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  Kurzgeschichten  -  Reiterferien, Teil 1
Juska
BeitragVerfasst am: 25.06.2007, 21:02  Neue Antwort erstellen
Kurzgeschichten
Reiterferien, Teil 1
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Anmeldungsdatum: 07.10.2006
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Reiterferien

Tina sollte sich noch wundern. Sie stellte es sich so einfach vor: „Reiterferien auf dem Bauernhof mit Reitstunden“, hatte in der Anzeige gestanden, die sie aus der Zeitung ausgeschnitten hatte.

Nun stand sie hier am Pferdegatter, um mit den Reitstunden zu beginnen. Sie mochte das Pferd, das ihr zugewiesen wurde.

Die Stute hieß Hera, wie die Frau des Zeus. Sie beide sollten jetzt also in den kommenden zwei Wochen zu einer Einheit verschmelzen. Der Reitlehrer eilte ihr entgegen. Er musste ihr noch Hilfestellung beim Aufsteigen geben.

Hera trabte ruhig ihre einstudierte Runde auf der Koppel. Tina konzentrierte sich noch auf die richtige Haltung. Es sah alles noch etwas unbeholfen aus, wie sie sich dabei bewegte. Herr Pflug musste ihr zuerst einmal die Angst nehmen, nicht vom Pferd zu fallen.

Tina sah schon wieder diesen Gast vor dem Gatter stehen. Es gefiel ihr gar nicht, dass der Typ sie immer beobachtete, wenn sie ihre Reitstunden bekam. Wie konnte sie sich da auf die Haltung konzentrieren und überhaupt, was wollte dieser Spanner?

Gut, hier hatten alle Zeit, auch Langeweile. Doch bei den anderen sah er nie zu, immer nur bei ihr. Er war ihr unsympathisch. Sie mochte ihn nicht, konnte aber auch nicht sagen warum. Allein die Tatsache, dass er dort stand und sie nicht allein ihre Übungen machen ließ, machte sie unsicher.

Sie nahm sich vor, mit dem Mann zu reden und versuchte, so wenig wie *öglich auf ihn zu achten. Doch es fiel ihr schwer. Sie fühlte sich von ihm abgelenkt. Sie befolgte so gut es ging die Anweisungen des Herrn Pflug, und als die Stunde vorbei war, war sie sichtlich erleichtert.

Tina nahm Hera am Halfter und lief noch ein Stück neben Herrn Pflug her. Sie unterhielten sich über den Zuschauer. Herr Pflug versprach ihr, mit dem Mann zu reden, der dort in Seelenruhe am Gatter seine Pfeife rauchte.

Am nächsten Tag konnte Tina wirklich ihre Reitstunden allein verbringen. Sie fühlte sich sicher und Herr Pflug war voll des Lobes an sie. Doch kaum hatte sie den Reitplatz verlassen, tauchte der Fremde mit seiner Pfeife hinter den Pferdeställen auf, als hätte er nur auf sie gewartet. Tina bedankte sich bei ihm, denn Zuschauer würden sie nervös machen.

Oh, das täte ihm aber leid, meinte er mit einem Blinzeln. Sie machte sich sogleich davon, doch lange war sie ihn nicht los, denn bei der anschließenden Planwagenfahrt setzte er sich ihr genau gegenüber. Es war ja auch ungewöhnlich, dass ein Alleinstehender mittelalterlicher Herr im weißen Anzug mit Hut sich auf einem Bauernhof aufhielt, wo in erster Linie Gäste mit Kindern untergebracht waren.

Tina konnte sich so richtig keinen Reim darauf machen, was dieser Typ hier eigentlich wollte.

Der Planwagen hielt am Ende eines Wirtschaftsweges an. Der Herr im weißen Anzug hatte sich Tina als „Kai Böhme“ vorgestellt. Er schaute sie mit durchdringenden Augen an. Sie wusste nicht warum, aber dieser Mann gefiel ihr immer noch nicht, auch wenn er sich ihr jetzt vorgestellt hatte.
Der Landwirt ließ alle Gäste aus dem Planwagen aussteigen und zeigte ihnen ein Spiel, das sie alle noch nicht kannten, welches hier im Oldenburger Land Tradition war. Es nannte sich Bosseln. Es wurden Kugeln über den Wirtschaftsweg gerollt Für den Gewinner gab es eine Flasche Wein aus dem eigenen Weinkeller des Hauses.

Tina ärgerte sich darüber, überhaupt mitgefahren zu sein. Lieber hätte sie den ganzen Tag mit ihrer Stute verbracht, als diesen langweiligen Kugeln hinterher zu laufen. Doch nun war es zu spät sich von der Truppe zu entfernen. Sie alberte etwas mit den Kindern der Feriengäste herum, damit Kai Böhme ihr nicht so nahe auf die Pelle rücken konnte. Seltsamerweise gewann Tina an diesem Tag den Eindruck, als wenn Kai Böhme nicht so sehr daran interessiert war sie kennen zu lernen, wie sie anfangs dachte. Er hatte sich an einen Baum gelehnt, besah sich das Treiben um ihn her und machte sich hin und wieder einige Notizen. - Er könnte ein Schriftsteller sein - dachte Tina sich und der Gedanke tröstete sie wieder. Dann wäre seine Neugierde verständlich. Obwohl sie immer noch den Eindruck hatte, dass er sie nicht aus den Augen ließ.

***

Kai Böhme machte sich inzwischen einige Notizen. Alle Angaben, die bereits auf seinem Blatt standen betrafen Tina. Er besaß schon eine Menge Notizen über sie. Inzwischen wurde es ihm langweilig immer nur dieses *ädchen zu beobachten. Er spürte, dass sie ihm misstraute. Doch sein Auftraggeber, ein Mann aus Amerika wollte diese Person von ihm beschattet wissen. Er *öchte über alles genauestens informiert sein. - Tut mir leid, *ädchen - dachte er bei sich - Ich hätte dir das gerne erspart -


Tina Kettler – 17 Jahre – 1,70 * groß
---24.06. 18.36 Uhr verlässt Beobachtungsobjekt den
Planwagen des Landwirts Peine.
Es wird eine Diskothek besichtigt, die in
einer Scheune untergebracht ist.
Der Besucher erhält auf Wunsch ein
Bier. BO trinkt einen Apfelsaft. ---

So die Eintragung von Kai Böhme noch am gleichen Abend.

***

Tina schaute sich die Disko an. Alles lag hier so weit auseinander. Selbst mit dem Fahrrad wäre ihr der Weg dorthin zu *ühsam. Bauer Peine erklärte sich bereit, seine Gäste zu den Öffnungszeiten der Disko dort abends hinzufahren. - Das wäre doch mal was! - dachte Tina. Sie hatte nur an bestimmten Tagen der Woche geöffnet. Ausgerechnet heute nur zur Besichtigung der Gäste. Doch morgen, morgen wäre eine Band dort.
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