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| Gedichte - Theodor Fontane 1819-1898 deutscher Schriftsteller Apotheker |
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Verfasst am:
24.09.2007, 10:44

Gedichte
Theodor Fontane 1819-1898 deutscher Schriftsteller Apotheker
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Das alte Lied
Es sang wie vor vielen tausend Jahren
Die Nachtigall wie heute schon,
Von Jahr zu Jahre - neue Scharen,
Von Jahr zu Jahr - der alte Ton.
Das alte Lied! Auf allen Zweigen
Tönt´s ewig schön den Wald entlang,
Und doch - der Dichter soll verschweigen,
Was vor ihm schon ein andrer sang.
Was schiert´s die Welt, ob tiefempfunden
Sein altes Lied, ob´s wahr, ob´s treu;
Sie fragt: "Ist´s leidlich gut erfunden?"
Und fragt vor allem: "Ob es neu?"
Weh Abendrot, daß du mich wieder
Zu einem alten Sange zwingst,
Du Purpurträger, der du Lieder
Von je als Huld´gungseid empfingst.
Du Bild von einem Königsohne,
Der, in sich selber stark und fest,
Die strahlenreiche, goldne Krone,
Als wär´s ein Spielzeug, sinken läßt. |
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Verfasst am:
18.09.2008, 20:36

Gedichte
Theodor Fontane 1819-1898 deutscher Schriftsteller Apotheker
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Meine Gräber
Kein Erbbegräbnis mich stolz erfreut ,
meine Gräber liegen weit zerstreut ,
weit zerstreut über Stadt und Land ,
aber alle in märkischem Sand .
Verfallene Hügel , die Schwalben ziehn ,
vorüber schlängelt sich der Rh(e)in ,
über weiße Steine , zerbröckelt all ,
blickt der alte Ruppiner Wall ,
die Buchen stehn , die Eichen rauschen ,
die Gräberbüsche Zwiesprache tauschen
und Haferfelder weit auf und ab .-
Da ist meiner Mutter Grab .
Ein andrer Platz , dem verbunden ich bin :
Berglehnen , die Oder fließt dran hin,
zieht vorüber in trägem Lauf ,
gelbe Murmeln schwimmen darauf .
Am Ufer Werft und Schilf und Rohr
und am Abhange schimmern Kreuze hervor ,
auf eines fällt heller Sonnenschein , -
da hat mein Vater seinen Stein .
Der Dritte , seines Todes froh ,
liegt auf dem weiten Teltow = Plateau,
Dächer von Ziegel , Dächer von Schiefer ,
dann und wann eine Krüppelkiefer ,
ein stiller Graben , die Wasserscheide ,
Birken hier und da eine Weide ,
zuletzt eine Pappel am Horizont ,-
im Abendstrahle sie sich sonnt .
Auf den Gräbern Blumen und Aschenkrüge ,
vorüber in Ferne rasseln die Züge ,
still bleibt das Grab und der Schläfer drin , -
der Wind , der Wind geht drüber hin . |
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Verfasst am:
19.11.2009, 19:54

Gedichte
Theodor Fontane 1819-1898 deutscher Schriftsteller Apotheker
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Vorwort
Aus zur Zeit politischem Anlass schreibe ich dieses Gedicht .
'Wir haben keine heile Welt ' .
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Das Trauerspiel von Afghanistan .
Der Schnee leis stäubend von Himmel fällt ,
ein Reiter vor Dschellalabad hält ,
> Wer da < > Ein britischer Reitersmann ,
bringe Botschaft aus Afghanistan .<
Afghanistan ! Er sprach so matt ;
Es umdrängte den Reiter die halbe Stadt ,
Sir Robert Sale , der Kommandant ,
Hebt ihn vom Rosse mit eigner Hand .
Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn ,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin ,
Wie wärmt ihn die das Feuer,wie labt ihn das Licht ,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht :
> Wir waren dreizehntausend Mann ,
von Kabul unser Zug begann ,
Soldaten , Führer ,Weib und Kind ,
Erstarrt , erschlagen ,verraten sind .
Zersprengt ist unser ganzes Heer ,
Was lebt , irrt draussen in Nacht umher ,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt ,
Seht zu ob den Rest ihr retten könnt , <
Sir Robert stieg auf den Festungswall ,
Offiziere , Soldaten folgten ihm all' ,
Sir Robert sprach > Der Schnee fällt dicht ,
Die uns suchen ,sie können uns finden nicht .
Sie irren wie Blinde und sind uns so nah ,
So lasst sie's hören , dass wir da ,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus ,
Trompeter blast in die Nacht hinaus ! <
Da huben sie an und wurden's nicht müd ',
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied ,
Erst englische Lieder mir fröhlichem Klang ;
dann Hochlandslieder wie Klagegesang .
Sie bliesen die Nacht und über den Tag ,
Laut , wie nur die Liebe rufen mag ,
Sie bliesen - es kam die zweite Nacht ,
Umsonst , dass ihr ruft , umsonst dass ihr wacht .
> Die hören sollen , sie hören nicht mehr ,
Vernichtet ist das ganze Heer ,
Mit dreizehntausend der Zug begann ,
Einer kam heim aus Afghanistan .<
(Einer kam durch ..frei.)
Zum Andenken an die toten Soldaten . 2008 / 9 |
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Verfasst am:
26.12.2009, 19:59

Gedichte
Theodor Fontane 1819-1898 deutscher Schriftsteller Apotheker
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Denkst du verschwundener Tage , Marie ,
wenn du starrst ins Feuer bei Nacht ?
Wünscht du die Stunden und Tage zurück ,
wo du froh und glücklich gelacht ? -
Ich denke verschwundener Tage , John ,
und sie sind allezeit mein Glück ,
doch die mir die Liebsten gewesen sind ,
ich wünsche sie n i c h t zurück ...
Theodor Fontane
1819 - 1898
(leider ist beim Gästebuch
schon die Seite umgeschlagen
und ich konnte dies Ende nicht mehr zufügen .
Rückholung geht nicht .) |
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