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  Gedichte  -  Matthias Claudius
Ann
BeitragVerfasst am: 19.07.2008, 20:53  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Matthias Claudius
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Der Frühling; Am ersten Maimorgen


Heute will ich fröhlich, fröhlich sein,
Keine Weis' und keine Sitte hören;
Will mich wälzen und für Freude schrein,
Und der König soll mir das nicht wehren;

Denn er kommt mit seiner Freuden Schar
Heute aus der Morgenröte Hallen,
Einen Blumenkranz um Brust und Haar
Und auf seiner Schulter Nachtigallen;

Und sein Antlitz ist ihm rot und weiß,
Und er träuft von Tau und Duft und Segen -
Ha! Mein Thyrsus sei ein Knospenreis,
Und so tauml' ich meinem Freund entgegen.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 19.07.2008, 20:54, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.07.2008, 20:54  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Hochzeitlied
Stand ein junges Veilchen auf der Weiden,
Lieb und herzig, in sich, und bescheiden;
Und ein wackrer Jüngling über Land
Kam hin, da das Veilchen stand.

Und er sah das Veilchen auf der Weiden
Lieb und herzig, in sich, und bescheiden,
Sah es an mit Liebe und mit Lust,
Wünscht es sich an seine Brust.

Heute wird das Blümchen ihm gegeben,
Daß ers trag an seiner Brust durchs Leben!
Und ein Kreis von edlen Menschen steht
Ernst, und feiert mit Gebet.

Seid denn glücklich! Gott mit euch, Ihr beide!
Seine »Sonn' am Himmel« schein euch Freude;
Und, in eurer Freud', in eurem Schmerz,
Seine »beßre« euch ins Herz!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.07.2008, 20:55  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Die Sternseherin Lise
Ich sehe oft um Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan
Und niemand mehr im Hause wacht,
Die Stern' am Himmel an.

Sie gehn da, hin und her zerstreut
Als Lämmer auf der Flur;
In Rudeln auch, und aufgereih't
Wie Perlen an der Schnur;

Und funkeln alle weit und breit,
Und funkeln rein und schön;
Ich seh die große Herrlichkeit,
Und kann mich satt nicht sehn...

Dann saget, unterm Himmelszelt,
Mein Herz mir in der Brust:
»Es gibt was Bessers in der Welt
Als all ihr Schmerz und Lust.«

Ich werf mich auf mein Lager hin,
Und liege lange wach,
Und suche es in meinem Sinn,
Und sehne mich darnach.
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.07.2008, 20:56  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44632
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Phidile

Ich war erst sechzehn Sommer alt,
Unschuldig und nichts weiter,
Und kannte nichts als unsern Wald,
Als Blumen, Gras und Kräuter.

Da kam ein fremder Jüngling her;
Ich hatt ihn nicht verschrieben,
Und wußte nicht wohin noch her;
Der kam und sprach von Lieben.

Er hatte schönes langes Haar
Um seinen Nacken wehen;
Und einen Nacken, als das war,
Hab ich noch nie gesehen.

Sein Auge, himmelblau und klar!
Schien freundlich was zu flehen;
So blau und freundlich, als das war,
Hab ich noch keins gesehen.

Und sein Gesicht, wie Milch und Blut!
Ich habs nie so gesehen;
Auch, was er sagte, war sehr gut,
Nur konnt ich nichts verstehen.

Er ging mir allenthalben nach,
Und drückte mir die Hände
Und sagte immer O und Ach,
Und küßte sie behende.

Ich sah ihn einmal freundlich an
Und fragte, was er meinte;
Da fiel der junge schöne Mann
Mir um den Hals und weinte.

Das hatte niemand noch getan;
Doch wars mir nicht zuwider,
Und meine beiden Augen sahn
In meinen Busen nieder.

Ich sagt ihm nicht ein einzig Wort,
Als ob ichs übel nähme,
Kein einzigs, und - er flohe fort;
Wenn er doch wieder käme!
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Ann
BeitragVerfasst am: 19.07.2008, 20:57  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44632
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An Frau Rebekka;
bei der silbernen Hochzeit, den 15. *ärz 1797
Ich habe Dich geliebet und ich will Dich lieben,
Solang' Du goldner Engel bist;
In diesem wüsten Lande hier, und drüben
Im Lande wo es besser ist.

Ich will nicht von Dir sagen, will nicht von Dir singen;
Was soll uns Loblied und Gedicht?
Doch muß ich heut der Wahrheit Zeugnis bringen,
Denn unerkenntlich bin ich nicht.

Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben.
Ich war wohl klug, daß ich Dich fand;
Doch ich fand nicht. GOTT hat Dich mir gegeben;
So segnet keine andre Hand.

Sein Tun ist je und je groß*ütig und verborgen;
Und darum hoff' ich, fromm und blind,
Er werde auch für unsre Kinder sorgen,
Die unser Schatz und Reichtum sind.

Und werde sie regieren, werde für sie wachen,
Sie an sich halten Tag und Nacht,
Daß sie wert werden, und auch glücklich machen,
Wie ihre Mutter glücklich macht.

Uns hat gewogt die Freude, wie es wogt und flutet
Im Meer, so weit und breit und hoch! –
Doch, manchmal auch hat uns das Herz geblutet,
Geblutet... Ach, und blutet noch.

Es gibt in dieser Welt nicht lauter gute Tage,
Wir kommen hier zu leiden her;
Und jeder Mensch hat seine eigne Plage,
Und noch sein heimlich Crève-cœur [Fußnote] [Herzeleid].

Heut aber schlag ich aus dem Sinn mir alles Trübe,
Vergesse allen meinen Schmerz;
Und drücke fröhlich Dich, mit voller Liebe,
Vor Gottes Antlitz an mein Herz.
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rita
BeitragVerfasst am: 14.09.2008, 19:08  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Sehr gl Ein Wiegenlied bei ,
Mondschein zu singen

So schlafe nun , du Kleine !
Was weinest du ?
Sanft ist im Mondenscheine
und süß die Ruh .

Auch kommt der Schlaf geschwinder
und sonder *üh;
der Mond freut sich der Kinder
Lachen und liebt sie .

Er liebt zwar auch die Knaben ,
doch *ädchen mehr ,
gießt freundlich schöne Gaben
von oben her

auf sie aus , wenn sie saugen ,
recht wunderbar ;
schenkt ihnen blaue Augen
und blondes Haar .

Alt ist er wie ein Rabe ,
sieht manches Land ;
mein Vater hat als Knabe
ihn schon gekannt .

Und bald nach ihren Wochen
hat Mutter mal
mit ihm von mir gesprochen
sie saß im Tal ,

in einer Abendstunde ,
den Busen bloß ,
lag ich mit offnem Munde
in ihrem Schoß .

Sie sah mich an , für Freude
ein Tränchen lief ,
der Mond beschien uns beide ,
ich lag und schlief .

Da sprach sie :>>Mond , o scheine ,
ich hab sie lieb ,
schein Glück für meine Kleine ! <<
Ihr Auge blieb

noch lang am Monde kleben
und flehte mehr .
Der Mond fing an zu beben ,
als hörte er .

Und denkt nun immer wieder
an diesen Blick ,
und scheint von hoch hernieder
mir lauter Glück .

Er schien mir unterm Kranze
ins Brautgesicht ,
und bei dem Ehrentanze ;
du warst noch nicht .
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rita
BeitragVerfasst am: 07.10.2008, 13:19  Neue Antwort erstellen
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Jeden Morgen geht die Sonne auf ...

Jeden Morgen geht die Sonne auf
in der Wälder wundersamen Runde .
Und die schöne,schöne Schöpferstunde ,
jeden Morgen nimmt sie ihren Lauf .

Jeden Morgen aus dem Wiesengrund
heben weiße Schleier sich ans Licht ,
uns der Morgengang zu künden ,
ehe sie das Wolkentor durchbricht .

Jeden Morgen aus des Waldes Hall 'n
hebt der Hirsch sein *ächtiges Geweih ,
der Pirol und dann die Vögelein alle
stimmen an die große Melodei .
(Hermann Claudius)
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rita
BeitragVerfasst am: 13.11.2009, 12:03  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Immer ein Lichtlein mehr

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz , den wir gewunden ,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden .

Zwei und drei und dann vier !
Rund um den Kranz welch ein Schimmer ,
und so leuchten auch wir ,
und so leuchtet das Zimmer .

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen .
Und der in Händen hält ,
weiss um den Segen !

MATTHIAS CLAUDIUS
1740 -1815
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rita
BeitragVerfasst am: 15.01.2010, 21:39  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Mein Neujahrslied

Es war erst frühe Dämmerung
mit hellem Tagverkünden,
und nur noch eben hell genug ,
sich durch den Wald zu finden.

Der Morgenstern stand linker Hand ,
ich aber ging und dachte
im Eichtal an mein Vaterland
dem er ein Neujahr brachte .

Auch dacht ich weiter :,, So und so ,
das Jahr ist nun vergangen ,
und du siehst , noch gesund und froh ,
den schönen Stern dort prangen.

Der ihm dort so zu stehn gebot ,
muss doch gern geben *ögen!
Sein Stern , Sein Tal ,Sein Morgenrot ,
rund um mich her Sein Segen !

Und bald wird seine Sonne hier
zum erstenmal aufgehen ! - ,,
Das Herz im Leibe brannte mir ,
ich musste stille stehen ,

und wankte wie ein Mensch im Traum ,
wenn ihn Gesichte drängen,
umarmte einen Eichenbaum
und blieb so an ihm hängen .

Auf einmal hört' ich's wie Gesang ,
und glänzend stieg's hernieder
und sprach , mit hellem hohen Klang
das Waldtal sprach es wieder :

Der alten Barden Vaterland !
Und auch der alten Treue !
Dich , freies unbezwungnes Land !
Weiht Braga hier aufs neue

zur Ahnentugend wieder ein !
Und Friede deinen Hütten ,
und deinem Volke Fröhlichsein ,
und alte deutsche Sitten !

Die *änner sollen jung und alt ,
gut vaterländ'sch und tüchtig ,
und bieder sein und kühn und kalt ,
die Weiber keusch und züchtig !

Und deine Fürsten gross und gut !
Und gross und gut die Fürsten !
Die Deutschen lieben , und ihr Blut
nicht saugen , nicht Blut dürsten !

Gut sein ! Gut sein ! Ist viel getan .
erobern ist nur wenig ;
der König sei der bessre Mann ,
sonst sei der bessre König !

Dein Dichter soll nicht ewig Wein ,
nicht ewig Amorn necken !
Die Barden *üssen *änner sein ,
und Weise sein nicht Gecken !

Ihr Kraftgesang soll himmelan
mit Ungestü* sich reissen ! -
Und du , Wandsbecker Leiermann ,
sollst Freund und Vetter heissen !
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.03.2014, 20:59  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Wenn jemand eine Reise tut,
so kann er was erzählen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 17.03.2014, 21:02  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 44632
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Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was einem anderen nicht schadet.
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Ann
BeitragVerfasst am: 20.03.2014, 16:04  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Der Mensch

Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar
Kömmt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr,
Gelüstet und begehret
Und bringt sein Tränlein dar,
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr,
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr,
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar,
Schläft, wachet, wächst und zehret
Trägt braun und graues Haar.
Und alles dieses währet,
Wenn's hoch kommt, achtzig Jahr.
Denn legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kömmt nimmer wieder.
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