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  Gedichte  -  Ottokar Kernstock 1848-1928 österr. Dichter
Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2007, 20:22  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Ottokar Kernstock 1848-1928 österr. Dichter
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Geh' an die Sonne

*ädel, wo hast du die Tränen her
Und die verblichenen Wangen?
Maienblüte, was blühst du nicht mehr,
Da noch dein Mai nicht zergangen?
Aber ich glaub's, da´du elend wirst
Mitten in lenziger Wonne -
*ädel, su stehst im Schatten und frierst!
*ädel, geh' an die Sonne!

Kindern des Lichts wird in Ewigkeit nicht
Dunkel und Dämmerung taugen.
Und du hast ja zwei Wänglein licht,
Hast zwei leuchtende Augen
Und zwei Flechten, die strahlender sind
Als eine goldene Krone -
*ädel, du bist ein Sonnenkind!
*ädel, geh' an die Sonne!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 26.03.2008, 19:56, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2007, 20:29  Neue Antwort erstellen
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Ottokar Kernstock 1848-1928 österr. Dichter
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In der Christnacht

Ein Bettelkind schleicht durch die Gassen -
Der Markt läßt seine Wunder seh'n:
Lichtbäumchen, Spielzeug, bunte Massen.
Das Kind blieb traumverloren steh'n.

Aufseufzt die Brust, die leidgepreßte,
Die Wimpern sinken tränenschwer.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste -
Ich weiß kein Leid, das tiefer wär'.

Im Prunksaal gleißt beim Kerzenscheine
Der Gaben köstliches Gemisch,
Und eine reichgeputzte Kleinde
Streicht gähnend um den Weihnachtstisch.

Das Schönste hat sie längst, das Beste,
Ihr Herz ist satt und wünscht nichts mehr.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste -
Ich weiß kein Leid, das tiefer wär'.

Doch gält's in Wahrheit zu entscheiden,
Wer des Erbarmens Preis verdient -
Ich spräch': Das ärmste von euch beiden
Bist du, du armes reiches Kind!
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2007, 20:31  Neue Antwort erstellen
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Ottokar Kernstock 1848-1928 österr. Dichter
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Im Dichterheim

Es wanderten durch den rauschenden Tann
Drei *ädel, flink wie die Wiesel,
Den Bergpfad zur ragenden Feste hinan
Die Ilse, die Gretel, die Lisel.
Sie rasteten unter dem Lindengeäst,
Durchs Burgtor sind sie gezogen.
Sie fanden des Singvogels heimliches Nest,
Doch der Sänger war ausgeflogen.

Ihr lieblichen Wanderer macht euch nichts draus,
Weil heute im Hause ich fehle!
In meinen Liedern bin ich zu Haus,
Im Sange wohnt meine Seele.

Dort habt ihr manch trauliches Stündlein geweilt
Beim Dichter, dem Bringer des Schönen.
Habt Wonne und Wehmut mit mir geteilt,
Mein Lächeln und meine Tränen.

Ergründet habt ihr mein innerstes Sein
Und meine Sendung gesegnet -
So wurde ich euer, so wurdet ihr mein,
Obgleich wir uns niemals begegnet.

Und kommt jetzt das Herbsten und kommt das Verblüh'n,
Ich weiß doch, trotz Blättergeriesel
Bleibt mir ein herziges Kleeblatt grün:
Die Ilse, die Gretel, die Lisel.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2007, 20:33  Neue Antwort erstellen
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Die gerettete Blume

Auf staubiger Ackerkrume
Stand frierend im kalten Wind
Eine schöne seltsame Blume,
Verwaist wie ein mutterlos Kind.

Du hülltest voller Erbarmen
In warme Liebe sie ein,
Du wurdest die Mutter der Armen,
Ihr Tau und ihr Sonnenschein.

Und täglich entfaltet freier
Sich ihre verborgene Zier,
Und täglich erblühte ein neuer
Bezaubernder Reiz an ihr...

So oft ich der Blume, der schlanken,
In die leuchtenden Augen schau'
*öcht' tausendmal ich dir danken,
Du liebe, barmherzige Frau.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2007, 20:36  Neue Antwort erstellen
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Der Hexenwald

"Bleib, Friedel!" fleht' Wildmeisters Gret',
"Im Wald haust eine Hex'.
Was im Geäst sich blicken läßt,
Versteinert oder wurzelt fest
Im Grund wie ein Waldgewächs."
"Komm' mit, komm' mit und fürcht' dich nit!"
Sprach kosend der Garzun, .
"Im Wald, lieb Kind, da ruht sich's lind.
Zwei'n, die in Treu'n verbunden sind,
Kann keine Hexe was tun."

"O Schau und glaub'! Schon grinst durchs Laub
Das Hirschgespenst aus Stein.
Und das Gerank', wie Birken blank,
Die Körper sind es, weiß und schlank,
Verwunschener Waldfräulein.

Den Weidmann und den Stöberhund,
Gebannt in Strunk und Strauch,
Des Ritters Leib dort in der Eib'
Verhext hat Sie das Zauberweib.
Fort! Sonst verhext sie uns auch."

Der Knab' umschlang das *ägdlein bang -
Da kam die Zauberei:
Es standen stumm, die Welt ringsum
Vergessend, im Waldheiligtum
Wie angewurzelt die zwei.
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2007, 20:39  Neue Antwort erstellen
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Rat

Umschwärmen lose Falter schmeichelnd
Die Blume deines Angesichts
Und heischen Liebe sehnsuchtheuchelnd -
Verweig're alles, schenke nichts!
Doch senkt ein Aug' in heißem Flehen
Sich in das deine stummberedt
Und fühlst du's durch die Seele wehen
Wie Jauchzen halb, halb wie Gebet,

Und bleicht der Glanz des Sonnenballes
Vorm Leuchten jenes Augenlichts -
Dann gib dem einen freudig alles
Und achte alles, Kind, für nichts!
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Ann
BeitragVerfasst am: 23.07.2007, 20:44  Neue Antwort erstellen
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Unvergessen

Nicht vergessen soll ich deiner?
Sag, wie könnte das gescheh'n
Dich vergißt im Leben keiner,
Der dich einmal nur geseh'n.
Als du jüngst in Festgewanden
Durch den hohen Saal gewallt,
War's, als kä*' aus Feenlanden
Elfe *ärchens Huldgestalt.

Nachts im Traume seh' ich wieder
Deine Kinderwangen glüh'n,
Seh' im Schatten deiner Lider
Zärtliche Blauveilchen blüh'n,

Seh' ums Haupt die Flatterhärchen
Spinnen einen Heiligenschein -
Holdes *ädchen, holdes *ärchen,
Ewig nie vergess' ich dein.
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