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  Gedichte  -  Alfons Petzold 1882-1923 österr. Schriftsteller
Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2007, 17:17  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Alfons Petzold 1882-1923 österr. Schriftsteller
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Der Arbeitslose

Staub auf den Schuhen und auf der getretenen Seele,
schleicht er den Weg der stummen Vergrollten dahin,
springt ihm kein fröhliches Wort aus der trockenen Kehle;
Suche nach Arbeit drückt seinen grübelnden Sinn.

Seine Tage sind dunkel, die Sonne verhüllen
graudampfende Nebel. Er hebt nicht die Blicke empor.
Die Klänge der Arbeit, die alle Straßen erfüllen,
brausen um ihn wie ein hohnvoll spottender Chor.

Wie doch die Stunden in quälendem Hoffen sich dehnen,
indes ihn vorwärtspeitscht die hungernde Not.
Er klopft an die Türen, dahinter die Hämmer dröhnen,
all seine Sinne schreien nach Arbeit und Brot.

Alles umsonst. Der Taglauf beugt sich dem Ende.
Wiederum nichts. Seine Lippen flüstern es matt.
Er schaut im Haß auf die schwielenbedeckten Hände
und schleicht hinaus auf das lehmige Feld vor der Stadt.


Zuletzt bearbeitet von Ann am 27.03.2008, 17:06, insgesamt einmal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2007, 17:19  Neue Antwort erstellen
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Alfons Petzold 1882-1923 österr. Schriftsteller
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Herbstsonne

Herbstsonne, die mir küßt die gelbe Hand,
bist du ein Gruß aus jenem Sehnsuchtsland,

in das die Armen und von Glück Verbannten
zu allen Zeiten ihre Herzen sandten?

Herbstsonne, bleich und kränklich wie so wie ich,
in deiner stillen Armut lieb' ich dich!

Könnt' ich wie du mit meinen siechen Händen
ein wenig Glück noch einem Menschen spenden!
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2007, 17:20  Neue Antwort erstellen
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Der Korbflechter

Erst klopfe ich die rauhe Rinde
herab vom Weidenstammgezweige,
daß sich das fertige Gebinde
den Blicken weiß und glänzend zeige.

Dann fügt sich unter meinen Händen
das gute Holz so wie das schlechte,
wenn ich es mit den harten Enden
verbinden muß zum Korbgeflechte.

Die feinen Ruten, flach gezogen,
ich muß sie auseinanderlenken,
auf daß sie im gespannten Bogen
sich um so inniger verschränken.

Und will mir eine Rute streben
aus des Geflechtes festen Gängen,
so muß ich sie - wie mich das Leben -
Mit sicherm Griffe niederzwängen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2007, 17:22  Neue Antwort erstellen
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Der Weiße Tod

Der Bremser mit verkrampftem Griff
hält festgepackt den Hebel;
ein banger, langgezog'ner Pfiff
durchirrt den dichten Nebel,
der ringsumher wie eine Wand
sich um den sausenden Wagen spannt.

Heut ist die Nacht der weißen Not:
Beim Absturz der Lawinen
steht händereibend Bahnwärter Tod
und späht hinab die Schienen.
Er zählt bedächtig die Opfer und lacht.
Die Flocken sinken durch die Nacht.

Nicht links, nicht rechts ein Lichtlein blüht,
schwarz starrt die dunkle Ferne,
und nur der Schienenstrang erglüht
im Schimmer der Laterne.
Der Führer zu dem Heizer spricht:
"Den Wochenlohn für ein Sternlein Licht."

Da blinkt's vor ihnen seltsam auf,
im Felsbruch reckt sich ein Beben.
Was hebt und was nacht sich im wilden Lauf?
"Bremser, jetzt gilt es das Leben!"
"Die Bremse an!" - Ein dreifacher Schrei. -
Gerettet der Zug. - Wo sind die drei?

Die dreie, die in dieser Nacht
standen auf der Maschine,
sie haben als Opfer sich dargebracht
der rollenden Lawine.
"Zieh an! Zieh!" Der Bremser zog an...
Der eisige Rachen fraß alle drei Mann.
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Ann
BeitragVerfasst am: 16.09.2007, 17:24  Neue Antwort erstellen
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Wunsch

Ein bisschen Sonne jeden Tag
auf meiner Seele Feld,
so viel, dass darauf reifen mag
mein Saatkorn für die Welt.

Dazu noch eine treue Hand
die mit mir zieht den Pflug
durch unsres Lebens Ackerland,
das sei mir Glücks genug.
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