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  Gedichte  -  Ernst Moritz Arndt 1769-1860 deutscher Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 13:51  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Ernst Moritz Arndt 1769-1860 deutscher Dichter
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Abendlied.
Der Tag ist nun vergangen,
Und dunkel schläft die Welt,
Die hellen Sterne prangen
Am blauen Himmelszelt;
Nur in den grünen Zweigen
Singt noch die Nachtigall,
Im weiten tiefen Schweigen
Der einz'ge Lebensschall.

Ich aber, Vater, stehe
In meiner Hüttenthür,
Und schau' hinauf zur Höhe
Und schau' hinauf zu dir;
Wie gerne *öcht' ich klingen
Als helle Nachtigall,
Dir Lob und Dank zu bringen
Mit tiefem Schmerzensschall!

Ja mit dem Schall der Schmerzen:
Denn geht die Nacht herauf,
So springt in meinem Herzen
Ein Quell der Thränen auf,
Der Thränen und der Klagen:
Du, Vater, weißt es best,
Was singen nicht und sagen,
Was sich nicht sprechen läßt.

Du kennest meinen Kummer,
Der auf gen Himmel blickt,
Wann für den süßen Schlummer
Die ganze Welt sich schickt,
Womit so schwer beladen
Mein Herz nach oben schaut,
Nach jenem Born der Gnaden,
Der Labsal niederthaut.

Ja, deine süße Liebe
Die tröstet mir den Schmerz,
Ja, deine süße Liebe
Die stillet mir das Herz,
Die löst in heißen Thränen
Das Eis des Busens auf
Und stellet Sinn und Sehnen
Zum hohen Sternenlauf.

O laß mich ewig schauen
Im stillen Kindersinn
Zu jenen güldnen Auen,
Woher ich kommen bin!
O richte Herz und Sinne,
Mein Vater, für und für
Zu deiner süßen Minne,
Zum Himmel hin, zu dir!

So mag ich froh mich legen
Nun mit der Welt zur Ruh,
Mein Amen und mein Segen,
Mein Wächter das bist du;
So mag in deinem Frieden
Ich fröhlich schlafen ein,
Dort oben und hienieden,
Im Schlaf und Wachen dein.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 22:01, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 13:54  Neue Antwort erstellen
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Ballade

Und die Sonne machte den weiten Ritt
Um die Welt,
Und die Sternlein sprachen: "Wir reisen mit
Um die Welt";
Und die Sonne, sie schalt sie: "Ihr bleibt zu Haus!
Den ich brenn euch die goldnen Äuglein aus
Bei dem feurigen Ritt um die Welt."

Und die Sternlein gingen zum lieben Mond
In der Nacht,
Und sie sprachen: "Du, der auf Wolken trohnt
In der Nacht,
Laß uns wandeln mit dir, denn dein milder Schein,
Er verbrennet uns nimmer die Äugelein."
Und er nahm sie, Gesellen der Nacht.

Nun willkommen, Sternlein und lieber Mond,
In der Nacht!
Ihr versteht, was still in dem Herzen wohnt
In der Nacht.
Kommt und zündet die himmlischen Lichter an,
Daß ich lustig mit schwärmen und spielen kann
In den freundlichen Spielen der Nacht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 13:59  Neue Antwort erstellen
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Frühling im Alter.
1841. Singen die Vöglein im grünen Wald,
Klingen die Bächlein bergunter,
Lockt es den Alten mit Lustgewalt,
Klopfet das Herz ihm so munter:
Denket der Wonnen verschienener Lenze,
Denket der Kränze und denket der Tänze,
Fallen auch Thränen herunter.

Singet und klinget! das Heute ist mein,
Heut will ich singen und klingen
Lustig mit spielenden Kindern feldein,
Fröhlich mit fröhlichen Dingen,
Will mir bekränzen die Locken, die greisen:
Bald muß ich hinnen und wandern und reisen,
Wo mir die Vögel nicht singen
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 14:03  Neue Antwort erstellen
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Frühlingslied.

Wann das Veilchen blüht und der Kuckuck singt
Und die Nachtigall flötet im Busch,
Wann die Jugend munter zum Reigen springt
Und es rauscht durch die Blätter husch! husch!
Dann führet zum Baume, zum Quell
Die Gesellin der frohe Gesell,
Dann paart sich die Liebe im Busch.

Sei willkommen, Frühling, du süßer Gast!
Sei willkommen, du fröhlicher Mai!
Der die Freude bringt und die Sorge haßt.
Noch sind Leben und Jubel uns frei.
Auf, liebliches *ädchen, zum Tanz!
Weil dir blühet der liebliche Kranz
Der Jugend, ein fröhlicher Mai.

Wann der Winter schneit und das Alter friert,
Dann du wünschest und weinest umsonst;
Wer die Blume pflückt, die den Frühling ziert,
Der verstehet die glücklichste Kunst.
Süß Liebchen, wir kommen zur Stell' –
Wie dir glänzen die Äugelein hell!
Frau Luna, ihr Sternlein mit Gunst.
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Ann
BeitragVerfasst am: 08.08.2006, 14:08  Neue Antwort erstellen
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Liebesnähe.

Lieb' sei ferne,
Ist doch immer da,
Gleich dem Licht der Sterne
Ewig fern und nah.

Schließt Gedanken
Wohl ein Kerker ein?
Glück und Stunden wanken,
Das Gefühl ist mein.

Leuchte, Sonne!
Wandle, frommer Mond!
Meines Busens Wonne
Hoch mit Göttern thront.

Frühling, scheine!
Winter, stürme kalt!
In der Brust dies Eine
Nimmer wird es alt.

Holde Treue,
Weiß und engelrein!
Wie des Himmels Bläue
Bleibt dein lichter Schein.

Sei denn ferne
Liebe, sei sie nah,
Gleich dem Licht der Sterne
Immer ist sie da.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 12:02  Neue Antwort erstellen
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Der grüne Wald.

O der süße grüne Wald,
Wo wir einst in Wonne klangen,
Wo wir spielten, wo wir sangen,
Wo wir tanzten Maientänze,
Wo wir pflückten Maienkränze,
O der süße grüne Wald!
Wie er immer wiederhallt,
Wie er schallt
Wilibald! Wilibald!

Schalle nur, du grüner Wald,
Rufe immer deinem Frommen,
Ach! er kann nicht wiederkommen!
Blühet Blumen, flüstert Blätter,
Klinget Vöglein, das Geschmetter
Eures Lenzes durch den Wald –
Bleich ist eure Lichtgestalt,
Stumm und kalt
Wilibald, Wilibald.

O du süßer grüner Wald!
Wo wir nun in leisen Thränen
Uns nach unserm Liebling sehnen,
Nimmermehr im frischen Maien
Mit der jungen Lust juchheien –
Rufe ewig, grüner Wald,
Mit der Liebe Allgewalt,
Daß es schallt:
Wilibald! Wilibald!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 16.09.2007, 10:50, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 12:04  Neue Antwort erstellen
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Des Lilienmädchens Wiegenlied.
1817. Schlafe, Kindlein hold und weiß,
Das noch nichts von Sorgen weiß,
Schlaf in stiller, süßer Ruh,
Thu die kleinen Äuglein zu.

Draußen stehn die Lilien weiß,
Haben allerschönsten Preis,
Droben in der lichten Höh'
Stehn die Englein weiß wie Schnee.

Kommt, ihr Englein weiß und fein,
Wiegt mir schön mein Kindelein,
Wiegt sein Herzchen fromm und gut,
Wie der Wind der Lilie thut.

Schlafe, Kindlein, schlafe nun!
Sollst in Gottes Frieden ruhn;
Denn die frommen Engelein
Wollen deine Wächter sein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 12:07  Neue Antwort erstellen
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Der alte Baum und ich.
An Elisa Camphausen. Antwort auf einen Blumenkranz.

1842. Alt und dürre steht der Baum
Ohne Zweig und ohne Blatt.
Schau doch, wie ein Frühlingstraum
Ihn so bunt umschlungen hat!
Hier Jelängerundjelieber,
Dort des Epheus grüner Glanz,
Und so deucht es ihm fast lieber
Als der eignen Blätter Kranz.

Solch ein dürrer Baum steh' ich,
Hoffend legten Wind und Fall,
Aber Blumen blühn um mich
Lieb und lustig überall,
Schlingen um zerrissne Schmerzen
Meines Stammes Lenzeslust,
O ihr Blüten, o ihr Herzen!
Liebesduft! und Liebeslust!

Altes Holz, so steh' getrost,
Bis der letzte Wind dich fällt!
Hast ein selig Los erlost,
Reiches Glück in armer Welt:
Süßer Liebe Blumenranken
Decken deine Schäden zu,
Wie ein Traum von Traumgedanken
Ferner Tage stehest du.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 12:14  Neue Antwort erstellen
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Mein Blumenkönig.


Von Blumen trug er beide Händchen voll,
Drum nannten wir ihn scherzend Blumenkönig,
Dann goß er vor uns aus den bunten Zoll
Und meint', er trüge immer noch zu wenig –
Ach! unsern Liebling, unsern schönsten Knaben,
Wir mußten ihn im Blütenlenz begraben.

Glückselig er! er hat der schlimmen Welt
Nur Spiel und Scherz und Blumen abgewonnen,
Nie hat sich ihm des Lebens Nichts erhellt,
Nie ist ein Zauber ihm in Trug zerronnen:
Reich flog er weg mit allen Blütenscheinen,
Wir schauten arm ihm nach und mußten weinen.

O Rosenkönig! süßes Sternenkind!
Wann neu die Nacht die goldnen Lampen zündet,
Wann Lust und Leid voll Sehnsucht still und lind
Lauscht, was die ob're Welt geheim verkündet,
Dann scheinst auch du mit Millionen Lichtern
Und funkelst mit den Engelangesichtern.

O Rosenkönig, süßes Sternenkind!
Dann streust du bunte Himmelsblumen nieder,
Und wie an Tagen, die vergangen sind,
Erfreut uns jene Blumenwonne wieder:
Dann spielt es rings mit längst verschwundnen Scheinen
Wir spielen mit, wir träumen mit und weinen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 12:19  Neue Antwort erstellen
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Waldgruß.

Ihr, süße Blumen, grüne Haine,
O seid ihr endlich wieder mein?
In euch geborgen gar alleine,
Doch nie bin ich bei euch allein:
Ihr sprecht mit wundersamer Stimme
Die einz'ge Sprache ohne Trug,
Der Vogel predigt hier, die Imme,
Der Blütenzweig wie Gottes Buch

O Gottes Buch! o welche Klänge
Aus allerstillster Einsamkeit!
Entflohn dem wilden Weltgedränge
Zu höhrer Welt Gemeinsamkeit:
Denn wie aus längst vergangnen Tagen,
Wie aus der Geister Ewigkeit
Haucht's hier von Fabeln und von Sagen
So dicht, als Lenzwind Blüten schneit.

O Gottes Buch! o heil'ge *ächte!
Hier brecht ihr alle Siegel auf:
Geheimnis stummer Mitternächte
Und Sonnenlauf und Mondenlauf,
Und was von irren Wandelsternen
Die tiefe Menschenbrust durchkreist,
Kann hier der stille Lauscher lernen,
Wo alles hoch nach oben weist.

O Gottes Buch! o süßes Wehen,
Das säuselnd durch die Zweige geht!
O leises Flüstern aus den Höhen,
Wo aller Herzen Sonne steht!
O süßes Ahnen, süßes Sehnen!
Hier ist dein trauter Liebesort,
Hier findet Gram die ersten Thränen
Und Zorn sein mild Versöhnungswort.

Drum kommt, ihr Blumen, kommt ihr Haine,
Komm, stille, fromme Waldesnacht,
Und werdet, bleibet ewig meine
Mit aller süßen Gottesmacht,
Mit allen Vögeln, allen Immen,
Mit allen Blüten groß und klein,
Mit Millionen Wonnestimmen
Singt mir das Herz in Frieden ein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 12:21  Neue Antwort erstellen
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Das Grab.

.
Steh hier still, hier wächst der Baum
Schon mit Blättern grün und voll,
Der des letzten Schlummers Traum
Freundlich dir umschatten soll.
Schau ihn an, er ist so grün,
Nickt so lustig in die Welt,
Rote Rosen ihn umblühn,
Von der Maienluft geschwellt.

Welch ein Schimmer! welch ein Duft!
Horche, wie der Morgen klingt,
Wie der Kuckuck unten ruft!
Wie die Lerche oben singt!
Und dies Leben rosenrot,
Diese Wonne liederreich
Wäre graulich, und der Tod
Hätte hier sein düstres Reich?

Nein, ihr Rosen, nein, du Baum,
Der mich einst umsäuseln wird,
Nein, du Vöglein, das den Traum
Dieses Schlafes einst umschwirrt,
Nein, ihr Maienlüftchen süß,
Die ihr mit den Blumen kost,
Hier blüht wieder Paradies,
Das nicht Sturm noch Flut umtost.

Wachse denn, du grüner Baum,
Wachset, Rosen, zum Gebüsch,
Mit dem vollen Frühlingstraum
Duftet um mein Bette frisch;
Liebe, hüte dieses Grab,
Hoffnung, winde drum dein Grün,
Und so laßt mich bald hinab
In die sel'ge Stille fliehn


ier still, hier wächst der Baum
Schon mit Blättern grün und voll,
Der des letzten Schlummers Traum
Freundlich dir umschatten soll.
Schau ihn an, er ist so grün,
Nickt so lustig in die Welt,
Rote Rosen ihn umblühn,
Von der Maienluft geschwellt.

Welch ein Schimmer! welch ein Duft!
Horche, wie der Morgen klingt,
Wie der Kuckuck unten ruft!
Wie die Lerche oben singt!
Und dies Leben rosenrot,
Diese Wonne liederreich
Wäre graulich, und der Tod
Hätte hier sein düstres Reich?

Nein, ihr Rosen, nein, du Baum,
Der mich einst umsäuseln wird,
Nein, du Vöglein, das den Traum
Dieses Schlafes einst umschwirrt,
Nein, ihr Maienlüftchen süß,
Die ihr mit den Blumen kost,
Hier blüht wieder Paradies,
Das nicht Sturm noch Flut umtost.

Wachse denn, du grüner Baum,
Wachset, Rosen, zum Gebüsch,
Mit dem vollen Frühlingstraum
Duftet um mein Bette frisch;
Liebe, hüte dieses Grab,
Hoffnung, winde drum dein Grün,
Und so laßt mich bald hinab
In die sel'ge Stille fliehn
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BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 12:25  Neue Antwort erstellen
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Herzenssaitenspiel.

Was spielt so klingende Saiten
Auf dir, mein altes Herz,
Aus fernsten Tiefen und Weiten
Zugleich mit Schmerz und Scherz?

Es fließen die Stunden, die Räume
Zusammen in dem Gewirr
Und Schattenspiele der Träume
Im leichten Flügelgeschwirr.

Bald spielt es wie im Reigen
Hell auf zum lustigen Tanz,
Und Sonn' und Blüten neigen
Darüber Frühlingsglanz;

Bald bläst wie über Leichen
Die tiefe Flöte Weh,
Wie hohle Töne streichen
Fernher auf tiefer See.

Das ist's, die Tiefen, die Weiten,
Das ist's, das meint der Klang,
Das jauchzen, das klingen die Saiten.
Sei drum, mein Herz, nicht bang.

Die Sonnen und die Erden –
Wer misset Flug und Schritt? –
*üssen Flieger und Tänzer werden:
Du tanze lustig mit.

Und laß sie spielen, die Saiten
Auf dir, du altes Herz,
Und frage nicht Nähen noch Weiten,
Spielt alles doch himmelwärts.

So fliege mit tanzenden Himmeln
Und glaube, die Welt ist dein;
Wo Götter und Sonnen sich wimmeln,
Rolle mit in dem Klang und Schein
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Ann
BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:24  Neue Antwort erstellen
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Alterswehmut.

1849.


O Erde, Land der Träume,
O Erde, Land des Trugs,
Willst in die hellern Räume
Die Flügel meines Flugs
Mir dunkeln stets und kürzen?
In deines Jammers Staub
Mich elend niederstürzen
In Jagd nach schlechtem Raub?

Es soll dir nicht gelingen,
Ich habe meinen Hort,
Der trägt auf Feuerschwingen
Mich durch den Himmel fort;
Ich habe meinen Meister,
Der Held und König ist –
Er ist der Fürst der Geister
Und heißet Jesus Christ.

Er stieg vom Himmel nieder
Auf unsre Erdenauen,
Damit die Menschen wieder
Nach oben könnten schauen,
Damit wir armen Wichte,
Von Wahn und Trug umstrickt,
Aufschauten nach dem Lichte,
Woraus die Gottheit blickt.

O König aller Liebe,
O Glanz des höchsten Lichts,
Wenn mir auch gar nichts bliebe
Gar nichts in diesem Nichts,
Worum die Welt sich reißet,
Du bleibst mein Held und Hort,
Und was auch reißt und spleißet,
Nichts reißt von dir mich fort.

So mag denn alles schweben
Im Wechsel hin und her,
Mir ist hinfort gegeben
Was wechselt nimmermehr:
O Liebe, Licht und Leben,
O süßer Gottesheld!
Du, du bist mir gegeben –
Was frag' ich nach der Welt?
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Ann
BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:26  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Danklied.


Frisch auf, mein Herz! und werde Klang!
Und Seele, werde Lied!
Und Freude töne Lobgesang,
Der mir im Busen blüht!
Denn er, der alle Himmel rollt
Und zählt das Sternenheer,
Denn Gott, der Vater fromm und hold,
Verläßt mich nimmermehr.

Ich lag umhüllt mit Finsternis,
Die aus der Hölle kam,
Und durch die tiefste Seele riß
Mit Tigerklaun der Gram,
Gebrochen war mir alle Kraft,
Erloschen aller Mut,
Da rief ich dem, der alles schafft:
Mach's Vater, mach es gut!

Und plötzlich ward die Nacht zum Licht,
Zur Wonne ward das Leid,
Und wieder schaut' ich aufgericht't
Des Lebens Herrlichkeit,
Den blauen lichten Sonnenraum,
Das bunte Blumenfeld –
Da war mein Jammer nur ein Traum,
Die Welt die beste Welt.

Drum dank ich dem, der Wunder thut
Und Güte für und für,
Es rieselt jeder Tropfen Blut
Den Lobgesang in mir,
Es wird ein jeder Blick ein Strahl,
Der auf gen Himmel dringt,
Wo tausend tausend tausendmal
Das Heilig! Heilig! klingt.

Denn wie die Kindlein in dem Schoß
Die treue Mutter hegt,
Läßt seine Treue nimmer los,
Die alles selig trägt,
Und seine Liebe lockt so süß,
Was Liebe mag verstehn,
Daß wir zu ihm ins Paradies
Der Lust und Unschuld gehn.
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Ann
BeitragVerfasst am: 01.10.2007, 15:28  Neue Antwort erstellen
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Denksprüche. Erinnerungsblätter.

1.


Du mußt die Sterblichkeit bezahlen
Das präge früh und ganz dir ein,
Und daß Gott rechnet nicht mit Zahlen,
Daß vor ihm nichts ist groß und klein.
Das tröste dich bei kleinen Dingen
Und richte dich bei großen auf.
Gott giebt den Wind, er gab die Schwingen,
Er gab den Fuß, er weist den Lauf.


2.


Wer im Großen siegen will
Sei im Kleinen fleißig,
Von Eins, Zwei kommt man zum Drei,
Von dem drei zum Dreißig.


3.


Wer fest will, fest und unverrückt dasselbe,
Der sprengt vom festen Himmel das Gewölbe,
Dem *üssen alle Geister sich verneigen
Und rufen: Komm, und nimm! Du nimmst dein eigen.


4.


Triebe den Menschen nicht so viel Kleines
An vielen kleinen und kleinsten Tagen,
So viel Kleinstes in *ühen und Spielen,
Sagt mir, wie sollt' er sein Größtes ertragen?


5.


Vor Menschen ein Adler, vor Gott ein Wurm
So stehst du fest im Lebenssturm.
Nur wer vor Gott sich fühlet klein,
Kann vor den Menschen *ächtig sein.


6.


Trage frisch des Lebens Bürde,
Arbeit heißt des Mannes Würde,
Kurzer Bach fließt Erdenleid,
Langer Strom die Ewigkeit.


7.


Trau nicht zu viel auf fremden Rat,
Wie's bei dem eig'nen dir auch bangt;
Denn endlich mußt du doch zur That,
Die man als deine ganz verlangt.
Leicht trägt die eigne Lust das Herz,
Die eigne Last, den eignen Fehl,
Doch unverbindlich bleibt der Schmerz,
Sahst du mit fremden Augen scheel.


8.


Wer Lust und Glück will finden
Geh' nicht sie finden aus:
Sie kommen stillen Blinden
Von selbst ins stille Haus.
Die Himmelsgeister gehen
Gar leis' in leiser Luft:
Wann Winde wilder wehen,
Haucht keine Blume Duft.


9.


Freund, willst du Licht, in dich hinein
Schau! schau! Giebt dir das Herz nicht Schein,
Da draußen findest du es nimmer,
Denn Schatten von Schatten ist die Welt,
Schatten dessen, der sie hält und stellt,
Von Gottes Urlicht blasser Schimmer.


10.


Nur einen Freien giebt es, der heißt Gott
So spricht der edle Heide Äschylus.
Kein Narr macht diesen Spruch zum Narrenspott,
Weil jeder Staubgeborne dienen muß.
Ich diene, klang des Böhmenkönigs Spruch.
Mensch, Erdenkönig, nie dienst du genug.


11.


Wer dir die kleinen Freuden nimmt,
Nimmt dir das große Entzücken:
Über tausend schmalste Stege geht
Der Weg zur Himmelsbrücken.


12.


Du suchst der Dinge Grund – stürz' in den Abgrund dich,
Wird da dein Fuß nicht fest, ist nirgends Grund für dich;
Wagst du nicht ritterlich Verzweiflung und Verzagen,
So laß doch lieber ab nach Gott und Welt zu fragen:
Des Wissens Morgenrot wird nie dem Feigen tagen.
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