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  Gedichte  -  Ernst Moritz Arndt 1769-1860 deutscher Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:32  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Ernst Moritz Arndt 1769-1860 deutscher Dichter
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Lob des Eisens.

1806.


Gold schreit die feige Welt,
Und Gold macht feige Knechte,
Des Tapfern Herz verstellt
Und schwächt des Starken Rechte;
Für Gold mag keiner sterben,
Der nicht mehr leben darf,
Und edlen Ruhm zu werben
Macht's nie den Degen scharf.

Drum preis' ich das Metall,
Das schwarze braune Eisen,
Denn ohne Glanz und Schall
Es thut sich herrlich weisen,
Heilt *ächtig alle Wunden,
Die jenes blanke macht;
Wär' Eisen nicht gefunden,
Noch tappten wir in Nacht.

Es stellt den Pflug ins Land,
Die Erde zu bezwingen,
Es läßt das Schiff vom Strand
Auf schnellen Windesschwingen,
Baut Menschen feste Sitze
Und führt die Kunst ins Haus,
Und löscht des Donnrers Blitze
Mit einer Stange aus.

Und wann die Sitte flieht
Und *ännerarm' erschlaffen,
Wann Trug für Ehre blüht
Und Gold gebeut für Waffen,
Wann Despotismusjammer
Die Welt mit Schmach bedroht,
Dann schlägt aus ihm der Hammer
Sieg und Tyrannentod.

Dann wird es schöne Wehr,
Des Mannes Heil und Freude,
Als Schwert, als Schild, als Speer,
Als festes Brustgeschmeide
Macht es den Tritt der Braven
Den Knechten fürchterlich,
Wir wären alle Sklaven
Ohn' Eisen ewiglich.

Und sieget Tyrannei
Und sinkt des Glückes Wage,
So macht es blutig frei
Mit einem tapfern Schlage,
Zerhaut die Schlangenknoten,
Die Trug und Feigheit flicht,
Und schickt die tapfern Toten
Empor zu Recht und Licht.

Bleib, Eisen, *ännern hold,
Laß Knechte Gold begehren.
Wer deine Kraft gewollt,
Der wollte hohe Ehren,
Der wollte herrlich leben
Und herrlich untergehn.
Drum sei dir Preis gegeben,
O Eisen schwarz und schön!
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Ann
BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:33  Neue Antwort erstellen
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Elegie.

1803.


Blätter wehen vom Baum, laut rauschet stürmender Regen
Auf die welken; sie fliehn mit ihm schwimmend hinab,
Mit ihm schwimmend zum Strom; fern trägt der starke zum Weltmeer,
Die im lustigen Grün säuselten Liebenden einst,
Die des Vögeleins Nest in stille Schatten geborgen,
Die des Vögeleins Lied weckten im spielenden Reiz.
Herbst, wie lehnst du dich ernst auf deine trauernde Urne!
Wie erweckest du neu, was in dem Busen schon schlief!
Scheint das fröhliche Leben nur grün im Spiegel des Todes?
Zeiget, was nichts ist nur, was so lieblich einst war?
Stirbt in dem Leben selbst des Lebens schönstes Gedächtnis?
Gehn aus Verwesung allein Götter und Manen empor?
Süße Liebe, du klingst mit den Schwanenflügeln des Lenzes
Jugendlich hell um das Ohr, lange des Klanges entwöhnt?
Süße Liebe, du schlingst noch unverwelkliche Rosen
Jugendlich frisch um die Stirn, welche die Trauer umhüllt?
Ach! die holde Gestalt, womit du einst mich umfangen,
Liegt verfallen als Staub unter den Modernden schon;
Blind wie lange das Aug', das mehr als Sterne des Himmels
Blickt' Entzücken und Ruh' einst in das stürmische Herz!
Und der Born des Gesangs, die Kehle, mit Erde gefüllet,
Die Philomelen gleich Frühling und Liebe besang!
Und die Lippen gebleicht wie lange, mit Küssen und Scherzen
Von den Grazien früh schon in der Wiege getränkt!
Ach! umsonst lauscht oft das Ohr, den Klang zu vernehmen;
Auch das göttliche Herz mußt' in das Dunkel hinab.
Komm Erinnerung denn mit aller lieblichen Wehmut!
Urne, reiner entblüht deinem Staube die Huld;
Göttlich steiget das Bild hell leuchtend über den Lethe
Auf, wenn den irdischen Staub führte die Welle hinweg.

Aber weinen will ich in jedem blühenden Lenze:
Als die Rose verdarb, starb mir das liebende Weib;
Aber weinen will ich in jedem welkenden Herbste,
Denn im Herbst erscheint, Tod, dein vielfaches Bild.
Blumen will ich dir weihn, dir weihn die Gabe der Locken,
Und, wenn Thränen auch euch weiß die elysische Welt,
Will ich das rieselnde Gras des stillen Hügels benetzen,
Wann der einsame Mond sieht nur mich und das Grab.
Ach! du warst so hold, hingst lieb und liebend am Leben,
Doch der Lucina Pfeil traf dich mit bitterem Schmerz.
Daß die Knospe würd', erstarb die duftige Blume,
Für das liebliche Weib ward mir ein liebliches Kind.
Heil, ihr Toten, mit euch! ihr stillen, friedlichen Manen!
Heil euch! liebend und süß lockt ihr das Leben zu euch.
Wie die brünstige Brust der Rose schwillet zur Sonne,
Schwillt die sterbliche Brust, selige Liebe zu dir:
So umspinnt ihr stilles Geheimnis die Spindel der Parzen:
Wo das Leben beginnt, suche den liebenden Tod.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:34  Neue Antwort erstellen
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Ermannung.

1849.


Laß du die Dinge nur rennen und rinnen,
Blitzet es draußen, so blitze du drinnen,
Brauche den göttlichgeborenen Blitz!
Rasen die Stürme, und brausen die Fluten,
Zünden die Blitze mit fressenden Gluten,
Halte, Prometheus, den Geist auf dem Sitz!

Mutig gleich schlachtenbegeisterten Rossen,
Wiehernd entgegen den Donnergeschossen
Streite und schreite entgegen dem Sturm;
Streite und schreite und, gilt es zu stehen,
Schau, wie die Blätter und Halme verwehen,
Schau, wie er steht, wie er fällt, auf den Turm.

Streiten und Schreiten und Stehen und Fallen
So klingt der Spruch von dem irdischen Wallen,
Rastlos und endlos im Ernst und im Spiel.
Wähnst du das Ende der Bahn zu erreichen,
Gleich siehst du's dämmern und fliehn und entweichen,
Mensch, hier auf Erden erreichst du kein Ziel.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:34  Neue Antwort erstellen
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Ermunterung.


Was willst du dich betrüben?
Der alte Gott lebt noch,
Nicht hüben und nicht drüben,
Nicht ferne und nicht hoch!
Sein Sein ist allenthalben,
Sein Lieben klingt durchs All
In höchster Engel Psalmen,
In kleinster Vöglein Schall.

Er weiß um deine Schmerzen,
Er weiß um deine Lust,
Und willst du ihn von Herzen,
Gleich hat ihn deine Brust,
Gleich fällt wie Frühlingsregen
Bei warmem Sonnenschein
Sein süßer Gnadensegen
Dir voll ins Herz hinein.

Auf! wirf dein schlechtes Grämen,
Dein eitles Sorgen weg!
Verscheuche alle Schemen,
Die irren deinen Weg!
Du sollst im Lichte schreiten,
Und der dich frei gemacht,
Das große Licht der Zeiten,
Schloß ewig deine Nacht.

Mag alles sinken, wanken,
Dies Eine bleibet fest,
Gedanke der Gedanken,
Der nimmer sinken läßt:
Das große Licht der Zeiten,
Dein Heiland Jesus Christ,
Wird Strahlen um dich spreiten
Wo alles finster ist.

Dies wage fest zu fassen,
Dies halte treu und fest:
Den schwöre nie zu lassen,
Der nimmer dich verläßt:
Der dich mit seinem Blute
Erlöst aus Nacht und Wahn
Will, daß mit gellem Mute
Du wandelst deine Bahn.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:35  Neue Antwort erstellen
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Der Fels des Heils.


Ich weiß woran ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht,
Wenn alles hier im Staube
Wie Sand und Staub verweht;
Ich weiß was ewig bleibet,
Wo alles wankt und fällt,
Wo Wahn die Weisen treibet,
Und Trug die Klugen prellt.

Ich weiß, was ewig dauret,
Ich weiß, was nimmer läßt,
Mit Diamanten mauret
Mir's Gott im Herzen fest,
Ja, recht mit Edelsteinen
Von allerbester Art
Hat Gott der Herr den Seinen
Des Herzens Burg verwahrt.

Ich kenne wohl die Steine,
Die stolze Herzenswehr,
Sie funkeln ja mit Scheine
Wie Sterne schön und hehr:
Die Steine sind die Worte,
Die Worte hell und rein,
Wodurch die schwächsten Orte
Gar feste können sein.

Auch kenn' ich wohl den Meister,
Der mir die Feste baut,
Er heißt der Fürst der Geister,
Auf den der Himmel schaut,
Vor dem die Seraphinen
Anbetend niederknien,
Um den die Engel dienen.
Ich weiß und kenne ihn.

Das ist das Licht der Höhe,
Das ist der Jesus Christ,
Der Fels, auf dem ich stehe,
Der diamanten ist,
Der nimmermehr kann wanken,
Der Heiland und der Hort,
Die Leuchte der Gedanken,
Die leuchten hier und dort.

So weiß ich, was ich glaube,
Ich weiß, was fest besteht
Und in dem Erdenstaube
Nicht mit als Staub verweht;
Ich weiß, was in dem Grauen
Des Todes ewig bleibt
Und selbst auf Erdenauen
Schon Himmelsblumen treibt.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:36  Neue Antwort erstellen
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Das Feuerlied.

1817.


Aus Feuer ist der Geist geschaffen,
Drum schenkt mir süßes Feuer ein!
Die Lust der Lieder und der Waffen,
Die Lust der Liebe schenkt mir ein,
Der Traube süßes Sonnenblut,
Das Wunder glaubt und Wunder thut.

Was soll ich mit dem Zeuge machen,
Dem Wasser ohne Saft und Kraft?
Gemacht für Frösche, Kröten, Drachen,
Und für die ganze Würmerschaft?
Für Menschen muß es frischer sein,
Drum bringet Wein und schenket Wein!

O Wonnesaft der edlen Reben!
O Gegengift für jede Pein!
Wie matt und wässrig fließt das Leben,
Wie ohne Stern und Sonnenschein,
Wenn du, der einzig leuchten kann,
Nicht zündest deine Lichter an!

Es wäre Glauben, Lieben. Hoffen
Und alle Herzensherrlichkeit
Im nassen Jammer längst ersoffen
Und alles Leben hieße Leid,
Wärst du nicht in der Wassersnot
Des Mutes Sporn, der Sorge Tod.

Drum dreimal Ruf und Klang gegeben!
Ihr frohen Brüder, stoßet an!
Dem frischen, kühnen Wind im Leben,
Das Schiff und Segel treiben kann!
Ruft Wein, klingt Wein und aber Wein!
Und trinket aus und schenket ein!

Aus Feuer ist der Geist geschaffen,
Drum schenkt mir süßes Feuer ein!
Die Lust der Lieder und der Waffen,
Die Lust der Liebe schenkt mir ein!
Der Trauben süßes Sonnenblut,
Das Wunder glaubt und Wunder thut.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:37  Neue Antwort erstellen
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Lust des freien Geistes.

1842.


Horch! der Himmel klingt von Geigen,
Und du fragst: wer führt den Reigen?
Antwort tönt: der freie Geist,
Er, der Einzighochgeborne,
Er, der Leuchtendgotterkorne,
Der die Sonnen tanzen heißt.

Ha, wie schlingen sich die Pfade!
Ha, wie brausen die Gestade
In dem Weltenocean!
Dieser wirbelnde *äander,
Dieses wilde Durcheinander
Seinen Saiten unterthan!

Auf denn, Herz, zu seiner Wonne!
Tanze du, auch eine Sonne,
Mutig mit den Sternentanz!
Millionen sind die Flieger,
Nur der Schnellste bleibt der Sieger,
Nur der Kühnste greift den Kranz.
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Freude.

1797.


Freundlich leuchten die Sonne, Mond und Sterne,
Freundlich schimmert das Blumenkleid der Erde,
*ächtig brauset das Meer mit seinen Wellen
Furchtbar und lieblich.

Droben kreiset in Sonnenglut der Adler,
Drunten sumset der Käfer und die Biene,
Aus den Büschen klingen der Nachtigallen
Zärtliche Lieder.

Ja du bist schön und golden, Mutter Erde,
Schön in deinen rosigen Abendlocken,
Duftig in deines Erwachens Silberschimmer,
Bräutlich und züchtig.

Lustig hüpfest du hin im Weltentanze,
Alle deine Kinder am warmen Herzen,
Wandelst freudig dahin in deiner Sonne
Funkelndem Reigen.

Lustig sei und leuchtend des Menschen Stirne!
Nur dem Fröhlichen blüht der Baum des Lebens,
Dem Unschuldigen rinnt der Born der Jugend
Auch noch im Alter.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:38  Neue Antwort erstellen
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Frischauf.

1819.


Heraus, mein Herz, aus deinem Jammer!
Mein krankes Herz, verzage nicht!
Heraus aus deiner dunklen Kammer!
Und suche Licht, so findst du Licht.

Heraus! Es brütet in dem Dunkeln
Des Trübsinns volles Schlangennest –
Heraus! Wo Gottes Sterne funkeln,
Da wird der Mut dir hell und fest.

Wie? willst du auf den Hort nicht bauen,
Der dir ein Fels in Nöten war?
Auf den Propheten nicht vertrauen,
Der selbst dir Träume machte wahr?

Wie? willst du Eitler dich betrüben,
Wenn Welt und du auch ungleich gehn?
Bedenk, sein Sein ist eitel Lieben
Und was er will, das muß geschehn.

Wie? willst du, zage, nicht mehr hoffen,
Als wär's um Welt und dich geschehn,
Und hast so oft den Himmel offen
Und Gott die Finger recken sehn?

Drum mutig! – Satan nimmt die Waffen –
Auf gürte dich zu Lauf und Stand!
Erzittre nicht vor Gottes Affen,
Denn seine Wehr zerstäubt wie Sand.

Es gilt mit Gott hineinzufahren,
Mit Gott wird Unten Oben sein;
Denk der Jahrtausende, die waren,
Jahrtausende, die werden sein.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:40  Neue Antwort erstellen
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Gebet eines kleinen Knaben an den heiligen Christ.

1811.


Du lieber heil'ger frommer Christ,
Der für uns Kinder kommen ist,
Damit wir sollen weiß und rein
Und rechte Kinder Gottes sein,

Du Licht vom lieben Gott gesandt
In unser dunkles Erdenland,
Du Himmelskind und Himmelschein,
Damit wir sollen himmlisch sein:

Du lieber heil'ger frommer Christ,
Weil heute dein Geburtstag ist,
Drum ist auf Erden weit und breit,
Bei allen Kindern frohe Zeit.

O segne mich! ich bin noch klein,
O mache mir den Busen rein!
O bade mir die Seele hell
In deinem reichen Himmelsquell!

Daß ich wie Engel Gottes sei
In Demut und in Liebe treu,
Daß ich dein bleibe für und für,
Du heil'ger Christ, das schenke mir!
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:41  Neue Antwort erstellen
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Gebet an die Liebe.

1809.

Blitzesschnelle, Adlerschwinge
Deucht der Liebe Macht geringe;
Große Mutter aller Dinge,
Gerne trag' ich deine Schuld,
Gerne will ich alles leiden,
Deine Schmerzen, deine Freuden,
Denn du mischest mild zu beiden
Unaussprechlich süße Huld.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:42  Neue Antwort erstellen
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Rechtes Geistesmaß.

1847.


Denke Gott und aller Welt
Millionen Sonnenstraßen,
Miß, was diese Erde hält,
Miß es dir mit Sonnenmaßen,
Tritt den Staub dir ganz zu Staub,
Tritt ihn mit Prometheus Sohlen;
So nur kannst du Himmelsraub
Mit Prometheus Mut dir holen.

Hoch und Niedrig, Groß und Klein –
Dieser Stolz, dies Maß muß schwinden,
Dann nur kannst du Flieger sein
Mit dem Adler über Winden:
Seine Federn schweben still
Schaukelnd über Sonnenscheiben,
Wo kein Sehnen weiter will,
Da nur ist ein selig Bleiben.

Hehrer Ausblick! Höchstes Ziel!
Maße schwinden und Gewichte,
Und der Geist im zarten Spiel
Schwelgt und jauchzt im heitern Lichte:
Denn um keine Majestät,
Um kein Glück wird mehr gestritten,
Jeder Punkt, auf dem er steht,
Ist ein Punkt der Weltenmitten.
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BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:42  Neue Antwort erstellen
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Das Gespräch.

1803.


Ich sprach zum Morgenrot: was glänzest du
Mit hellem Rosenlicht?
Ich sprach zur Jungfrau schön: was kränzest du
Dein junges Angesicht?
Morgenrot, du einst erbleichen mußt;
Jungfrau schön, du einst verwelken mußt;
Drum schmücket euch nicht.

Ich schmücke mich, so sprach das Morgenrot,
Mit hellem Rosenlicht;
Ob mir dereinst ein bleiches Schicksal droht,
Das frag' und weiß ich nicht:
Der dem Mond, den Sternen gab den Schein,
Auch gefärbt hat rot die Wangen mein;
Drum traure ich nicht.

Ich kränze mich, so sprach die Jungfrau schön,
Weil noch mein Frühling blüht;
Sollt' ich darum in stetem Trauren gehn,
Daß einst die Jugend flieht?
Der beschirmt und hält der Vöglein Nest,
Der die Blumen blühn und welken läßt,
Dem traut mein Gemüt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:43  Neue Antwort erstellen
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Was Goldringlein sagen soll.

1813.


Geh hin, geh hin, Goldringelein,
Und sage meinem trauten Kinde,
Treufest wie Berge soll sie sein
Und lieblich wie die Frühlingswinde,
Doch nicht wie Zephirs Flügel leicht,
Der alles küssend weiter fleucht.

Geh hin, geh hin, Goldringelein,
Und sage meiner hübschen Feinen,
Sie soll in meines Herzens Schrein
Hell leuchtend wie Karfunkel scheinen,
Womit man heil'ge Bilder schmückt,
Daß sich der Frommen Herz entzückt.

Geh hin, geh hin, Goldringelein,
Und sage meiner süßen Holden,
Wann ostwärts geht der Sonne Schein
Und Sterne Höllennacht vergolden,
Wann Wasser rinnen berghinauf,
Dann höret meine Liebe auf.

Geh hin, geh hin, Goldringelein,
Das sollst du noch zuletzt ihr sagen:
Nichts süßer ist als Liebespein,
Nichts lustiger als Liebesklagen,
Nichts fröhlicher als Liebesnot,
Nichts seliger als Liebestod.
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Ann
BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:44  Neue Antwort erstellen
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Der Gott, der Eisen wachsen ließ

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,

der wollte keine Knechte,

drum gab er Säbel, Schwert und Spieß

dem Mann in seine Rechte,

drum gab er ihm den kühnen Mut,

den Zorn der freien Rede,

dass er bestände bis aufs Blut,

bis in den Tod die Fehde.

So wollen wir, was Gott gewollt,

mit rechten Treuen halten

und nimmer um Tyrannensold

die Menschenschädel spalten.

Doch wer für Schand und Tande ficht,

den hauen wir in Scherben,

der soll im deutschen Lande nicht

mit deutschen *ännern erben!

O Deutschland heil’ges Vaterland,

o deutsche Lieb’ und Treue!

Du hohes Land, du schönes Land,

wir schwören dir aufs Neue:

Dem Buben und dem Knecht die Acht,

der speise Kräh’n und Raben!

So ziehen wir aus zur Hermannsschlacht

Und wollen Rache haben.

Lasst brausen, was nur brausen kann,

in hellen, lichten Flammen!

Ihr Deutsche alle Mann für Mann,

zum heil’gen Krieg zusammen!

Und hebt die Herzen himmelan

Und himmelan die Hände,

und rufet alle Mann für Mann:

Die Knechtschaft hat ein Ende.

Lasst wehen, was nur wehen kann,

Standarten weh’n und Fahnen,

wir wollen heut uns Mann für Mann

zum Heldentod ermahnen.

Auf! Fliege hohes Siegspanier,

voran den kühnen Reihen!

Wir siegen oder sterben hier

Den süßen Tod der freien.
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