesentlicher Lust!
Freundschaft, Liebe! ach! euch lassen uns die Götter
Nur von fern aus offnem Himmel sehn;
Diesseits her versetzt, sind eure Früchte - Blätter,
Die mit leerem Schmuck das Auge hintergehn!
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Ann
BeitragVerfasst am: 04.11.2007, 17:30  Neue Antwort erstellen
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An Olympia

Im schönsten Haine
von Amathunt
sang jüngst Olympia,
der Musen eine
Dein Lob der Rose
den Grazien vor:
ihr horcht der holde Chor
mit süßem Staunen,
und aus den Rosen
ragt das gespitzte Ohr
der jungen Faunen
entzückt hervor:
und Musen, Grazien,
und Amoretten
und Faunchen schlingen
mit Rosenketten
sich in ein tanzend Rund,
und alle singen
aus vollem Mund:
"Rosa, delicia
degli Amori,
Rosa, bellissima
de tutti i fiori!"
und Alle kränzen
mit ewgen Rosen
(die, dankerfüllt,
noch schöner glänzen,
noch süßer düften,)
Olympiens Bild.
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Ann
BeitragVerfasst am: 04.11.2007, 17:31  Neue Antwort erstellen
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Christoph Martin Wieland
(Aus 'Wintermärchen')

Ein bürgerliches Schicksalslied

Der Pflicht vergessen
Wir Fische nie;
Haben viel *üh
Und karg zu essen,
Baun spät und früh
Uns luftge Schlösser,
Hätten's gern besser
Statt immer schlimmer
Und raten immer
Und treffen's nie.
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Ann
BeitragVerfasst am: 04.11.2007, 17:33  Neue Antwort erstellen
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Endymions Traum

Wo blieb auch, hätte nicht ein Maler und Poet
Das Recht, ins Schönere zu malen,
Die Zauberey des schönen Idealen?
Das Übermenschliche, wovon die Werke strahlen,
Vor denen still entzückt der ernste Kenner steht?
Die Grazien, wozu die rohe Majestät
Und Einfalt der Natur das Urbild nie gegeben?
Die Galatheen, die Danaen und Heben. u.s.w.

Ihn hört die Königin der Nacht,
Wie er versenkt in seinem Grame lieget,
Und seinen Sternen flucht; - Sie, die allein noch wacht,
Indem der Schlummergott den halben Erdkreis wieget;
Sie, welche launenvoll, in tausendfacher Tracht,
Die Schlafenden beschleicht, und mit Gesichten trüget,
So wie ihr leichter Zauberstab
Um ihre Nasen tanzt, - ihn hört die Fee Mab.

Wer kennet nicht den unnachahmbarn Britten,
Der in die Geisterwelt, das unbekannte Land,
Auf seinem Steckenpferd so tief hinein geritten,
Und dieses Landes Sprach' und Sitten
So gut gesprochen und gekannt,
Als hätt' ihn Oberon zu uns herabgesandt?
Wenn seine Zeugschaft gilt, so trat der Dame Mab
Der alte Morpheus längst das Reich der Träume ab.

So wie die Schwärmerin auf ihrem kleinen Wagen
Dem Krämer über'n Hals, durch's Hirn dem Pächter rollt,
Dem fetten Domherrn über'n Magen,
Träumt jener stracks von einem Rathsherrnkragen,
Der Domherr einen Schmaus, der Zöllner lauter Gold;
Durch sie empfängt der Hauptmann seinen Sold,
Der Höfling Pension, der Oheim Toby Risse
Von Festungen, und Schwester Klärchen ... Küsse.

Mitleidig läßt die Fee Mab
(Kaum halb so groß, als wie die Teufelchen von Glase,
Wovon Cartesius uns die Erfindung gab)
Zu unserm Mann, der, wie gesagt, im Grase
An einer Linde lag, sich durch die Nacht herab,
Und plötzlich schläft er ein, indem durch seine Nase
Den nächsten Weg, der ins Gehirne führt,
Die kleine Mab mit Sechsen gallopirt.

Auf einmal wird's in seiner Zirbeldrüse
So hell, wie in dem Paradiese,
Womit der Mann, dem einst der volle Mond
Durch seinen Ermel kroch, die Gläubigen belohnt.
Ein goldnerer Pallast, als jemals Zwerg und Riese
In einem Ritterbuch bewohnt,
Steht vor ihm da, und aus der Pforte winket
Ihm eine Schöne zu, die wie ... ein Rabe blinket.

Schön? ... nämlich schön, wie sich's ein Neger wünschen mag.
Schwarz, wie die Nacht, kurz, wie ein Wintertag,
Die Nase platt, die Augen von Crystallen,
Der Mund ein Kanapee, wo Amor räumlich lag:
Gepolstert, weich, und röther als Korallen,
Statt Locken, die herab bis an die Hüften wallen,
Ein wollicht Haar, von selbst gekräus't,
Und Zähne, wie man sie gern hat und gerne weis't.
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BeitragVerfasst am: 04.11.2007, 17:35  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Nadine

"Nadine, komm, und misch in deinen Kuß
Den Zauberton, der Philomelens gleichet,
Indes die Nacht mit unbemerktem Fuß
Den jungen Tag in Florens Arm beschleichet.

Ein Augenblick wird schon zu teur versäumt;
Sie fliehn, sie fliehn mit Flügeln an den Füßen,
Die Stunden fliehn, die unter unsern Küssen
Ein Quincika am Quell der Lust verträumt.

Hat meinen letzten Hauch dein Mund einst aufgeküßt,
Was folget uns ins öde Reich der Schatten?
Ach! die Erinnerung was wir genossen hatten
Ist mehr vielleicht als dann uns übrig ist."

So spricht Amynt, und drückt, indem er's spricht,
An ihren Schwanenhals sein glühendes Gesicht,
Und fühlt, vom Arm der Liebe sanft umwunden,
Den ganzen Wert der eilenden Sekunden.

Mit Augen, wo die Traurigkeit
In süße Wollust schmilzt, verschämt, doch hingerissen
Von eurer Macht, Natur und Zärtlichkeit,
Entwindt sie lässig nur sich seinen heißen Küssen.

Die schlaue Nacht zieht jüngferlich bescheiden
Ein Wölkchen, wie vom dünnsten Silberflor,
Dem Seitenblick der spröden Luna vor;
Ein Rosenbusch wächst schnell um sie empor,
Und ungesehn umflattert sie ein Chor
Von Liebesgöttern und von Freuden.

Nur Einer aus der kleinen Schar
Ein junger Scherz, von dreisterem Geschlechte,
Den eine Grazie dem schönsten Faun gebar,
Setzt schalkhaft auf dem braunen Haar
An deiner Stirn, Nadine, sich zurechte.

Amynt wird ihn zuletzt gewahr,
Und will den losen Gaukler fangen;
Allein der Scherz, der leicht von Füßen war,
Entschlüpft, und flieht in eins der Grübchen ihrer Wangen.

Auch hier verfolget ihn Amynt.
Nun, denkt er, soll mir's doch in ihren Lippen glücken!
Ja! wäre nicht sein Gegner schnell besinnt
Den kleinen Gott mit Küssen zu ersticken.
Er zappelt, wie ein junger Aal
Im feuchten Netz, und schlägt und sträubt sich mit den Flügeln,
Bis zwischen sanft erhabnen Hügeln
Von warmem Schnee ein dämmernd Rosental
Sich ihm entdeckt. - Er glitscht an einer Leiter
Von Bändern unvermerkt herab.
Umsonst! Der Mund, der keine Rast ihm gab,
Folgt ihm durch Berg und Tal, und treibt ihn immer weiter.

Wohin, o Venus, soll er fliehn?
Wo kann er zu entrinnen hoffen?
Wie soll er sich der Schmach, erhascht zu sein, entziehn?
Wo ist noch eine Zuflucht offen?

So wie ein Reh, vom frühen Horn erweckt,
Mit raschem Lauf, der kaum das Gras berühret,
Von Bergen flieht, dann steht, die Ohren reckt,
Dann schneller eilt, vom Nachhall fortgeschreckt,
Und sich zuletzt in einen Hain verlieret,
Wo krauser Büsche Nacht ihm seinen Feind versteckt:

So eilt der schlaue Scherz, ganz atemlos vor Schrecken,
So leis er kann in eine Freistatt sich,
Wo ihn sein Jäger sicherlich
Nicht suchen werde, zu verstecken.

Der Flüchtling glaubt, in Paphos tiefstem Hain,
Wo, unentdeckt sogar bei Sonnenschein,
Sich Amor oft an Spröden schon gerochen,
Glaubt in Cytherens Heiligtum,
In Dädals Labyrinth, ja im Elysium
Nicht sicherer zu sein als wo er sich verkrochen.

Allein der Liebesgötter Schar
Die, Bienen gleich, doch unsichtbar,
In Trauben an Nadinens Wangen,
An ihrem Rosenmund, an ihrem Busen hangen,
Bemerkten bald die reizende Gefahr,
Und schrien laut - als es zu späte war:
"Ach! Brüderchen, du bist gefangen!"
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