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  Gedichte  -  Hermann Hesse 1877-1962 Dichter Schriftsteller
Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 17:12  Neue Antwort erstellen
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Hermann Hesse 1877-1962 Dichter Schriftsteller
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Euer Leben hat genausoviel Sinn,
als ihr selbst ihm zu geben vermöget.
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BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 17:12  Neue Antwort erstellen
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Hermann Hesse 1877-1962 Dichter Schriftsteller
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Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 17:13  Neue Antwort erstellen
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*ärzsonne

Trunken von früher Glut
Taumelt ein gelber Falter.
Sitzend am Fenster ruht
Schläfrig gebückt ein Alter.

Singend durchs Frühlingslaub
Ist er eins ausgezogen.
So vieler Straßen Staub
hat sein Haar überflogen.

Zwar der blühende Baum
Und die Falter, die gelben
Scheinen gealtert kaum,
Scheinen heut noch dieselben.

Doch es sind Farbe und Duft
Dünner geworden und leerer,
Kühler das Licht und die Luft
Strenger zu atmen und schwerer.

Frühling summt bienenleis
Seine Gesänge, die holden.
Himmel schwingt blau und weiß,
Falter entflattern golden.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 17:14  Neue Antwort erstellen
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Regenbogengedicht,
Zauber aus sterbendem Licht,
Glück wie Musik zerronnen,
Schmerz im Madonnengesicht,
Das eins bittere Wonne...

Blüten vom Sturm gefegt,
Kränze auf Gräber gelegt,
Heiterkeit ohne Dauer,
Stern, der ins Dunkel fällt.
Schleier von Schönheit und Trauer
Über dem Abgrund der Welt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 17:15  Neue Antwort erstellen
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Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

Dort ist alles, was du brauchst,
Sonne Stern und Mond,
Denn das Licht, wonach du frugst,
In dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht
In den Bücherein,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt -
Denn nun ist sie dein.
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Ann
BeitragVerfasst am: 14.09.2004, 17:16  Neue Antwort erstellen
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Die Stunde

Es war noch Zeit; ich konnte gehn,
Und alles wäre ungeschehn,
Und alles wäre rein und klar,
Wie es vor jenem Tage war!

Es mußte sein. Die Stunde kam,
Die kurze, schwüle, und sie nahm
Unwandelbar mit jähem Schritt
Den ganzen Glanz der Jugend mit.
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Ann
BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 21:07  Neue Antwort erstellen
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Frühlingsnacht

Im Kastanienbaum der Wind
Reckt verschlafen sein Gefieder,
An den spitzen Dächern rinnt
Dämmerung und Mondschein nieder.

Alle Brunnen rauschen kühl
Vor sich hin verworrene Sagen,
Zehnuhrglocken im Gestühl
Rüsten feierlich zum Schlagen.

In den Gärten unbelauscht
Schlummern mondbeglänzte Bäume,
Durch die runden Kronen rauscht
Tief das Atmen schöner Träume.


Zögernd leg ich aus der Hand
Meine warmgespielte Geige,
Staune weit ins blaue Land,
Träume, sehne mich und schweige.
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Ann
BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 21:08  Neue Antwort erstellen
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Glück

Solang du nach dem Glücke jagst,
Bist du nicht reif zum glücklich sein
Und währe alles Liebste dein.

Solange du nach Verlorenem klagst
Und Ziele hast und rastlos bist,
Weißt du noch nicht, was Friede ist.

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
Nicht Ziele mehr, noch Begehren kennst,
Das Glück nicht mehr mit Namen nennst,

Dann reicht dir des Geschehens Flut
Nicht mehr ans Herz - und deine Seele ruht
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Ann
BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 21:10  Neue Antwort erstellen
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Voll Blüten

Voll Blüten steht der Pfirsichbaum,
Nicht jede wird zur Frucht,
Sie schimmern hell wie Rosenschaum
Durch Blau und Wolkenfrucht.

Wie Blüten geht Gedanken auf,
Hundert an jedem Tag -
Laß blühen! laß dem Ding den Lauf!
Frag nicht nach dem Ertrag!

Es muß auch Spiel und Unschuld sein
Und Blütenüberfluß,
Sonst wär die Welt uns viel zu klein
Und Leben kein Genuß.
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Ann
BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 21:11  Neue Antwort erstellen
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Wie eine Welle

Wie eine Welle, die vom Schaum gekränzt
Aus blauer Flut sich voll Verlangen reckt
Und *üd und schön im großen Meer verglänzt -

Wie eine Wolke, die im leisen Wind
Hinsegelnd aller Pilger Sehnsucht weckt
Und blaß und silbern in den Tag verrinnt -

Und wie ein Lied am heißen Straßenrand
Fremdtönig klingt mit wunderlichem Reim
Und dir das Herz entführt weit über Land -

So weht mein Leben flüchtig durch die Zeit,
Ist bald vertönt und *ündet doch geheim
Ins Reich der Sehnsucht und der Ewigkeit
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2006, 19:11  Neue Antwort erstellen
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Weil ich dich liebe

Weil ich dich liebe, bin ich des Nachts
So wild und flüsternd zu dir gekommen,
Und dass du mich nimmer vergessen kannst,
Hab ich deine Seele mitgenommen.

Sie ist nun bei mir und gehört mir ganz
Im Guten und auch im Bösen;
Von meiner wilden, brennenden Liebe
Kann dich kein Engel erlösen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 28.02.2008, 20:29  Neue Antwort erstellen
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Der Duft der Rose


Der Duft der Rose nimmt dich
in einen süßen Bann
rührt Dich liebkosend leise
wie eine Liederweise
mit Ahnung voller Schönheit an;
ist ohne Gleichnis rein und zart:
Du kannst es nicht ermessen,
fühlst nur ein süß Vergessen
und eine süße Gegenwart.
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Ann
BeitragVerfasst am: 26.03.2008, 20:40  Neue Antwort erstellen
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Prosa

Auf einen Dichter


Ihm macht das Verseschreiben kein Vergnügen,
Mit dem wir Schüler uns so gerne plagen.
Auch er genoß zwar einst in Jugendtagen
Das *ühvoll-süße Spiel in vollen Zügen.
Nein, diese schöne Kunst der Silbenmaße,
Des Reims, des Odenbaus, der Versverschränkung
Lockt ihn nicht mehr zu übender Versenkung,
Zu glatt scheint ihm auf diesem Weg erreichbar
Das Schöne, sei es auch mit tausend *ühen.
Er weiß von Zaubern, die verborgner blühen,
Von Wirkungen geheim und unvergleichbar.

So schlicht, unfeierlich und fast alltäglich
Geht seine Prosa! Sie ihm nachzuschreiben
Scheint Kinderspiel, doch laß es lieber bleiben.
Denn schaust du näher hin, so wird unsäglich,
Was harmlos einfach schien, aus Nichtigkeiten
Wird eine Welt, aus Atem Melodien,
Die scheinbar zwecklos und vergnüglich gleiten,
Doch sich auf andre mahnen rückbeziehen
Und neue, nie erwartete vorbereiten.
Am Ende wird ein Schriftsatz seiner Feder,
Den wir zuerst so leichthin überlasen,
Zur Felsenlandschaft mit Vokal-Oasen,
Aus einem Silbenfall rauscht Wind und Zeder,
Ein Mondstrahl läßt voll Silber Golfe blinken,
Ein Beistrich öffnet Wald- und Gartenpfade,
Wie buhlerisch scheint eine Assonanz zu winken,
Ein Fragezeichen wirkt wie Glück und Gnade.

Wie er es macht, wie er aus diesen simplen
Worten des Tages ohne Zwang und Spreizen
Dichtwerke zaubert voll von tiefen Reizen
Und Silben tanzen läßt gleich wehenden Wimpeln,
Dies, Freunde, werden wir nie ganz verstehen.
Uns sei genug, mit Ehrfurcht zuzusehen,
So wie wir aufs Gebirg und auf die blauen
Falter am Bach und auf die Blumen schauen,
Die auch, so scheint es, sich von selbst verstehen,
Doch Wunder sind für Augen, welche sehen.
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rita
BeitragVerfasst am: 08.04.2008, 17:23  Neue Antwort erstellen
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Gartenmeister(in)
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Anmeldungsdatum: 14.10.2007
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Landstreicherherberge

Wie fremd und wunderlich das ist ,
daß immerfort in jener Nacht
der leise Brunnen weiterfließt ,
vom Ahornschatten kühl bewacht .

Und immer wieder wie ein Duft
der Mondschein auf den Giebeln liegt
und durch die kühle , dunkle Luft
die leichte Schar der Wolken fliegt !

Das alles steht und hat Bestand ,
wir aber ruhen eine Nacht
und gehen weiter über Land ,
wird uns von niemand nachgedacht .

Und dann vielleicht nach manchem Jahr ,
fällt uns im Traum der Brunnen ein
und Tor und Giebel , wie es war
und jetzt noch und noch lang wird sein .

Wie Heimatahnung glänzt es her
und war doch nur zu kurzer Rast
ein fremdes Dach dem fremden Gast ,
er weiß nicht Stadt , nicht Namen mehr .

Wie fremd und wunderlich das ist ,
daß immerfort in jeder Nacht
der leise Brunnen weiterfließt ,
vom Ahornschatten kühl bewacht !

Am 2. 7. 2002 wäre Hermann Hesse 125 alt geworden


Zuletzt bearbeitet von rita am 08.08.2008, 19:14, insgesamt einmal bearbeitet
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rita
BeitragVerfasst am: 08.04.2008, 17:25  Neue Antwort erstellen
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Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Es ist immer derselbe Traum
ein rotblühender Kastanienbaum ,
ein Garten voll von Sonnenflor ,
einsam ein altes Haus davor .

Dort wo der stille Garten liegt ,
hat meine Mutter mich gewiegt ;
vielleicht - es ist so lange her -
steht Garten , Haus und Baum nicht mehr .

Vielleicht geht jetzt ein Wiesenweg
und Pflug und Egge drüber weg ,
von Heimat , Garten , Haus und Baum
ist nichts geblieben als mein Traum .
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