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  Gedichte  -  Karl Henckell 1864-1929 deutscher Lyriker Schriftsteller
Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:28  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Karl Henckell 1864-1929 deutscher Lyriker Schriftsteller
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Harter Traum

Ein harter Traum:
Du warst mir fast entschwunden,
Am schwefelgelben Himmelssaum
Sah ich dein wirres Haupthaar kaum,
Sturmentbunden,
Wahnsinnflatternd . . .

Einmal noch wandtest du
– Grell brach der Wolken Licht –
Rückwärts dein fahl Gesicht,
Doch mich erkanntest du
Flüchtige nicht.

Und es war, wie wenn weit aus der Nacht eine jammernde Seele riefe . . .

Eine einzige, liebe Locke warf
Mir der Wirbelsturm zu mit hohnlachendem Stoß
Durch den fremden, verödeten Raum.
Sie sucht' ich zu fassen – messerscharf
Schnitt die Luft in dem Traum –
Und stürzte nur, stürzte nur gnadelos
In einsam todeisige Tiefe . . .
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:29  Neue Antwort erstellen
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Heimliches Licht

Wie wir suchen, wo wir wandern
Den geheimnisvollen Gang,
Stets vom einen zu dem andern
Schwebt es leise den Weg entlang.

Zu dem *üden schwebt es und gleitet
Von dem Starken her und hin,
Bis sein Haupt er hebt und schreitet
Wieder fort mit kühnem Sinn.

Will der Mutige verzagen,
Kommt vom andern schon das Licht,
Fern versinken graue Klagen,
Silbern steigt die Zuversicht . . .

Lichtlein, das herüberzittert,
Flämmchen, das hinübereilt,
Brennst zunichte, was verbittert,
Fachest an, was stärkt und heilt.

Auf der Liebe Zaubergleisen
Spielt das Leben hin und her –
Flamme, bleib uns hold: wir reisen
Heil hindurch zum ewigen Meer.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:30  Neue Antwort erstellen
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Heimweg am Fluß

Welle, eilst du mir voraus,
Trage diesen Gruß nach Haus!
Liebe, die mit mir gelitten,
Folgt in Freude meinen Schritten,
Schaut erwartend nach mir aus –
Welle, eile rasch voraus!

Welle, vieles zog vorbei,
Unsern Bund brach nichts entzwei.
Sonne, Wolke, Sturm und Segen
Lag auf unsern Wanderwegen,
Kampf und Qual auch macht' uns frei –
Welle, vieles zog vorbei.

Welle, wirbelst so dahin,
Kennst gewiß auch meinen Sinn.
Mocht' es dir denn leicht gelingen,
Dich in steten Strom zu bringen?
Weißt, wie ich verwandt dir bin?
Welle, wirbelst so dahin.

Welle, alles Leben braust.
Glück ist, wo Verständnis haust.
Blieb der Kleinsinn fern dem Herde,
Lohnt sich's, daß du auf der Erde
Dir gemeinsam Hütten baust –
Welle, alles Leben braust.

Welle, strömst dem Meere zu –
Trage beide Seelen du!
Daß wir unser Wesen breiten
Aus den Engen in die Weiten.
Gib uns in der Tiefe Ruh –
Welle, strömst dem Meere zu.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:31  Neue Antwort erstellen
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Sternenbitte

Wenn dich des Schicksals scharfer Wind mir raubte,
Bevor mein eignes Los sich hier erfüllt,
Du Liebe, Gute, die an mich noch glaubte,
Als Nacht und Schatten meinen Pfad umhüllt . . .

Wenn mich dein süßes Licht verlassen *üßte,
Das mich begleitet im Verborgnen treu
Bis an der Weltverzweiflung öde Küste
Und losch nicht aus in irrgewordner Scheu . . .

Noch halt ich dich in heiliger Sternenstunde,
An meinem Herzen schlägt dein Herz so heiß –
Ihr Sternengeister, seid mit mir im Bunde
Und segnet sie, die mich zu segnen weiß!
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:32  Neue Antwort erstellen
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Vision im Reif

Wie zeichnet das Gestrüpp des Winterwalds
Im zarten Reif so fein sich einzeln aus
Und läßt mich durch den Mittag Wandelnden
Verrankter Zweige Zierat klar erschaun!
Es ist nicht Wirrnis mehr, es ist wie Bild
Der Wirrnis hinter wunderbarem Glas,
Das diese Welt im Urstand läßt und doch
Zur lichten Schau das Wildverschlungne schlichtet.
Mit meinem festen alten Wanderstab
Berühr' ich säumend einen weißen Ast,
Und wie ich stäubend seine Reiflast streife,
Daß puderleicht sich die Kristalle sondern
Und niederflocken aufs gefrorne Moos,
Fällt blitzend ein verstärkter Sonnenstrahl
Auf allen Wald, und zauberschimmernd blühn
Vor meinem Blick gelöste Labyrinthe . . .

Plötzlich, wie traumgespiegelt, schau ich tief,
Doch nah, vom Wasserfall, der schäumend stürzt,
Da drüben eines Jünglings jähen Schritt
Durchs Dickicht stürmisch suchen seinen Pfad.
In seinen Augen glüht ein hoher Wahn,
Der Sehnsucht wilder Brand in seinem Blute
Malt sich im ungestümen Muskelspiel,
Das gierig, grausam unbefriedigt zuckt.
Der kecke Waghals weiß nicht ein noch aus
Mit seinem Willen, seinem Wege mehr,
Das Dickicht schließt ihn undurchdringlich ein.
Umklammert ist er von Gespensterarmen
Verworrner Äste, die ihn niederziehn,
Und wie er blindlings rast, sich zu befrein,
Ihn straucheln lassen höhnisch, fratzenhaft,
In Sumpf und Schlick, das er vor Kräftetaumel
Und tollem Durchbruchsfieber nicht gesehn,
In Schlick und Schlamm und trichtertiefen Tod
Des gähnenden, erstickenden Morastes . . .
Ein Schleier hüllt den Gleitenden. – Verwischt,
Verhaucht des Schemens wirrer Schicksalsweg.

Rings zeichnet das Gestrüpp des Winterwalds
Im zarten Reif so fein sich einzeln aus
Und läßt mich durch den Mittag Wandelnden
Aufatmend in kristallne Helle schaun.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:33  Neue Antwort erstellen
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Weiter!

Wer rastet, der rostet.
Wie lieb' ich das Wort!
Es treibt durch die Weiten
Des Lebens mich fort.
Nicht kann mir genügen,
Was je ich erfuhr,
Zu ferneren Flügen
Erwittr' ich die Spur.
Ihr habt mich im Kampfe
Der Tage gesehn,
Es klärt sich vom Dampfe,
Staubwolken verwehn.
Streitlieder verschallen
Der stürmischen Zeit,
Zornwaffen zerfallen,
Der Walstatt geweiht.
Doch drinnen die Welle
Des Blutes, sie kreist,
Von Zelle zu Zelle
Mit Wachstum gespeist.
Die Schale zum Plunder,
Die Kernfrucht zum Licht:
O Leben, du Wunder,
Ich lasse dich nicht!
Du segnest denn heute
Mich *ächtig wie je,
Daß meine erneute
Gebärung gescheh'.
Es soll mich erfüllen
Mit suchender Lust,
Mein Wesen enthüllen,
Wie kaum ich's gewußt.
Es soll mich durchglühen
Mit sehnendem Brand,
Mein Herz will erblühen
Fürs heilige Land . . .
Das immer den Tiefen
Enttaucht über Nacht,
Wenn Stimmen drum riefen
Aus innerster Macht. –
Wer wagt, der gewinnt,
Wie lieb' ich das Wort!
Es treibt durch die Weiten
Der Seele mich fort.
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BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:34  Neue Antwort erstellen
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Verzicht und Erhebung
1
Lautlos schweben die Flocken,
*öwen schwinden im Fluß . . .
Seele, schwer erschrocken,
Gib dich dem schweigenden Muß!

Was soll dein versagendes Ringen
Mit allem, was ruchlos dich quält?
Schleppst die geplünderten Schwingen
*ühsam weiter und klammerst
Dich an schwaches Geröll, höhnisch vom Schicksal geschmält.

Opfre die blutenden Stunden,
Seele, verborgnem Verzicht!
Riesele, Schnee, auf die Wunden,
Mit deinem weißen Bahrtuch
Hülle, verhülle sie dicht!

2
Verblutet am Wege? Die Schwingen zerschossen?
Sei Schicksal, Mensch! Schaffe die Flügel dir nach!
Erhebe dich über dich! Blut ist geflossen,
So speise dich frisch aus ursprünglichem Bach!

So tränke dich neu aus unendlichem Borne,
So stähle die Schwingen dir jenseits der Zeit
Und presse sie fest in aufhämmerndem Zorne,
Vom Erzengel Michael selber gefeit!

Daß je du ermattest, sei niedrige *äre,
Vom Maul des Vernichters geheult in dein Ohr!
Kriegt Schicksal dich unter? Erschüttre die Sphäre
Mit Schöpfergewalt – und wirf dich empor!
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:35  Neue Antwort erstellen
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Schicksalswahl

Das bleibt wie von Anfang so heute:
Ob den eigenen Weidgang du wagst
Oder ob du im Troß mit der Meute
Nach wohlfeiler Beute jagst.

Hast ein seltenes Wild dir erkoren,
Das stellt sich dir selbst nur allein,
Und gehst du beim Werke verloren,
Der Wunsch und die Fährte war dein.

Und legen sie Fallstrick und Schlingen
Dir hämisch ums herrliche Spiel,
Du lächelst: wenn je sie dich fingen,
Im Sturz noch triffst du dein Ziel.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:36  Neue Antwort erstellen
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Leben

Leben, was glotzt du mich grausig an,
Wie'n Wolfsrudel, das mich zerreißen kann?

Schleichst gar gefährlich um mich herum –
Ein Fehltritt. Fressen fürs Publikum!

Ob ich vor dir zu straucheln mich hüte!
Hast Zähne von ausgezeichneter Güte.

Wie hold dein Gebiß! Wie zart deine Krallen!
Man *öchte dir gleich vor die Füße fallen.

Gelt, so 'nen harmlosen Träumer packt
Man im Umdrehn? Der wird von den Geiern zerhackt.

Leben, du süßes Rudel – ich denke,
Man achtet ein wenig auf seine Gelenke . . .
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:37  Neue Antwort erstellen
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Geh in die Sonne

Nehmen's die Krämer und *äkler dir krumm –
Geh in die Sonne, scher dich nicht drum!

Sonne mit goldig erwärmendem Licht
Gibt dir vom Leben und marktet nicht.

Gütig und milde voll herrlicher Macht,
Schüttet sie über dich Schimmer und Pracht.

Würdest du Krösus und Kaiser zumal,
Küßte dich *ütterlich segnend ihr Strahl!

Die dich mit lachenden Lippen berührt,
Hat sie dein liebendes Leben verspürt?

Über die Maßen beglückt ihre Huld,
Jeglichem Schenkenden schenkt sie die Schuld.

Pfiffige Schächer, mit Großmut verbrämt,
Geht aus der Sonne, wenn ihr euch schämt!
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:38  Neue Antwort erstellen
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Zuflucht der Seele

Seltene Wollust sog ich aus jenen Gefühlen,
Die den Täuschern der Worte verschlossen sind –
Meine Seele barg sich in stillen Asylen,
Fern dem tauben Schall und dem hohlen Wind.

Ach, aus Bitternissen des Lebens quollen
Süße Zufluchtstunden der Dämmerung,
Land der scheinenden Lüge lag verschollen,
Und es kam wie Wonne der Heiligung.

Alles Leid der tiefer erschlossenen Dinge,
Alles lösende Lachen der letzten Macht,
Alles leise Schweben auf ewiger Schwinge
Jenseits mutzermalmender Niedertracht –

Was wie Schluchzen an quellenden Mutterbrüsten,
Was wie Jauchzen der siegenden Liebe war,
Wo die Seelen heimlich-erhaben sich küßten
Vor dem unverletzlichen Brautaltar . . .
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:38  Neue Antwort erstellen
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Glück

Doch was ist Glück? Es ist nicht dein Behagen,
Es ist der Quell, den du aus Stein geschlagen,
Der Blitz, der feurig in die Dürre fährt,
Das Licht, das liebend deinen Kampf verklärt.

O feige Qual, wenn, meines Werts vergessen,
Ich nicht mehr wäge, was mir zugemessen,
Wenn ich, verlangend nach gemeinem Lohn,
Mit Marktgut tausche meinen Königstron!

Vom Seelengrunde fühl ich's grollend steigen,
Es läßt nicht Ruh mir, wenn die Stunden schweigen,
Nachts aus dem Schlummer schreckt es mich empor:
»Du bist ein Bettler, der ein Reich verlor!«
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:39  Neue Antwort erstellen
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Lebensbrot

Gib es nicht den Vielen,
Sie verstehend selten:
Flug zu feinsten Zielen
Lassen sie nicht gelten.

Plump ins Auge springen
Muß, wozu sie drängen,
An den Außendingen
Bleibt ihr Wille hängen.

Messen alle Gabe
Nur nach ihrem Geiste,
Wähnen, alles trabe
Nur nach ihrem Leiste.

*ögen's nie erfassen,
Daß die Himmelskronen
Sich erringen lassen
Nur durch Höllenzonen.

Daß ein köstlich Winken,
Süß wie Frauenkosen,
Mild wie Sternenblinken,
Liegt im Absichtslosen.

Daß die tiefen Nornen
Höchstes ihm erlosen,
Dem aus schwarzen Dornen
Blühen weiße Rosen.

Daß zum seligen Grale
Führen mystische Weisen,
Aus der Schmerzensschale
Lebensbrot zu speisen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:41  Neue Antwort erstellen
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Mutbringer
»Der Menge Spott hab' ich beherzt verachtet.«
Schiller


Wie trägt in lebensschweren Stunden,
Wenn sich erschöpft der Mut verlor
Und frisch es rinnt aus tiefen Wunden,
Der Großen Inschrift mich empor!

Erschüttert bis zum Grund der Seele
Vom rohen Metzgerstoß der Zeit,
All mein Vertrauen ich befehle
Den Geistern, die ihr Mut geweiht.

Die, wenn die Sterne rings verglommen
Und jeder Hoffnungsstrahl entschwand,
Mit der Verzweiflung Kraft geschwommen
Entgegen dem verhüllten Strand.

Hoch haben sie emporgehalten
Mit grimmer Faust ihr leuchtend Gut,
Trotz bietend allen Truggewalten
Von Pöbel und Tyrannenwut.

Da steigt aus sternengoldnen Tiefen
Die Zuversicht, die nie vergeht,
In Worten mußten sie's verbriefen,
Durch die der Hauch des Ewigen weht.

Darin der Geist in Lichtgesängen
Durch finstre Gründe grollend schweift,
Ein Adler, der mit kühnen Fängen
In Gottes Heldenharfe greift.

Dann spür' ich, wie es leise stählend
Durch meine tiefsten Adern rinnt,
Bis, ruhig sich der Kraft vermählend,
Mein Geist den sichern Grund gewinnt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 15.08.2007, 18:42  Neue Antwort erstellen
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Der Kreuzfahrer

Was schreckt mich aus wachem Traume?
Der Mond wächst glutend herauf.
Die Wellen mit salzigem Schaume
Bespritzen des Schwertes Knauf.

Wo ist das Häuflein verschwunden,
Das ich zu Siegen geführt?
Flucht und Verrat! – Meiner Wunden
Hab ich ein Brennen verspürt.

In blanken Schildes Mitten
Wie Blutschrift schreibt es sich hin:
»Viel Schmach hast du erlitten,
Vertrauensseliger Sinn!«

Mein Heiland, dir bohrten sie Nägel
Durch deine versöhnende Hand –
Wind, sause stark in die Segel,
Ich will zum Gelobten Land!
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