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  Gedichte  -  Henrik Ibsen 1828-1906 norw. Schriftsteller
Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 11:59  Neue Antwort erstellen
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Henrik Ibsen 1828-1906 norw. Schriftsteller
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Feldblumen und Topfpflanzen

»Mein Gott, wie ist Ihr Geschmack zu verstehn,
Wo haben Sie nur Ihre Augen!
Sie ist keine Schönheit, und, kritisch besehn,
Sie scheint mir nur wenig zu taugen.« –

Ich träfe den Ton mehr, ja, das ist wahr,
Der üblichen Tagesdramen,
Dafern ich mir kieste ein Exemplar
Aus dem Kreis der normalen Damen.

Wie prangt das doch auf dem Fensterbrett
Als Winterflora so zierlich;
Im kachelofengewärmten Bett
Seines Topfs, wie grünt das manierlich!

Und nach ihrem Winterschlaf, – wie nach der Schnur
Die Zweiglein im Blütenschmuck strahlen!
Ja, wär' ich vernünftig, ich eh'lichte nur
Aus der Mitte der vielen Normalen.

Du predigst, Muhme Vernunft, in den Wind!
Du machst aus mir keinen Frommern!
Bedenk, sie ist ein Feldblumenkind
Von sechzehn schimmernden Sommern!


Zuletzt bearbeitet von Ann am 26.03.2008, 23:05, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:01  Neue Antwort erstellen
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Eine Vogelweise

Wir wandelten im Lenz einst
Im Park für uns so fort;
Lockend wie ein Geheimnis
War der verbotene Ort.

Die lauen Weste fächelten,
Der Himmel war so blau;
Hoch in der Linde saß und sang
Des Sperlings junge Frau.


Ich malte Dichterbilder,
Wie Regenbogen bunt;
Zwei braune Augen hingen
Leuchtend an meinem Mund.

Mit Wispern und mit Lachen
Flog's ob uns hin und her; –
Doch wir, wir sagten: Schatz, fahr' wohl!
Und sahn uns nimmermehr. –

Und wandr' ich jetzo einsam
Den Lindengang im Park,
So macht's das kleine Federvolk
Mir manchmal schier zu arg.

Frau Sperling hat behorcht uns,
Dieweil wir blind geschwätzt,
Und hat auf uns ein Lied gemacht
Und in Musik gesetzt.

Und alle singen's nach nun;
Es ist kein Zweig im Hag,
Da nicht ein Nasweis trällerte
Von jenem lichten Tag.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:02  Neue Antwort erstellen
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Der Eidervogel

Wo der blaugraue Fjord die Küste zersägt,
Der Eidervogel sein Nest aufschlägt.

Er pflückt von der Brust sich den weichen Daun,
Es traulich und warm in den Fels zu baun.

Des Fjordfischers Herz hat für Mitleid nicht Raum;
Er plündert das Nest bis zum letzten Flaum.

Der Vogel, voll trotziger Lebenslust,
Zerrupft sich von neuem die eigene Brust.

Und aber geplündert, er bettet sich doch
Von neuem sein Nest in ein wohlversteckt Loch.

Doch wenn ihn das Schicksal zum dritten mal schlug,
So hebt er die blutende Brust zum Flug –

Und flieht aus dem kalten, ungastlichen Land
Gen Süden, gen Süden, nach sonnigerm Strand!
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:05  Neue Antwort erstellen
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Auf Akershus

Auf die Erde läßt die milde
Sommernacht den Schleier sinken;
Still herab vom Lichtgefilde
Große, bleiche Sterne blinken.

Aus des Fjordes Busen dringt es
Nun gedämpft in dumpfem Laute.
Horch, wie Kinderweisen klingt es,
Nie vergeßne, lieb vertraute!


Akershus, die alte Veste,
Seh' ich durch den Nebel blicken,
Und mich dünkt, ich seh' beim Weste
Hin zur »Hovedö« sie nicken.

Akershus, dein grau Gemäuer
Träumt von Tagen, die entflogen;
Stark lenkst du dein sichres Steuer
Still durch der Erinnrung Wogen.

Ja, – sie nahn, die längst entschwunden,
Blutgestalten dunkler Zeiten,
Die verbunden, florumwunden,
Lautlos durch die Hallen schreiten.

Und o seht – mich faßt ein Grauen –
Durch die Fenster dort, die hohen,
Wie im Schein, dem dämmerblauen,
Geisterhafte Flammen lohen.

Wer ist jener ernste Ritter
Mit dem Glutaug', düster blitzend,
Wie in Brüten, grollend bitter,
Vorgebeugt im Stuhle sitzend?

König Christian ist's, der Zweite!
Fahl sein Angesicht, das schlaffe!
Seht, er greift ans Schwert zur Seite,
Rostig ist von Blut die Waffe.

Wie ein Denkmal stummer Trauer,
Fürstlich stolz steht dort ein Wesen:
Sie lehnt an des Erkers Mauer,
Die Knut Alfsons Weib gewesen.

Dänenschiffe ziehn von ferne
Nach des Fjordes stillen Wogen;
Alfson kommt zu Gyldenstjerne
Wehrlos, als ein Gast, gezogen.

Tot wird er zurückgetragen,
Ohne Sang und ohne Kerze.
Da Knut Alfson ward erschlagen, –
Tötlich traf's Norwegens Herze.

Kennt ihr jenen Mann in Ketten,
Dessen Werk ward jäh vernichtet?
Herlof Hyttefad, der retten
Uns gewollt, wird hingerichtet!

Seht, im »Schlangenhof« dort drinnen
Bei dem Holzstoß stehn die Schergen;
Blut umsäumt das Leichenlinnen, –
Christian muß sein Antlitz bergen.

Freiheitsmänner, die dem Volke
Rosen streuten im Verbluten!
Süßer als des Weihrauchs Wolke
Ist der Dampf der Opfergluten!

*ärtyrblut fürs Land der Väter, –
Ließest edle Saat gedeihen,
Der dreihundert Jahre später
Ejdsvolds Werk entsproß im Maien!

Seht –! Doch nein, der Spuk verrauschte.
»Abgelöst!« scholl durch die Stille; –
Mit dem Alltagskleid vertauschte
Akershus die Geisterhülle.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:06  Neue Antwort erstellen
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Mit einer Wasserlilie

Sieh die Blume, die ich bringe,
Teure, mit der weißen Schwinge.
Auf des Waldsees Flut geboren,
Schwamm sie lenz- und traumverloren.

Soll ihr Herz nicht heim verlangen,
Laß an deiner Brust sie prangen;
Unter ihren Blättern wollen
Tiefe, stille Wogen rollen.

Hüte dich, an Seen zu säumen!
Hüte dich, dort lang' zu träumen!
Lauernd wacht der Neck im Dunkeln; –
Lilien im Lichte funkeln.

So am Busen dir zu säumen! –
Doch wer dürfte lang' dort träumen! –
Lilien im Lichte funkeln; –
Lauernd wacht der Neck im Dunkeln.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:07  Neue Antwort erstellen
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Vogel und Vogelfänger

Knabenhaft aus Tannensprossen
Baut' ich eine Vogelfalle.
Eins, zwei, drei, – im engen Stalle
Saß der Vogel eingeschlossen.

Und mit grausamem Vergnügen
Trug ich ihn ins Kinderzimmer,
Schreckt' ihn mit erzürnten Zügen,
Kam ihm grimm und immer grimmer.

Bis mir meine spielerische
Folter keinen Spaß mehr machte.
Drauf entfernt' ich mich vom Tische,
öffnete das Türchen sachte.

Ei, wie braucht er seine Schwingen!
Nun fahrt wohl, ihr Angstgespenster!
Freiheit lockt zu neuem Singen;
Doch da prallt er – widers Fenster! –

Armes Tier, du bist gerochen!
Selbst nun sitzt der Bursch gefangen;
Seine Schwinge, fast gebrochen,
Schlägt umsonst des Gitters Stangen.

Auch vor ihm die Fratze lauert
Eines feindlichen Geschickes;
Und er zittert und erschauert
Vor den Tücken dieses Blickes.

Und vermeint er, endlich schiebe
Sich zurück des Fensters Bügel,
Büßt er, mit geknicktem Flügel,
Bums, des Lichts verbotne Liebe.
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BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:08  Neue Antwort erstellen
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Der Bergmann

Fels, birst weiter, Tag um Tag!
Dröhnend fällt mein Hammerschlag.
In die Tiefe muß ich dringen,
Bis mir ihre Erze klingen.

In der Berge stummem Schoß
Liegen reiche Schätze bloß,
Krondemanten, Edelsteine,
Goldgeäst von rotem Scheine.

Friede herrscht dort weit und breit,
Fried' und Ruh' seit Ewigkeit; –
Brich den Weg mir, schwerer Hammer,
Zu des Berges Herzenskammer!

Saß als Knab' einst, lustgeschwellt,
Unter Gottes Sternenzelt,
Zog einher auf Frühlingswegen,
In der Brust der Unschuld Segen.

Doch im mitternächtigen Schacht
Ward ich fremd des Tages Pracht,
In der Grube Tempelgängen
Fremd der Erde heitren Klängen.

Damals, als ich niederstieg,
Glaubt' ich noch, ein Kind, an Sieg,
Glaubte, daß der Rätsel Fülle
Abgrundgeisterwort enthülle.

Noch hat keiner mich belehrt
Über das, was mich verzehrt,
Noch kein Blitz die Nacht durchschossen,
Der die Tiefen hätt' erschlossen.

War's ein Irrtum? Führte nicht
Dieser Weg zum rechten Licht?
Ach, mein Blick wird ja geblendet,
Forscht er, himmelan gewendet.


Nein, hinab, wo weit und breit
Friede herrscht seit Ewigkeit,
Brich den Weg mir, schwerer Hammer,
Zu des Berges Herzenskammer! –

Hammerschlag auf Hammerschlag
Bis zum letzten Lebenstag.
Keines Hoffnungsmorgens Schimmer;
Tiefe, tiefe Nacht auf immer!
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:08  Neue Antwort erstellen
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Mein junger Wein

Du fühltest dich, als jungen Wein,
In mir, als Tonne, pochen.
Du duftetest süß, du perltest fein,
Du gärtest heiß, und du warst mein; –
Da ward der Prozeß unterbrochen.

Es stahl mir meinen Wein ein Wicht;
Der Rest gärt wie höllische Flammen.
Doch knall' ich dir nicht ins Gesicht;
Ich explodiere, Liebchen, nicht; –
Ich falle bloß zusammen.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:09  Neue Antwort erstellen
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Lichtscheu

Als ich ein kleiner Wicht noch,
War Mut in mir genug, –
Das heißt, solange Licht noch
Den Mantel um mich schlug.

Doch kam die Nacht und deckte
Gebirg und Feld und Baum, –
Was da mich alles schreckte
Von bösem Spuk und Traum!

Ich schloß mein Aug' – und träumte
Schon auch zur selben Zeit, –
Und all mein Mut, er räumte
Das Feld, Gott weiß wie weit.

Jetzt finden einen andern
In mir so Nacht wie Welt;
Jetzt geht mein Mut aufs Wandern,
Sobald es sich erhellt.

Jetzt sind's des Tages Trolle,
Des Lebens Lärm ist's jetzt,
Was mir die Brust, die volle,
Mit kaltem Schauder netzt.

Ich steck' mich unter die Decke,
Die spukdurchwirkte, der Nacht,
Da kommt's, daß, wie ein Recke,
Mein alter Mut erwacht.

Da trotz' ich Meer und Blitzen,
Komm' wie ein Falk gejagt,
Laß Angst und Jammer sitzen, –
Bis es von neuem tagt.

Doch fehlt mir der Schutz ihres Schoßes,
Weiß ich mir keinen Rat.
Ja, tu' ich einmal etwas Großes,
So wird's eine dunkle Tat.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:09  Neue Antwort erstellen
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Lied des Dichters

(Aus der »Komödie der Liebe«)

Freunde, die ihr diesen Garten
Jubelnd und entzückt durchstreift,
Wollet nicht vom Herbst erwarten,
Daß er jede Knospe reift!
Weiße Blüten, lichte Blätter
Breiten über euch ihr Zelt, –
Mag sie morgen Schlossenwetter
Fegen bis ans End' der Welt!

*üßt ihr schon nach Früchten fragen
Im noch kaum erblühten Hag?
Sorgend, seufzend überschlagen,
Was sein Herbst euch bringen mag?
*üssen Vogelklappern schrecken
Tag und Nacht die muntre Brut?
Finkenschlag in Baum und Hecken,
Brüder, gibt doch bessern Mut!

*üßt das Völklein nicht verfemen
Aus der süßen, grünen Pracht!
Mag es seinen Lohn sich nehmen,
Ob es euch auch ärmer macht.
Nehmt den Tausch an! Seid nicht bänglich;
Denn für Frucht wird euch Gesang!
Denkt dran: »Alles ist vergänglich«;
Lenz und Liebe währt nicht lang!

Leben will ich, will genießen,
Bis der letzte Strauch verdorrt;
Wenig soll's mein Herz verdrießen,
Fegt ihr all den Staat dann fort.
Tor auf! Schaffe sich die Herde
Dann noch einen satten Tag!
Brach nur ich die Blüten, werde
Mit dem toten Rest, was mag!
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:10  Neue Antwort erstellen
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Die Schlucht

Schwer zog es auf; die Wolke brach, –
Und durch die Schlucht ein Fluß hinsprach.

Jemehr des Wetters niederfloß,
Jemehr er sang und braust' und schoß.

Es zog vorüber; Wind stand auf;
Zum Bache schmolz des Flusses Lauf.

Leis flüsterte Regenbogenstaub,
Hell raschelten Perlen übers Laub.

Ein Hundstag heiß, – und trocken stund,
Wie einst, der Waldschlucht steiniger Grund.

Der Klang nur blieb: Leis flüsterte Staub,
Hell knickte Reisig, raschelte Laub.

Wie Nachklang, wie's hier einst gelärmt.
Hab' selbst dort eines Nachts geschwärmt.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:11  Neue Antwort erstellen
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Hochlandsleben

Hochsommernacht umflort das Tal;
Schon schläft es, bleich und blind;
Doch um den Kamm, da brandet fahl
Ein See im Abendwind:
Da braut der Nebel graue Flut,
Verschleiert steht der Firn,
Der eben noch im Licht geruht,
Der letzten Sonne goldne Glut
Um seine hehre Stirn.

Doch über dieser Wogen Brand,
In Gold- und Bernsteinglanz,
Erhebt sich hell ein friedlich Land,
Wie stiller Inseln Kranz.
Ein Schiffsbug, sich die Brust des Weihs
Dem All entgegenstreckt,
Indes sich hinter Dem in Eis,
Gleich Trollgefolg', der Gipfel Kreis
Drohend gen Westen reckt.

O, sieh den Säter dort noch, eh'
Die Nacht ihn blässer malt!
Wie blau der Fels, wie hell der Schnee
Das stille Heim umstrahlt!
's ist eine Welt für sich allein,
Und wer in ihr sich sonnt,
Vom Tal getrennt durch Bach und Stein,
Gewinnt sich wärmern Sonnenschein
Und weitern Horizont.

Sieh dort die Sätermaid umbraut
Von Nacht und Abendbrand!
Den Geist der Tiefe, den sie schaut,
Hat Sprache nie benannt.
Sie weiß es nicht, wie weit er will,
So wenig, wie er heißt.
Doch unter Lur und Glockenspiel
Geht's in die Abendglut als Ziel; –
Ob dort ein Port sich weist? –

Er währt so kurz, dein Hochlandstraum
Im Säter unterm Firn;
Bald deckt ein weißer, starrer Saum
Der Hütte niedre Stirn.
Dann sitzest du tagaus, tagein
Am warmen Winterherd; –
Doch spinn' nur munter Woll' und Lein:
Ein Hochgebirg im Abendschein
Ist seinen Winter wert.
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:11  Neue Antwort erstellen
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Ein Schwan

Mein weißer Schwan,
Du stummer, du stiller,
Kein Schlag, kein Triller
Verriet deine Bahn.

Scheu überrauschend
Die Elfe, die träumende,
Glittst du stets lauschend
Die Flut, die leis' schäumende.

Doch dann beim Scheiden,
Als Blicken und Schwören
Nur noch Lügen und Leiden, –
Da, da war's zu hören!

In Tönen aufklingend
Schlossest deine Bahn du; –
Im Tode singend.
Du warst doch ein Schwan, du!
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:12  Neue Antwort erstellen
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Anmeldungsdatum: 13.09.2004
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Gepriesen sei das Weib!

(Zu einem Sängerfest)

Sommer im Sinn, so fuhren wir hin durch Fjord und Sund;
Lebensmut hob unsre Herzen von Grund.
Im blütenweißen Hag,
Im hellen Finkenschlag
Dieselbe verlangende Leidenschaft, –
Sehnsucht zum Licht voll Jubel und Kraft!

Ja, des Sängers Gemüt ist der Birke im Frühling gleich;
Gärenden Saftes in jeglicher Ader reich;
Bis endlich dann den Ast
Sein Laubkranz hält umfaßt;
Sieh, da schlug aus im Lied seiner Fülle Not; –
Sehnsucht zum Licht ist des Lebens Gebot.

Doch dort in dem leuchtenden Land ist des Weibes Heim;
Wem wohl denn ihr verdankt er des Liedes Keim!
Zu ihr drum klinge voll Glück
Das reife Lied zurück!
Preis dem Weib, wo da wallt des Gesanges Flut;
Preis unsrer Sonne voll Glanz und Glut!
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Ann
BeitragVerfasst am: 27.10.2007, 12:13  Neue Antwort erstellen
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Das Schulhaus

(Zur Einweihung)

Die Heide gilbt, und das Laub im Hain,
In Totentänzen entkreist es;
Wir aber weihn einen Garten hier ein
Des unvergänglichen Geistes.
Was wir, in starker Mauern Schutz,
Dem steilen Fels vertrauten, –
Gott laß zu Frommen stehn und Nutz
Das Werk, das wir erbauten!

Wir sind ein Bergvolk, das da glaubt,
Daß Grün auf Höhn gedeihn mag;
Wir kennen mancher Kiefer Haupt,
Das Gipfelsturm umfrein mag;
Wir wissen Ähren drin im Grund
Der Berge Krongold sprossen; –
So halt' auch dieser Quadern Rund
Ein Feld voll Blühn umschlossen!

Und schenke Wetter rechter Art
Der Herr dem Hag dadrinnen,
Daß jeglich Knösplein fein und zart
Mag seinen Tag gewinnen;
Er schenke Licht, das wachsen heißt,
Und Luft vom Feld, dem freien;
Denn freier Luft bedarf der Geist,
Wie Vogelsang des Maien.

Der Seele Zucht denn sei geweiht,
Du heil'ger Geistesgarten,
Ein Bürge uns der Ewigkeit,
Trotz allen Grabstandarten!
Nie scheide von des Lebens Licht
Der Lehre Lichtgedanken,
Und schließe deine Mauern dicht
Als Wehr, doch nie als Schranken!
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