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  Gedichte  -  Ada Christen 1839-1901 österr. Schriftstellerin
Ann
BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 17:09  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Ada Christen 1839-1901 österr. Schriftstellerin
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Haltlos

Moderne Zigeuner,
Wüste Gesellen,
Vagabunden des Lebens.
Die ringen
Und suchen -
Doch immer vergebens!
Einsame große Kinder
Mit halbem Wissen
Todtkrankem Herzen -
Und immer hinaus, immer weiter!
Nach außen keck,
Nach innen verjammert,
Den Rücken zerschlagen von der Hand,
An die sie vertrauend sich geklammert!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 26.03.2008, 21:06, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 17:11  Neue Antwort erstellen
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Ada Christen 1839-1901 österr. Schriftstellerin
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Abschied

Und als ich fortgezogen,
Hab' ich in der letzten Nacht
Der Straße, wo er wohnte,
Eine Abschiedsvisite gemacht.

Hab' angesehen die Steine,
Die oft sein Fuß betritt,
Und dachte, wär' ich reich,
Ich nähme sie alle mit.

Ich kam zu seinem Hause
Und wußte selbst nicht wie,
Und hin bis an das Thor -
Dort sank ich in die Knie'.

Und sah empor zum Fenster
Und hab' es schmerzlich gegrüßt;
Ich habe mit heißer Lippe
Die Stufen am Thore geküßt.

Ja selbst die kalte Mauer
Berührte mein brennender Mund;
Doch hielt ich zitternd inne,
Denn an mich hinan sprang sein Hund.

Und er stand hinter mir;
Ich sah ihn schweigend an.
Da fragte er mich lächelnd,
Was ich denn hier gethan?

Dies Lächeln war vernichtend,
Ich rang nach einem Wort;
Dann sagte ich kaum hörbar:
»Herr, morgen geh' ich fort.«

Und abermals dies Lächeln,
Das mich so elend gemacht:
»Ich wünsche glückliche Reise -
Und mithin gute Nacht.«
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Ann
BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 17:13  Neue Antwort erstellen
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Ada Christen 1839-1901 österr. Schriftstellerin
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Wiedersehen

Ich hatt' ihn lang nicht mehr gesehen -
Und mich beinahe todt gesehnt;
Ich kam zurück zu ihm -
Und habe mich glücklich gewähnt.

Drei Stunden stand ich vor dem Thor
Im Regen pudelnaß
Und holte mir einen Schnupfen
Und Husten so zum Spaß.

In später Nacht kam er nach Haus
Und sah mich im Mondenschein;
Erzählte, er habe Kopfweh
Von schlechtem Ofnerwein.

Dann sprach er von seinem Windspiel,
Daß es kein schön'res gibt;
Und dann von einer Todten,
Die er vor Zeiten geliebt. -

Und plaudernd ging er zu Bette
Und schlief sehr bald auch ein;
Ich aber mußte noch lange,
Sehr lange wach noch sein.

Der Mond schien still durch's Fenster,
Goß über den Schläfer sein Licht
Und sah, wie ich weinend küßte
Des blassen Mannes Gesicht.
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Ann
BeitragVerfasst am: 04.06.2007, 17:14  Neue Antwort erstellen
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Ada Christen 1839-1901 österr. Schriftstellerin
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45103
Wohnort: Gronau

Auf!

Komödianten ziehen vorüber,
Wüst verwitterte Gestalten
Mit verblichenen Gewändern,
Lügnerisch verschminkten Falten.

Dieses übertünchte Elend
Diese rohe Prahlerei
Ist doch einmal etwas Neues
In dem eklen Einerlei.

Nehmt mich mit! Ich will das spielen,
Was mich Welt und Liebe lehrte,
Und ihr sollt euch wundern, Leute,
Wie mein Leben ich verwerthe!
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Agnetha
BeitragVerfasst am: 11.06.2007, 14:49  Neue Antwort erstellen
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Ada Christen 1839-1901 österr. Schriftstellerin
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Anmeldungsdatum: 11.06.2007
Beiträge: 11
Wohnort: Essen

Todt

Mir ist als wär der Himmel leer,
Die Erde nur ein weites Grab,
Und jeder Stern rings aufgeblüht,
dem Herzen gleich, das Alles gab.

Und ich, das Grabmal meines Ichs,
Steh öd´und still und ganz allein;
Es braust der Wind, der Regen weint,
Kalte Thränen, auf kalten Stein...
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Agnetha
BeitragVerfasst am: 12.06.2007, 09:39  Neue Antwort erstellen
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Ada Christen 1839-1901 österr. Schriftstellerin
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Gr
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Anmeldungsdatum: 11.06.2007
Beiträge: 11
Wohnort: Essen

Mein Kind

Ich habe keine Schmerzensworte,
Hab keine Thränen, kühlend lind,
Hab nicht Gebete, stille, fromme-
Und sterbend liegt vor mir mein Kind!

Es preßt mir Kopf und Herz zusammen
Die Luft, sie flimmert blutig roth,
Stirb nicht! Mit dir stibt Alles, Alles-
Mein letzter Halt wär´mit dir todt!--

Ist todt!- Ein leiser, kurzer Schrei-
Das Köpfchen sinkt, das bleiche,-
Und an die schmerzerstarrte Brust
Drück ich die kleine Leiche.
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