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  Balladen  -  Die Kapelle zum finstern Stern
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BeitragVerfasst am: 13.08.2006, 10:57  Neue Antwort erstellen
Balladen
Die Kapelle zum finstern Stern
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Oberg
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Anmeldungsdatum: 26.11.2004
Beiträge: 310
Wohnort: Gronau/Westf.

Die Kapelle zum finstern Stern
Missunde bei Schleswig, 7. August 1250

"König Erich, die Faust auf den Widerrist!
Laß tanzen den Hengst im Grase.
Vergiß den alten Bruderzwist,
Wir trinken aus einem Glase."

Herzog Abel schrieb das. König Erich ritt ein
Und lag im Bruderarme.
Viel Jauchzen der Ritter im Abendschein;
Lauge Gudmundson schwieg im Schwarme.

Am Morgen früh weckt Hornstoß und Tusch,
Zu hetzen Wolf und Elche.
Die Brüder zusammen im Haidebusch,
Sie trinken aus einem Kelche.

Der Herzog allein. Zur Seite nur
Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen.
"Sprich, Lauge, wo blieb Wieb Stures Spur,
Wem hilft sie die Freuden teilen?"

Der König allein. Zur Seite nur
Ritter Lauge mit Speer und Pfeilen.
"König Erich, wo blieb Wieb Stures Spur,
Wem hilft sie das Leben teilen?"

Erich Plogpenning zischt. Den Stachel sticht
Er dem Rothengst in die Weichen,
"Bei Sankt Jürgen, ich weiß es nicht",
Und sucht die Jagd zu erreichen.

Am Abend Humpen-aus, Zinken und Tanz,
Beim Brettspiel König und Knappen.
Der Mond flicht draußen den alten Kranz
Um Lauben und steinerne Wappen.

Der Herzog allein. Zur Seite nur
Ritter Lauge im Wams von Seiden.
"Sprich, Lauge, wo blieb Wieb Stures Spur,
Wen küßt sie von euch beiden?"

"Vom Trinken ist dir die Stirne heiß,
König Erich, die Luft ist trocken.
Mein Segel wiegt unten, scharlach und weiß;
Steig ein und kühle die Locken."

Schloßknechte spannen den Baldachin.
Vom Söller winkt der Bruder.
Der König schläft auf dem Hermelin,
Und leise tauchen die Ruder.

Verworren Getön vom Prunkgelag,
Der Wachen und Stundenrufer.
Da schießt mit gleichem Einfallschlag
Ein zweites Boot vom Ufer.

"Halt, halt, König Erich"' ... Fackeln im Wind
Flackern um schwarze Figuren.
"Wo blieb Wieb Sture, gib Antwort, geschwind,
Gib Antwort, wo blieb Wieb Sturen?"

"Bei Sankt Jürgen, ich riß sie dir Hund vom Leib",
Schreit der König, die Lippen beben.
"Bei Sankt Jürgen, sie war mir Zeitvertreib
Zwei Wochen von meinem Leben."

Der Ritter ringt ihm den Dolch vom Gehenk
Und treibt ihn dem König ins Herze.
Das rote Blut tropft ins wüste Gemeng.
Stumm leuchtet oben die Kerze.

Wo Lauge durchstach den erlauchten Herrn,
Am Ufer steht die Kapelle,
Da steht die Kapelle zum finstern Stern,
Unheimlich klatscht dort die Welle.

Herzog Abel schwor beim Himmel weit
Und der reinen Magd im Dome,
Und ließ dem *örder wenig Zeit;
Den zupft der Fisch im Strome.

Herzog Abel schob nichts auf die lange Bank,
In Oeskilde ließ er sich krönen.
In die Königsburg ritt er frech und frank,
Drommeten und Trummen dröhnen.


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