Das Orthogravieh

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  Gedichte  -  Karoline von Gründerrode
Ann
BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:47  Neue Antwort erstellen
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[Liebst du das Dunkel]

Liebst du das Dunkel
Thauigter Nächte
Graut dir der Morgen
Starst du ins Spatroth
Seufzest beym Mahle
Stösest den Becher
Weg von den Lippen
Liebst du nicht Jagdlust
Reizet dich Ruhm nicht
Schlachtengetümmel
Welken dir Blumen
Schneller am Busen
Als sie sonst welkten
Drängt sich das Blut dir
Pochend zum Herzen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:48  Neue Antwort erstellen
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Schicksal und Bestimmung

An Charlotte

Blumen flecht' ich scherzend nicht für dich zum Kranze,
Und mein Rhythmus weiht sich nicht zum leichten Tanze,
Von Bestimmung red' er ernste Worte dir.

Hoffend, wünschend, suchst du - doch vernimm die Lehre,
Wenn dem Herzen jeder Wunsch befriedigt wäre,
Ungestillet bleibt das Sehnen deiner Brust.

Keins von allen Gütern dieser weiten Erde,
Keines! dem nicht Schmerz und Reue sei Gefährte,
Ueberall verfolgt die Plagegöttin dich.

Freundschaft, Liebe winken freundlich aus der Ferne,
Wie am Horizonte hell die Brüder Sterne,
Doch das eherne Geschick verschont sie nicht.

Reißt dich fremde Schuld nicht von verbund'nen Herzen,
Ha! so fühlst du's spät, durch tief're Schmerzen,
Eigner Wahn zerriß der Erde schönstes Band.

Drum entsage willig auch dem liebsten Gute,
Daß dein oft getäuschtes Herz nicht schmerzlich blute.
Edlerm Streben spare deines Geistes Kraft.

Folge nur der Pflicht, ob sie am ödsten Strande
Einsam, ungeliebt und unbeweint dich bannte:
Deiner Götter Abkunft Siegel ist sie dir.

Tugend ist das Ziel, nach dem die Millionen
Geister, die den ungemess'nen Raum bewohnen,
Ringen zur Vollendung und zur Göttlichkeit.

Wie Planeten um die Sonn' in ew'gen Kreisen,
Eilen sie auf Millionen Weg' und Weisen
Hin zum Ideale der Vollkommenheit.

Blicke stolz hinauf zum herrlich hohen Ziele,
Dräng' ihm zu, und wankst du, irret auch dein Wille,
Deiner Würd' und Freiheit bleibst du dir bewußt.

Zwar im Kampfe wird noch deine Kraft ermüden,
Schwache Erdentugend gibt dem Geist nicht Frieden,
Dennoch deinem Ideale naht sie dich.

Laß denn immerhin die Göttin Schicksal walten,
Ob sich dunkle Wolken gegen dich auch ballten,
Groß und ruhig siehst du ihrem Gange zu.
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Ann
BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:49  Neue Antwort erstellen
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Der Dom zu Cölln

Ein Fragment

Fünffach wölbt sich die Dekke auf Gruppen gothischer Säulen,
Höher hebt sich der Chor, stolzer getragen empor,
Schön ist das Innre geziert mit Erzen und Marmor und Teppchen
Und ein purpurner Tag bricht durch die farbigen Fenster. -
Aber dort, wo die Dunkelheit dichter sich webt durch die Säulen,
Hauchet ein Modergeruch dumpf aus der Tiefe herauf,
Alda schlafen die Helden der Kirche im hüllenden Sarge
Und ihr Bildniß ruht drauf, sie falten die Hände zum Beten,
Und ihr starrender Blick hat sich zum Himmel gewandt.
Staunend seh ich sie an, mir ist, als *üßten sie reden,
Aber sie starren noch fort, wie sie es Jahrhunderte thaten
Und mich schauert so tief, daß also stumm sind die Todten.
Doch da hebt sich Gesang, und Orgeltöne, sie schweben
Feiernd die Dome hinauf, wo glänzende Heilige beten
Aber es wandlen die Töne sich und in Fitt'che der Engel
Und umrauschten melodisch wogend die heiligen Bilder.
Und zum Himmel verkläret sich alles - Musik, und Farben, und Formen,
Aus dem entzückten Auge verschwinden die Gräber, die Todten,
Und den stummen Grüften entsteiget ein freudiges Jauchzen. -
Ja ich habe die Auferstehung gesehen im Auge des Geistes.
Und das Leben der Kunst, es führte die Seele zum Himmel.
Dichtkunst! Du Seele der Künste, Du die sie alle gebohren,
Du beseelest das Grab, steigest zum Himmel empor.
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Ann
BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:50  Neue Antwort erstellen
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Die Töne

Ihr tiefen Seelen, die im Stoff gefangen,
Nach Lebensodem, nach Befreiung ringt;
Wer löset eure Bande dem Verlangen,
Das gern melodisch aus der Stummheit dringt?
Wer Töne öffnet eurer Kerker Riegel?
Und wer entfesselt eure Aetherflügel?

Einst, da Gewalt den Widerstand berühret,
Zersprang der Töne alte Kerkernacht;
Im weiten Raume hier und da verirret
Entflohen sie, der Stummheit nun erwacht,
Und sie durchwandelten den blauen Bogen
Und jauchzten in den Sturm der wilden Wogen.

Sie schlüpften flüsternd durch der Bäume Wipfel
Und hauchten aus der Nachtigallen Brust,
Mit muthigen Strömen stürzten sie vom Gipfel
Der Felsen sich in wilder Freiheitslust.
Sie rauschten an der Menschen Ohr vorüber,
Er zog sie in sein innerstes hinüber.

Und da er unterm Herzen sie getragen,
Heist er sie wandlen auf der Lüfte Pfad
Und allen den verwandten Seelen sagen,
Wie liebend sie sein Geist gepfleget hat.
Harmonisch schweben sie aus ihrer Wiege
Und wandlen fort und tragen Menschenzüge.
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:52  Neue Antwort erstellen
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Hochroth

Du innig Roth,
Bis an den Tod
Soll meine Lieb Dir gleichen,
Soll nimmer bleichen,
Bis an den Tod,
Du glühend Roth,
Soll sie Dir gleichen.
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:52  Neue Antwort erstellen
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Der Knabe und das Vergismeinnicht

Der Knabe
O Blümelein Vergismeinnicht!
Entzieh Dich meinem Auge nicht.
Ihr, Veilchen! Nelken! Rosen!
Auf euch verweilt der Sonne Licht,
Als wollt es mit euch kosen;
Doch wenn die Sonne tiefer sinkt,
Wenn Nacht die Farben all verschlingt,
Da reden süße Düfte
Von eurem stillen Leben mir
Und die vertrauten Lüfte
Die bringen eure Grüße mir.
Doch ach! Vergismeinnicht, von Dir
Bringt nichts, bringt nichts mir Kunde.
Sag, Blümlein, lebst dem Aug Du nur?
Flieht mit den Farben jede Spur
Mir hin von Deinem Leben?
Hast keine Stimm, die zu mir spricht
Wenn Schatten Dich umgeben?

Vergismeinnicht
Die Stimme, ach Süßer! die hab ich nicht.
Doch trag ich den Namen Vergismeinnicht,
Der, wenn ich auch schweige, dem Herzen spricht.
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:54  Neue Antwort erstellen
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[Einstens lebt ich süßes Leben]

Einstens lebt ich süßes Leben,
denn mir war, als sey ich plötzlich
nur ein duftiges Gewölke.
Über mir war nichts zu schauen
als ein tiefes blaues Meer
und ich schiffte auf den Woogen
dieses Meeres leicht umher.
Lustig in des Himmels Lüften
gaukelt ich den ganzen Tag,
lagerte dann froh und gaukelnd
hin mich um den Rand der Erde,
als sie sich der Sonne Armen
dampfend und voll Gluth entriß,
sich zu baden in nächtlicher Kühle,
sich zu erlaben im Abendwind.
Da umarmte mich die Sonne,
von des Scheidens Weh ergriffen,
und die schönen hellen Strahlen
liebten all und küßten mich.
Farbige Lichter
stiegen hernieder,
hüpfend und spielend,
wiegend auf Lüften
duftige Glieder.
Ihre Gewande
Purpur und Golden
und wie des Feuers
tiefere Gluthen.
Aber sie wurden
blässer und blässer,
bleicher die Wangen,
sterbend die Augen.
Plötzlich verschwanden
mir die Gespielen,
und als ich traurend
nach ihnen blickte,
sah ich den großen
eilenden Schatten,
der sie verfolgte,
sie zu erhaschen.
Tief noch im Westen
sah ich den goldnen
Saum der Gewänder.
Da erhub ich kleine Schwingen,
flatterte bald hie bald dort hin,
freute mich des leichten Lebens,
ruhend in dem klaren Aether.
Sah jetzt in dem heilig tiefen
unnennbaren Raum der Himmel
wunderseltsame Gebilde
und Gestalten sich bewegen.
Ewge Götter
saßen auf Thronen
glänzender Sterne,
schauten einander
seelig und lächelnd.
Tönende Schilde,
klingende Speere
huben gewaltige,
streitende Helden;
Vor ihnen flohen
gewaltige Thiere,
andre umwanden
in breiten Ringen
Erde und Himmel,
selbst sich verfolgend
ewig im Kreise.
Blühend voll Anmuth
unter den Rohen
stand eine Jungfrau,
Alle beherrschend.
Liebliche Kinder
spielten in mitten
giftiger Schlangen. -
Hin zu den Kindern
wollt ich nun flattern,
mit ihnen spielen
und auch der Jungfrau
Sohle dann küssen.
Und es hielt ein tiefes Sehnen
in mir selber mich gefangen.
Und mir war, als hab ich einstens
mich von einem süßen Leibe
los gerissen, und nun blute
erst die Wunde alter Schmerzen.
Und ich wandte mich zur Erde,
wie sie süß im trunknen Schlafe
sich im Arm des Himmels wiegte.
Leis erklungen nun die Sterne,
nicht die schöne Braut zu weken,
und des Himmels Lüfte spielten
leise um die zarte Brust.
Da ward mir, als sey ich entsprungen
dem innersten Leben der Mutter,
und habe getaumelt
in den Räumen des Aethers,
ein irrendes Kind.
Ich mußte weinen,
rinnend in Thränen
sank ich hinab zu dem
Schooße der Mutter.
Farbige Kelche
duftender Blumen
faßten die Thränen,
und ich durchdrang sie,
alle die Kelche,
rieselte Abwärts
hin durch die Blumen,
tiefer und tiefer,
bis zu dem Schooße
hin, der verhüllten
Quelle des Lebens.
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:54  Neue Antwort erstellen
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Des Knaben Morgengruß

Morgenlicht! Morgenlicht!
Scheint mir hell ins Gesicht!
Wenn ich Tag kommen seh,
wird mir leid und weh;
Denn im Grabe liegt
Ein jung *ägdelein;
Des Frühroths Schein
Sieht traurig hinein
In das enge Kämmerlein.
*ögt wekken das Jungfräulein,
Das kann vom Schlaf nicht erstehn,
Morgenlicht nicht sehn;
Drum wenn ich Frühroth kommen seh,
Wird mir leid und weh.
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:55  Neue Antwort erstellen
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Des Knaben Abendgruß

Mitternacht! Mitternacht!
Ich bin erwacht,
Der Mondenschein
Schaut hell herein
In mein Kämmerlein,
Da muß ich traurig sein.
Denn sonst im Mondenschein
War mit mir am Fensterlein
Ein lieblich *ägdelein.
Nun muß ich traurig sein,
Weil jetzt im Mondenschein
Ich bin allein.
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:56  Neue Antwort erstellen
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Liebe und Schönheit

Prometheus hatte nun den Mensch vollendet,
Doch unbeweglich blieb der todte Stoff,
Bis er der Sonne Funken hat entwendet;
(Ein Tropfe, der der Schönheit Meer enttroff)
Doch dieser Funke, er entflammt im Bilde,
In das des Künstlers Weisheit ihn verhüllte.

Von Schönheit ist das Leben ausgegangen,
Doch es vergißt den hohen Ursprung nicht;
Es strebt zu ihm, und Lieb ist dies Verlangen,
Die ewig ringet nach dem Sonnenlicht.
Denn Lieb ist Wunsch, Erinnerung des Schönen,
Die Schönheit schauen will der Liebe Sehnen.

Drum kann die Liebe nimmer selbst sich g'nügen,
Drum ist sie immer reich in ihrem Reich;
Drum sucht sie Schönheit sich ihr anzufügen
Und bettelt ewig vor der Schönheit Reich.
Doch ach! unendlich ist das Reich des Schönen,
So auch unendlich unserer Liebe Sehnen.
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:57  Neue Antwort erstellen
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[Novalis]

[I.]

Wie Thau auch glänzt in Blumenkelch verhüllt,
Sich nährt von seiner Wiege süßen Düften,
Dann leise ihrer Blätter Nacht entschwillt,
Entführet von des Abends freien Lüften,

So strahlend von des ewgen Feuers Bild,
Ein Perlenthau in dunkler Erde Klüften,
Novalis leise ihrem Schoos entquillt;
Gesellt sich zu den freien Himmelslüften.

Sie tragen ihn auf leichtbeschwingten Woogen
Geleiten ihn zu Iris Farbenbogen
Und zu der dunkel glüh'nden Abendröthe.

Er badet sich in ihren heil'gen Fluthen,
Vergehet wonnig mit in ihren Gluthen
Und ernster, heil'ger sieht die Abendröthe.


[II.]

Novalis, deinen heil'gen Seherblikken
Sind aufgeschlossen aller Welten Räume,
Dir offenbahrt sich weihend das Gemeine,
Du schaust es in prophetischem Entzükken.

Du siehst der Dinge zukunftsvolle Keime
Und zu des Weltalls ewigen Geschikken,
Die gern dem Aug der Menschen sich entrükken,
Wirst Du geführt durch ahndungsvolle Träume.

Du siehst das Recht, das Wahre, Schöne siegen,
Die Zeit sich selbst im Ewigen zernichten
Und Eros ruhend sich dem Weltall fügen:

So hat der Weltgeist liebend sich vertrauet
Und offenbahret in Novalis Dichten,
Und wie Narziß in sich verliebt geschauet.
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Ann
BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:58  Neue Antwort erstellen
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Heraklit]

(Fragment)

Ephesos, dem Schlummer hingegeben,
Dehnt sich nächtlich am Panormos hin,
In den Gassen starb das bunte Leben,
Nachtgewölke um den Mond sich ziehn;
In der Sternennacht
Heraklit nur wacht,
Aus der Heimath Thoren will er fliehn
Und er wendet seine schnellen Schritte
Nach des Pion waldumkränztem Haupt ...
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 14:58  Neue Antwort erstellen
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Tendenz des Künstlers

Sage! was treibt doch den Künstler, sein Ideal aus dem Lande
Der Ideen zu ziehn, und es dem Stoff zu vertraun?
Schöner wird ihm sein Bilden gelingen im Reich der Gedanken,
Wäre es flüchtiger zwar, dennoch auch freier dafür,
Und sein Eigenthum mehr, und nicht dem Stoff unterthänig.

Frager! der du so fragst, du verstehst nicht des Geistes Beginnen,
Siehst nicht was er erstrebt, nicht was der Künstler ersehnt.
Alle! sie wollen unsterbliches thun, die sterblichen Menschen.
Leben im Himmel die Frommen, in guten Thaten die Guten,
Bleibend will sein der Künstler im Reiche der Schönheit,
Darum in dauernder Form stellt den Gedanken er dar.
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Ann
BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 15:00  Neue Antwort erstellen
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[Einer nur und Einer dienen]

Einer nur und Einer dienen
Das ermüdet meine Seele.
Rosen nur und immer Rosen -
Andere Blumen blühen noch bunter;
Wie die Bienen will ich schwärmen
Mich in Trauben Gluth berauschen,
In der Lilie Weiß mich kühlen,
Ruhen in der Nacht der Büsche.
. . . . . . . . . . . . . . . .
Wehe, wer mit engem Sinne
Einem, nur sich Einem weihet:
Schmachvoll rächt sich an dem Armen
Alles was er streng verschmähet!
Nicht zur Heimath wird die Weite,
Ungestaltet in die Ferne,
Aufgelöst in leeres Sehnen
Wird der Inhalt so des Lebens.
Schön ist was sich grenzt und g'nüget,
Treu um eines sich beweget
An dem Einen sich erneuet,
Wie des Pulses rege Schläge
Stets sich um das Herz bewegen,
Stets zum Herzen widerkehren
Stets am Herzen sich erneuen
Sich an seiner Gluth entzünden ...
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BeitragVerfasst am: 02.09.2007, 15:03  Neue Antwort erstellen
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Das Fest des Maien

Das Fest des Maien hat begonnen,
An dem die Pilger wallend gehn,
Um in der heil'gen Waldkapelle
Der Mutter Gottes Bild zu sehn.

Es führt der Weg durch Wies' und Wälder
Zum stillen Gotteshause hin,
Das frisch ein Weidenbach umrauschet,
An dem die stillen Veilchen blühn.

Und in des Volkes bunter Mitte,
Das sich zu der Kapelle drängt,
Geht mit ein Jüngling der die Schritte
Sich unbewußt zum Altar lenkt.

Er kniet nieder ohne beten
Und ohne Andacht steht er auf,
Da hebt von ungefähr sein Auge
Zur Inschrift des Altars sich auf.

Er liest: Maria süßes Leben
Verlasse meine Seele nicht
O wende du Erbarmungsvolle
Von mir nicht ab dein Angesicht.

Es theilt ja auch der Mond sein Leuchten
Halb wendet er zur Erde sich
Halb sieht er in des Himmels Tiefe
Und freuet mit den Sternen sich.

So Heil'ge in der Himmel Freuden
Vergiß auch meine Seele nicht
Und sende in der Erde Dunkel
Mir einen Strahl von deinem Licht.

Er liest, es lösen sich die Schmerzen
Die Thränen drängen sich hervor,
Da heben sich der Orgel Töne
Zum Himmel rauscht der heilge Chor.

Er stürzet sich aus der Kapelle
Und setzt sich an dem Bache hin
Und siehet wie die kleinen Wellen
Sich kräuslen kommen und verziehn.

O! ruft er, du bist mir verloren,
Geliebte zwischen dir und mir
Hat sich ein Zeitenstrom gegossen
Du wandelst jenseits ich bin hier.

Und all mein Sehnen all mein Schmachten
Bringt keinen Laut von mir zu dir
Die Sonne sinkt, doch steigt sie wieder
Du aber kehrest nicht zu mir.

Ich starre hin ins tiefe Dunkel
In dem die bleichen Schatten gehn
Mir ist ich seh Gestalten wallen
Doch deine hab ich nicht gesehn.

Ihm ist, er säh in dem Gekräusel
Der Wellen ein geliebtes Bild
Und aus des Baches tiefem Grunde
Winkt ihm ein liebes Aug so mild.

Er hebt die Arme es zu fassen
Die Fluthen treiben es dahin
Und spielen wechselnd mit dem Bilde
Bis seine Züge sich verziehn.
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