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  Gedichte  -  Friedrich Rückert 1788-1866 deutscher Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2004, 17:23  Neue Antwort erstellen
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Friedrich Rückert 1788-1866 deutscher Dichter
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Ich hab' es allen Büschen gesagt
Aus den Kindertotenliedern

Ich hab es allen Büschen gesagt,
Und hab es allen Bäumen geklagt,
Und jeder grünenden Pflanze,
Und jeder Blum im Glanze.

Und wieder von neuem klag ich es,
Und immer von neuem sag ich es,
Und immer haben indessen
Sie wieder mein Leid vergessen.

Vergessen bist du in diesem Raum
Von Blum und Pflanze, Busch und Baum,
Nur nicht von diesem Herzen,
Kind meiner Wonnen und Schmerzen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2004, 17:24  Neue Antwort erstellen
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Friedrich Rückert 1788-1866 deutscher Dichter
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Kehr ein bei mir
Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du,
Und was sie stillt.

Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.

Kehr ein bei mir
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.

Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.

Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2004, 17:25  Neue Antwort erstellen
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Friedrich Rückert 1788-1866 deutscher Dichter
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Und dann nicht mehr
Ich sah sie nur ein einzigmal,
und dann nicht mehr;
da sah ich einen Himmelsstrahl,
und dann nicht mehr.

Ich sah umspielt vom Morgenhauch
durchs Tal sie gehn;
da war der Frühling im Tal,
und dann nicht mehr.

Im Saal des Festes sah ich sie
entschleiern sich,
da war das Paradies im Saal,
und dann nicht mehr.

Sie war die Schenkin, Lust im Kreis
kredenzte sie;
sie bot mir lächelnd eine Schal',
und dann nicht mehr.

Sie war die Ros', ich sah sie blühn
im Morgentau;
am Abend war die Rose fahl,
und dann nicht mehr.

Nur einmal weinet Gärtner Lenz
um eine Ros',
da Tod ihm diese Rose stahl,
und dann nicht mehr.

Ein einzigmal, da sie erblich,
war herb die Lust
des Lebens, süß des Todes Qual,
und dann nicht mehr.

Ich sah die Rose Braut im Flor
verschließen in
die dunkle Kammer eng und schmal,
und dann nicht mehr.

Ich will ins Rosenbrautgemach
im Mondenglanz
noch weinen meiner Tränen Zahl,
und dann nicht mehr.

Ich sah sie nur ein einzigmal,
und dann nicht mehr,
da sah ich einen Himmelsstrahl,
und dann nicht mehr.
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2004, 17:26  Neue Antwort erstellen
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Vom Bäumlein, das andere Blätter hat gewollt
Es ist ein Bäumlein gestanden im Wald
In gutem und schlechtem Wetter;
Das hat von unten bis oben halt
Nur Nadeln gehabt statt Blätter;
Die Nadeln, die haben gestochen,
Das Bäumlein, das hat gesprochen:

"Alle meine Kameraden
Haben schöne Blätter an,
Und ich habe nur Nadeln,
Niemand rührt mich an;
Dürft' ich wünschen, wie ich wollt',
Wünscht' ich mir Blätter von lauter Gold."

Wie's Nacht ist, schläft das Bäumlein ein,
Und früh ist's aufgewacht;
Da hatt' es goldene Blätter fein,
Das war eine Pracht!
Das Bäumlein spricht: "Nun bin ich stolz;
Goldene Blätter hat kein Baum im Holz."

Aber wie es abend ward,
Ging ein Bauer durch den Wald
Mit grossem Sack und langem Bart,
Der sieht die goldnen Blätter bald;
Er steckt sie ein, geht eilends fort
Und lässt das leere Bäumlein dort.

Das Bäumlein spricht mit Grämen:
"Die goldnen Blättlein dauern mich,
Ich muss vor den andern mich schämen,
Sie tragen so schönes Laub an sich.
Dürft' ich mir wünschen noch etwas,
So wünscht' ich mir Blätter von hellem Glas."

Da schlief das Bäumlein wieder ein,
Und früh ist's wieder aufgewacht;
Da hatt' es gläserne Blätter fein,
Das war eine Pracht!
Das Bäumchen sprach: "Nun bin ich froh;
Kein Baum im Walde glitzert so."

Da kam ein grosser Wirbelwind
Mit einem argen Wetter,
Der fährt durch alle Bäume geschwind
Und kommt an die gläsernen Blätter;
Da lagen die Blätter von Glase
Zerbrochen in dem Grase.

Das Bäumlein spricht mit Trauern:
"Mein Glas liegt in dem Staub;
Die anderen Bäume dauern
Mit ihrem grünen Laub.
Wenn ich mir noch was wünshen soll,
Wünsch' ich mir grüne Blätter wohl."

Da schlief das Bäumlein wieder ein,
Und wieder früh ist's aufgewacht;
Da hatt' es grüne Blätter fein.
Das Bäumlein lacht
Und spricht: "Nun hab' ich doch Blätter auch.
Dass ich mich nicht zu schämen brauch"."

Da kommt mit vollem Euter
Die alte Geis gesprungen;
Sie sucht sich Gras und Kräuter
Für ihre Jungen;
Sie sieht das Laub und fragt nicht viel,
Sie frisst es ab mit Stumpf und Stiel.

Da war das Bäumchen wieder leer,
Es sprach nun zu sich selber:
"Ich begehre nun keine Blätter mehr,
Weder grüner, noch roter, noch gelber!
Hätt' ich nur meine Nadeln,
Ich wollte sie nicht tadeln."

Und traurig schlief das Bäumlein ein,
Und traurig ist es aufgewacht;
Da besieht es sich im Sonnenschein
Und lacht und lacht!
Alle Bäume lachen's aus;
Das Bäumlein macht sich aber nichts daraus.

Warum hat's Bäumlein denn gelacht,
Und warum denn seine Kameraden?
Es hat bekommen in der Nacht
Wieder alle seine Nadeln,
Dass jedermann es sehen kann.
Geh' 'naus, sieh's selbst, doch rühr's nicht an!
Warum denn nicht?
Weil's sticht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.09.2004, 17:28  Neue Antwort erstellen
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Weil ich nichts anders kann...
Weil ich nichts anders kann als nur dich lieben,
Will ich dich lieben denn soviel ich kann.
Zu hassen dich hatt' ich mir vorgeschrieben,
Mit Hasse sah das Herz die Vorschrift an.
Dich zu vergessen hatt' ich mich getrieben;
Vergessen war es, eh ich mich besann.
Da so der Haß ward von sich selbst zerrieben,
So das Vergessen in sich selbst zerrann;
So laß mich lieben denn, soviel ich kann, dich lieben,
Weil ich nichts anders als dich lieben kann.
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.04.2005, 16:49  Neue Antwort erstellen
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O reiß den Faden nicht
der Freundschaft rasch entzwei!
Wird er auch neu geknüpft,
ein Knoten bleibt dabei.
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Ann
BeitragVerfasst am: 26.06.2006, 16:46  Neue Antwort erstellen
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Der Jasminstrauch
Grün ist der Jasminenstrauch
abends eingeschlafen.
Als ihn, mit des Morgens Hauch,
Sonnenlichter trafen,
ist er schneeweiss aufgewacht,
"Wie geschah mir in der Nacht?"
Seht, so geht es Bäumen,
die im Frühling träumen!
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Ann
BeitragVerfasst am: 24.07.2006, 21:02  Neue Antwort erstellen
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Himmel hat eine Träne geweint

Der Himmel hat eine Träne geweint,
Die hat sich ins Meer verlieren gemeint.
Die Muschel kam und schloß sie ein:
Du sollst nun meine Perle sein.
Du sollst nicht vor den Wogen zagen,
Ich will hindurch dich ruhig tragen.
O du mein Schmerz, du meine Lust,
Du Himmelsträn' in meiner Brust!
Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte
Den reinsten deiner Tropfen hüte.
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Ann
BeitragVerfasst am: 05.08.2006, 20:55  Neue Antwort erstellen
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Rose, Meer und Sonne


Rose, Meer und Sonne

Sind ein Bild der Liebsten mein,

Die mit ihrer Wonne

Faßt mein ganzes Leben ein.

Aller Glanz, ergossen,

Aller Tau der Frühlingsflur

Liegt vereint beschlossen

In dem Kelch der Rose nur.

Alle Farben ringen,

Aller Duft im Lenzgefild’,

Um hervorzubringen

Im Verein der Rose Bild.

Rose, Meer und Sonne

Sind ein Bild der Liebsten mein,

Die mit ihrer Wonne

Faßt mein ganzes Leben ein.

Alle Ströme haben

Ihren Lauf auf Erden bloß,

Um sich zu begraben

Sehnend in des Meeres Schoß.

Alle Quellen fließen

In den unerschöpften Grund,

Einen Kreis zu schliessen

Um der Erde blü’ndes Rund.

Rose, Meer und Sonne

Sind ein Bild der Liebsten mein,

Die mit ihrer Wonne

Faßt mein ganzes Leben ein.

Alle Stern’ un Lüften

Sind ein Liebesblick der Nacht,

In des Morgens Düften

Sterbend, wann der Tag erwacht.

Alle Weltenflammen,

Der zerstreute Himmelsglanz,

Fließen hell zusammen

In der Sonne Strahlenkranz.

Rose, Meer und Sonne

Sind ein Bild der Liebsten mein,

Die mit ihrer Wonne

Faßt mein ganzes Leben ein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 05.09.2006, 20:08  Neue Antwort erstellen
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Des Glückes Sonne leuchter hell im Untergang

Des Glückes Sonne leuchtet hell im Untergang:
Es fühlt, Gesundheit, deinen Wert der kranke Mann,
Wie erst die Unschuld kennen lernt, wer sie verlor.
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Ann
BeitragVerfasst am: 05.09.2006, 20:18  Neue Antwort erstellen
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Herbstlied

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu schmeicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.





Ich bin der Welt abhanden gekommen

Ich bin der Welt abhanden gekommen,
Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
Sie hat so lange nichts von mir vernommen,
Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,
Ob sie mich für gestorben hält,
Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
Und ruh' in einem stillen Gebiet!
Ich leb' allein in meinem Himmel,
In meinem Lieben, in meinem Lied!





Mit vierzig Jahren

Mit vierzig Jahren ist der Berg erstiegen,
Wir stehen still und schaun zurück;
Dort sehen wir der Kindheit stilles liegen
Und dort der Jugend lautes Glück.
Noch einmal schau, und dann gekräftigt weiter
Erhebe deinen Wanderstab!
Hindehnt ein Bergesrücken sich, ein breiter,
Und hier nicht, drüben geht's hinab.
Nicht atmend aufwärts brauchst du mehr zu steigen,
Die Ebene zieht von selbst dich fort;
Dann wird sie sich mit dir unmerklich neigen,
Und eh' du's denkst, bist du im Port.





Seufzend sprach ich zu der Liebe

Seufzend sprach ich zu der Liebe,
Als ich sie entschleiert sah:
Ach, daß so dein Antlitz bliebe
Meinen Blicken ewig nah!

Doch wie dich die Sehnsucht freier
Schauet einen Augenblick,
Senket wieder sich der Schleier,
Und verdüstert mein Geschick.

Liebe sprach: in ewig reinem
Lichtestrahl ich, o du Tor,
Nicht von meinem, sondern deinem
Angesichte hängt der Flor.
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Ann
BeitragVerfasst am: 09.12.2007, 12:44  Neue Antwort erstellen
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Friedrich Rückert
geb . 16.05 . 1788 zu Schweinfurt
seit 1826 Professor der orientalischen Sprachen in Erlangen ,
1840 nach Berlin berufen ,
lebte seit 1847 auf seinem Gut in Reuseß beib Koburg ,
wo er am 31 .01. 1866 starb .

Aus der Jugendzeit , aus der Jugendzeit
klingt ein Lied mir immerdar ;
o wie liegt so weit , o wie liegt so weit
was mein einst war !

Was die Schwalbe sang , was die Schwalbe sang ,
die den Herbst und Frühling bringt;
ob das Dorf entlang , ob das Dorf entlang
das jetzt noch klingt .

,, Als ich Abschied nahm , als ich Abschied nahm ,
waren Kisten und Keller schwer ;
als ich wieder kam , als ich wieder kam ,
war alles leer .''

O du Kindermund , o du Kindermund ,
unbewußter Weisheit froh ,
vogelsprachekund , vogelsprachekund
wie Salomo .

O du Heimatflur , o du Heimaflur ,
laß zu deinem heil'gen Raum
mich noch einmal nur , mich noch einmal nur
entfliehn im Traum !

Als ich Abschied nahm , als ich Abschied nahm ,
war die Welt mir voll so sehr ;
Als ich wiederkam , als ich wiederkam,
war alles leer .

Wohl die Schwalbe kehrt , wohl die Schwalbe kehrt ,
und der leere Kasten schwoll,
ist das Herz geleert , ist das Herz geleert ,
wird 's nicht mehr voll.

Keine Schwalbe bringt , keine Schwalbe bringt
dir zurück wonach du weinst ;
doch die Schwalbe singt , doch die Schwalbe singt
im Dorf wie einst :

'' als ich Abschied nahm , als ich Abschied nahm ,
waren Kisten und Kasten schwer ;
Als ich wieder kam , als ich wieder kam
war alles leer.

Eingetragen von Rta am 08.12.07
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rita
BeitragVerfasst am: 09.10.2008, 04:53  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Kehr ein bei mir !

Du bist die Ruh ,
der Friede mild ,
die Sehnsucht du
und was sie stillt .

Ich weihe dir
voll Lust und Schmerz
zur Wohnung hier
mein Aug und Herz .

Kehr ein bei mir ,
und schließe du
still hinter dir
die Pforten zu .

Treib andern Schmerz
aus dieser Brust !
Voll sei dies Herz
von deiner Lust .

Dies Augenzelt ,
von deinem Glanz
allein erhellt ,
o, füll es ganz !
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rita
BeitragVerfasst am: 09.10.2008, 05:10  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Abendlied

Ich stand auf Berges Halde
als heim die Sonne ging ,
und sah wie überm Walde
des Abends Goldnetz hing.

Des Himmels Wolken tauten
der Erde Frieden zu ,
bei Abendglockenlauten
ging die Natur zu Ruh .

Ich sprach :O Herz empfinde
der Schöpfung Stille nun
und schick mit jedem Kinde
der Flur dich auch , zu ruhn !

Die Blumen alle schließen
die Augen allgemach ,
und alle Wellen fließen
besänftiget im Bach .

Nun hat der *üde Sylphe
sich unters Blatt gesetzt ,
und die Libell am Schilfe
entschlummert taubenetzt .

Es ward dem goldnen Käfer
zur Wieg ein Rosenblatt ;
die Herde mit dem Schäfer
sucht ihre Lagerstatt .

Die Lerche sucht aus Lüften
ihr feuchtes Nest im Klee
und in des Waldes Schlüften
ihr Lager Hirsch und Reh .

Wer sein ein Hüttchen nennet ,
ruht nun darin sich aus ,
und wen die Fremde trennet
den trägt ein Traum nach Haus .

Mich fasset ein Verlangen ,
daß ich zu dieser Frist
hinauf nicht kann gelangen ,
wo meine Heimat ist .
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rita
BeitragVerfasst am: 23.02.2009, 20:13  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Schneeglöckchen
Der Schnee , der gestern noch in Flöckchen
vom Himmel fiel ,
hängt nun geronnen heut als Glöckchen
am zarten Stiel .
Schneeglöckchen läutet , was bedeut's
im stillen Haine ?
O komm geschwind ! Im Haine läutet's
den Frühling ein .
O kommt , ihr Blätter , Blüt' und Blume ,
die ihr noch träumt ,
all zu des Frühlings Heiligtume !
Kommt ungesäumt !

F , Rückert 1788 - 1866
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