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  Kurzgeschichten  -  Spielsucht
Juska
BeitragVerfasst am: 05.05.2007, 13:39  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
Spielsucht
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 6017

Er schaute mich mit großen ungläubigen Augen an: „Ja, du hast richtig gehört, ich werde das Spiel weiterspielen!“.

„Auch, wenn du dabei immer verlierst?“, kam seine Frage. „Du wirst daran vor die Hunde gehen!“, warnte er mich. „Kann sein!“, antwortete ich tonlos und mein Blick hing schon wieder auf dem Spieltisch. Meine Augen blickten der Kugel hinterher, die heute überall hin rollte, nur nicht auf die Zahl, die ich gesetzt hatte.

Unschlüssig stand er noch hinter mir, unfähig mit mir zu reden, denn er wusste, ein Reden mit mir war nicht *öglich, nicht jetzt, nicht in dieser Situation, während die Kugel lief. Ich befand mich in einem Zustand, in dem ich alles geschehen ließ. Es war wie ein Rausch, eine Sucht, die stärker war als ich.

Frank hatte sich sehr gut unter Kontrolle. Wenn er zwei Spiele verlor, war für ihn der Punkt erreicht, aufzuhören. Nicht so bei mir. Der Teufel ritt mich. Er raubte mir die Sinne, je mehr ich verlor, um so größer das Verlangen zu gewinnen. Meine Augen blickten starr immer wieder auf die Kugel. Immer schneller griff meine Hand und setzte den Spieleinsatz.

Frank atmete schwer die Luft ein. Er wusste, er würde mich nicht an einen anderen Spieltisch bringen können. Es war zu spät. Ab jetzt ging es abwärts in schneller Fahrt. Er brauchte nicht mehr lange zu warten, dass ich mir von ihm Geld borgen würde. Ich merkte, wie er hinter mir den Platz verließ. Es war mir recht so.

Frank verschwand jedoch diesmal gänzlich, was ich nicht bemerkte. Er ließ sich an der Garderobe seinen Trenchcoat geben, hängte ihn über seinen Arm und verließ das Spielcasino.

Ich verfiel in der Zwischenzeit komplett der Sucht. Ein Nachbar am Spieltisch schob mir einen Teil seiner Jetons herüber. Es war Ehrensache, dass er sie später wiederbekam. So brauchte ich meinen Platz nicht verlassen, der mir so viel Unglück bescherte. Leider wendete sich dadurch mein Unglück nicht und auch dieser kleine Stapel war in Kürze auf dem Rouletttisch verschwunden.

Ich machte mich auf, um Frank zu suchen und anzupumpen. Die Garderobiere versicherte mir, dass er das Gebäude verlassen hätte, was ich nicht verstehen konnte. Das hatte er doch noch nie getan!

Auch ich ließ mir den Mantel geben und sah mich draußen um. Die frische Luft ließ mich so langsam in die Realität zurückkommen. Hier in Nizza vor dem Spielcasino stand ich jetzt ohne Frank, ohne Geld. Gegenüber war ein Park. Ich setzte mich dort auf eine Bank. Ein Bettler streckte mir die Hand entgegen. Er wollte eine *ünze.

Ich fasste in meine Manteltaschen und durchsuchte sie. Darin steckte noch ein Jeton aus früheren Zeiten. Ich gab dem Bettler diesen Jeton. Er bat mich darum diesen Einsatz für ihn zu spielen, denn ihn ließe man nicht hinein. Er würde sich auskennen, auch er hätte früher sein ganzes Geld dort gelassen.

Bei dem Gespräch fuhr Frank langsam mit seinem Wagen heran, um mich abzuholen. Ich erbettelte noch etwas Geld von ihm und schaffte es mit der Begründung ein Spiel für den Bettler zu wagen, noch einmal ins Kasino zu kommen. Mit einem Jeton allein wäre der Einsatz zu gering gewesen. Was soll ich sagen: Ich gewann!

Der Bettler erhielt von mir ein hübsches Sümmchen. Jetzt hätte ich gerne noch weiter gespielt, doch Frank war aus dem Wagen nicht ausgestiegen und es blieb mir nichts anderes übrig, als einzusteigen. Doch irgendwie fühlte ich mich sehr wohl.
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Ann
BeitragVerfasst am: 05.05.2007, 15:29  Neue Antwort erstellen
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Administrator
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45133
Wohnort: Gronau

Liebe Juska,
eine sehr gute Geschichte, vor allem mit einem erfreulichen Ausgang.

Ein sonniges Wochenende wünscht Dir

Ann
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Juska
BeitragVerfasst am: 06.05.2007, 12:06  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
Beiträge: 6017

Hallo Ann,
Im Gegensatz dazu bleibt bei einer wahren Geschichte der Ausgang meist offen.

Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende

lieb grüßt Juska
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