Das Orthogravieh

> PLAUDERGARTEN

 

 


Neue Antwort erstellen
Neues Thema eröffnen
Autor Nachricht
  Gedichte  -  Johann Peter Hebel 1760-1826 deutscher Dichter
rita
BeitragVerfasst am: 08.12.2007, 17:05  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Peter Hebel 1760-1826 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Johann Peter Hebel,
geb.19 5. 1760 zu Basel
stud. Theologie in Erlagen ,
1783 Lehrer in Lörrach ,
1791 Subdiakon am Gymnasium zu Karlsruhe ,
1798 Proffessor,
1805 , Kirchenrat ,
1808 Direktor des Gymnasium ,
1809 Prälat ,
starb am 22.09.1826

Neujahrslied

Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten ,
Schwere Stürme , wilde Weste
bange Sorgen , frohe Feste
wandeln sich zur Seiten .

Und wo eine Träne fällt ,
Blüht auch eine Rose .
Schön gemischt , noch eh wir's bitten ,
ist für Thronen und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose .

War's nicht so im alten Jahr ?
Wird's im neuen enden ?
Sonnen wallen auf und nieder ,
Wolken gehn und kommen wieder ,
und kein Wunsch wird 's wenden .

Gebe denn , der über uns
wägt mit rechter Waage ,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage .

Jedem auf des Lebens Pfad
einen Freund zur Seite ,
ein zufriedenes Gemüte ,
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite .
Nach oben
Sponsor
rita
BeitragVerfasst am: 26.01.2008, 13:33  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Peter Hebel 1760-1826 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Das Gewitter

O Kinder , holt die Wasch vom Seil !
auf Kunigund , nimm auch ein Teil ,
und Fritzchen treib die Schafe ein !
Es steht ein Wetter auf dem Rhein ;
mein Krähenaug , was sagt ich heut ?
hat wieder richtig prophezeit .

Die Schwalbe schwankt so tief in und still ,
weiß nicht , wohin sie fliehen will .
Es kommt so schwarz und kommt so schwer ,
und an dem Himmel hängt ein Meer
voll Wetterdunst . Horch, wie es schallt ,
und wies am Blauen widerhallt !

In großen wirbeln fliegt der Sraub
zum Himmel auf mit Halm und Laub ;
seht nur jenes Wölkchen an !
Wohl *öcht ichwissen , wers so kann .
Seht , wie es auseinanderreißt ,
wie unsereins die Wolle schleißt .

So helf uns und behüte uns Gott ,
wie zuckts daher wie feurig rot !
Undkracht und stoßt , es schauert mir !
Die Fensterzittern und die tür .
Und sieh das Kind im Bettchen an :
da schläfts und nimmt sich s nichts drum an .

Die Nachbarn läuten drauf und drauf
in Schliengen ; dennoch hörts nicht auf .
Das fehlte noch wenns donnern soll ,
so läuten sie die Ohren voll .
O helf uns Gott , das war ein S c h l a g !
Dort , sieh den Baum am Gartenhag !


Noch schläft der Kleine sanft und gut
und hat beim Donnern leichten Mut ;
>er denkt da trifft mich nichts davon ,
und wo ich lieg , das sieht er schon < .
Jetzt streckt er sich , jetzt dreht er sich ,
aus linke Ohr , Gott schirme dich !


Osieh die weißen Streifen dort ,
und in der Luft , horch , wies rumort !
Es kommt ! Gott woll uns gnädig sein !
Hängt hurtig alle Läden ein !
Wie stand das Weizenfeld in Pracht ;
Nun schöne ERNTE , ' GUTE NACHT ' !

Es rasselt auf dem Kirchendach ,
und vor dem Haus , wie rauscht der Bach !
Kein End ! O, daß sich Gott erbarm !
Nun sind wir alle wieder arm !
Doch dachten wir nicht auch schon so ? ....
Und wurden wir nicht wieder froh ? ..... (frei )
Nach oben
Ann
BeitragVerfasst am: 27.01.2008, 18:51  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Peter Hebel 1760-1826 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Administrator
Administrator


Anmeldungsdatum: 13.09.2004
Beiträge: 45056
Wohnort: Gronau

Vielen Dank Rita,
das Gedicht war mir gar nicht bekannt. Es ist sehr schön.

LiebeGrüße
Ann
Nach oben
rita
BeitragVerfasst am: 03.10.2009, 17:59  Neue Antwort erstellen
Gedichte
Johann Peter Hebel 1760-1826 deutscher Dichter
Antworten mit Zitat
Gartenmeister(in)
Gartenmeister(in)


Anmeldungsdatum: 14.10.2007
Beiträge: 3155

Sonntagsfrühe
Gedicht wurde von Reinick ins
Hochdeutsche übertragen .
Als Beispiel schreibe ich ein kurzes Stück vom Orginal:

Der Samstig het zum Sunntig gseit :
,, Jetzt hani alli schlofe gleit ;
sie sin vom Schaffe her und hi
gar sölli *üed und schlöfrig gsi ,
und 's goht mer schier gar selber so ,
i cha fast uf kei Bei meh stoh ."......
..................................................

Der Samstag ruft dem Sonntag zu :
,, Da bracht ich alle denn zur Ruh .
So Arbeit durch die ganze Woch ',
die macht am Ende schläfrig doch ;
mir selber wil'ls nicht besser gehn ,
kaum kann ich auf den Beinen stehn ."

Er spricht's , und wie es zwölfe schlägt ,
da hat er sich zur Ruh gelegt .
Der Sonntag sagt :,, Jetzt ist an mir
die Reih !"
schliesst heimlich auf die Tür '
und duselt durch den Himmel hin ,
ihm ist noch ganz konfus im Sinn.
Darauf reibt er sich die Augen aus ,
da kommt er vor der Sonne Haus ;
sie schläft im stillen Kämmerlein ;
er klopft am Laden , guckt hinein
und ruft ihr zu : ,, Die Zeit ist da !''
Sie sagt :
,, schon gut , ich weiss es ja !" -

Und sachtchen auf den Zehen geht
und heiter auf den Bergen steht
der Sonntag , alles schläft zur Stund ,
ihn sieht kein Mensch in weiter Rund .
Er kommt ins Dorf , ganz sachtchen spricht
er da zum Hahn : ,, Verrat mich nicht !"

Und wenn man endlich dann erwacht
und lag im Schlaf die ganze Nacht ,
so steht er da im Sonnenschein
und schaut durchs Fenster hell herein
mit seinen Augen mild und gut ,
und mit dem Blumenstrauss am Hut .

Er meint es gut , das ist schon wahr !
Und wenn man schläft , es freut ihn gar ,
und glaubt , noch wär es für uns Nacht ,
wenn schon die Sonn am Himmel lacht ;
drum kam er auch so leis ' heran ,
drum lacht er uns so freundlich an .
Wie glitzert doch auf Gras und Laub
vom Morgentau der Silberstaub ,
wie weht so frische Maienluft
voll Kirschenblüt und Schlehenduft :
und Bienchen sammeln immer zu ,
die wissen nichts von Sonntagsruh .

Wie prangt nicht in dem Garten heut
der Kirschbaum im Maienkleid ,
der Goldlack und die Tulipan ,
und Sternenblumen neben dran ,
und Hyazinthen , bunt und schön ,
man glaubt , ins Paradies zu sehn !
Wie still ringsum die gegend liegt !
man ist so ruhig und vergnügt ,
man hört im Dorf kein ,,Hüst !" und ,, Hott !" (HÜh und Hott )
Nur ,, Guten Tag '' und ,, Dank dir Gott !"
,, Heut' ist gottlob ein schöner Tag !"
's ist alles , was man hören mag .

Und's Vöglein sagt :,, Ei sieh da !
Der Tausend ! Schau da ist er ja !
Sein Himmelsglanz , der flimmert gleich
durch Busch und Blüt' in Nest und Zweig !"
Und auch der Fink spaziert heran ,
hat schon das Sonntagsröckchen an .

Da läuten sie ! Nun machet schnell !
Der Pfarrer ist heut früh zur Stell .
Rasch ! Pflück mir noch Aurikeln , lauf !
Verwisch mir nicht den Staub darauf .
Und , Gundel * , zieh recht flink dich an ,
und steck dir auch noch Blumen an !

* Kunigunde
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde

Seite 1 von 1
gedichte-garten.de Foren-Übersicht  -  Gedichte

Neue Antwort erstellen

 

Thema Autor Forum Antworten Verfasst am
AN EINEN DICHTER von Renate Tank Ann Eigene Gedichte von Gästen 1 10.02.2016, 16:34 Letzten Beitrag anzeigen
der schwarze Peter Juska Eigene Gedichte von Gästen 2 02.06.2015, 22:36 Letzten Beitrag anzeigen
Richard von Wilpert 1862-1918 deutsch... Ann Gedichte 1 19.03.2014, 09:57 Letzten Beitrag anzeigen
Peter Rosegger Ann Zitate & Sprüche 4 29.10.2013, 19:54 Letzten Beitrag anzeigen
Fritz Reuter deutscher Dichter 1810-1874 Ann Gedichte 1 04.07.2013, 14:51 Letzten Beitrag anzeigen

Annegret Kronenberg © 2004-2006 | Alle Rechte vorbehalten | Inhalt | Lyrik | Liebesgedichte | Gedichte & Poesie | Adventskalender basteln | Internet Forensicherheit